Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Frankfurter Fsrarlilijches Familreublait. Schweiz. Lürt». WiLrochi-Verein. ' In einer imposanten Versanimlung wurde nach Redeil von Ä. I. Rom und Abr. Stern-Kimche ein Misrachi-Verein gegründet. In seinem Schlußworte führte A. I. Rom folgendes aus: Ter Misrachi begrüße die Arbeit der Aguda, solange sie im Rahmen der Beschlüsse der Kattowiher Konferenz für die Stärkung des gcsetzestrcnen Judentums wirke. Wenn aber einige Männer im Naineir der gesetzestreuen Massen, die garnichts davon wissen, Politik treiben, müsse der Misrachi die Massen aufkläre». Der Misrachi sucht keinen Kampf, muß ihn aber aufnehmen, so man den Versuch wagt, das Judentum in zwei Lager zu spalten. Die Aguda hat in der Schweiz ihre Tätigkeit mit dem Kampf gegen den Zionismus begonnen und selbst Leruvoriräge für diesen Zweck benutzt. Zürich. MiSrachi'Verekn. Nach einem Vortrage des Herrn Tr. A s ch er - 4!euch Ltel beschäftigte die von 250 Personen besuchte Versammlung des Misrachi-Vereins sich mit der Frage des Prvpagandafonds. Der Fonds soll dienen zur Gründung von Misrachi-Gruppen in der Schweiz, zur zionistischen Propaganda in den thoratreuen Kreisen und zux Gründung einer Bibliothek. Eine sofortige Sammlung ergab 155 Fr. Ter Züricher Misrachi-Berein zählt bereits 100 Mitglieder. Zürich. Kaufeas Zisroel-zugendgruppe. In der A. J.-Jugendgruppc sprach S. Englard über das in Uguda-5kreisen geprägte Wort „Aguda- Nationalismus". Die Agudas-Jisroel werde dem wahren jüdischen Nationalismus gerecht, der das Typische und Ureigne des Volkes, sein Denken und Fühlen, Streben und Sehnen umfaßt. Der Nationalismus der Agudas- Jisroel sei nicht nachgeahmt, sondern auf jüdischem Volksboden entstanden. Rabbiner Dr. Lewenstein führte sodann folgendes aus: Der Aguda-Nationalismus unterscheidet sich von dem - Rationalismus der zionistischen Organisation darin: während das zionistische Programm sich in der Hauptsache nur .mit dem Zukunftsstaat befaßt und eine absolute Neutralität gegenüber der jüdischen Religion bewahrt, erstrebt die Agudas-Jisroel dagegen die „Lösung der jeweiligen jüdischen Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora". Unter diesen Satz falle auch die bei den Juden heute im Vordergründe stehende Palästinafrage, die Agudas-Jisroel will auch diese im Geiste der Thora lösen. Die Agudas-Jisroel als der Gesamtausdruck des ganzen mannigfaltigen jüdischen Volkswesens in allen seinen geistigen und materiellen Bedürfnissen betrachtet das Thvralcben auf allen Gebieten des Volkslebens als einen lebensnotwendigen verjüngenden Lebensnerv des jüdischen Volles. Hierin unterscheide sich die Agudas-Jisroel-Bcwegung von den anderen Organisationen. Der Krieg »rrd die Jude«. Frankfurt a. W. Kanonier Julius Rosenthal, Sohn von Ferdinand Rosenthal, Weihcrstr. 4, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Kl. Wien. Blochs „Oelterr. Wochenschrift" verzeichnet folgende Auszeichnungen an Juden: 2 Eiserne Kronen-Orden 3. Kl., 2 Ritterkreuze des Franz Joscf- OrdrnS, 20 Mllitärverdienstkreuze 3. Kl., 15 silb., 33 bronz. Signum laudis, 21 gold. Aerdienstkreuze mit der Krone, 14 gold. Derdienstkreuze, 8 silb. Verdienstkreuze mit der Krone, 1 silbernes Verdienstkreuz, 30 silb. Tapferkeitsmedaillen 1. 5kl., 78 2. Kl. Periö«slie» «. kleine Mittellrmge«. Nürnberg. Die Familie Tuck mann stiftete der Stadt 200,000 M. Tie Summe soll nach dem Ableben der Witwe und dem kinderlosen Ableben des Sohnes mit der „Ernst und Flora Tuchmannschen Familienstiftung" (Mark 500,000) vereinigt werden.; Eeheimrat Alfred Nathan- Fürth hat 150,000 Mark anläßlich der goldenen Hochzeit des Königspaarcs als Stiftung zur Beschaffung von Wohnungen für kinderreiche Familien u. dgl. gespendet. fUrnBcrg. Am'Srichter Joseph Hesselberger wurde zum O b e r a in t s r i ch t c r und Hofrat Emil Fechheimer zum Handelsrichter ernannt. Durgprrppach. Die Israelit. Prävarandenschule verausgabte in ihrem letzten Berichtsjahre 13,151 Mark für Lehrergehälter und Pensionen, und 3373 M. für Unterstützungen an bedürftige Schüler. Die Zahl der Schüler betrug 46. Dresden. Auch die sächsischen Rabbiner habe« sich diunmehr zusammcngeschlossen. Am Sonntag, den 24. Februar 1918 ist in Dresden eine „Bereinigung der Rabbiner im Königreich Sachsen" gegründet worden. Zum Vorsitzenden wurde Herr Prof. Tr. Winter irr Dresden gewählt. - Budapest Die Gattin des verehrten OberrabbinerS Koppel R e i ch ist im Alter von 76 Jahren verschieden. Petersburg. Die maximalistische Regierung hat die angesehenste jüdische Zeitung Petersburgs, das „Petrograder Tageblatt"' verboten und einen Hauptleiter des Blattes, Jizchak G r ü n b a u m, verhaften lassen, weil das Blatt die Verordnung des Anzeigenmonopols (das die Bolschewik zwecks Stärkung ihrerer eignen Presse erlassen haben) überschritten hatte. Weiter wurden die bekannten Schriftsteller und Publizisten: Trabkin, Benzion Kotz, tKatzenelsohn, Saslawski, Kamusz, KliwanSki, Giles und OskotSki in Haft genommen. Zürich Die Initiative für das jüdische Lungenkranken heim in Davos geht vorwärts. In der Sitzung vom letzten Sonntag wurde von Herrn Saly Guggenheini (Alschwll) ein Beitrag von Fr. 25,090 gezeichnet. Die Zeichnungen ergaben bis heute die Summe von 50,000 Francs. Es gehen fortgesetzt neue Zeichnungen ein. Paris. Motte Schwab, B blwthekar an der Nationalbibliothek, Uebcrsetzer des Jerusalemischen Talmuds ins Französische, ist — 78 Jahre alt — verschieden. Kopenhageu. Die Londoner interallierte Sozialistenkonfereuz verlangt in ihrem Me.norandunl betreffs der Kriegsziele für die Juden aller Länder vollständige Gleichberechtigung und spricht die Anschauung ans, daß Palästina ein freier Staat unter internationaler Garantie werde, wohin alle Jrrden, die cs wünschen, zurückkehren können, um sich tohirc Einmischung der Angehörigen fremder Rassen und Religionen zu eigener Freiheit dnrchzuarbeiten. Frankfurter Berichte. Israelitischer HülfSverein. Ter Israelitische Hülfsverein verausgabte vom 1. Okt. 1916 bis 30. Sept. 1917 46,469 M. an Unterstützungen und 655 M. flir Wanderbettel. Tie Ausgaben des ihm angeschlossenen Rosch-Chodesch-Bereins betrugen 2550 M. Berelu für jüdische Geschichte und Literatur. Ter Verein für jüdische Geschichte und Literatur veranstaltete letzten Sonntag mit einem auserlesenen Programm und auserlesenen Kräfte» (Schauspieler Alfred .Auerbach, Carl R e h f u ß und Kapellmeister Holde) einen musikalisch-deklamatorischen Abend mit biblischen Motiven. Nächste» Sonntag, abends 8V^Uhr, wird Nabb. Tr. Horot> itz über S h Y l o ck sprechen. Ter Vortrag findet in der Frankfurt-Loge statt und ist auch Nichtmitgliedern zugangig. Frühehekaffe 1914-16. Tie Frühehekassc 1914—16 ist eines der bedeutsamsten Arbeitsgebiete des Jüd. Frauenbundes. Sie besteht darin, daß sie nach dem Prinzip der Volksversichernng durch einen prozentualen Anteil an dem Vcrsicherungsgewknn einen Fond ansainmelt, aus dem die Frühehekasse in die Lage versetzt wird, jiidischcn Brautpaaren ein Keines Hciratsgut zugänglich zu machen. Ter Plan beruht darauf, daß die Versicherung von allen Kreisen eingegange» wird, damit der pekuniäre Vorteil wiederum vielen zugetcilr werden kann. Um die Idee anszuführen, d. h. um wirklich eine wesentliche Förderung der Frühehe durch diese Kasse in Aussicht zu stellen, bedarf es großer Geldmittel, die versicherimgstcchnisch dem Frauenbünde dann reichlich zufließen, loenn es gelingt, im Laufe der Zeit eine große Anzahl von Versicherungen abzuschließcn. Darum sei auf die Frühehekassc des Jüd. Frauenbundes hingewiesen als eine Stelle, der dem altjüdischen Gedanken der „Hachnosath Kaloh" eine moderne Form gibt. Es sei ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen, die die Volksversicherung eingehen, nach keiner Richtung auf ihre Rechte an die Versicheruiigsgesellschjast zu verzichten haben, vielmehr genießen sie den Vorteil, einen näheren Anspruch an die Fcühehekasse selbst geltend machen zu können, wenn der versicherte Knabe oder Mädchen als Verlobte Anspruch machen wollen. Für die Entgegennahme der Versicherung ist nur notwendig, daß beide Teile der Ehcschließenden Juden sind, und daß sie ein ärztliches Gesundheitszeugnis beibringen. Die erllärenden Drucksachen, Pvlizen usw. sind durch die Geschäftsstelle „Frühehekassc" Frau Kaufmann, Staufenstraße 31 erhältlich, und auf Wunsch wird eine mit Legitimation versehene Vertreterin des Jüd. Frauenbundes kommen, um den Abschluß der Versicherung auszufiihren. Eltern können sowohl ihre eigenen Kinder, Knaben wie Mädchen versichern als auch Pfleger, Vereine oder sonst sozial interessierte Personen Kinder versichern, für die sie eintrcten wollen. Mit dieser persönlichen Sorge vertritt und fördert man in der Frühehekassc noch den Gedanken der Pflege und Erhaltung der jüdischen Volkskraft. „VICTORIA» Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Hansa Tel. 2002. |§ GljUgUlStrSSSü 18. Hansa Tel. 2002. Spezialität: Kragen, Manschetten und Hemden. leuiffeton. Bögele der Maggid. Von Aron David Bern st ein. (Schluß) Der würdige Mann blickte das Mädchen mit jo tiefeni Sinnen und so voll Staunen an, daß er gar nichts sprechen konnte. Das waren ja.die ernsten Sorgen, die ihn in den letzten Nächten beschäftigt und ihn bei all den, Jubel seiner Seele bedenklich gemacht hatten! — Nr. 9. Er schwieg und schüttetenur fortwährend den jfeops hin und her, die Augen auf Vögele gerichtet. Aber wie ein Jubellächeln fuhr es über das Antlitz Vögcle's und sie preßte beide Hände ineinander unr rief mit Jnnigkeitt: „Es hat ausgedacht mein Herz eure gute Sache, und das will ich euch sagen in meiner Deroschoh und die wird sein mit Gottes Hits ein Tachliß für alle!" Sie hielt inne. „Red', du lichter Maggid von Gott!" sagte Red Noach fast demütig; „ich höre, als wenn , da möcht' reden ein Prophet, denn du redest Gedanken aus de» Winkeln meines Herzens heraus." Eine ganze Weile blieb Vögele ruhig, dann plötzlich sagte sic mit munterer frischer Stimme: „Neb Noach leben, borgt mir euer Fuhrwerk!" „Was?" sagte dieser ganz erstaunt: „mein Fuhr werk? mein Pferd und Wagen?" »Ja!" sagte sie, „ich muß es euch hineinstelleu in meinen Text." - Der barocke Sprung machte den würdigen Man» wieder so hell auflachen, daß alle die leisen Wolken der Sorge auf seinem Antlitz wie fortgewischt waren. Vögele ließ sich gar nicht stören, sondern fuhr in deiit muntern Tone fort: „Von heut über vierzehn Tag ziehen wir heraus Pferd und Wagen aus dem Stall; denn ihr fahret zur Messe nach Frankfurt. Und auf den Wagensetze» wir hinauf die zwei liebe Bachurim neben euch. Und wir drei Weiber gehen mit euch hinaus zum Geleit bis in das Wäldchen, und wenn wir Abschied genommen haben, fahret ihr zu, und wir drei werden stehen- und euch Nachsehen bis um die Ecke herum und tverdcn euch nachbeten: „Gott segne euch und behüte eucheuch nachbetm: „Gott segne euch und behüte euch mit ganzem Herzen!" „Und wenn ihr werdet gekommen sein-nach Frankfurt und dort gemacht habt euer Geschäft znm Glück und Segen, dann sollt ihr nehmen die zwei Bachurim an die Hand und sollet , sie führen zu all den jüdischen Kaufleuten von der großen Stadt Berlin, und sollet sprecheil zil diesen also: „Es ist bekannt von Eckwelt zu Eckwelt, daß ihr Berliner seiet große Gojim;*) aber daß ihr habt gute, jüdische Herzen und helfet auf alle» armen jüoischen Kindern, die da kommen Jahr aus. Jahr ein zu euch, um was Gutes zu werden. Da habe ich einen Bachur, den Zempelburgcr, der will tverde» ein guter Lehrer; aber ein ganz guter; denn er ist ein starker Gelehrter in allenheiligen Büchern und er hat auch schon gelesen ganz gute schwere deutsche Bücher, tvv er den Sinn ganz allein herausgefunden. -— Und da ist noch ein Bachurchen, ein Charifchen, der ein Köpfchen hat, das nicht mehr zu finden ist in der Welt; und dieser toird lernen bei Nacht alle Wissenschaften, die die nichtjüdischen Gelehrten ausgeklügelt haben; und bei Tag sollet ihr ihn machen zu einem guten Kaufmann; denn er hat einen Verstand, daß er wird iii einem Jahr mehr lernen, wie ihr in sieben Jahr! Und ihr - sollet geben den Beiden „ein Stuhl und einen Tisch. und ein Bett und ein Licht und ein bischen Brot zu essen und ein Gewand anziehen." Und drei - Jahre sollen sie bleiben bei euch, und dann werden sie euch Ehre machen in der Welt!" „Und Reb -Noach, wenn, ihre werdet, also reden aus dem Herzen, werden eure Worte auch hinein gehen in die guren Herzen von den großen Göjim. Und die Bachurim werden sein in Berlin drei Jahr und wir werden hier seiil!" Vögcle's Stimme zitterte ein tvenig; sie hielt inne und wischte sich nach einer Weile den leisen Hauch aus den Augen, der ihren Blick uinflort hatte. Um so munterer fuhr sie fort: „Bon heut über drei Jahr konimen die zwei Bachurim heim und finden euer Haus gesegnet. Uno ihr, Reb Noach, werdet erfüllen, was ihr gelobt habt vor Gott und werdet auftreten und geben das erste, Geld .zum Barren einer Schule für jüdisch urrd für deutsch, für alle Kinder der K'hilla und die Schule wird man bauen zweistöckig auf den Platz unsrer alten Mikwe. — Und wenn die Welt toird sehen den Zempelburger mit seinen guten großen Attesten von der Regierung und von Altenstein, wo geschrieben steht, daß er .kann sein ein guter Lehrer in der ganzen Welt, dann wird man wissen, daß da vorhanden ist jüdische und weltliche Gelehrsamkeit, die da gut ist für Anfang und Ende! Und »reiner Golde's Herz wird beglückt werden ohne Ende, daß'sie ihren Lohrr erhält für all' Nr. ihre SS Heiligki Si au ihr ,,r eurem dienen „nicht mein E cc wir! der, w Rat"; Betriel gelobt zittenri S sprach Tachliß Rl sondert jemand endlich sprach „« gerichtt günstig ein Wi Erd!" W Lebens klar, I aller,; bekam davon, und u sale bl das sl großen nennt. nach i cmpfai cntgan Vögele sah ei Sind Herze» „Licht mußte mem ,, tun h mit G du mi man j die W — Rl Herz, doch 1 denken Stimr das n seh, N ihrer das K kann liegt, »daß n * daß s strauck umkeh aus r lern;' Ich' h gestra ’) D. h. daß sie in Rücksicht auf die ritualen Gesetze einen nichtjüdischcn Lebenswandel führen. .. . . Engel sich h C wegth 2) ,8) Hosiar auch^r