Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1918)
- Date
- 1918-04-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sit. 15. Leite 5. * tgcii, Iren* sich wie der; sic Antcsen» riete eherisfeii. »des itnbe ssen: jtunt i an irbig önste : die auch c sie ihnen liuurf alen, nie , >vo e zu, amlst ansüb er hehen ndeis „an Der sanier arückzerwben. es »ante. und allen, etwas e ihn, ineinnschcn trug : hercincii apsin- : den dachte vieder »ageita das r den ie beleges. Ans chung auS- Plötzzegen. imme. seine timme heute sots aus e, sv mich jetzt, „Ich bin sein Sohn," sagte Josef und trat ihr ganz nahe. Das Mädchen lieh ein Tuch fallen, das bis dahin zur Hälfte ihren Kopf bedeckt hatte; etwas Lieblicheres und Feineres hatte der Sohn des alten Bauers noch nicht gesehen; er starrte die Erscheinung an, als »b sic aus dem Boden herausgewachscn wäre. „Sind Sic ivirklich der?" fragte sic nach einer Weile. „Wer soll ich denn sein?" meinte der Soldat beinahe furchtsam. „Weil Sic gar nicht wie ein Bauer aussehen," sagte das Mädchen, dem eine flüchtige Prüfung genügt hatte, um zu diesem Schlüsse zu gelangen. Josef war so verwirrt von diesem eigentümlichen Begegiieil mitten in der Nacht, daß er die so naheliegende Frage zu tun vergaß, wie sie ohne den Vater hierher gekommen. In demselben Augenblicke ward Wagcngerassel von der Straße her vernehmbar. „Kommen Sie schnell," ries das Mädchen hastig, „da hinter uns kommt Ihr Vater, und ich tvollte auf einem Sack Gerste und Erdäpfel nicht sitzen und so ins Dorf hereinfahren. Dazu bin ich nicht genug Bäuerin." Mit diesen Worte» eilte sic über den Steg hinweg, Josef folgte ihr zögernd. Ein Leuchtkäfcrchen flog vor ihnen her, als wollte cs den beiden mit seiner Laterne den Weg zum Hause zeigen. Josef aber war cs, als schivirrte» hunderte und tausende von diesen Leuchtern um ihn her. So kamen sie in-das Hans. IV. Die Ankunft. Eitel, die Briucrin, schrie nicht hell auf, als die schnlichst Erwartete endlich mit Josef in die Stube trat; sie war eine Frau von starken Nerven und konnte einen Riß daran schon ertragen. Sic stellte sich nicht entzückt, ja nicht einmal verwundert über deir neuen Gast, sondern benahm sich, wie cs in der großen Welt heißen würde, „den Umständen" .gemäß. ,,S' Gotts willknmm, Rosellebcn," rief sie der Eintretenden mit ihrer starken Stimme entgegen, und ohne sich lange zu besinnen, nahm sie das Mädchen beim Kopf und drückte ihm einen herzhafte» Kuß auf die Lippen. Dann nahm sie den Leuchter mit der brennenden Kerze vom Tische und hielt das Licht gerade vor des Mävchens Angesicht hin. „Soll ich leben und gesund sein," rief sie dann, mto der Ton dieses Ausrufes zitterte vor tiefer Bewegung, „die ganze Hannele, wie sie leibt und lebt! So hat sie vor dreißig Jahren ausgesehen." War es das Seltsame dieses Empfanges, das Fremdartige der neuen Umgebung, die Unbefangenheit der stattlichen Bäuerin — das Mädchen begann plülich laut anfznwcinen und wandte sich, als wenn cs fliehen ivollte, zur Türe. „Ich will nicht dableibcn," rief sic dazwischen, „ich will wieder fort; keine Minute bleib' ich länger hier . . . ich will »vieder zu meiner Mutter!" Gitel, die Bäuerin, fühlte »vohl, »vic ihr diese Worte ans Herz griffen, aber als eine Frau von Verstand faßte sie sich schnell; sie sah in aller Raschheit ein, um Ivas cs sich jetzt handle. „Ich halt' dich nicht, mein lieb' Kind," sagte sie, „du kannst gehen, »oic'S dir beliebt, und wenn: du willst, lass' ich sogleich einspannen, und mein Sohn fährt dich »vieder zurück. Gitel hält keinen zurück, der nicht bei ihr bleiben Ivill." Die Wirkung dieser »venigen Worte auf das Gemüt des Mädchens mochte keine geringe sein; langsam »oandte sie sich von der Türe ab, deren Klinke sie bereits ergriffen hatte, und zeigte ihr tränenbenetztes Gesicht in seiner ganzen Lieblichkeit und Feinheit. Eitel hätte nicht sagen können, »vie ihr bei diesem Anblick ivard, auch Josef nicht, der in einer Art von «Verzauberung noch immer als Zeuge dieses seltsamen Vorganges dastand. Aber bei Gitel kam. zu dem Gefühle tiefsten Mitleides, das sie mit den Tränen des Kindes empfand, denn Schönheit im Schmerz ist immer rührend, noch das volle Bewußtsein, daß Hannele Ehrenfelds Tochter vor ihr stand, daß deren Ebenbild so zu ihr spreche, und in demselben Augenblicke, >vo sie ihr Laus betrtziten, schon Miene machte, es zu verlassen. Sie selbst war nicht länger imstande, ihre Tränen znrückzuhaltcn, »uid mit vor Wehmut zitternder Stimme sagte sie: „Sieht es denn gar so schrecklich bei uns aus, oder meinst du, man könnt' nicht einmal eine Nacht bei unS Fta»fsu»ter Israelitisches FaRliliendiatt. anshalten? Probier's nur, mein Kind . . . ich kann dich ja bei Nacht und Nebel nicht fortschicken. Fürchtst du dich denn nicht?" „Gcrad' »veil ich mich fürchte, ivill ich fort," rief schluchzend daS Mädchen. Die Bäuerin horchte hoch auf. „Du fürchtest dich? Bor »vem dann?" „Bor dem Bauer —." 1 „Vor dem da?" rief Gitel und zeigte auf ihren Sohn. Ta? Mädchen >varf hinter den Augenwimpern einen flüchtigen Blick auf den Bezeichneten, und tat fast »iu-- sichtbar mit dem Kopfe eine verneinende Beivegnng. „Bor dem also nicht?" sagte Gitel, „vor »vem also denn?" In diesem Augenblicke rasselte der Wagen in den Hof, und die laute Stimme Feiwels ward vernommen, ilnwillkürlich hatte sich das Mädchen wieder der Türe zugeivanot, ihre Hand lag bereit» »vieder auf der Klinke. Das »var den scharfen Augen der Bäuerin nicht entgangerr. „Mir scheint, du fürchtst dich gar vor meinem Mann?" rief sie. „Ist das so?" Das Mädchen entgegnete nichts, Gitel rief aber voll Lustigkeit: „Schämst du dich nicht? Vor meinem guten Fciivel dich zu fürchte», der keine Katz' beleidigen kann! WaS hat er dir denn getan? Es lebt gar fein besserer Mensch aus der Welt, um den Finger kann ihn ein kleines Kindwickeln, und du fürchtest dich vor ihm?" ES »var gut, daß um diesen Augenblick die großgestreckte Gestalt des alten Bauers zur Türe herein erschien: Scheu, als habe es ctivas Fürchterliches erblickt, flüchtete sich das Mädchen an der Bäuerin Seite und hielt ihren Arm fest, »vährend sie auf den Bauer zaghaft ihre Augen richtete. „Da ist ja die Prinzessin!" rief er mit heiserem Lachen. ,,S' Gotts »villkumm, Prinzessin, »vic hat dir der Spaziergang geschmeckt? Weißt du, Gitel, »vas das ,Prinzessel' angestcllt hat? Vom-Wagen ist sie herunter- -gesprungen und ist mir auf und davon. Was sagst du dazu? lieber eine halbe Stunde ist sie gelaufen." „Um Gottes »villen," schrie Gitel im Tone des tiefsten Entsetzcirs, „und das hast du zugcbcn können! Feiwel, >vo hast du deinen Kopf gehabt?" „Hätt' ich ihr nachlaufcn nnd die wilden Pferde allein stehen lassen sollen?" sagte Feiwel gleichgültig. „Lebendiger Gott!" schrie die Bäuerinwieder verzlveifelt, „das Kind hätt' ja den Tod davon haben können! Und »varmn hast du das angcstellt, mein Kind?" „Ich Hab' nicht länger auf dem Sack Erdäpfel sitzen können," schluchzte bas Mädchen, „darum bin ich lieber abgestiegen und zu Fuß gegangen." „Feiivel!" rief Gitel, und ihr sonst so gutmütiges Antlitz überflog die dnnkelrote Farbe des Zornes, „das soll dir Gott verzeihen, »vas du mir an dein Kinde getan hast. Hab' ich dich nicht himmelhoch gebeten, du sollst mir auf das Kind acht geben, »vie auf einen Augapfel, und du läßt mir's eine halbe Stunde weit laufen, die Füße sich »vundgehen, .Hannele EhrcnfeldS Tochter, die so etwas nicht getvöhnt ist! De»» Tod ka»»n das Kind davon haben, nnd wer könnte das verantworten vor Gott und vor den Menschen? Feiwel, um Gottes »villen, »vas hast du denn getan?" (H»«tsetzung folgt.) Literarische «Hrsntt. Rechtsstellung nnd i n n e r e Verfass n » g d c r Jude» in Polen. Ein geschichtlicher Rundblick von Dr. Moses Scharr, a. o. Universitätspro-- fessor in Lemberg. 1917. R. Lö»vit Verlag, Berlin und Wien. Brosch. 36 S. Die Abhandlung, welche selbst' nicht beansprucht, eine eiirgehende Darstellung des Themas zu bieten, vereinigt auf knappem Raum die Vorzüge einer gedrängten systematischen Uebersicht »nit der Angabe einer .Menge interessanten Details. Einem mehr summarische» lieberblick über die geschichtliche Entwicklung der äußern Rechtsstellung der Juden in Polen folgt eine etwas eingehendere Darstellung der Gemeindeverfassung sowohl nach ihren inneren Kompetenzen, »vie im hierarchischen Aufbau der gesamten Judenschaft. Deren endliche Zusammenfassung ii» der sog. Bierländersynode ist ja bekannt, aber es .ist interessant, aus der Darstellung zu ersehen, wie deren Autonomie sich lediglich auf den Kahals, den Gemeinden, aufbaut, deren Grundlage in erster Reihe eine religiöse war. Ohne Synagoge kein Kahal. Man erinnert sich, daß Rosenfeld in seinem auch an dieser Stelle besprochenen Buche „Polen und Juden" in der in erster Li»»ie auf die Religionsgemeinschaft begründeten, von der deutschen Regierung in Polen eingcführten jüdischen Gemeindeverfassung auch nationale Momente findet. Sieht man nun aus der Darstellung bei Scharr, wie a»»s diesen Religionsgemeinden durch Erweiterung ihrer Funktionen nationale Gebilde nnt nationaler Autonomie werden, so dürfte hier der Weg gegeben sein, aus der Geschichte für die Gegenwart »nancheS zu lernen. Interessant sind auch die Ausführungen, die nach» »veisen, daß die Verfassung der Gemeinden genau den städtischen Magistraten nachgebildet ist. Es »väre vielleicht der Forschung wert, zu prüfen, ob auch anderlvärts in jüdischen Gemeinden eine derartig genaue Nachbildung staatlicher Einrichtungen stattfand oder stattfindet, eine Forschirng, die dann zu einer sicher recht lehrhaften vergleichenden Darstellung der inneren Verfassung der jüdischen Gemeinden im Exil führen dürfte. Einige besonders interessante Auszüge aus den Beschlüssen der polnischen Jndenlandtage sind der Abhandlung am Schlüsse beigefügt. Dr. S. Schivarzschild (z. Zt. im. Felde). Br»rder Kikeriki oder die Geschichte eines Kinde s. A»»s dem Türkischen übersetzt von Dr. E r n st Seidel. 127 Seiten. Dresden, H. Grünberg. Es handelt sich hier um eine Märchensammlung, die in den Ländern türkischer Herrschaft seit alten Zeiten verbreitet ist. Die Türkei umfaßt die verschiedenartigsten Völker. Daher kommt eS, daß auch die dortigen Märchen ein mosaikartiges Gepräge haben im Gegensatz z. B. zu den deutschen, bei denen jedes Märchen in kraftvoller Wurzclsrändigkcit sich einheitlich aufbaut. So läßt sich auch über den Ursprung der in der Uebertragung Seidels erzählten Märchen nichts sagen. Wir wissen nur, daß den Armeniern ein erheblicher Anteil bei ihrer Bewahrung, Ueberlieferung und Umgestaltung zuzuschreiben ist. Den'Märchen fehlt trotz Frische und Sinn für Humor die Naivität. Ihre Dichtkunst will nicht zum Gemüte, sondern zum Verstände sprechen. Dies zeigt sich a»r der Lust, ständig Sprichwörter anzuführen, sowie in der Wirkung auf den Hörer, den sie nicht in träumerischer Ferne, sondern in der Gegenrvart halten. In den» einen Märchen begegnet mrs ein Jude, du Edelsteine kaufender Händler. Die Gestalt ist zu unbestimmt, als daß sich irgendwelche Folgerungen daraus ziehen ließen. Jüdische Handbücher. 1: Ein kurzer Gang durch die Geschichte der jüdischen Litera t >r r. Bon Prof. Dr. M. B r a n n. Ziveite, verbesserte Auflage. 90 S. 1,20 Mk. 1918. Wien u. Berlin, R. Löwit, Verlag. Der vorliegende kurze „Abriß der jüdischen Literaturgeschichte" erschien gleich dem „Gang durch die jüdische Geschichte" vor etlva zwanzig Jahren in der Esronschen Enzyklopädie in Petersburg und »vnrdc dann im deutschen Urtext in des. Verfassers „Jahrbuch zur Belehrung und Unterhaltung" veröffentlicht. Der Text ist »mnmehr im Hinblick auf die literarischen Neuerscheinungen der Gegenivart ergänzt und erivcitert. — Buchprvbe (S. 38—40): „Natürlich vermochten diese abschließenden Codices und Kompendien in keiner Weise die lebendige Fortentwicklung der Halacha zu stören oder zu heinnren. Die Gelehrten fuhren vielmehr fort, mit Benutzung der Vorarbeiten selbständig die Quellen zu prüfen und aus ihiren Antworten zu schöpfen auf die Fragen, die das tägliche Leben mit seiner unerschöpflichen Mannigfaltigkeit iminer von i»euem darbot. So entstanden umfangreiche Sammlungen bald von neuen Noten (Novellen, Chidduschim) zn einzelnen Traktate» des Talmud, bald von Rechtsgutachten, die ein Spezialgebiet behandelten »der einen Spezialfall znm Ausgangspunkte nehmen. Zwar gab es unter den bereits genannten Gelehrten kar»m einen, der nicht auch auf diese»» Gebiete das seinigc geleistet hätte, am fruchtbarste» aber »varen auf diesem Felde der Tätigkeit R. Meir von Rothenburg r) und sein jüngerer Zeitgenosse R. Lalom» b. Abraham Jbn Adrct -), von denen der erstere iir Deutschland, der letztere in Spanien als die erste talmudische Autorität seiner Zeit galt. Don R. Meir von Rothenburg allein sind et»va anderthalbtansend Bescheide vorhanden, »oährend voi« Jbn Wret die doppelte Anzahl gedruckt vorliegt nnd außerdem noch ebensoviele handschriftlich erhalten sind. Ebenso mannigfaltig wie auf dem Gebiete der Halacha war die Tätigkeit ans dem der Haggada. Nach dem Abschluß des Talmuds war Palästina das Hauptland, in welchem die Haggada eifrige Pflege fand. Bon hier ans verbreitete sich ihr Studium nach Italien, Frankreich nnd Deutschland. Schon.im neunten Jahrhundert wurden in Italien selbständische haggadische Werke (z. B. der Midrasch zu den Psalmen) abgefaßt. Weit über hundert derartige Schriften, die vom sechsten bis zuin zwölften Jahrhundert entstanden sind, hat Leopold Zunz in seinem klassischen Meisterwerk über die historische Entwicklung der „gottesdienstlichen Vorträge bei den Juden"3) auf ihr Alter, ihr Vaterland »»»d ihre Bestandteile kritisch geprüft. Fast niemals sind die Namen der Verfasser oder Sainmler uns bekannt geworden, Als die schöpferische Selbsttätigkeit auf diesem Gebiete zu schwinden begann, »vurden auch hier großartige Sammlungen der Ergebnisse angelegt. Die bekannteste ist diejenige, die R. Simon Ha-Darschan i»n zwölften Jahrhundert anlegte, indem er fortlaufend an einen Vers der heilige»» Schrift die ihn betreffenden Midraschim anknüpste und so die im Talmud nnd zahlreichen anderen Schristen zerstreuten haggadische» Wcsiegnngen am Faden der heiligen Schrift anfteihte und dem Wißbegierigen in einein einzigen Buche eine umfangreiche Literatur, die eine fast tausendjährige Geistesarbeit umspannte, geordnet und gesichtet zur Benutzung darbot." l) Starb 1293. — -) Gen. Raschba, starb 1310 als Rabbiner in Barcelona. — *) Die erste Auflage erschien 1832, die zweite 1892. bar BraflklvÜ-lxlsf« I L lelefeaiaB. (AwMUnss mitFrankfart). | JäewatetMt»?89BlslS?3£af&a&s2 (100,908 qm jäfcrM«k)| |sosia undkartraauie BttnsianintilgBni Drwklnft nut Wuaurdoaiff.