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Neue jüdische Presse · 1918-01-18 · Heft 3 (18.1.1918) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 3 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr 3 Seite 3 Scala - Lichtspiele SchSfergasse 29. Scbäfergasae 99. Modernes Theater Vorführung stets neuer und hervorragender Filme. Noch ist diese Entwicklung im Muß, doch schon jetzt Wird es immer deutlicher, welche Rolle die Zeitumstände bei diesem Umschwung spielen. Man darf nicht glauben, daß nun diese Schichten binnen Nacht Palästinaphilen geworden sind. Aber die Forderungen der Zeit sind allzu mächtig um überhört zu werden und jenen Kreisen droht im anderen Falle eine „splendid isolation". Brief aus Warschau. Die Warschauer polnische Presse hat bis heute (12.12.) die recht wenig sagenden Aeußerungen des Premierministers an die Vertreter der jüdischen Presse vollständig mit Stillschweigen übergangen. Lediglich die Krakauer Tageszeitung „Glos Narodu" (Stimme des Volkes) veröffentlichte einen Leitartikel in dem dem polnischen Premier vorgeworfen wird, daß er, bevor noch der polnische Landtag oder wenigstens sein Ersatz einberufen ist, sich schon beeilt hat, den Juden zu versichern, daß ihnen in Polen „heimisch, gut und bequem" sein wird. > Im Stadtrat wurde wiederum die Judenfrage berührt. Bei den Verhandlungen über den Kampf gegen ansteckende Krankheiten Haben die jüdischen Ratsmänner (die Assimilanten Berensohn und Kirschroth und der Nationaljude Po^ilutzky) darauf aufmerksam gemacht, daß die polnischedMiliz und das polnische Sanitätspersonal die Desinfizierung als Vorwand benutzen, um von der Bevölkerung erhebliche Bestechungen zu erpressen, wobei diese Mißbräuche vorwiegend den Juden gegenüber begangen werden. Ueberdies schont man bei der Hygienisierung die Samstage und jüdischen Feiertage (sogar den Versöhnungstag) nicht und man schleppt die jüdischen Einwohner ins Bad und in die Entlausungsanstalt, obwohl an christlichen Feiertagen nie so etwas vorkommt. Nebenbei gesagt, ist der Milizchef, der sich zu den jüdischen Beschwerden über die Mißbräuche seiner Untergeordneten ganz passiv verhält und oftmals selbst antisemitische Verordnungen erläßt, Fürst Franz Radziwill, der sich unlängst in der „Vossischen Zeitung" so judenfreundlich gebärdete. > In den Hochschulen sind die Beziehungen zwischen Polen und Juden nach wie vor verschärft. Dies ist neulich in der allgemeinen Versammlung der polnischen Studentenkasse zu Tage getreten. Infolge des Boykotts und Zurücksetzung der Juden im polnischen Unterstützungsverein „Bratnia Pomvc" (Brüderliche Hilfe) mußten die jüdischen Studenten einen eigenen Verein unter dem Namen „Wzajemna Pomoc" (Gegenseitige Hilfe) gründen. Dieser Verein ist den Polen ein Dorn im Auge und die polnischen Studenten unternehmen seit lange alles mögliche, um denselben zu schließen. Zum Plan einer jüdischen Gartenstadt bei Berlin. Die lleinen jüdischen Landgeineinden veröden, die Gemeinden der Großstädte wachsen zu Riesengröße, rurd der Zusammenhang der deutschen Juden lockert sich von Tag zu Tag. Die Weihe der jüdischen Feste versinkt in dem Trubel der Großstadt, der Sabbath verschwindet, und auch der Verkehr der Familien unter einander wird durch die Entfernungen der großen Stadt außerordentlich erschwert. So wächst eine neue Generation heran, die das Judentum mit seinen religiösen und ethischen Werten nur noch vom Hörensagen kennt, für die eine Sabbath- oder Festtagstimmung nur noch eine leere Phrase ist. Selbst für Häuser, in denen jüdisches Leben pulsiert, fehlt außerhalb der vier Wände das verstärkende. Echo durch die Gemeinschaft. Wie anders würde sich das Bild einer jüdischen Gartenstadt darstellen! Ohne die Vorzüge der Großstadt mit ihren reichen Bildungsmöglichkeiten zu entbehren, lebt hier eine Jugend, umgeben von Licht und Luft, im eignen Heim, in jüdischer Umgebung, von frühester Kindheit an in den Händen jüdischer Lehrer und im Kreise jüdischer Spielgefährten und Kameraden, in einer Gemeinde, deren harmonische und ästhetische Wohnanlagen eine Synagoge, eine Schule, einen geräumigen Sportplatz mit jüdischem Vereinshaus umfassen, die ganz von selbst ein froher Mttelpunkt jüdischen Lebens werden muß. Aus diesen Erwägungen heraus hat sich in Berlin ein Komitee zur Errichtung einer jüdischen Gartenstadt gebildet. Das Komitee seht sich wie folgt zusammen: Clara Boschwitz/ Dr. Arthur Kahn, Moritz A. Loeb, Prof. Dr. Heinrich Löwe, Dipl.-Jng. Joseph Loewy und Davis Trietsch. In einem von ihm soeben veröffentlichten Prospekt heißt es: ,Weitere Kreise wird interessieren, daß wir bei unserem Plane auch an die Verwirklichung des Gedankens jüdischer Kriegerheimstätten Herangehen wollen, da wir über genügend billiges Terrain verfügen werden. Auch die Interessenten an Laubenland und billigen Sommerhäusern werden bei uns auf ihre Rechnung kommen, da wir in absehbarer Zeit nur-einen Teil des verfügbaren Landes bebauen werden. Bei der Suche nach einem geeigneten Terrain für die geplante Gartenvorstadt mußte von vornherein darauf Rücksicht genommen werden, daß die Teilnehmer in ihrer Mehrzahl von ihrem Beruf täglich nach dem Stadtinnern geführt werden. Me Siedelung darf daher mir in der Nähe Frankfurter Israelitisches Familienklatt. der Bahn gelegen sein und, Um zu verhüten. Laß die tägliche Fahrt zu große Ansprüche an Geld und Zeit stellt, muß sie innerhalb des Vorortverkehrs liegen. Aus dieser Forderung erwächst eine neue Schwierigkeiten, da Gelände, das dieser Bedingung genügt, auch entsprechend hoch! im Preise steht. Da beabsichtigt ist, jedem Siedler mindestens 2 bis 300 Quadratmeter Gartenland zur Verfügung zu stellen, so fällt natürlich ein höherer Bodenpreis entsprechend ins Gewicht. Es gelang uns, alle diese Schwierigkeiten durch ein Angebot zu überwinden, Las uns die Gartenstadt- Gesellschaft Falkenberg in anerkennenswerter Weise niachte. Diese kurz vor dem Kriege gegründete Gesellschaft verfolgt, von unserem jüdischen Gesichtspunkte abgesehen, genau die gleichen Ziele wie wir. Sie erwarb die Option auf ein etwa 260 Morgen großes Terrain, das unmittelbar am Bahnhof Grünau beginnend, sich für eine derartige Siedelung auf das Trefflichste eignet. Ein von einer ersten Kraft ausgearbeiteter, künstlerisch vollendeter Bebauungsplan zeigt, daß das Terrain bei landhansmäßiger Bebauung für ungefähr 7060 Seelen Raum bietet. Die Gartenstadt-Gesellschaft würde uns von dem Gesamtterrain etwas mehr als die Hälfte überlassen, wobei natürlich die Bebauung unseres Teiles ganz nach unseren Wünschen ausgeführt werden könnte. Der Preis ist trotz aller dieser Vorzüge durch den Erwerb des ganzen Geländes so niedrig, daß die Kosten eines einzelnen Hauses mit Garten, einschl. der Fahrkvsten, sich sicher nicht höher stellen als der Betrag, der für eine entsprechende Mietwohnung in der Stadt auszugeben ist. Zur RealisierjUN g unseres Projektes wollen wir eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung ins Leben rufen. Der Anteil ist mit M. 240 in Aussicht genommen. Um allen Klassen den Beitritt zu ermöglichen, kann der Beitrag auch in monatlichen Raten bis zu M. 20 abwärts bezahlt werden. Die Haftsumme beträgt ebenfalls M. 240. Zur Aufbringung der Anzahlung wird die Ausgabe unverzinslicher, auslosbarer Anteilscheine in Höhe von M. 100 geplant. Die Verzinsung des Restkaufgeldes während des Krieges erfolgt zu einem außerordentlich niedrigen Zinsfüße. Auch für eine lange Zeit nach dem Kriege bleibt das Restkaufgeld unkündbar stehen. Bei den genossenschaftlichen Anteilen von M. 240 zählen wir vor allem aus die eigentlichen Interessenten. Wer einen oder mehrere dieser Anteile erwirbt, wird Mitglied der Genossenschaft und nimmt an allen damit verbundenen Rechten teil. Bei den Anteilscheinen von M. 100 rechnen wir auf die Beihilfe von Gönnern, jüdischen Vereinen, Stiftungen und Gemeinden, die auf diese Weise durch Gewährung eines größeren oder kleineren Darlehens und durch Verzicht auf den Zinsgenuß unser Unternehmen als rein jüdische Leistung unterstützen und fördern wollen. Wir können auf diese Unterstützung um so mehr rechnen, als unser Unternehmen gemeinnützigen Charakter hat und eine Spekulation mit Grund und Boden satzungsgemäß ausgeschlossen wird. Sind wir im Besitze von Grund und Boden, so ist damit der wichtigste und schwierigste Schiritt getan. Die Baureifmachung des Geländes, sowie die Erstellung der Bauten erfolgt nach Altshebung des z. Zt. bestehenden Bauverbotes auf dem allgemein üblichen Wege und hierbei sind uns die Erfahrungen der Gartenstadt Falkenberg sowohl in technischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht von allergrößtem Nutzen. Wir wenden uns mit unserem Vorschläge an alle jüdischen Kreise. Finden wir die von uns erhoffte Beteiligung, so wird hier ein vorbildliches Gemeinwesen entstehen, in dem eine neue Generation, gesund an Leib und Seele, heranwachsen kann." Aus aller Welt. Lettisches Reich. Würzburg. Fürsorge für israelitische Nervrnkranke«. Der Verein für rituelle Verpflegung isr. Nerven- und Geisteskranker besteht jetzt zwei Jahre. Er verpflegt in der kgl. Heil- und Pflegeanstalt zu Lohr zwölf Personen. Der Verein beabsichtigt, eine besondere israelitische Abteilung bei der kgl. Heil- und Pflegeanstalt zu Lohr zu errichten. Er will sich zur Durchführung dieses Planes auf breiterer Grundlage organisieren. MezzoS-Versorguug in Ober-Ost. Der Oberbefehlshaber hat folgende Verfügung erlassen: Es ist erwünscht, daß die jüdischen Einwohner des besetzten Gebietes auch im Jahre 1918 während des jüdischen Passah-Festes Weizen oder Weizenmehl zur Bereitung der sogenannten Mazzen erhalten. Allerdings kann infolge der allgemeinen Lebensmittelknappheit eine Verabfolgung von Mehl über die übliche . Brotration nicht erfolgen. Um jedoch den rituellen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung nach Möglichkeit cntgegenzukommen, wird empfohlen, den Bedarf an Mehl zu Mazzen für die Feiertage des Passah-Festes innerhalb der zuständigen Mehlportion möglichst bis 15. 2. 1918 im voraus zu verabfolgen. Kaffee Bnhland 35 Kaiserstrasse 56 Kaiasrstraaso 56 Täglich erstklassige WM" Unterhaltungsmusik Gesangs » Einlagen. IE, T. ISedebau, Harrtnsöhneiiar Frankfurt a. Hain, Fifedenaatrasse I». 1 Telephon: Römer 3610. FEINSTE 31ASS-SCBNEIDEREI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. Bei dem Mangel an Weizenmehl wird häufig auf eine Mischung von Welzen- und Roggenmehl zur Herstellung von ßlkazzen zurückgegriisen werden müssen; doch ist bei Auswahl des Getreides nach Möglichkeit auf die rituellen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Hinsichtlich der Schaffung des nötigen Weizenmehls wird auf die in der Verfügung VH A Nr. 14890/17 enthaletne Anregung, den Handel zu Beteiligen, Sejug genommen. Oesterreich-Uttsar». Wien. Sin »ufruf nu. Sie artbadoxa Jnbeuscheft. Der Verein zur Wahrung der Interessen des orth. Judentums veröffentlicht folgenden Aufruf: ’! Der seit dem Jahre 1901 in Wien existierende „Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums in Wien und Niederösterreich" hat sich dieser Tage neu konstituiert und geht nun daran, eine ausgebreitete Tätigkeit in Angriff zu nehmen, entsprechend den Anforderungen und Aufgaben der gegenwärtigen Zeit. War eine stramme, initiative Organisation des orthodoxen Judentums in Oesterreich auch in normalen Zeiten eine dringende Notwendigkeit, so ist eine solche in unserer Zeit doppelt dringend und geboten. Mehr denn je konnte man die traurige Erfahrung machen, daß in den sogemmnten führenden Kreisen des österreichischen Judentums kein genügendes Verständnis für die Bedürfnisse und Interessen des religiösen Lebens der breiten jüdischen Bolksmassen, die der Thora und ihren Geboten treu sind und nach den Vorschriften des Schulchan Aruch leben wollen, vorhanden ist. Tie Wahrung dieser Interessen erfordert viel Aufmerksamkeit und viel Arbeit, die bisher existierenden orthodoxen Vereine und Orgarnsationen waren beim besten Willem außerstande, all das zu leisten, was die Verhältnisse uNd die Not des Tages erforderlich machen. Auf gar manchen Gebieten ist eine Vernachlässigung zu konstatieren, die nicht weiter geduldet werden kann und darf. Die Leitung des „Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums in Wien und Mederösterreich" hat es deswegen als eine unumgängliche Notwendigkeit erachtet, seiner Tätigkeit einen breiteren Rahmen zu geben und sich die Wahrung der Interessen des religiösen Judentums in der ganzen Monarchie, speziell in Westösterreich zur Aufgabe gestellt. Der Verein ist entschlossen, diese feine Tätigkeit mit Energie aufzunehmen, und erlaubt sich hiemit, all diejenigen, denen das unverfälschte Judentmn teuer und heilig ist, zur Mitarbeit einzuladen. Der Verein ist kein Kampstierein; er hat nicht die Absicht, die besonders in dieser Zeit so notwendige Einigkeit im jüdischen Lager irgendwie zu beeinträchtigen. Aber er ist anderseits entschlossen, hinsichtlich der Wahrung der religiösen Interessen diejenige Energie zu entfalten, die erforderlich ist und die zum Ziele führen kann, ohne sich von irgendwelchen Gegenströmungen oder Gleichgültigkeiten behindern zu lassen. Die Zeit, in der wir gegenwärtig leben, kennt keine Halbheiten und Schwächen. Auf jedem Gebiete muß ganze Arbeit geleistet werden. Auch auf dem Gebiete des jüdischreligiösen Lebens, dessen Förderung und Wahrung der Verein sich zur Aufgabe stellte, soll und muß ganze Arbeit gemacht werden. Bon der Teilnahme der breiten orthodoxen Volkskreise hängt es ab. inwiefern der Verein imstande sein wird, seinen Aufgaben gerecht zu werden. An der orthodoxen Jubenschast ist es daher, ihrerseits das Nötige an geistiger und materieller Hilfe zu leisten, um diejenigen Erfolge erreichen zu können, die jedes gute Werk vcönen müssen. In den nächsten Tagen eröffnet der Verein ein eigenes Bureau und richtet ein spezielles Sekretariat ein. Dortselbst wird man täglich alle näheren Informationen über die Aufgaben und die Arbeit des Vereines erhalten kömren imd dorthin sollen auch alle Zuschriften, Anregungen und Anträge derjenigen gerichtet werden, die ein Interesse daran und die Möglichkeit haben, das große Werk zu fördern, dessen Vollbringung sich der gefertigte Verein im Namen unserer heiligen Religion zur Aufgabe gestellt hat. Rutzlauv. Odessa Opferwilligkrit russischer Juden für des Paläfiiuitnerk Die jüdische Gemeinde hat den Beschluß gefaßt, eine Million Rubel für die Gründung einer jüdischen Kolonie in Palästina auf genossenschafilicher Grundlage zu sammeln. ' - Selbstschutz gegen Pogrome. Im Hinblick auf die mit der Zerrüttung des Landes wachsende antisemitische Bewegung haben die jüdischen Bestrebungen eine eigene Hilfsorganisation in Form eines Selbstschutzes einzurichten, weitere Fortschritte gemacht. In Petersburg besteht bereits seit längerer Zeit eine regekrechte Selbstschutzorganifation. Die Träger des Selbstschutzes stellt namentlich die nationale Jugend, wie sie in den zionistischen Verbänden „Hechawer" und „Zeice Zion" organisiert ist. Die einzelnen Stadtteile werden von lleinen Abteilungen überwacht, die jede noch so auffällige Pogromagitation aufzuspüren und sofort der Zentrale zu melden haben. Im Falle geringer Gefahr wird die Rayonverwaltung, deren es fünf gibt, um Hilfe angernfen, andernfalls der eigentliche Stab, der über jüdische

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