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Neue jüdische Presse · 1918-04-08 · Heft 14 (8.4.1918) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 14 (8.4.1918)
Date
1918-04-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Rügen) säst täglich arößere und kleinere Trupps galivischer Rückwanderer, die ans der russische» Gefangcnschast über Schweden und Deutschland.die Heimreise transporlweise antretcu. Die durchweg aus Juden bestehenden Leute waren 1915 von den Russen bei ihrem Rückzuge ans den Karpathen als Geiseln mit wcggeschleppt worden, aus jeder Ortschaft je nach ihrer Größe eine bestimmte Anzahl. Es teilten dies Los nicht nur junge, sondern auch zanz alte Leute von SO und mehr Jahren, sowie Frauen und Kinder. Die in den Gesängnissen erduldeten Leiden wurden zum Gluck durch russische Stammesgenosseu nach Kräften gemildert. - Lemberg. Eine Rabbiner-Deputatisn beim galizische« Statthalter. Ter Statthalter von Galizien empfing eine Rabbincrdepntalion, bestehend ans dem Rabbiner von Barsczow. Ka tz und dem Rabbiner von Rymanov, Weidenfeld. Die Rabbiner intervenierten wegen der religiösen Erziehung der jüdischen Kriegswaiseic und wegen der staatlichen Hilssattiou sür die Rabbiner, welche angesichts der herrschendeit Teuerung mit ihrem Gehalt nicht auswinmen könne». Ter Statthalter versprach der Deputati»» eine günstige Erledigung beider Forderungen. Kutzlenö. Hinignngfber jüdische» Eozialisten k Eine schwere, aber Hohe und wichtige Aufgabe hat sich der bekannter Poale-Zion-Führer Leo» C h a s a n o w i t s ch zum Ziele gesetzt: Das Herbeiführei, einer Verständigung der jüdischen Sozialistenparteien in Rußland und das Hiuwirken auf die Organisierung eines jüdischen Weltkongresses. Zu diesen Zwecken ist Chasanowitsch bereits von .Holland nach Rußland gereist, Ivo das Zusammenarbeiten der jüdischen Parteien angesichts der schwierigen, große llnisicht und Kraft erfordernden Lage notwendiger denn j» geworden ist. Der Weg ist ohne Zweifel mühevoll, gilt es doch, di» lviderslrebcnden Parteiinteressen in einen gewissen Einitang miteinander zu bringen. Das Ziel: Die Unterordnung der Partciforderungcn unter die Interessen des gesamten Volkesist ein so großes, daß kein Versuch in dieser Richtung zu scheuen ist. Bei ernstem Willen und jrelbeivußtein Arbeiten der einzelneit Parteien wird zweisellos .ei» günstiges Ergebnis diesen Bestrebungen beschieden sein. Mit der Leitung des poale-zionistischen Verbandsbureaus ist sür die Dauer der Abwesenheit Chasanowitschs K a p l a ,! s k y betraut worden. Rumänien. L«r ISsu«, -er I«de«fra,e. Wie der Jüd. Rundschau von amtlicher Stelle mitgeieilt ivird, ist die runränische Judenfrage bei den Friedensverhandlungen in Bukarest berücksichtigt und in befriedigender Weise gelöst worden. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Exzellenz v. K ü h l m a n n, hat sich mit besonderem Nachdruck für die Wünsche nach Durchführung der bürgerliche» und politischen Gleichberechtigung der Juden Rumäniejis eingesetzt. Einzelheiten können der Deffentlichkeit vorläufig nicht mitgeteilt werden, da .Teile des Friedensvertragcs nicht bekanntgegrben lverden sollen, bevor nicht der gesamte Vertrag unterzeichnet ist. Grotzbrttannien. ö Londtz«. Zur Paläftiuafrage. .. Die neue „Liga der britischen Juden" —.Führer- Major Lionel de Rothschild, M. P. Lord Swaithling, Sir Philip Magnus, M. P. Rektor der Universität London, Sir Marcus Samuel, ein Ex-Lord-Mayor von London usw. — steht in scharfem Gegensatz zu den Zionisten juud erklärt, daß ihre Mitglieder „britische Staatsangehörige sind, die sich zum jüdischen Glauben bekennen" und bereit seien, andren Glaubensgenossen, welche Palästina zu ihrer Wohnstätte erwählen wollen, behilflich zu sein. Die „Jewish Chronicle" hat sich zum Verteidiger des entgegengesetzten Lagers gemacht, vertritt also in erster Linie die zionissischr Anschauungsweise und alsdann diejenige der'ausländischen Juden. Ein heftiger Lortkampf in Briefform nimmt in diesen! Blatte seinen Verlauf. Die Liga begründet vorerst ihren Standpunkt damit, daß die Propheten uns die Rückkehr nach Palästina durch eine höhere, nicht weltliche Gewalt in Aussicht gestellt habe», daß die Juden heute nicht mehr eine „Ration" seien, was gerade neulich wieder in Bagdad bewiesen wurde, ivo die Juden sich mit den dortigen Stämmen vermischt haben, ferner können in Palästina höchstens zivei Millionen Juden Aufnahme finden. Sie will die Regierung veranlassen, von ihrer Erklärung die Worte: „Nationales Heim" ausznschalten. Im weitern wird gefragt, wie man sich denn zu den Inden in Feindesland stellen ivürde und ob diesen die Tore zu Palästina anstandslos geöffnet würden'? — Die Stimmen aus dem ander» Lager bringen etwa solgende Argumente: Ein Rabbiner aus den Bereinigre» Staaten von Amerika schreibt, wenn die Liga so oatriotisch sei, so sollte sic nicht gegen ihre eigene Regierung Stellung nehinen, die doch die Juden als „Ration" anerkannt habe. Ändere schreiben, sie zweifeln an oer Echtheit der britischen Gefühle vieler Mitglieder, die doch erst seit Kriegsausbruch durch ein Papier ans Deutschen in Engländer verwandelt worden seien. Amerit«. Misrachi-Konferenz. Unter Anwesenheit von '200 Delegierten fand hier eine Konferenz der Misrachisten Amerikas statt. Es sprachen ».'■». Meier-Berlin, Rabb. Gold- Brooklyn, Rabb. F i sch in a n ii, As ch i iis ky-Pittsbnrg, Rabb. Ebin- Busfallo und Dr. Blnestone.^ 50 000 Dollars wurden sür die Palästina-Kommission gezeichnet, davon 40 000 Dollars ans der Sitzung selbst. Die Versammliiiig war von starker Begeisterung getragen. Ler Krieg LNv die JuSerr. Frcknkftrrt a. SÄ. Herr Rabbinats-Affefsor Llpi« skh und Herr M. I. Weil hatten sich der Slusgabe unterzogen, für die Beköstigung der kn Frankfurt vorhandenen jüdischen Kriegsgefangenen — 52 Russen und 1 Franzose — während des Pessachfestes Sorge zu.tragen. Frankfurt a. M. Soä Kriegs-Verdienst kreuz ist dem Gemcindesekretär der Israelitische» Religionsgesellschaft, Moritz Golde, Obermainstr. 10, und der Vorsitzttrden der Jüdische» Frauenvereinignng, Frau Henriette Best hoff, Friedberger Anlage 17 v.-cliehen worden. Alt»««. M«x Lehmann, Sohn von Gustav Lehmann wurde zum Leutnant befördert. Hechtrhei«. Benny L e v y wurde zum Leutnant befördert. Wie« Im österr.-ungar. He ere sind an brr?front über 134 000 Juden. Diese Zahl wurde anläßich der Mazzosversorgung aus Pessach festgestellt. Die Mazzosmenge war sehr gering. Es zeigte sich wieder einmal, daß für Oesterreich-Ungarn eine Organisation wie die Freie Vereinigung für die Interessen des orth. Judentums in Deutschland fehlt. Lilie. Uns jübilchen Soldaten in* Westen war es — dank der rührige» Arbeit unseres h«chverehrten Rabbiners Dr.-Levi — möglich, den Seder zu geben. Dein Rufe waren mehrere hundert Soldaten gefolgt. Als Räume dienten die gastlichen Säle eines großen Hotels. Der Andrang war so groß, daß in vier Abteilungen' Seder gegeben Ivnrde. Die Scderabende nahmen einen herrlichen Verlauf. Unser Raw erklärte in feinfühligen und verständnisvollen Worten die Hagoda. Aber auch die Verpflegung war ganz vorzüglich und reichlich. Im Namen der Kaemraden dankten Landsturmmann Klein aus Berlin und Wehrmann Salomo it Stein aus Berkach sowie ein russischer Kriegsgefangener im Aufträge seiner Kameraden. Die üblichen Gottesdienste fanden unter der Leitung tüchtiger Kantoren jeweils in der Synagoge statt. Perssnalien n. Heine Mitteilungen. Berlin Der Verband der jüdischeuJugend» vereine Deutschlands hält am 9. Mai (Himmelfahrtstag) zu Berlin eine Vertretervers'amml u n g ab. Berlin. Der greise Philosoph Geheimrat Dr. Hermann Cohen ist schwer erkrankt. Köln. Rabb Dr. Rosenthal wird in der städt. Handelshochschule über Einführungin den Talmud lesen. Damit hat zum ersten Male eine deutsche Hochschule jüdische Geistesgeschichte in ihren Lehrplan ausgenommen. — Wie«. Kaiser!. Rat Wilh. Anninger. ehemaliger Präsident der „Oesterr. Israelit. Union", ist — 70 Jahre alt — verschieden. — Wien. Unter Leitung von Rabbiner S ch a p i r a - Drohobycz hat sich ein B e r c i n „I i s ch n w E r e z I i s - r.o el" gebildet. Der Verein, oer sich in allgemein politischen Fragen der zionistischen Organisation unterstelle» will, dagegen jeder zionistischen LandeSorgaiiisation gegenüber unabhängig ist, fordert die tyoratrene Jnoenheit zum Beitritt auf. — Hosrar Ignaz K o n t a , ein bedeutender Schriftsteller auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens, fcieete de» 60. Geburtstag. — In der Plenarsitzung des K u l r u s v o r st a n d e S gelangte der Voranschlag pro 10IM zur Annalnne. Di« Einnahmen jind mit 4 966 106 K. und die Ausgaben mir 5 369 l75 u. vorgesehen. Der Fehlbetrag beträgt s.nnrt 890 368 K- Vub«p,ft. »ie Un««r. Raturwiffensch»ftliche üiesellschist zeichnete den jungen Gelehrten Engen Me.ide, Professor am Staaisobergyinnasiuin, sür seine Arbeit „Der Ursprung der drahilosen Telegraphie lind ihre Entwicklung bis zum heuiigeii Tage" mir dein Bn gatpreis von «000 Kr. aus. Zürich. Die am 3». August verstorbene Emma P a u Ins, die lange Jahre im Hause des verstorbene» S. Meyer bedienstet war, hat lctztwillig 200 Fr. aus ihre» Ersparnissen Rabbiner Dr. Litlmanii zur Verfügung gcstell» „zur V c r w e n d u n g sür j ü d i s ch e A r m e, von einer Ehristi ii." — Basel. Die seinerzeit gemeinsame von dem hiesigen Erez-Jisroek-Komitee und der Zionistischen Vereinigung Basel dnrchgeführte Sammlung zugunsten der evakuierten Inden in Palästina erzielte 7900 Frs. — Frankfurter Berichte. Kleine Notizen. Die I ü d. Bibliothek und Lesehalle, Lang»- straße 33, ist jetzt wie folgt geösfnet: Montag bis Dminerstag 3—8 Uhr, Freitag 3—7 Uhr, Samstag 10'-—1 Uhr und 3—7 Uhr, Sonntag IO1/»—1 Uhr und 3—6 Uhr. Scha«t«r»en de» Indischen Turnverein». 'Jlnt 24. März fand in der.Herderschnle ei» Schanknrnen der Damen- und Mädchenabkeilung des Frankfurter Jüdischen Turnvereins statt. Jiidische Turnerinnen zu schauen, war ein für Frankfurt neues Schauspiel, und mancher mag wohl mit gemischten.Gefühlen gekommen sein. Annähernd 500* Zuschauer füllten die weite, schöne Turnhalle bis aus den letzten Platz. Nur es gleich vorweg zu nehmen, es gab am Ende jeder Hebung immer steigenderen Applaus, und am Ende des Turnens wollt» sich der Beifallssturm gar nicht legen. Es war auch in der Tat Ausgezeichnetes, was unter der bewährten, hervorragenden Leitung des Turnlehrers Friede geboten wurde. Rach einem musterhaften Aufmarsch der etwa 60 teilnehmenden Turnerinnen erklang das Turnerlied: „Wohlan, laßt das Sinnen und Sorgen", worauf Frl. Lotte B a e r die Gäste begrüßte. Nunmehr begann das eigentliche Turnen: Stabübungen der kleine» Mädchen, Geräteturnen sämtlicher Riegen, Freiübungen. Es folgte Barreuturiien der ersten Riege, bei welchem fast jede einzelne, der mit mustergültig turnerischer Exaktheit vorgeführten schwierigen Hebungen rauschenden Beifall ernteten. Schrittübunge» und Reigen der Kinder bis zu den Kleinsten folgten, und es war eine Freude, deren anmutige und wohtdisziplinierte Ausführung zu schauen. Den Höhepnnkr erreichte die Vorsnhrnng mi» einem Keulenschwingen der Damenriegc, worauf allgemein» Spiele auch die heitere, niiterhaltende Seite des Turnens zeigten. Referendar S i m o ii hielt sodann eine kurze Ansprache, in welcher er ans die Bedenning des Turnens unter den Juden hiuwies. Es gilt ans den, durch iahrhniiderlelaii.qs Bedrängnis körperlich degenerierten Juden, stolze, freie Menschen, 'aufrechte und selbstbewußte jüdische Männer und Frane» zn mache». Schon viele gibt es, die oe» Willen hierzu haben, und Tausende haben schon iniierlialbder jüdischen Turnerfchaft dies durch die Tat bewiesen. Wo aber der Wille vorhanden ist, aus gesellschaftlicher tleberkultur und körperlicher Schwachheit zu kraftvoller Natürlichkeitzurückzukehre», findet sich auch der Weg hierzu; das hat das Schauturnen voll und ganz bewiesen. Der Abmarsch der Turnerinnen in geschlossener Reihe beendigte die in jeder. Beziehung wohlgeluiigeiie Veran»

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