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Neue jüdische Presse · 1918-02-15 · Heft 7 (15.2.1918) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 7 (15.2.1918)
Date
1918-02-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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«! 7. frankfurter Israelitischer Fantilienblatt. Seite 8 ZL. 1. Bodehftsi, Herrewchneider Frankfurt a. Mala, Modenastnsae §». 1 Telephon: Römer 3610. FEINSTE IHASS>§CBNEIDEBEI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. 23 d) vorhielt, erwiderte er: Den damaligen Geschlechtern genügte zur Gewöhnung rin Tag Thorastudium um» frommer Werke, doch den heutigen Menschen genügt dazu ihr ganzes Leben nicht." Ebenso hielt er die Befolgung all der Borschristen nicht für die Hauptsache, sondern die innerliche Herzensregung bei jeder vorgeschriebenen Handlung. Es ist seltsam, daß auch in dieser Beziehung Baalschem einem der größten Denker unserer Zeit zuvorkam. In seinen Schluß-- betrachtungen zu den zwei Aufsätzen „Gesinnung" und „Der Nächste" *) schreibt Hermann Cohn: „Die Gebote Gottes werden sinnlos, wenn sie nicht die Gesinnung des Menschen treffen und sie erwecken. Und ebenso ist aller Gottesdienst des Menschen, wenn er nicht der Gesinnung entströmt, nichts als Götzendienst." „Mizwas zrichos. Kawanna", die Gebote fordern Gesinnung. Nur wenn man auch bei der kleinsten Handlung seine Gedanken auf Gott richtet, ist das Wort Gottes befolgt. i Bei jeder Handlung muß der Mensch auf seinen Leib als auf den heiligsten Gegenstand auf Erden als auf einen Teil der höchsten göttlichen Kraft („Chelek eloka mimael") schauen. Er wird sich'dann vor schlechten Gedanke» hüten. Das Hirn des Menschen kommt dem Allerheiligsten im Tempel Gottes gleich, als stünde darin die Äundeslabe und die zwei Tafeln des Bundes; es ist das Edelste und Erhabenste im Menschen. Durch den ungeweihten Gedanken stellt man jedoch einen Götzen in Gottes Allerheiligstes. Daher soll der Mensch immer nur an die Lehre und an Gottesfurcht denken. Und wenn er seine Hände zu einer Handlung emporhebt, so denke er,. seine Hände seien die Cherubim.^) (Fortsetzung folgt.) Reue Zeit. Für den Zionismus ist seit einigen Wochen eine neue Zeit hereingebrochen. Nach langen Jahren, in denen man ihn totgeschwiegen, lächerlich gemacht oder befehdet hat, ist plötzlich der Umschwung eingetreten, eine Hochflut von Druckerschwärze trägt ihn plötzlich in die Spalten aller Zeitungen, wo er aus der Rubrik des „Vermischten" in den politischen Teil übernommen wurde, und alle Welt entdeckt ihr zionsfreundliches Herz. Regierungen geben Erklärungen ab, die in ihrer Zusammenfassung fast eine internationale Garantieleistung für das zionistische Endziel bedeuten, Minister äußern sich in schmeichelhafter Weise über die Bedeutung der Bewegung und selbst ein Maximilian Harden — dem es besser anstände, der jüdischen Gemeinschaft das Peinliche seines Lobes zu ersparen — kann nicht vorübergehen an dem sensationellen Stoff, der soviel Anlaß zu geistreicher Sprachverdrehung bietet. Der deutsche Zionist, der seit Jahr und Tag in der Bewegung steht, ist versucht, angesichts des allzu schnellen Wandels der Dinge auszurufen:„ZuvieldesGlücks!" Derjenige, der es miterlebt hat, wie die Bewegung so ganz von innen heraus gewachsen ist und ein gut Teil ihrer Kraft nicht anders gewonnen hat als im Widerstreit mit den zahlreichen Hemmnissen, die sich bisher im engeren und weiteren Kreis dem entgegenstelltcn, der sein Leben auf der Grundlage nationaljüdischen Denkens und Fühlens ausbaute, der sieht mit Mißtrauen auf die scheinbar allzu glatte Straße, dix den eben begonnenen Wcgabschnitt des jüdischen Nationalismus darstellt. Gleichsam über Nacht hat sich uns „das Wunderbare" genähert, und wir stehen im Lichte einer neuen Sonne, zu deren allzu starkem Glanz wir vorläufig nur — blinzelnd emporzublicken vermögen. Kein Zweifel: wir alle freuen uns dieser Sonne. Wir alle lauschen Mit angehaltenem Atem dem Frühlingssturm des neuen Judentums, der uns aus all den bedeutsamen Begebnissen der letzten Wochen entgegenweht, ob sie'nun aus England oder Oesterreich, aus der Türkei oder aus Deutschland gemeldet werden. Wir stehen mit Andacht an dem Markstein der jüdischen Geschichte, hinter dem wieder ein gemeinsames Schreiten alles jüdischen Lebens auf der breiten Straße des jüdischen Volkes beginnt. Wir stehen aufrecht und stolz im hellen Licht der Oefsentlichkcit, von dem wir wissen, daß es dem Wachstum unseres Gedankens so not tut wie das Sonnenlicht allem organischen Leben. Wir sehen mit jenem llaren Blick für das Male, den die Arbeit im Dienste der Partei geschärft hat, den Riesenschritt, den die Bewegung vorwärts getan hat, sehen zu Seiten unseres Weges die Trümmer der Vorurteile hinweggeräumt, die bisher diesen Weg zu einem Umweg krümmten. Wir freuen uns all dessen —. und dennoch! des Glückes ist zu viel, das Licht ist zu hell! Wir sind es so sehr gewohnt, auf die Schatten zu achten; daß uns unmöglich der tiefe Schatten entgehen kann, der naturgemäß die Folge des Hellen Lichtes ist, Lessen wir uns neuerdings erfreuen dürfen: Und es wird wohl nicht als ein Zeichen von Kleingläubigkeit gedeutet werden können, wemi wir schon in erster Stunde darauf Hinweisen, daß die „neue Zeit" nicht nur Wege geebnet hat, ' sondern auch neue Probleme schuf, deren Nichtbeachtung sich rächen muß. Das Hauptproblem liegt darin, haß der Zionismus plötzlich vogelfrei geworden ist! Bogell) „Vym Judentum", Aufsätze und Vorträge, Herausgegeben vom Verband der Deutschen Juden, Heft 6/6. -) Rabbi Lewi Jizchak von Bardytschew, erwähnt im Werke „Die Erlösung Israels" von seinem Schüler Rabbi Aron von Zythomir. frei für eine ganze Menge Menschen, die bisher ihm ängstlich aus dem Wege gegangen sind und Wert darauf legten, möglichst oft und möglichst öffentlich zu manifestieren, daß sie nichts weniger als Zionisten seien.. Dieselben Gründe, die vormals für diese Leute maßgebend waren, um auf so reinliche Scheidung zu dringen, werden eine ganze Reihe von ihnen jetzt veranlassen, „mit wehenden Fahnen und klingendem Spiel" ins zionistische Lager überzugehen. Prophezeien ist sicher ein mißlich Ding, aber man müßte sich in der Psyche weiter jüdischer Kreise bei uns sehr irren, wenn nicht in nächster Zeit der Zionismus in Deutschland in Mode kommen sollte. Alle Voraussetzungen sind dafür gegeben. Nachdem nun auch von Seiten der deutschen Regierung eine Sympathiekundgebung erfolgt ist und demnächst vielleicht ein amtliches Aktionskomitee seine Tätigkeit beginnen wird, ist zu erwarten, daß der deutsche Spießer jüdischen Glaubens es demnächst für ein Erfordernis seiner — deutschen Loyalität halten wird, sich „Zionist" zu nennen. Und da es leider nicht möglich ist, dieses Wort vor solchem Mißbrauch zu schützen, so steht zu erwarten, daß früher oder später dieser. Neo- und Pseudozionismus eine so ernste Gefahr für die Bewegung als solche bedeuten wird, daß die Sorge ihretwegen einen bitteren Tropf im Kelch unserer Freude bedeutet. Was wir keinen Augenblick vergessen dürfen, um den Ereignissen gegenüber stets den richtigen Wertmesser zu bewahren, ist folgendes: Was von außen an uns herantritt, kann sehr bedeutungsvoll sein und beansprucht >msere größte Aufmerksamkeit, für die Entwicklung der Bewegung aber bleibt es von sekundärer Bedeutung. Das Wichtigste, das Entscheidende, kann nicht von außen kommen, von deiner Regierung und von keinem Minister. Wir treiben keine „Erfolgspolitik". Was würde uns die Erreichung aller „Programmpunkte" helfen, zu deren Berwirllichung wir allerdings auf jene Hilfe von Außen rechnen müssen, wemr die jüdische Gesamtheit nicht reif wäre, mit dem wieder erworbenen Besitz zu schalten und walten im Geist des jüdischen Ingeniums. „Der Zionismus ist die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland!" Dieses Wort Herzls gerade heute wieder sich vor die Seele stellen, heißt die Seele wappnen gegen die Lockungen eines Opportunismus, der dem Wesen der Bewegung fremd ist. Je aussichtsreicher die Rückkehr ins Judenland erscheint, um so größer mutz unser Streben sein um die Rückkehr zum Judentum! Je mehr Kraft frei wird durch das Fallen äußerer Hindernisse, desto mehr Energie muß konzentriert werden auf die restlose Nationalisierung des Judentums. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der große Erfolg des Zionismus besonders auch vor der deutschen Oeffentlichkeit ungünstig wirken muß auf die Mission innerhalb des deutschen Judentums. Wir haben bisher um die Seelen gerungen, jetzt werden wir uns all der „Seelchen" nicht erwehren können, die kampflos auf glatter Straße zu uns herüberkommen, und es wird schwer sein, da zu wägen, wo nur das Zählen ein Maß ergibt. „Hüte deine Seele vor dem Karrieremachen" — das gilt auch für den deutschen Zionismus. Im letzten Grunde, ist auch dies nur eine Belastungsprobe des Geistes, der uns beseelt, keine leichte, aber immerhin eine, die wir bestehen können, wenn wir uns den Blick nicht vom „Erfolg" blenden lassen. In dieser Hoffnung freuen wir uns unserer Freude am großen Wandel der Zeit, und hoffen, daß diese unsre Freude fruchtbar sei. Im Felde. ' Cheskel Zwi Klötzel. Aus aller Welt. Deutsche» Reich. . Kolberg. Jüdisches Kurhospital. Teni 43. Jahresbericht des Jüd. Kurhospitales entnehmen wir: Ter Betrieb der Anstalt wurde am 14. Juni eröffnet und mußte bereits am 30. September wieder geschlossen werden. In dieser Zeit wurden von 1200 Bittstellern, die ihre Aufnahme in das Kurhospital beantragt haben, nur 388, und zwar 245 in Freistellen und 143 in Zahlstellen, aufgenonimen. Unter den Pfleglingen wurden 127 Erwachsene und 261 Kinder, 185 männlichen und 203 weiblichen Geschlechts gezählt. Die Pflegezeit erstreckte sich in der Regel auf vier Wochen, dehnte sich aber bei denjenigen, für tvelche eine Verlängerung der Kur durch Verordnung des leitenden Arztes angezeigt war, auf sechs Woche» und bei einzelnen noch weiter aus. Im ganzen wurden 14 326 Verpflegungstage, und zwar für Pfleglinge 12278 und für das Hauspersonal 2047 gezählt. Oesterrrich-ANgar«. Wie«. Sie Organisierung der jüdischen Jugend r» Oesterreich. Im Anschluß an die im Beisein von über 150 Personen stattgefundene Aussprache über die jüdische Jugend, Ende vorigen Jahres, wurde ein vorbereitendes Komitee zur Gründung einer Zentralstelle der jüdischen Jugendgruppen in Wien ins Leben gerufen. Das Komitee besteht aus den Delegierten von 24 Jugendgruppen, so daß Mit Ausnahme der Turner, die sich demnächst offiziell anschließen werden und der Arbeiter, die Scala - leicht spiele Sch&fergasse 29. Schäfergaase 29. Modernes Theater Yostthrong stets neuer und hervorragender Filme. Kaffee Kaiserga^ten am Opernpl&tsc _ Eretklasgige» FaraiUea-fiaffe« Jeden Nachmittag von i bis 7 Uhr nad Abend von 8V* Uhr ab SST" BLünsti er«HLoriiBeirt. einen Anschluß ablehnen, alle in Wien vorhandenen Jngenbgruppen in dieser Organisation zusammengefaßt sind. Sie zählt schon heute über 1600 Mitglieder. Die Leitung der Organisation obliegt dem bekannten Vorkämpfer der jüdischen Jugendbewegung in Oesterreich, Dr. Siegfried Bernfeld. Bon Mitte Januar ab gibt die Zentralstelle die „Blätter aus der jüdischen Jugendbewegung" heraus, die als Organ für Nachrichten und Mitteilungen gedacht sind, während eine andere Zeitschrift „Jerubaal", deren baldiges Erscheinen bevorsteht, der theoretischen Behandlung der jüdischen Jugendfrage gewidmet werden soll. Die Zentralstelle selbst plant für die nächste Zeit eine Anzahl von Institutionen für die jüdische Jugendbewegung zu gründen, unter anderem die Schaffung einer Lesehalle und Bibliothek, ferner die Aufführung hebräischer und jüdischer Theaterstücke zu billigen Preisen und die Veranstaltung von Vorlesungen jüdischer Schriftsteller. Für den Monat Februar ist eine Konferenz der jüdischen Jugend behufs Förderung der hebräischen Sprache unter der Jugend einberusen, und weiterhin wird geplant, im Monat Mai einen allgemeinen österreichischen Jugendtag einzuberufen. Ein jüdische» Theater in SSien. Eine kleine kapitalkräftige Gesellschaft nationaler Juden beabsichtigt die Gründung eines jüdischen Theaters in Wien. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen erscheinen durch den Zuwachs von galizischen Juden in Wen, der im Kriege erfolgt ist, gegeben. Für den Fall, daß sich das Projekt verwirllicht, haben sich ihm an deutschen Bühnen tätige, wertvolle künstlerische Kräfte, die schon seit einiger Zeit im Sinne einer Hebung des jüdischen Theaters wirken, wie auch literarische Persönlichkeiten von Rang zur Verfügung .gestellt. Der Verbreitung jüdischer Bühnenkunst dient auch ein Unternehmen der „Zentralstelle jüdischer Jugendgruppen in Wien", die eine „jüdische Jugendbühne" zur Ausführung jüdischer Autoren ins Leben gerufen hat. Krakau. Sin jüdischer Kongreß in Sallzien. In Krakau fand eine Beratung galizischer Zionisten unter Vorsitz von Dr. Wahrhaftig statt. Är. Ringel erstattete einen Bericht über die zionistische Landespolitik in Galizien und betonte die Notwendigkeit, sehr bald einen Kongreß der gesamten galizisch-buko mini scheu Judenheit zu organisieren, um ein einheitliches Programm und Direktiven für die jüdische Politik in Galizien festzustellen. Nach einer eingehenden Diskussion wurden folgende Beschlüsse angenommen:. 1. Im Einverständnis mit den Distriktsorganisationen in Lemberg und Stanislau und mit dem Exekutivkomitee in Wien soll möglichst schnell eine Parteikonferenz der galizischen Zionisten einberufen werden. 2. Nach einer Verständigung mit anderen nationaljüdischen Parteien in Galizien und der Bukowina sollen die Vorbereitungen zur baldigen Einberufung eines galizisch-bukowinischen Kongresses in die Wege geleitet werden. 3. Es wird beschlossen, in Krakau ein wöchentlich erscheinendes Parteiblatt in polnischer Sprache herauszugeben. Es wurde dann eine Kommission gewählt, die mit der Durchführung dieses Beschlusses beauftragt wurde. Pole». * Warschau. 4. Februar. Zum Tode Tschleuow». Ter Tod Tschlenows hat hier tiefe Trauer auSgelöst. Bald nach- Bekanntwerden der Nachricht trat das ZK. der zionistischen Organisation zusammen. Zunächst wurde als allgemeiner Trauertag Donnerstag, 14. Februar, festgesetzt. An diesem Tage sollen die Schüler der dem zionistischen Schulkuratorium unterstellten Schulen von dem Unterricht ganz oder teilweise befreit und über Bedeutung des Verstorbenen für das jüdische Volk aufgellärt werden. Die jüdischen Ladenbesitzer sind zu veranlassen, tunlichst ihre Geschäfte an dem ganzen Tage als Zeichen der Trauer geschlossen zu halten. In verschiedenen Synagogen werden Gedenkfeiern veranstaltet. Eine der jüdischen Volksschulen soll nach Dr. Tschleuow benannt werden. Warschau. Wisrachi-Bewegung Tie Misrachi-Bewegung nimmt in Warschau und» in anderen Städten Polens einen lebhckften Auflchwung. Ter Misrachi-Gedanke hat namentlich auch bei den Gemeindewahlen in verschiedenen Städten bestimmend gewirkt. Es sind in kurzer Zeit über 10000 Msrachi-Schekel gezeichnet Warschau. Sine Konferenz der Mischen Parteien mit »er polnischen Regierung. Das polnische politische Departement hat beschlossen, VertretersämtlicherjüdischenParteien zu einer Konferenz einzuladen, bei der bie einzelnen Parteien ihr Programm in der polnischen Judenfrage formulieren und Mitteilen sollen. Eingeladen werden die Assimllanten, Orthodoxen, Zionisten, die Volksgruppe und die beiden Arbeiterparteien: Poale-Zion und ,^8und". Die Konferenz wird unter dem Vorsitz des Leiters des polnischen Departements, des Grafen Rostworowski, stattfinden, außerdem werden auch einige andere polnische Minister daran teilnehmen, möglicherweise auch der Ministerpräsident selbst, Kucharzewsky, bei der Konferenz zugegen fein.

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