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Neue jüdische Presse · 1918-01-18 · Heft 3 (18.1.1918) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 3 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Frankfurter Israelitisches FamLienLLatt. Nr. 3 fyuta bie Ueberordnung Gottes Wer daS ganze Leben und die dementsprechende Stellung deS Rabbi und des Schrift» gelehrten noch ganz im plten Sinne erhalten hat?) „Das LÄen der Ostjuden ist gelebter Talmud" sagt Max Brod. Ar ganzes Empfinden, Denken und Tun ist unter die religiös-sittliche Disziplin gestalt, verbannt ist jede willkürliche Regung. Es gibt bei ihnen leine noch so geringe Lebensäußerung, die nicht mit einer langen Kette von Vorschriften belastet ist. Uno doch, sie murren nicht, fragen nicht nach Grund und Zweck, und nichjt nur, daß sie diese treu und pünktlich wie Soldaten ihre Befehle erfüllen, sondern sie suchen wo möglich immer neue zu schaffen. Die Saat für die neue, einer dom Getue und Gerede gepeinigten und mit dem Leben Gott verratener Menschheit, wie sie Martin Buber haben möchte, ist sicherlich, unter den naiven, unverdorbenen chassidischen Juden zu finden. Diese sind mit ihren Sitten und Tugenden der Kernpunkt für das anbrechende Zeitalter der wahren, reinen, brüderlichen Menschheit. Baalschems von Frömmigkeit Werströmendes Herz zerschellte zu tausenden und abertausenden Funken, die seinen Volksgenossen im Osten Europas zu Leuchten und Wegweisern wurden. Es ist eine wunderbare Tatsache, daß die Verehrung, die ihm von einem großen Teil seines Volkes wegen der Genialität seiner Schöpfung gezollt wurde, Linen Neid gegen ihn entfachte. Wohl hätte er Gegner, doch findet sich rn der zeitgenössischen räbbinischen Literatur Lin Wirt des Tadels gegdn ihn. In Len von dem berühmten Gaon Rabbi Meiir Margulies, Rabbiner jn Ostrog, verfaßten WerL „Das Geheimnis des Juchin und Boas" wird Baalschem „Meister" und ,Münder der Generation" genannt. Im Jahre 1759, als Jaft>b Frank die Ueberhanb zu gewinnen drohL, versammelten sich die Rabbiner Polens, etwa vierzig an der Zahl, und sie traten, in Gebetmantel und Sterbekleider gehilllt, für die Reinheit und Unveränderllchkeit der Lehre des Judentums ein; zu der von dem Lemberger Bischof Mikulski festgesetzten Glaubensdisputation, die in Gegenwart der Geistlichkeit und hoben Staatswürdenträgern stattfand, erschien auch Baalschem, von der Räbbinerversammlung dazu betraut, neben Oberrabiner Chaim RappaportÄohn von -Lemberg und Rabbiner JtzchlS-Beer von Jazlowiz«). Noch harrten zahlreiche kabbalistische Probleme der endgiltigen Lösung, um sie in den Bereich des Religionskodexes einzuverleiben, noch war der Unterbau des Chassidismus in religiöser Ansehung nicht mit exakter Sicherheit ausgeführt, es waren Lücken auszufüllen, Widersprüche der Kabbala zum räbbinischen Anschauungskomplex zu Überdrücken, es fehlten noch wesentliche Züge, damit der Chassidismus das Gepräge einer religiösen Bewegung, einer geistigen Verjüngung erhalte. Aber schon zeigten sich die Ansätze zu seiner großen Entwicklung. Der Hauptansatz kam Uns Galizien. Es trat ein Mann auf den Plan, ein, treibender Faktor, der an der Befruchtung des noch jungfräulichen Bodens der chassidischen Lehre mit EmsigLit arbeitete und der Bewegung Fache und Charakter und die ausreichende erzieherische Bedeutung gab. Rabbi Dow-Ber (geb. in Turka 1700, gest. in Mesericz 1772), einer der größLn Kenner der räbbinischen und der kabbalistischen Literatur, ein klarer Kopf, ein wunderbar lauterer Charakter und eine imponierende, ehrfurchtsgebietende Persönlichkeit, hörte von dem Gottesmenschml Baalschem und entschloß sich, nach Medziborz zu gehen, um ihn zu prüfen. Hörte er doch, daß Baalschem auf talumdischem GebieL keine Größe war, woher also die Kraft, die Massen an sich zu reißen, woher bas Vermögen wundertätiger Hilfe? Baalschem erzählte anscheinend Belangloses, Dow-Ber war enttäuscht und kehrte mit dem Vorsatz in das Gasthaus zurück, am nächsten Morgen die Rückreise anzutreten. Um Mitternacht schickte Baalschjem seinen Diener Reb Jakob in das Gasthaus zu Rabbi Dow-Ber mit der Bitte, unverweilt zu ihm zu kommen. Rabbi Dow-Ber folgte nur widerwillig dieser Einladung. Baalschem fiagte ihn, ob er in der geheimen Wissenschaft bewandert sei. Als Rabbi Dow-Ber bejahend antwortete, entnahm Baalschem ans dem Bücherschrank das Buch „Baum des Lebens", zeigte ein Thana und fragL, ob er es gut verstehe. Rabbi Dow-Ber sich sich das Matt eine Welle an und trug dann das Thema vor. Baalschem sagte:-„Du verstehst es nicht!" Da sprach! Rcchbi Dow-Ber verdrossen: „Ich verstehe es ja; wenn Ihr ober aus eine andere Weise das Thema erllären könnt, dann wollet mir Eure Weisheit nicht enthüllen." Als Baillschem die StelL zu lesen begann, da wurde, so er- @len die Chassidim, das ganze Gemach llcht, und sie sahen Engel von Angesicht zu Angesicht, so, daß Rabbi Dow-Ber vor Schrecken zitterte. Baalschem sagte ihm nachher: „Es ist wahr, daß du die Stelle richtig erklärt hast, — doch fehlte deinem Studium die Andacht, die Seele. Wer ober die hellige Lehre studiert, muß durch Hingabe an das Göttliche jeden Buchstaben so erfassen, daß er lÄendig werde." Rabbi Dow-Ber erkannte nun das Wesen dieses göttlichen Mannes, er schickte seinen Wagen in die Heimat zurück, er aber verblieb in Medziborz. Baalschem fand ihn UW den würdigsten unter seinen sechszig Jüngern; er wurde auch nach dem Ableben des Meisters zum Oberhaupt der unterdessen Es mehrere Tausende herangewachsenen Anhängerschar auserwähll. 5) Vgl. den ausgezeichneten Aufsatz „Betrachtungen zur Judenfrage" v»m Universitätsprostssor Friedrich Wilhelm Förster in der Monatsschrift „Freideuttche Jugend" Jahrgang 1916, Heft 10/11. *) Dgl. Buber „Ansche Schem", §§ 169. . _ (Fortsetzung folgt.) Zur Erklärung der ReichSregieruug üver die Judenfrase Von Prof. Dr. Franz Oppenheimer, Berlin.*) Die Erklärung, die Herr von dem Bussche Haddeivhausen den Vertretern zweier jüdischer Komitees erteilt hat, Mrsällt in zwei Abschnitte, deren erster vorwiegend für das ,^omitee für den Osten", deren zweiter vorwiegend für das „Zionisttsche Aktions-Komitee" bestimmt war. Der erste betrifft den Schutz der nationalen Minderheiten in den Randgebieten Westrußlands, der zweite die Kolonisation Palästinas. Da die beiden Angelegenheiten innig Zusammenhängen und in ihrer Gesamtheit das außenpolitische Interesse der deutschen Judenheit überhaupt bilden, hat die Reichsrcgierung den Weg gewählt, sie in einer an eine neutrale und eine zionisttsche Abordnung gerichteten gleich? lautenden Erklärung zu behandeln. Uns interessiert an diesem Orte — unbeschadet der Wichtigkeit, die auch wir dem Palastinaproblem beimessen, und der Genugtuung, die wir über den Fortschritt seiner Lösung empfinden —vor allem der erste Teil der Erklärung, der sich an uns richtete und zu dem großen Problem Stellung nahm, das in diesen Blättern von Anfang an in den Mittelpunkt der Arbeit gestellt war: znm Schutz der jüdischen Minderheit im slavischen Osten. Wir begrüßen die Erklärung mit hoher Freude, wahrlich nicht, well sie einen Erfolg unserer beharrlichen Arbell darstellt, sondern weil sie beweist, daß die leitenden Männer Deutschlands den Forderungen der Zeit Verständnis und guten Willen entgegenbringen.... Die öffentliche Meinung der Well erklärt sich 'immer einhelliger und mit immer lauterer Forderung kraft des Prinzips der Gerechttgkeit für die sprachlich-kulturelle Autonomie der Minoritäten .... Das mag man in einigen dumpfen Amtsstuben in Krakau und Warschau noch nicht gemerkt haben.... aber auf der freieren Höhe unserer Reichsregierung hat man offenbar empfunden, woher der Wind weht, der allmählich zum Sturm wächst, und man hat sich beeilt, die Segel zu raffen. ' Wir haben das sprachlich-kulturelle Problem niemals anders begriffen denn «lls einen kleinen Teil eines weltumfassenden Problems allerersten Ranges, und unsere Hoffnung auf seine Lösung, die vielleicht nur stufenweise erfolgen wird, hat innner darauf beruht, daß die große Flut, die wir kommen sahen, auch dieses schwache Schifflein flottmachen und mit sich tragen würde. Es handelt sich) nicht lum Juden und Polen, es handelt sich um paneuropäische, panplanetarische Notwendigkeiten; es handelt sich um ein Prinzip, um ein nicht länger einer Hinauszögerung fähiges Interesse der größten Gruppe der Erde, der europäisch-amerikanischen Kulturmenschheit: und es bedeutet die Erklärung der Reichsregierung darum den Sieg dieses Prinzips. Mr sind weit davon entfernt, die augenblickliche prakttsche Bedeutung der Regierungserklärung zn überschätzen. Aber wir steuen uns ihrer aW gute ©urojjöer, weil sie einen Gedanken weiterträgt, ohne den die Staatengemeinschaft unseres Erbteils zugrunde gehen muß; als Deutsche, well unser Bakrland nicht gedeihen kann, wenn die Staatengemeinschaft leidet, in die es unlöslich verflochten ist, und weil das Bekenntnis zu dem Prinzip Deutschland wieder einmal, trotz aller Phrasen unserer Feinde, an der Spitze des starken Heeres zeigt, das sdie Zukunft erobern will; — und schließlich aW Inden,'well dmnit unseren Glaubensgenossen im Osten die Aussicht auf wirkliche Freiheit und Gerechttgkeit erschlossen wird. Und darum ist unsere Beftiediguntz darüber, baß unsere Reichsregierung den Gedanken anerkannt hat, der uns vor allem geleitet hat, ebenso aufrichtig wie unser! Dank an die Männer, die die Zeichen unserer stürmischen Zeit zu deuten wissen. Das Prinzip hat seinen ersten Sieg erfochten, — und der Endsieg ist sicher. *) Neue Jüd. Monatshefte vom 10. Januar. Arbeiterfürsorgeamt der jüdische» vrgauisatisueu Deutschlands. Die in Berlin erscheinenden „Neuen Jüdischen Monatshefte" bringen folgende überaus wichtige Mitteilung: „Nach vorhergegangenen Besprechungen mit den Behörden, insbesondere mit der Deutschen Arbeiterzentrale in Berlin sowie mit der jüdischen Vertretung bei der Arbeiterzentrale in Warschau, haben sich die folgenden jüdischen Organisationen: „Großloge für Deutschland, U. n. O. B.", ,(Hilfsverein der Deutschen Juden", „Jüdischer Volksverein", „Komitee für den Osten", „Zionistische Vereinigung für Deutschland" zur Gründung eines „A r b e i t e r f ü r - sorgeamtes der Jüdischen Organisationen Deutschlands" zusammengeschlossen, zu dessen Vorsitzenden Dr. jur. Adolf Friede Mann gewählt ist. Die Generalkommission der Gewerkschaften hat im Einvernehmen mit dem neuen Arbeiterfürsorgeamt ein Sekretariat für ostjüdische Arbeiter errichtet. Die Aufgabe des gegründeten Arbeiterfürsorgeamtes wird darin bestehen, die Interessen der zahlreichen gegenwärttg in Deutschlaich lebenden jüdischen Arbeiter aus den OstgebieLn nach jeder Richtung hin zu wahre»; in den ArbeitskreW des Sekretariats wird insbesondere die Schlichtung von StveitigLiLn mit den Arbeitgebern und der Rechtsschutz fallen. Die Geschäftsstelle des „Arbeiterfürsorgeamtes der Jüdischen Organisation Deutschlands" befindet sich in Berlin W. 8, Französische Straße 49." Der K. C. tat Kriege. . Nach den bis znm 22. Dezember -1917 cingegaiigene» Akcldungcn, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben, stehen von den über 1100 Mtgliedern des K.C., unter Einrechnung der Gefallenen und infolge von Verwundung oder Erkrankung als dienstmibrauchbar Entlassenen, 081 im Heeresdienst. Hiervon gehören bezw. gehörten dem Feldheere 818 an. Den Heldentod starben 76 K.C.er. Vermißt werden folgende 6 K.C.ec: Richard Riesenseld, Thuringiac, Kriegsfreiwilliger in einem Jnf.-Reg., sei Hcrtbst 1914 im Osten; Otto Bruck, cand. arch., Viadrinae-Darmstadt, Vizcfeldwcbel in einem Fnsilier-Reg., seit 26. September 1915 bei Loos; Curt Haas, sind, med., Saxobavariae, Sanitätssoldat in einem Jnf.-Reg., seit 2V./27. September 1916 an der Somme; Hans Grünwald, stud. jur., Bavariae, Grenadier in einem württembergischen Grcuadier-Rcgt., schwer verwundet am 27. Jamiar 1917 an der Svmn-.e (englische Front); Fritz Meyer, stud. jur., Bavariae, Musketier in einem badischen Jnf.-Reg., verwundet am 20. September 1917 in Flandern; Hermann Aronsohn, Referendar, Licariae, Unteroffizier in einen: Feldart.-Regt., seit 9. Oktober 1917 in Flandern. In Kriegsgefangenschaft befinden sich 22 K.C.er, davon 9 in sranzösischer, 7 in russischer, 5 in englischsr, 1, Kb. Dr. Glaser, Marineassistenzarzt auf S. M. S. „Dresden", ist in Spanien interniert. 12 K.C.er haben ihre Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz 1. Kl., 452 mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl., darunter 3 am weiß-schwarzen Bande, 1 mit dem Eisernen Halbmond, 167 sonstige Kriegsauszeichnungen gemeldet. 79 K.C.er wurden während des Krieges zu Offizieren des Beurlaubtenstandes befördert, 67 in preußischen, sächsischen und württembergischen, 12 im bayerischen Heere. .Außerdem wurden 2 K.C.er im preußischen, 1 im sächsischen Heere zu Feldwebel-Leutnants beföroert. 8 K.C.er gehörten bei Kriegsausbruch als Offiziere des Beurlanbtenstandes dem bayerischen Heere an. Nicht eingerechnet in diese Beförderungen sind die Beförderungen zu Sanitäts- und Veterinär- Offizieren, über die später erst berichtet werben soll. Brief aus Pole» (Bon unserem Korrespondenten.) Die und Hie Ag«V«h hoortodoxim. Es mehren sich die Stimmen unter der jüdischen Orthodoxie Polens, auch unter den Kreisen der „Agudah hoortodoxim", die die Politik und Haltung der „Agudah" verurteilen und eine Revision ihrer Ziele verlangen. Das Jahr hat trotz aller Gegenagitation des Kreises Dr. Pinchas Kohn die Nationalisierung der polnischen Judenheit mithin ihres großen Teiles: der Orthodoxie beschleunigt, naturnotwendig beschleunigt. Schon die Rabbinerkonferenz, um ein Beispiel aus den letzten Tagen zu greifen, ließ in großen Zügen die wachsende Strömung unter den polnischen Rabbinern erLnnen, die die «nationale unjüdische Halttrng der „Agudah"-Leitung ablehnt und die Bevormundung durch fremdwirkende, unberufene Berater abschütteln will. Man wußte jedoch, wie gesagt, eine nicht genehme Wendung zu Ungunsten der „Agudah"-Z:ele zu verhüten. Die letzte Zeit bringt das Mißlingen der „Agudah"-Taktik erneut, unverkennbar zum Ausdruck. Auf einigen Sitzungen der „Agudah hoortodoxim" und der „Moazat gdole hatorab" -die Beratung der Ttwra-Säule ), die dieser Tage stattgefunden haben, wurde die P a l ä - stinafrage und im Anschluß daran der Plan einer ausgedehnten Palästtnaarbeit unter der Orthodoxie Polens besprochen. Es fiel hierbei manch offenes Wort. Die jüdische Jugend, sagte ein Redner, steht ausnahmslos unter dem Zeichen der nahenden Erfüllung des Zionismus und die letzten Ereignisse sind von großem Eindruck auf sie gewesen. Wandelt die Orthodoxie ihre Haltung nicht in eine Tätigkeit zugunsten Erez-Jsraels um, dann muß sie den Abfall der jüdischen Jugend befürchten. Einige Stimmen schlugen die Beteiligung der Orthodoxie an dem Verkauf des zionistischen Schekel vor, was jedoch auf großen Widerstand stieß und den Plan einer besonderen Steuer unter der Orthodoxie erweckte. Die Beratungen werden noch fortgesetzt und dürften interessante Ergebnisse bringen. Für das Scheitern der „Agudah"°Pläne aber spricht die Tatsache genug, daß die angenommene Aenderung der bisherigen zionismusfeindlichen Politik unumgängliche Notwendigkeit wird. Man beschließt die Aufstellung eines neuen Palästinaprogramms. In den nächsten Tagen soll ein allgemeiner Aufruf an die polnische Orthodoxie erlassen werden, ein Aufruf, der, so verspricht man uns, den Ansprüchen aller Schichten der religiösen Bevölkerung, sogar des „Misrachi" genügen werde. Die streng geschlossenen Verhandlungen waren von stürmischen Debatten begleitet. Es war die lang verhaltene Unzufriedenheit, die aus vielen Reden llang. Mehr und mehr dringt es den „Agudah"-Krcisen zunr Bewußtsein, baß die Gegnerschaft zu Palästina unmöglich geworden ist, und bei einem weiteren Verharren auf dem heutigen Punkt einem völligen Fiasko entgegengeht. Es sind Zeichen der Zeit, Zeichen von symptomatischen: Wert. Man denke sich: Der Gerer Rebbe, die Hauptstütze der „Agudah"-Leitung und der Mitbegründer der „Agudah" der sich durch seinen denkwürdigen Cherem (Bann) über die nationaljüdischen Zeitungen zu den Vertretern der Trennungsorthodoxie offiziell gesellte, sieht sich aus triftigen Gründen zu einer Revision seiner Haltung inbezug auf Palästina genöttgt. Er führte denn auch den Vorsitz in einer Versammlung der Chassidim-Rebbes ans Polen, die dem gleichen Zwecke gewidmet war. Das vorläufige Ergebnis dieser langen Besprechungen und Debatten ist die Gründung einer „Agudah schomreh hätora" (Bund der Thoratreuen), aus Rabbinern und Rebbes bestehend; die neue Agudah soll eine ausgedehnte Palästtnaarbeit einleiten und zu diesem Zwecks Kolonisationspläne n. a. ausarbeiten.' *

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