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Neue jüdische Presse · 1918-04-12 · Heft 15 (12.4.1918) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 15 (12.4.1918)
Date
1918-04-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gfettt 4. Scala - Xilchtsplele SaUfargaue SM». SehäfergasBe M. Modernes Theater Terfttraag at«ts neuer ud hervorragender IflsM Rosenfelds bekanntes Gedicht „Stunn" sowie ein Melodrama aus dem deutsch-französischen Krieg trug der geschätzte Redner mit bewundernswerter Innigkeit und darstellerischer Plastik vor und erntete reichen Beifall. EL folgten alsdann Gesänge und musikalische Borträge von verschiedenen Vereinsnntgliedern, und man trennte sich mit dem Bewußtsein, einige genußreiche Stunden verbracht zu haben. * Warscha«. Die Bestrebungen de» Abgesandten de» holländischen Hilfskomitees, Dr. von Raalte, zur Gründung einer allgemeinen, von allen jüdischen Bevölkerungsschichten vertretenen Hilfsorganisation, sind einstweilen ohne Erfolg geblieben. Die befremdende Haltung einzelner jüdischer Richtungen hat diesen großzügigen Plan, der in Litauen bereits Tatsache geworden ist, nicht zur Verwirllichung kommen lassen. Warschau. Ratmaun Eduard Nathansah», der von der jüdischen Bevölkerung gewählt wurde, hat vorige Woche seine fünf Kinder taufen lassen. Die jüdischen Ratmänner haben an ihn das Ersuchen gerichtet, sein Amt niederzulegen. Zürich Ei» Akt unerhörter Roheit ist in der Nacht zum Dienstag in einem Betsaal im Kreis 4 (Zurlindc»- straße 134) verübt worden. Jugendliche Burschen, von denen bereits zwei verhaftet worden.sind, haben unser größtes Helligtum, die Thorarollen, aus der heiligen Lade geschleppt, zerrissen und besudelt, die einzelnen Blätter an Raum umhergeworfen und zum Teil sogar in den Schmutz der Straße güvorfen. Luzern. In o»rhiesigen Mi»racht-Druppe sprach Prof. Dr. Brettholz-Wien vor etwa 100 Personen über das Thema: ,MaS lernen wir aus der jüdischen Geschichte?" Pari». Die Jewish Loloaisatio» Asiociation f„Jca") will, wie verlautet, ihre kolonisatorische Arbeit in Argentinien einstellen und auf Palästina konzentrieren. Wauchester. Hier wurde mit mehr als 100 Mitgliedern eine Misrachi-Gruppe gegründet. Kraukfurter Berichte. Montesiore-Bereiu. In der jüngst stattgefundeyen Generalversammlung ging aus dem Geschäftsbericht hervor, daß die Vereinstätigkeit auch im letzten Jahre in unveränderter Weise wie früher durchgefuhrt wurde. Gleichzeitig wurde das Programm für das kommende Sommersemester bekannt gegeben. Wiederum hat sich der Vorstand bemüht, den geistigen Interessen der Mitglieder nach verschiedenen Richtungen hin Rechnung zu tragen, und es ist ihm ge« ümgen, eine Mizahl geistig hervorragender Persönlichkeiten dafür zu gewinnen. Borträge wissenschafllicher und unterhaltender Natur, Kurse in jüdischer Geschichte und Religionsphilosophie, Lehrgänge in hebräischer, spanischer, cnglischer und französischer Sprache sowie Stenographie imd Handelslehre werden teils neu, teils von neuem unter bewährter Leitung eingeführt. Die Samstag-Nachmittagnnd als Neuerung auch Samstag-Wend-Zusammenkünfte werden ebenfalls in üblicher Weise aufrecht erhalten. Anmeldungen zu den verschiedenen Kursen rcsp. Lehrgängen sind an das Vereinsbüro zu richten oder au den Bürostunden Donnerstags abends von 9—10 Uhr persönlich vorzubringen. Person«»«. Am zweiten Pessachtage verschied im 82. Lebens-' fahre Heinrich S t raub, ein wackerer Mann und treuer Jude. Ms prächtiger Sohn des unvergeßlichen, frommen Meier Strauß s. M. aus Hellbronn in dessen Traditionen herangewachsen und erzogen, hat der Dahin-- geschiebene sein ganzes Leben und Streben der Erfüllung des Thorah-Gesetzes geweiht und in vorbildlicher"Art das Studium der heiligen Lehre gnft der allgemeinen Bildung . vereint. Ms in Hellbronn die Orgel in der Synagoge eingeführt wurde, Kündete der Verblichene mit seinem Vater eine eigene Betstube, die er unter großen Opfern bis zu seinem Wegzuge aus Heilbronn leitete und unterhielt. Bor etwa 22 Jahren zog er in unsere Stadt, die seine fromme, charaktervolle Art sehr bald schätzen lernte. Ueber 20 Jahre war er in der Unterlindau-Synagoge ein zuverlässiger Vorsteher, geachtet und geliebt von allen Besuchern. Tag für- Tag besuchte er das Gotteshaus, — da war keine Gsebetstunde an den Selichothtagen zu früh, da war kein Wetter an den Chanukah-Tagen zu kalt, da war kein Sommernachmittag zu heiß und zu schwül, wenn cs galt, in der Synagoge auf dem Posten zu sein. Treue und Gewissenhaftigkeit, Frömmigkeit und Wohllätigkeit leiteten den Dahingeschiedenen bis zu seinem Lebensende. Sein Andenken wird ein unauslöschliches, gesegnetes bleiben, sein Namen wird in der Unterlindau^Zynagoge für alle Zellen als das Muster eines Synagogenvorstehers genannt werden. , Durch die Festtage inußte die Trauerfeier vorerst unterbleiben; der Vorstand der Synagoge sprach in kurzen Worten den Dank der Gemeinde aus und ließ die irdischen Reste des Dahingeschiedenen vor ihrer Ueberführung nach Hellbrvnu an der feiertäglich erleuchteten Unterlindau- Synagoge vorüberfahren; ein sattes Leben wurde zur letzten Ruhe geleittt. — im Garten der Synagoge blühten die Bäume, die Vögel ließen ihr Frühlingslied erschallen. ... Im 77, Lebensjahre verstarb Ludw. Herm. Reiß, langjähriger Vorsitzender der neuen Zoologischen Gesellschuft, Ehrenmitglied ber Senckenbergischen Raturforschen- Gftaelitische« den Gesellschaft »nid der Anthropologischen Gesellschaft, Besitzer einer bedeutenden kunstgewerblichen Sammlung, früher langjähriges Vorstandsmitglied des Nationalliberalen Vereins, ehemals stellvertretender Konsul der Freien Stadt Frankfurt in Batavia. M«i»r'ste >h««i»»e> Die Herren Samuel, Michael und Jsaac Mainz haben sich veranlaßt gesehen, ihre Synagoge, Börnestr. 52, für den allgemeinen Verkehr zu schließen. Ihr Vater s. BE hatte im Jahre 188t die Fortführung der geweihten Stätte in der alten Judengasse als sogenannte „Rawhausschule" übernommen und unter Aufwendung beträchtlicher Mittel örtlicher Verhältnisse halber im Jahre 1865 nach der jetzigen Stätte verlegt. Verein „Tifereth Bachari»." Ein bedeutender Jüdischer Schriftsteller sagte kürzlich, daß die Jugend die Glückschance jeder Generation ist, und fast möchte eS uns dünken, als ob uns diesmal diese Glückschance nicht verloren gehen sollte; denn die jüdische Jugend fühlt, daß jetzt die Stunde gekommen ist, sich aufzuraffen, sich stark zu machen und sich für den äußeren und inneren Kampf für das Judentum die Waffen zu schmieden. So ist es ganz besonders fteudig zu begrüßen, wenn ein aller Jugendverein — „Tifereth Bachurim" —, der in den lanoen Jahren seines Bestehens außerordentlich segensreich gewirkt hat, nach einer gewissen, durch den Ktteg hervorgerufenen Erstarrung und Erschlaffung von jüngeren Kräften wieder neubelebt und nemzebaut werden soll. Der Verein „Tifereth Bachurim" will die gesetzestreue jüdische Jugend, Akademiker, Handwerker und Kaufleute vereinigen, sie mit der Religion, Geschichte und Literatur des Judentums durch Kurse und Vorträge vertraut machen und sie zu echten Persönlichkeiten im Sinne der Thauro heranbilden. Besonderen Wert legt der Verein auf die Selbstbildung der jüdischen jungen Leute, ein Ziel, das durch Mitgliedervorträge und sich daran anschließende Diskussionen besonders erreicht werden soll. Der Verein hat in Dr. Rabin einen Dozenten gewonnen, der die Vortragsabende leiten wird. Sonntag, den 14. Aipril, 8>/r Uhr abends findet Bleichstraße 70 eine Generalversammlung mit der Tagesordnmig u. a. Ansprache von Herrn Dr. Rabin, Borstandswahl, Statutenänderung statt. Mle jüdischen jungen Leute iverden eingeladen, bei dieser Versammlung zu erscheinen, in den Verein einzutreten und in ihm zu wirken, „lehagdil thauro ulhaadiro". F. lenUMon. ü Die Prinzeffi«. Eine Geschichte au» der Mitte des 10. Jahrhundert» von Leopold Komp er t. (Fortsetzung.) „Und gib gut acht ans sie," ermahnte sie den Mann, während dieser die Zügel zur Hand nahm, „daß mir Hannele keinen Vorwurf zu machen hat. Ich möcht' ihr die Tochter gern ganz gesund zurückschicken. Hörst du?" Der Bauer rückte statt aller Antwort seine ungeschlachte Gestalt auf dem Wagen zurecht, Josef hielt indessen die etwas unruhigen Rosse; er verfolgte das Tun der Mutter, die immer neue Stärkungen für die Kranke herbeibrachte, mit stummen Blicken. „Auf eins, Vater, vergiß nicht!" rief er endlich. „Das ist?" meinte dieser kurz. „Daß du mit ihr französisch red'st, sonst versteht sie dich nicht." „Ich werd' mit ihr schon deutsch reden," lachte der Bauer hell auf und fuhr durch das offene Hoftor hinaus. Es war später Abend geworden; Sterne begannen bereits am Himmel hie nick da zu glänzen. Es war noch nicht lange nach Pfingsten, die Frühlingszeit blühte im ganzen Lande. Das Getreide stand schon überall hoch in Achren und versprach eine gesegnete Ernte. Die Bäuerin begann schwere Sorgen zu empfinden, da sich die Ankunft ihres Mannes mit dem neuen Gaste verzögerte. Sic ging öfters voll Ungeduld vor das Haus hinaus und lugte die Dorfgasse hinab, ob sie nicht kämen. Mit wunderbarer Gewalt hatten sich in ihrer Seele die Farben der ehemaligen Freundschaft aufgefrischt; sie war wieder jung geworden. Halb war cs das Mitleid mit der unglücklichen Lage der reichen Wllwe, die sie mit ihrem Frauenherzen besser begriff als die harten Männer, mehr aber noch das Bild einer längst entschwundenen Zeit, die chr nun heute in der Gestalt des jungen Mädchens entgegentreten sollte. Es 5r Kaffee Bnhlasi IiiimtMHi H Iiiiuitnue K TSgllch erstklauige HF* ühterhaltunaulk —— frrcinap -Mnlageo. ■■»■ __ 'Jtv. 15. M. V. Rodehau, Herronsohneider I Frankiert a. Mala, FrUdonutraiia No. 1 I Ttlapkta: KSsasr 36*0. I VEDriTI KA88-SCHIB1DEBEI. I Auf Wwuch koBihtr* Yerarbsitung. | gab Augenblicke, wo ihr die Gestalt, die Bewegungen, ja selbst einzelne Szenen, die sie mit Hannele Ehrenfeld zufanlmcil erlebt, so greifbar vor der Seele sich sammelten, daß der dreißigjährige Zeitraum ihr >vie eine Minute dünkte. Dann schrumpfte dieses Bild der Vergangenheit wieder so unkenntlich zusammen, daß sic mit aller Mühe und Pein keines Zuges aus dem Antlitze ihrer Freundin sich erinnern konnte. In diesem Zustanoe von Sehnsucht und Gedankenseligkeit erwartete sie die Tochter Hannele Ehreufelds. Dazwischen hatte sie nicht vergessen, für die Beherbergung des Gastes die nötigen Boranstalten zu treffen. Sie hatte in der Eile ein nach dem Hofe hinausgehendes Hinterstübchrn, das man füglich als die „gute" Stube des Hauses betrachten konnte, wohnlich Herrichten lassen; das Stübchen war ihr selbst stets wie ein Heiligtum erschienen, in das sie sich nur am Sabbat und an Feiertagen zurückzog. Jetzt kam cs ihr fast unwürdig eines solchen Gastes vor; nun trug sie das Schönste auS dem ganzen Haushalte zusammen, um damit die vermeinte Armseligkeit zu schmücken. Es war ihr auch wirklich gelungen, und mit freudigem Stolze mußte sie sich selbst gestehen, daß keine „Prinzessin" sich schämen dürfe, in der Stube zu wohnen. Den schönsteil Schmuck bildeten aber unstreitig die alttnodischen Porzellanschalen, die sie in - die Wirtschaft gebracht, und die noch nie berührt worden waren. „Geh doch mal vors Dorf hinaus und sieh, >vo sie bleiben," rief sie endlich dem unwirschen Sohne zu, „ich vergeh' fast vor lauter Sorgei;, und du kamrst dasitzen wie ein Träumer. Du kommst mir wie ausgewechselt vor. Warum bist du nicht schon längst über alle Berge? Kann denn dem Vater nichts geschehe» sein?" „Es >vird immer so spät, wenn er nach Brandeis fährt," bemerkte Josef trocken. „Aber Hanneles Tochter!" rief die Bäuerin, „au die denkst du nicht?" Nach einigein Zögern ging Joses dennoch. Der Vater mochte wegen der „Prinzessin" etwas langsamer gefahren sein, dachte er sich, daher die späte Zurückkmlft. Er trat in die stille Nacht hinaus, ein zerschnittener Streifen Mondes wandelte am Himmel droben. Ein eigentümliches Leuchten ging von ihm aus; es war Josef, als ob er das zum ersten Male schaute. Er ging die Dorfgasse hinab; überall >var Rühe und Schlummer, nicht ein Federchen konnte zu Boden fallen, daß inan es nicht vernommen hätte. Da kam etwas über sein Wesen, das er nie gekannt hatte; es dünkte ihn, als müsse er jetzt stundenlang in die stille Nacht hineingehen, über sich den Mond und sonst keinen.Menschen zum Begleiter. Aus einem benachbarten D'orfe trug die reine Luft den Klang der neunten Nachtstunde herüber; er horchte auf, jeder Schlag der Uhr sand einen eigentümlichen Widerhall in seiner Seele. Eine Empfindling, die von der Angst nicht ferne lag, hatte den ehemaligen Soldaten überkommen. „Es wird ihm doch nichts geschehen sein," dachtc er vor sich hin, mehr als er sprach. Er horchte ivieder ans. Nicht das leiseste Geräusch, das sernenl Wagenrollen glich, gelangte an sein Ohr. So war er an das Ende des Dorfes zum Mühlbach gekommen, über den ein schmaler Steg führt. In demselben Augenblicke betrat eine weibliche Gestalt das. andere Ende des Steges. Der volle Strahl der Mvndessichel fiel auf sie. Aus Josefs Brust rang sich ein Schrei der Ueberraschung herauf; eS mochte ihm sein, als stünde er, der ausgediente Soldat, auf einer einsamen Wache und plötzlich träte ihm aus der Nacht ein Gefährliches entgegen. „Wer da!" rief er mit durchdringender Stimme. „Um Gottes willen, ich bin's ja!" tönte eine seine Mädchenstimme zurück. An der Aussprache und dem Klange dieser Stimme erkannte Josef sogleich, wen er vor sich hatte. „Sic sind also Rosa Ehrenfeld, die wir für heute abend ermatten?" rief er, aber keineswegs im soldatischen Tone. Die -Gestalt nmchte einige Schritte vorlvärts auf dem Stege. Unwillkürlich tat Josef das gleiche, so waren sie einander ganz nahe gekomnlen. „Sind Sie aus deni Hause des Bauers, der mich von Brandeis hierhergebracht hat?" fragte sie jetzt, minder ängstlich. Ar. 1 '..Ick nahe. Das zur Hals und Fei! nicht gef sic aus „Si Weile. „SB, nahe für ,.SBi sagte d«! batte, ui Jos. gegnen r Frage zi gckomnie In Der Str „Ko „da hinl einem § ins Do Bäuen'n. 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