Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1918)
- Date
- 1918-04-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 14. i/. fc- Seite 2. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Scala -Lichtspiele Schäfergasse 29. Schäfergasse 29. Modernes Theater Vorführung stets neuer and hervorragender Füme [ialtung, über die es nur eine Stimme des Lobes G»b und dir dem Verein zahlreiche neue Mitglieder riiibrachte. Vereinsadresse: Frl. Lotte Da er, Unterweg 2. »riar-Hatauroh-Berein Im Srias-Halanroh-Berei», der im Jahre 1SS1 von Dr. Roos s. Ä. gegründet wurde, wird allsabbatlich um 3 lUhr für Schüler, Studenten und Soldaten, die am Besuche der Synagoge verhindert sind, die Sidra verlesen, das Minchahgebet verrichtet und im Anschluß an die Sidra yin kurzer Bortrag gehalten. Der .Verein hat sei» Lokal in der Mainzschen Synagoge, Börnestr. 52. Einzelheiten sind zn erfahren nnb Anmeldungen haben zu erfolgen bei: Paul K u l p, Sterustr. L und Leo F e u ch t w a n g e r, Sandiveg 7. „Du willst sie also wirklich —?" fragte der Soldat »ach einer Weile. „Ich versteh' dich gar nicht, was du dagegen hast," sagte die Bäuerin) „rufs Essen und Trinke» kommt es bei uns nicht an. Was soll mich also abhalten?" „Hat der Vater den Brief -gesehen?" fragte da»» hastig der Sohn. „Er har mir ihn fr gegeben," entgegnete sie. * „Hat er ihn gelesen?" rief er hastig. „Er hat gar nichts gesagt," erwiderte sic, „als: Tu, was du willst. Eitel. Du weißt ja, ivie er ist! Er Verliert nicht gern ein übriges Won, nicht einmal, von wein der Brief ist, habe ich aus ihm herausgebracht." „Und ich, Mutter, sage dir," rief der einstige Soldat mir starker Röte im Gesicht, „ich sage dir, wenn mir Hannele Ehrenseld den ganzen Weg bis zu unserem Dorfe mit Gold pflastern möcht', so tat' ich's auch nicht." „Um Gottes Willen, warnni nicht?" sagte die Bäuerin erschrocken. Josef schien nach einem passenden Ausdrucke für seine Erregtheit zu suchen, seine Lippen zuckten ivie vor innerem Grimm. Ein minutenlanges Stillschweigen waltete zwischen den beiden nach der Vorlesung dieser Zeilen. Der -Sohn unterbrach es zuerst. „Und die willst dn dir ins Haus nehmen, Mutter?" fragte er. Gitel, die Bäuerin, saß anscheinend in tiefem Sinnen da und hatte offenbar die Frage überhört. Mit einem Male stand sic ans, ihr Antlitz ivar tief gerötet, und ihre noch immer schönbrannen Augen leuchteten in einem nngeivöhnlichen Feuer. „Gerad' die!" sagte sie in kraftvollstem Tone, „gawade die! Das Mädchen ist kränker, als dn denkst!" Mit raschen Schritten verließ die stattliche Frau den Garten. Der einstige Soldat sah ihr verblüfft »ach. III. Die Prinzessin. Gitel, die Bäuerin, mochte den Eiusluß Ihres einmal ausgesprochenen Willens auf Haus und Gesinde kenne»; Frauen bleiben sich in dieser Hinsicht überall und unter allen Umständen gleich. Als ihr Mann, der „alte" Bauer Feiwcl, mittags von» Felde heimkehrte, trat sie ihm sogleich mit der Erklärung ent- WWMW8 «MB»» ■asert.afe.v.-e **“-ä wmzß M» MMW-i ÜP"-; ,.*r &0 Hsckhvss^sr»»K«h an. ieirfme! man geha fie! Bor aus hergi Sck gewv sehen werd iiiem gewe Gitel an d die i fönni der l Jose! Haus von nmg> euch die! würd schier habe, wehe so le „par Reich '&■ * .V'r.- Die Prinzessin. Eine Reschichte aus der Mitte des 19. JahrhuiüwrtS von Leopold Kompert. ' (Foatfetzong.) „BittÄk sic dich denn?" meinte Josef mit einem leichten Änsiug von Hohn. „Sie will ihre Tochter Nicht zu Einfachen' Leuten aufs Torf geben, unter die Küh' und Hühner, — weil ihre aber der Doktor streng befieylt, so tut sic's doch, und schickt sic zu uns. Sonst hättest du in deinem ganzen Leben kein Wort voir Hannele Ehrenfeld gehört." „Geh! geh!" eiferte die Bäuerin, „was hält sic mir schreiben sollen?- Wenn 'man einmal Haussorgen hat, setzt man sich zu keiner Korrespondenz hin und schreibt lange Briefe. Hab' ich ihr den» geschrieben?- Jetzt braucht sie mich — da schreibt sie mir." „Weil uns die reiche Hannele Ehrenfeld verachtet," fuhr cs böse ans ihm heraus, „weil ich's nicht ertragen kann, daß man Bauersleute, Ivie wir sind, mit Kühen und Ochsen in eine Reih' stellt, und endlich zuletzt, weil ich nicht möcht', daß so eine Prinzeß, wie ihre Tochter ist, sich über uns lustig macht." „Wo macht sie sich lustig?" fragte die Bäuerin mit ungläubiger Miene, „ich Hab' nichts gehört." „Weil ich d-ir den deutschen Brief noch nicht vorigelesen habe," rief Joses höhnisch, „du wirst deine Wunder erleben, wenn dn ihn hörst." „So lies ihn!" sagte die Bäuerin bestimmt. Josef setzte sich neben die Mutter. Er las die in tübngeschwungenen deutschen Buchstaben geschriebene Zuschrift des Mädchens; sie lautete: „Sehr neugierig bin ich schon darauf, was ich auf dem Dorfe für ein Gesicht machen werde. Es ist mir eigentlich ganz kurios zumut, daß ich da unter Kühe und Erdäpfel kommen soll. Enfin (Josef sprach dieses Wort mit deutscher Akzentuierung aus), ivas soll ich tun? Schiller sagt: Es gibt im Menschenleben Augenblicke, und solch ein Augenblick ist jetzt für mich gekommen. Leben Sic wohl, und empfangen Sie mit Wohlwollen Ihre sehr ergebene Dienerin Rosa Ehrenfeld." gegen, cs müsse „stantcpc" (stantepede) an Hannele Ehrcnfcld geschrieben werden, und in den nächsten Tagen müsse einer nach Brandeis, um das junge Mädchen von dort abzuholen. „Warum nicht?" entgegnete Feiwel in einem Tone, der sein vollstes Einverständnis voraussetzen ließ, „warum nicht? Ani Montag fahr' ich ohnehin mit Erdäpfeln nach Brandeis, da kann ich die Prinzessin gleich von dort mitnehmcn." „Bist du auch so ivie dein Sohn," schrie sie dagegen fast entsetzt, „und willst eine kranke Person auf deine Erdäpfel setzen? Ich will nicht einmal sagen, daß es Hannele Ehrenfelds Tochter ist. Vielleicht verkaufst du die Erdäpfel nicht." Der alte Bauer kannte die Hofverhältnisse des Kaisers der Birmanen fast genauer als die der Freundin seiner Frau. Lustig versetzte er:- „Es ist schon inanche auf einem Erdäpfelsack gesessen, die's mit Hannele Ehrenfeld mitsamt ihrer Tochter aufgenommen hätte:" ' - ,>Auf die Erdäpfel wirst du sie nicht setzen," eiferte Gitel, „da könnt' sie.de» Tod davon haben. Undweim ich selbst nach Brandeis kutschieren müßt' ... HanneleS Töchter muß mit Ehren bei uns ausgenommen werden; C «ob «der 1 - R