Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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kl» U| Ssüe 2. Wer die entsprechenden klerikalen katholischen Kreise, die solchen Erziehnngsprinzipien huldigen, vermögen wenigstens in ihren Erziehungsanstalten und Fortbildungskursen der Jugend eine von ihren Voraussetzungen ausgehende Literatur und Geschichtsschreibung darzubieten. Die jüdische Orthodoxie in Deutschland, die Graetz in Verruf lim wlll, vermag keine anderen Historiker zu nennen, aus die sie die geschichtseifrige Jugend Hinweisen könnte. Denn HalevYs Daurauth horischaunini ist keine Geschichtsdarstellung, sondern lediglich eine Kritik des Graetzschen Werkes und zum Unterricht schlechterdings nicht geeignet, und andere orthodoxe Histoker — auch das von einem Diskussionsredner genannte Merkchen von Löwenstein „Lebensbilder unserer Großen"— eigen sich nur für recht kümmerliche historische Ansprüche. Nicht genug, selbst auf dem Gebiet der jüdischen Wissenschaft, — sei cs Bibel oder hebräische Sprache, jüdische Geschichte oder Grammatik, — nur ganz vereinzelt wirkliche Wissenschaftler hervorgebracht zu haben, verpönen die Führer der deutschen Orthodoxie die Beschäftigung mit der jüdischen Wissenschaft überhaupt, da sie nur. die von orthodoxer Seite herbeigetragenen minimalen Bausteine am Gebäude jüdischer Wissenschaft anerkennen wollen. Zu den vielen Unterlassungssünden, deren sich die jüdische Orchodoxie im 19. Jahrhundert schuldig gemacht hat, gehört nicht zum wenigsten die, daß sie das in ihr vorhandene jüdische Wissen in viel zu geringer Weise mit allgemeiner Wissenschaftlichkeit verbunden hat, sodaß, um ein Beispiel zu nennen, die Bibelwissenschast fast ausschließlich von Christen betrieben Wurde, die in fast allen Fällen bewußt oder unbewußt das alte Testament hinter dem neuen zurüitzustellen suchten. Wer selbst einmal angenommen, es gäbe eine Reihe von orthodoxen Darstellungen der jüdischen Geschichte — bekanntlich ist die jüdische Geschichtsforschung überhaupt immer noch ein in der Entwicklung stark zurüctzebliebenes Kind —, es bliebe immer noch ein außerordentlicher Mangel an Selbstvertrauen, der Jugend alle anderen Darstellungen vorzuenthalten. Mögen Schulmänner entscheiden, ob ein solches Verfahren für die Schuljugend angemessen ist, für die in jeder Beziehung kritischen Jahre, die der Schulentlassung folgen, dürfte ein solches Verfahren zum mindestens die Gefahr in sich schließen, den Gesichtskreis zu verengern oder des historischen Denkens völlig zu entwöhnen. .Psychologisch völlig unverständlich aber ist es, wie gerade ein Schulmann, und zumal ein Leiter einer der wenigen jüdischen höheren Schulen in Deutschland, den Wert der Geschichtsbildung derartig unterschätzen kann. Wie möchte der, der die Geschichte seines Volkes nicht kennen lernt, wirklich mit ihm verwurzeln, wie der, der die Leiden des Judentums im Laufe seines vieltausendjährigen Martyriums nicht kennen gelernt hat, die politische Schulung erhalten, um zu den politischen Problemen dm jüdischen Gegenwart Stellung zu nehmen? Hat die jüdische Orthodoxie in Deutschland immer noch keine Lehren daraus gezogen, daß sie im ganzen 19. Jahrhundert aus einer Position nach der anderen verdrängt wurde, weil sie das Unglück hatte, den Wert wahrer Wissenschaft nicht zu begreifen. Spät erst kam ihr die Erkenntnis, daß wahres Judentum und Wissenschaft einander harmonisch ergänzen, spät erst hat auch die Orchodoxie Leuchten jüdischer Wissenschaft wie z. B. Jakob Barth hervorgebracht. Nicht, wenn man die Jugend von der Arena des Geistes fernhält, sondern nur, wenn man sie sich darin tummeln läßt, kann man erwarten, Männer des Geistes statt urteilsloser Masse hervorgehen zu sehen, und eine mit vielen Krancheiten gepeitschte Jugendzeit gibt eine höhere Immunität für spätere Jahre. Nicht minder zu verurtellen ist die Stellungnahme der Agudas Jugendorganisation zur hebräischen Sprachbewegung. Es ist freilich bezeichnend, daß einige Jugendgruppen, wie z. B. München, ohne Befragen der Leitung auf eigene Hand wie Geschichtsso auch Sprachkurse eingerichtet haben, und auch ein Vertreter der Berliner Gruppe trat energisch für solche ein. Wer demgegenüber unterscheidet Dr. Länge zwischen Loschaum hakaudesch und unmöglichem Neuhebräisch. Freilich übersieht er, baß auch der .von ihm so auf den Schild WaMWM F amilisMatt. gehobene Historiker Halevy in modernem Neuhebräisch seine Werke verfaßt hat. Es ist in diesem Zusammenhang immerhin bemerkenswert, sich der anerkennenden Worte über Achad Haam als Schrijtsieller und Stilisten zu entsinnen, die der verdienstvolle Herausgeber der orthodoxen Zeitschrift „Jeschurun", Dr. Wohlgemut!), in seiner Abhandlung über Achad Haam gefunden hat. In einer Zeit, in her zum ersten Male wieder aus dem Munde von eben sprechenden Kindern ein reines Hebräisch im Lande der Väter erschallt, in der auch in Westeuropa Jünglinge wie selbst Greise von einem plötzlichen Streben nach Erlernung der hebräischen Sprache getrieben werden, bezeichnen orthodoxe Juden das moderne Hebräisch als „unmöglich"! Als unmöglich bezeichnet sicherlich Direktor Dr. Lange auch den großen Thesaurus von Ben Jehuda, der ebenso wie der Stil Achad Haams dennoch eine Leistung darstellt, der die Kreise, die in der Agudah vertreten sind, nichts Annäherndes gegenüberzustellen haben. Aber nicht darauf kommt es an, eine solche Anschauung bloßzustellen, sondern, wie eingangs gesagt wurde, auf den Geist, der in der deutschen Orthodoxie die Führung hat, der hierdurch charakterisiert wird. Wenn dieser Geist die Herrschaft behaupten, so wird ein Kulturkampf unausbleiblich sein in dem Augenblick, in dem sich der Zionismus nach Kriegsbeendigung anschicken wird, seine politischen und kulturellen Ziele zu verwirklichen. Inwieweit dieser Kampf, den man nicht wünschen kann, zur Tatsache werden wird, wird in erster Linie davon abhängen, ob der Agudaskreis und diejenigen, die den Gedankengängen des Herrn Dr. Lange huldigen, sich wirklich am Neuaufbau Palästinas beteiligen wollen oder weiter einen unvernünftigen, die wahren Interessen des orthodoxen Judentums schädigenden Geist weiter züchten und vererben wollen. Es hat den Anschein, als ob die jüdische Orthodoxie ebensowenig wie bestimmte andere Teile der deutschen Judenheit aus diesen 3Va Jahren des furchtbaren Weltkrieges gelernt habe, aber vielleicht dürfen wir hoffen, daß. die großen Aufgaben, die nach seiner Beendigung der Gesamtjudenheit harren, auch die Orthodoxie mit neuem Geiste beseelen und wie es im Buche Esrah heißt: Gott ihre Augen erleuchte, sie zum Pflocke seines Heiligtums mache und ihnen Leben statt Knechtschaft verleihe. Aber wie sich die deutsche Orthodoxie entscheiden mag, ob sie aus der Geschichte lernen will oder nicht, an ihr selbst wird es vornehmlich liegen, ob sie nach dem Kriege einen Einfluß auf das .großx Werk des Neuaufbaus des Judentums gewinnen wird oder nicht. Mit Ansichten, wie sie Direktor Dr. Lange auf der Agudas Jisroel-Tagung vertreten hat, dürfte sie weder dazu in der Lage sein, noch viel Aussicht haben, die Jugend an sich zu fesseln. M. Die Gwigrmg der deutschen Zrrdeuhett. Aus Bern» komnrt eine überaus bedeutsame und erfreuliche Mitteilung: Sämtliche führenden jüdischen Organ isatinen in Deutschland haben sich zu einem gemeinsamen K0mitcc vereinigt, das alle großen jüdischen Fragen der Gegenwart behandeln soll. Mit der Gründung vieles Komitees tritt das deutsche Judentum als Gesamtheit eigentlich zum ersten Male im Verlaufe des Krieges aktiv in die Arena der gegenwärtigen großen jüdischen Politik. Wir haben schon des öfteren Gelegeicheit gehabt, auf die unbefriedigende Haltung der deutschen Judenheit im gegenwärtigen jüdisch-politischen Leben hinzuweisen, eine Haltung, die sich durch eine völlige Jnaktivität und Untätigkeit äußerte. Wir wiesen darauf hin, daß von allen großen Teilen des jüdischen Volkes das deutsche Judentum der einzige sei, der von einer aktiven und lebendigen Anteilnahme an den großen und entscheidenden Fragen des Augenblicks sich ferngehalten hat, und daß dies nicht nur ein Unrecht gegenüber der jüdischen Gesamtheit sei, sondern für die Dauer auch die Stellung des deutschen Judentums innerhalb des gesamten jüdischen Volkes überaus schädigen müsse. Nunmehr beginnt eine Wandlung einzutreten; und in den maßgebenden Kreisen des deutschen Judentums scheint man doch nun erkannt zu haben, daß diese passive Haltung nicht länger fortgesetzt werden darf und es höchste Zeit ist, daß bei der bevorstehenden Entscheidung von Fragen, die für' die Gestaltung der gesamten jüdischen Nr. e. Zukunft grundlegend sein müssen, auch das oeutsche Judentum seine Stimme erheben und seine politische und moralische Kraft in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen müsse. Daß diese Erkenntnis sich endlich dnrchgerungen hat, ist schon an sich ein bedeutsamer und nicht genug zu begrüßender Erfolg. Nicht minoer bedeutsam ist aber der Umstand, daß der Eintritt des deutschen Judentums in das aktive jüdischpolilische Leben des Moments in solch erfreulicher Form geschieht; daß gleich zu Beginn der Aufnahme seiner aktiven Betätigung an den internationalen jüdischpolitischen Fragen der Zusammenschluß all Richtungen und Parteien zu einem einheitlichen Gremium erfolgt ist, das geschlossen und einheitlich im Namen des deutschen Judentums Vorgehen und wirken kann. Damit hat die große Tendenz, die sich im Laufe dieses Weltkrieges in immer steigendem Maße innerhalb aller Teile des jüdischen Volkes durchgesetzt hat, auch im deutschen Judentum gesiegt: die Tendenz zur Einigung und Zusammenfassung des gesamten Volkes in der Vertretung seiner politischen Forderungen und im Kampf für seine politischen Rechte. Was in' Amerika und Rußland in der Form der Kongreßbewegnng sich vollzogen hat, ist gemäß dem weniger demokratischen Charakter des öffentlichen jüdischen Lebens in Deutschland innerhalb, der deutschen Judenheit in stillerer und einfacherer Form verwirklicht worden: durch den Zusammenschluß der bestehenden großen jüdischen Organisationen. Auch dieser Umstand, daß man in sämtlichen fühernoen Kreisen des deutschen Judentums begriffen hat, daß die gegenwärtige Stunde das geschlossene Auftreten der jüdischen Gesamtheit fordert und keine» Raum mehr läßt für die alte unselige Zersplitterung und Befehdung der verschiedenen Gruppen und Richtungen, und daß man aus dieser Erkenntnis in so konsequenter Weise die Folgerungen gezogen hat, zeigt, daß die führenden Männer der deutschen Judenheit dem Geist der Zeit zu verstehen beginnen und gesonnen sind, seinen Imperativen Folge zu leisten. Noch ist außer der Tatsache des Zusammenschlusses selbst nichts Näheres über die Zusammensetzung des neuen Komitees und, was nicht minder wichtig ist, über das Programm seiner Tätigkeit, das für Beurteilung entscheidend sein muß, in der weiteren jüdischen Oesfentlichkeit bekannt. Wir müssen daher mit einer näheren Besprechung des Komitees bis zum Bekaimtwerden all dieser näheren Umstände warten. Aber die Tatsache, daß sämtliche jüdischen Richtungen durch es vertreten sind, auch die zionistische, läßt schon jetzt darauf schließen, daß das Programm des Komitees sicherlich in Einklang stehen wird mit den großen Forderungen, die das Judentum der anderen Länder bereits proklamiert hat: d. h. im wesentlichen mit der Forderung nach dem Rechte der freien kulturellen Entwicklung für das Judentum des Ostens und der Schaffung eines jüdischen Zentrums in Palästina. Was es bedeutet, daß sämtliche jüdischen Organisationen in Deutschland sich zu diesen beiden Forderungewbekannt haben, braucht jetzt nicht näher ausgeführt zu werden. Die außerordentliche Bedeutung dieser Tatsache ist für jedermann verständlich. Sowie die Einzelheiten des Aktionsprogrammes bekannt sein werden, wird Gelegenheit sein, im einzelnen die Bedeutung dieses Ereignisses darzulegen und zu würdigen. Für heute begnügen wir uns mit dem Ausdruck der lebhaftesten Beftiedigung über die Gründung dieses politischen Gremiums und geben der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß alles Nähere sehr bald der breiten jüdischen Oeffentlichkeit bekanntgegeben werben wird. Es wird auch dies mit zu den Forderungen gehören, die die neue Zeit an das Komitee stellt, daß über sein Wirken die große jüdische Oesfentlichkeit genau informiert wird und keine geheime Politik hinter geschlossenen Türen von ihm geführt werden darf. Wir sind überzeugt, daß die leitenden Männer des Komitees auch für diese Forderung Verständnis haben werden. Wie aber auch im einzelnen noch die Tätigkeit des Komitees sich gestalten wird, die Tatsache selbst, daß das deutsche Judentum in geschlossener Front in das außerordentlich lebhaft pulsierende jMsch-politische Leben der Gegenwart eingetreten ist, mit dem festen Willen, sei«? Kräfte mit denen des Gesamtjudentums zu vereinigen, um die heiligsten Rechte und Ideale des. jüdischen Volkes zu verwirklichen, diese Tatsache darf als vollzogen betrachtet und als ein Ereignis von bleibender und außerordentlicher Bedeutung in. sämtlichen Kreisen des deutschen Judentums und des gesamten jüdischen Volkes begrüßt werden. Nr 80 Schüfe) 3 Yorfül Bon < N» Seiten 'die reli dismus Juden erblickte den Ai Chassid wuchtig dem I hohen Verkeur wuchs hatte f die grö Diaspoi wegung eine ne Keime■ Ater zu s< sicht, d, Mitte anderes üben u den, oh ihn wo Liebe: Do entgcgci beganm uehineii gemäß!, traurig! tut Kar mochte Vokte I Tode R ging s> Nachfol de» B ChBD» triebe * hatte, zwische, Dr Rabbi Gesang, seiner 5 tausend, Freude di»r uni dem R, desseit! kosigkei! hatte. Wo die Per schöpser bahnt, der chas wurzelt, die Rii, der Ha Eir ßen, di Kcnserr ist dies der hei die Fak C r* o f f bis 18' Thron Heß, T sannnen nnscrcs Auftrel, d ieses } ersten 9 übersieh onftlatl meinen nächst i dieser t Gebaut, rischen Me dismus. Chassid! in den Chattjd! Chassid! l') : Chochi ----- Erke *)! sowie C s\! und Er nistische