Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1918)
- Date
- 1918-01-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 1. Kaffee Kaiaepgapie n am Opernplatz Erstklassiges Fsia!llen*fiaffe e Jeden Nachmittag ni 4 bla 7 Uhr and Abend reu ■ _ 8V» Uhr ab WF E.ünstler«KoxuEert. Die volle Lösung des jüdischen Problems in Polen wird erst beim Friedensschluß erfolgen können. Und hier sind die Dinge erst im Werden. Jedenfalls ist die Ansicht des Ministerpräsidenten von einigem Gewicht. Haknisis Dr. Harrtke's Rede.») (Im Auszug.) Vom ersten Tage ihres Bestehens ab sah die zionistische Bewegung ihre Aufgabe in der Wiederbelebung eines palästinensischen Judentums, in der Neuschaffung des alten Zentrums des jüdischen Volkes, um die Ruhelosigkeit des jüdischen Geistes zu überwinden, um dem jüdischen Volke wieder ein normales Volksdasein zu ermöglichen. Der Zionist will so seiner Pflicht gegenüber dem jüdischen Volke genügen. Er ist sich aber bewußt, damit auch der Menschheit zu dienen. Alle Völker haben ein Interesse - daran, daß eines der ältesten Glieder der Völkerfamilie, ein.Volk hoher Moral und starker Intelligenz, wieder die Möglichkeit erhält, seine Geistesgaben in freier kultureller Tätigkeit zu entwickeln, seine Kräfte auf eigene nationale Aufgaben zu konzentrieren. .Diese Auffassung von Zionismus haben wir auch im 'Weltkriege ohne Schwanken aufrecht erhalten. Der einzelne Jude dient seinem Vaterlands mit allen feinen Kräften, das jüdische Volk als solches hat an dem Weltkriege keinen Anteil. Es hat daher das Recht, vor allen Völkern und vor allen Regierungen sein Programm aufzustellen und seine Forderungen zu erheben. Wie sich bei den Regierungen ein wachsendes Eingehen auf die zionistischen Bestrebungen zeigt, so körmen wir auch bei den Völkern selbst beobachten, daß die Judenfrage nunmehr alseine, nationale aufgefaßt und Palästina als der Schlußpunkt jüdischer Entwicklung begriffen wird. . ' - Die Presstsämtlicher Länder zeigt das schnelle Anwachsen dieser Erkenntnis. Als etwas bisher ganz Neues möchte ich hervorheben, daß auch? unter den sozialistischen Parteien Dank der Aufklärungsarbeit der Poale Zion die Anerkennung der jüdischen Nation sich durchsetzt und Verständnis für das Palästinaprogramm des jüdischen Volkes geschaffen werden konnte. Die Wahlen zum jüdisch-amerikanischen Kongreß, die unter dem Druck der öffentlichen Meinung erfolgte Einigung aller bürgerlichen und sozialistischen Parteien der russischen Judenheit auf ein jüdisch-nationales und palästinensisches Programm, das außerordentliche Anwachsen der zionistischen Organisation in allen diesen Ländern jüdischer Massensiedlung, die amerikanischen Millionensammlungen für Palästina, zeigen, daß die - jüdische Masse die zionistische Bewegung als die zielbewußte organisatorische Verkörperung ihrer Zukunftshoffnungen ansieht. Das legt uns ernste und schwere Pflichten aus. Die täglichen Sorgen der Masie, ihr Kampf ums Dasein, ihre Angst vor der geistigen Entfremdung ihrer Kinder, müssen unsere Sorge, unser Kampf, unsere Angst werden. Reben der Arbeit für Palästina müssen mehr als bisher die Probleme der jüdischen Diaspora, diebrennenden Fragen der jüdischen Eigenart, in den Vordergrund treten. Unsere Aufgabe wird es seiir, alle diese Fragen im Hinblick auf das pmästinensische Ziel, im Geiste eines wirklich zionistischen Nationalismus zu lösen. Das deutsche Judentum steht hier vor einer großen Aufgabe. Denn gerade ihm wird die Zukunft mit Recht die Verantwortung aufbürben, wenn die jüdische Frage in Polen, in Littauen und in Rumänien einer organischen Lösung nicht zugeführt werden wird. Wir bedauern deshalb auf das lebhafteste, daß die nationalen Wünsche der Juden in-Polen gerade von deutsch-jüdischer Seite immer wieder durchkreuzt werden. Deutsche Orthodoxe und'Liberale haben Hiersein unnatiirliches Bündnis geschlossen!und führen — ohne es zu'wollen — die Geschäfte kleiner, dem Judentum entfremdeter jüdischer Kreise in Warschau. Das jüdische Leben hat in diesen drei Kriegsjahren eine schnelle und radikale Entwicklung dnrchgemacht. Krieg und Revolution haben der jüdischen Masse das Bewußtsein ihrer Eigenart gegeben und ihre Verbundenheit mit Palästina gestärkt. Der Kampf um die bürgerliche Gleichberechtigung ist im entscheidenden Punkt beeirdet. In weiten Kreisen ist die Angst, Erfolge in der Gleichberechtigungsfrage durch offenes Bekenntnis zum jüdischen Volke zu gefährden, geschwunden. Die Entwicklung der Welt zur Demokratie und zur Anerkennung der Nationalitäten, die schweren Blutopfer, die die Juden überall willig gebracht, machen solche Besorgnisse wahrlich überflüssig. Das Verständnis für die politischen Zusammenhänge der jüdischen Frage ist mit der fortschreitenden Politisierung der Welt gestiegen. So mußte sich auch in vielen führenden jüdischen Kreisen der Widerstand gegen die palästinensischen und nationalen Aspirationen der jüdischen Masse abschwächen. Für diese Entwicklung sind Länder wie Amerika, Kanada, Südafrika- England, Rußland, Italien, charakteristisch. Die deutsche Judenheit steht noch am weitesten zurück. Es gilt für sie, wieder den Anschluß an das Gesamtjudentum zu finden. In den letzten diesig Jahren hatte das deutsche Judentum in allen Fragen der jüdischen Gesamtheit, in der Auswanderungsfrage, in der Palästinafrage, im Kampf um die Durchführung der Gleichberechf- *) Gehalten auf der Tagung der Zentralkomitees M» W£ aMriofetf M DlLMvW •. Frankfurter Israelitisches Familicnblatt. tigung, eine führende Rolle gespielt. Es wird sich fragen, ob eS die Fähigkeit haben wird, sich auf die veränderte Lage in der jüdischen Welt einzustellen und seine starken Kräfte auch weiterhin der jüdischen Gesamtheit zur Verfügung zu stellen. ' Mehr als je drängt die Zeit zur Einigkeit im Judentum. Die jüdischen Probleme sind klarer, der jüdische Wille ist eindeutiger geworben. Alle Voraussetzungen zur Zusammenarbeit sind gegeben. In Rußland und Amerika, den beiden größten Zentren des jüdischen Volkes, ist die Einigung unter dem Banner der Kongreßbewegung vollzogen. Wir hoffen, daß auch die deutsche Judenheit bald für : eine solche Einigung reif sein und eine, deutsch-jüdischen Verhältnissen angepaßte Kongreßbewegung sehen wird. Beschlüsse des Zentralkomitees der Zionist. Bereinignvft für Dentschland. In Berlin fand unter Hinzuziehung von Vertretern der Ortsgruppen eine Tagung des Zentralkomitees der Zion. Bereinigung für Deutschland statt. Dir Tagung faßt« folgende Beschlüsse: 1. Sie sprach dem Aktionskomitee ihr „volles Vertrauen und ihre Anerkennung für die erfolgreiche Tätigkeit aus. 2. Sie stellte mit „besonderer Befriedigung" fest, daß eS dem Aktionskomitee gelungen ist, „durch seine politischen Bemühungen das Ansehen der Bewegung in der Oeffentlichkeit, bei den Regierungen und bei den Völkern außerordentlich zu stärken und die Grundlagen des Kolonisationswerkes in Palästina im wesentlichen unversehrt zu erhalten." Sie dankte der deutschen Reichsregierung für das „wohlwollende Interesse, das sie während der gesamten Kriegsdauer der jüdischen Siedlung in Palästina zugewandt hat." 3. Sie erklärte „feierlich, daß die zionistische Bewegung nach den Worten Theodor Äerzls von dem Wohlwollen aller Mächte und aller Völker getragen sein muß." begrüßte daher „mit Befriedigung die Tatsache, daß die englische Negierung in einer amtlichen Erklärung das Recht des jüdischen Volkes auf ein nationales Leben in Palästina anerkannt hat," nehme „mit Dank die Erklärung des österr.-ungar. Ministers des Aeußern zur Kenntnis, daß die österr.-ungar. Negierung dem Zionismus sympathisch gegenübersteht und bereit ist, die zionistischen Bemühungen bei der türkischen Regierung zu unterstützen." Hoffentlich gelinge es dem Aktionskomitee, „die Zustimmung aller Großmächte und insbesondere der Türkei zur Durchführung der zionistischen Bestrebungen zu erlangen." 4. Sie forderte, „daß bei der Neuregelung der Verhältnisse in Osteuropa die jüdische Frage entsprechend den anderen Nationalitätenfragen berücksichtigt und geregelt wird." Daher müsse „den Juden in Polen und Litauen eine nationalkulturelle Autonomie gewährt" werden. 5. Sie wandte sich schließlich! gegen „R umänien, den einzigen europäischen Staat, der den Juden die Gleichberechtigung verweigert," und sprach die Hoffnung aus, „daß die deutsche Regierung bei den kommenden Friedens- Verhandlungen die uneingeschränkte Gleichberechtigung für die rumänischen Inden durchsetzen wird." Zentralisierung der indischen Wohlfahrtspflege in Deutschland. Die Vorarbeiten der kürzlich gegründeten Zentralwohlfahrtsstelle der Juden für Deutschland sind so weit gediehen, daß der in der Verwaltungsrats-Sitzung vom 25. November gewählte Vorstand am 8. Dezember 1917 seine erste Sitzung äbhälten konnte und sich folgendermaßen konstituierte: 1. Vorsitzender Geh. Justizrät Timendorfer- Berlin, 2. Vorsitzender Professor K a l i s ch er - Berlin, stellvertretende Vorsitzende Frl. BertaPaPpen- Heim-Frankfurt a. M.-und Eugen Easpury-Berlin, > i " Schriftführer Dr. Neu mann - Berlin. . stellt,. Schriftführer Dr. Ollendorff -Breslau, Schahmeisterin Frau Henriette Mav-Berlin, stellv. Schatzmeister Bankier Stein-Karlsruhe. Beisitzer Prof. Alexander Katz-Berlin-Steglitz, Frl. Werner-Hamburg. Zum Geschäftsführer wurde Dr. ök. vubl. Jacob S e g a l l - Berlin berufen. Es wurden eine Reihe von wichtigen organisatorischen Fragen, vor allem Ergänzung des Vorstandes und des Berwaltungsrates, eingehend besprochen und beschlossen, um gleich in die praktische Arbeit einzntreten, in der nächsten Sitzung des Verwaltungsrates, die in der zweiten Hälfte Januar stattfinden soll, zwei Referate über „Bedeutung und Ausbau der jüdischen Sammelvormundschaft" und „Anforderungen der neuen Zeit an die gegeschlossene Waisenpflege" durch Sachverständige halten zu lassen. Mit der Sammlung und Sichtung des sehr reichen Materials über alle Wohlfahrtseinrichtungen in Deutschland ist bereits begonnen worden, sodaß in absehbarer Zeit mit der Tätigkeit als Ausknnftsstelle wird begonnen werden können. Das Büro befindet sich Berlin IV. 35, Steglitzerstraße 9 II. Kaffee Ruhland Kaiserstrasse 56 Kaiserstrasse 56 Taglieh erstklassige MT Unterhaltungsmusik l. ’u.-.a €tesangs Einlagen* Seite 3 Scala - Xiichtspiele Schäfergaase 29. Schäfergasse 29. Modernes Theater Vorführung stets neuer und hervorragender Filme Aus aller Welt. Oeflerrsich-Artgsrs. Krakau. Jüdisch-soziale Nurse. Angesichts der schweren Schädigungen, die der Krieg besonders für die Judenheit Galiziens und der Bukowina, sowie des benachbarten Königreiches Polen zur Folge hat, gehört die Gründung und Erhaltung wirtschaftlicher, humanitärer und kultureller Institutionen zu unseren dringendsten Aufgaben. Die Bewältigung der unerläßlichen Arbeiten auf den Gebieten der Jugend-, Säuglings-, Annen- und Krankenpflege, des gesamten Bildnngswcsens, wie auch auf wirtschaftlichem Gebiete, die Ueberführnng brotlos gewordener Juden zu Handwerk, Industrie und Landwirtschaft, die Ausbildung der Jugend, — dies alles erfordert die äußerste Anspannung unserer Kräfte. Jede schlecht organisierte und unzweckmäßig begonnen Arbeit schädigt sich selbst. Um diesem Mangel abzuhelfen,' hat sich ein Sekretariat für jüdisch-soziale Arbeit konstituiert und veranstaltet vorerst einen vierwöchentlichen Ansbildungskurses. Es lesen Rabb. Dr. Thon-Krakau, Dr. Bernfcld-Wien, Prof. Dr. Engel-Prag, Jng.Goldwasser, Anitta Müller-Wien usw. Die Inden in voSnien und Herzegowina. Dr. S. Po. schreibt im Agramer „Zidow" anläßlich der Wahl des Zionisten Dr. Moriz Levi zum sephardischen Oberrabbiner in Seraiewo: „Für die sephardischen Juden in Bosnien und der Herzegowina naht eine Krise. Sie sind mit der westlichen Kultur bekannt geworden und diese hat. wie bei den Juden des Westens, auf ihre nationale Eigenart eine -ersehende Wirkung ausgeübt. Die Juden müssen sich mm angesichts der kommenden Zeit entscheiden: entweder durch die Assimilation ihre nationale Eigenart opfern oder aber sich auf nationaler Grundlage organisieren und ihre Rechte als Volk fördern. . . Bon Dr. Levi erwartet das nationale Judentum die Neubelebung der autonomen Schulen durch jüdische Erziehung, hebräische Sprache und jüdischen Geist, ferner das Erwecken des jüdischen Bewußtseins und Wahrung der nationalen Integrität durch eine starke einheitliche Organisation der Juden in den Reichsländern." Palästina. Zum Falle Jerusalems. In der „Wage" (Wien, Nr. 50 vom 15. Dezember) schreibt Eugen Höflich: „Ich kenne Palästina und kenne die Bewegnisse beider Naticnen, der Araber und der Juden. Ich kenne ihüe Wünsche, ihre Notwendigkeiten und ihre Fehler, und diese Kenntnis gibt mir das Recht, den Satz aufznstellen. daß in England trotz aller ökonomischen Vorteile, wie Eröffnung des großen englischen Marktes. Schutz persönlicher Sicherheit (so lange England nicht Fellachen gegen Juden und Beduinen gegen Fellachen ansspielt) usw., die ungeheure Gefahr der geistigen Kastrierung Palästinas liegt. Die junge, zarte hebräische Kultur, die im Werden ist. muß erstickt werden von der hereinbrechenden großen Kultur Englands,, und alles, was in diesem Jerusalem, in diesem Palästina, den Arabern oder den Juden eigentümlich ist, würde unter britischem Protektorat verwässert werden, im Englischen aufgchen oder besser: vom Europäischen durchsetzt werben, und das ganze Land würde eine englische Spielart jenes ekelhaftesten Ablegers Europas überziehen, den man unten Levantinertum nennt." Der Krieg ttttfc die Juden. Berlin. Den Revräsentanten der jüdischen Gemeinde Emil Cohn und Bencxs Levy ist das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen worden. Beide betätigen sich in der Krieashilsskommission der jüdischen Gemeinde. Die 'gleiche Auszeichmmg erhielten Hugo Blankenberg. Mitglied des Gemeindevorstandes, und Frau Justizrat Rosa Lilienthal, die ebenfalls der Kriegshilfskommission seit ihrer Begründung angeboren. Frankfurt a. M. Feldunterarzt MarcuS Hirsch. Sohn des Saniiätsrats Dr. W. Hirsch. Musketier Adolf Lang, Sohn des Dachdeckermeisters Julius Lang, Max Freimark. Konditor, Sanbweg, erhielten das Eis. Kreuz 2. Kl. ' Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Dr. Alfred Carlebuch, Oberleutnant und Batterieführer, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Frankfurt a. M. Ludwig Reckhardt, Bize- Wachtmeister, Inhaber der Firma Fuhrländer Nachf., erhielt das Eis. Kreuz 2. Kl. Nürnberg. Leutnant Jos. Regensburger und Leutnant David Falk wurden mit dem Eis. Kreuz 1. Kl. ausgezeichnet. Aachen. Hauptmann Leo Löwenstein. Sohn der Rentiers Herinann L., als Erfinder auf dem Gebiete der Elektrvphysik bekannt, erhielt das Eis. Kreuz 1. Kl. Auburg. Oberleutnant Dr. Martin Bär und Leutnant Felix Meyer -Ersiirt wurden mit dem Eis. Kreuz 1. Kl. ausgezeichnet. Breslau. Mzefeldwevel Julian Cobn-BreSlau Gefr, Beruh. Lippmann-Liegnitz und Wehrmann Heinr. Cohn-Myslowitz erhielten das Eis. Kr»uz 9. Klass..