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Neue jüdische Presse · 1917-12-21 · Heft 48 (21.12.1917) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 48 (21.12.1917)
Date
1917-12-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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I lie ie-!llid- )C* t. r, er g- 3t* in,!r. ou rllc as >er ie as on "t, eer uli- [iii lit t(. : r er ». Ild D , en isre >eor en or» >eteier [er en >d, in >er än 1t- »rl. :s de teil. jans Nr. ,48. Frankfurter Berichte. \\ Zionistische Jugendgrupve. 4 Am Sonntag, den 9. Dezember 1917 veranstaltete öie’ iesige »Zionistische Jugendgruppe" in der Alemaimia eine ^hanuktah-Feier, die über den Rahmen eines Unterhalmgsabends weit hinausging. Die ausgewählte Zusamlenstellung des Programms, , die zündenden Ansprachen, ie Rezitationen,- Lieber, Vorträge jüdischer Dichter und üeister waren ganz dazu , angetan, das jüdische Gesühl »chzurufen und der Feier ein echt jüdisches Gepräge zu »leihen. Es war wie ein Appell au die Jugend, im leiste der Makkabäer, zu handeln, den nationalen Stolz i wahren und dem Wohl ihres Volkes alles zu opfern, lie Begeisterung und der Enthusiasmus, die im Saale errschten, und die doch den Charakter einer innerlichen Leihe trugen, zeugten von der großen Wirkung, die die leier auslöste. Auch rein künstlerisch stalrd die Feier ans der Höhe, ,as zu ihrem-vollen Erfolge mit beitrug. Nachdem Herr Krimmer die Chanukkah-Lichter entindet und' mit seinem klangvollen, warmen Bariton das Mvauszur"«Lied, von den Anwesenden begleitet, gesungen Lite, hielt Herr Dipl.-Jng. Grün stein die Festrede, st entwarf in gedrängter Form einen Ueberblick über die eschichtlichen Ereignisse der Makkabäerzeit und zog eine iarällele zwischen den damaligen und heutigen Zeitver- Lltnissen. Gerade wie heute, gab es mich damals eine arke Partei im Judentum, die in der Assimilation das [eil des Judentums erblickte und die die mächtigen, die ixistenz des Judentums bedrohenden äußeren Feinde durch sie Handlungsweise unterstützte, bis die Makkabäer kamen md-die kleine Schar der Treugcbliebenen um sich samnielm, den Zorn des Judenvolkes entflammten, ihren Stolz rachriefen und sie zum Siege gegen eine gewaltige Uebernacht der inneren und äußeren Feinde führten, das Judenwlk und das Judentum retteten und zu neuen Ehren rächten. Nicht wenig, meinte Redner, trug zu diesem Liege die seit Esra eingetretene Vertiefung des Jndeniums bei. Der Aktivismus der Makkabäer wiederholte ich auch in späteren Jahrhunderten. Der Zionismus geht ibenfalls aktiv, wenn auch nur politisch, vor, und der krieg beschleunigt seine.Realisierung. Auch heute sei es ßflicht derjenigen Juden, die noch von jüdischeni Geiste -klebt und denen die Zukunft des jüdischen Volkes über illes gelte, allen Hemmnissen und Hindernissen von rechts md links ungeachtet, ihren Idealen treu zu bleiben und -or keinen Opfern zurückschrecken. — Die Worte des Redlers wurden beifällig ausgenommen. In schwungvollen Worten begrüßte der Vorsitzende »er Jugendgruppe, Dr. Szametz, die zahlreichen Anwesenden und sprach über die Bedeutung des Tages. Er agte unter anderem, daß die Diaspora für das jüd. Volk nne Zeit unsäglicher Jissurim (Schmerzen) war; allein diese waren Jissurim schel Ahawvh (der Liebe), denn mir dank der unermeßlichen Liebe des jüd. Volkes zum Lande ihrer Väter konnte dieses sein, schweres Mißgeschick ertragen imd. sogar jetzt an den Wiederaufbau ihres alten Heimes zehen. Er appellierte an die Anwesenden, sich der Besteiungsaktion des Zionismus anzuschließen. Seine kraftoollen Worte machten tiefen Eindruck. 1 * Den künstlerischen Teil des Programms leitete Frl. sonja Sverdloff mit der Arie „Höre Israel" aus „Elias" von Mendelssohnein; ihre gefühlvolle und angenehme Stimme und vollendete Technik des Vortrages entzückte'aller Hörer. Frl. Bamberger verstand es in ihrer Wiedergabe jüdischer Gedichte, die in den Liedern von Bialik, von Rosenfeld, von Feiwel vibrierenden Saiten der jüdischen Seele zum vollen Ausklang zu bringen. Die Schönheiten' der Arie „Gott sei uns gnädig" von Mendelssohn brachteHerr Krimmer in beseeltem Vortrag meisterhaft ° zur Geltung. Leid und Freud des jüdische» Lebens im Golus widerspiegelte sich in den von Frl. 2im,vn mit innigem Empfinden klangschön vorgetragenen Jargonliedern. Die mit wahrer Kunst vorgetragene Rezitation des „Jüdischer Mai" von Rosenfeld durch Frl. C i l l i Rapp wirkte auf die Zuhörer packend und mitreißend. Dann folgten noch eine. Reihe trefflicher Darbietungen, mit denen sich Frl. Sonja Sverdloff und. Herr Krimmer in die Herzen der HörevLsangew Am Flügel begleitete! Frl. Lind die musikalischen Darbietungen. Unter den Klängen der jüdischen Nationalhymne, der Hätikwah, in die die Anwesenden begeistert einstimmten, fand die Feier ihr Ende. >e-!te er -er rau utt- Chanukafrier. Am 9. Dezember fand im Kranken Hause der Israel. Gemeinde, Gagernstraße, eine Chanukafeier statt, an der außer einer Anzahl verwundeter und kranker Soldaten auch sonstige Patienten und die Schwesternschaft teilnahmen. Nachdem die Lichter angezündpt und die Chanukahymne verklungen war, nahm Rabbiner Tr. .Nobel das Wort, um in formvollendeter Rede den geschichtlichen . Hintergrund des Festes zu erklären. Mit einigen Musikvorträgen schloß die wohlgelungene Feier, welcher sich alsdann eine Beschenkung der Soldaten anschloß. er [in :n >ir oilid nck- «- R. Ehauukafelerkder Beruria. Die Bereinigung jüd. Akade miker i n n e n „Beruria" veranstaltete mit lieben Gästen eine Chanukafeier.. Die Vorsitzende hieß die Anwesenden willkommen und forderte sie auf, gemeinsam „Moaus-Zur" anzustimmen. Hieran schloß sich die Couleurstrophe der „Beruria", die in knappen Worten Ziel und Ideal der Vereinigung feiert. Ein Gedicht aus Rosenfelds „Lieder des Ghetto".betonte die ernste Weihe des' Chanukasestes. Direktor'Dr. Lange, der Doztz»rt der Vereinigung, sprach sodann über die Gründe, die einen Zusammenschluß jüd. Studentinnen in Frankfurt veranlaßten und wünschte der „Beruria" im.Gedenken an die geistig und seelisch hervorragende Frau, deren Namen die Vereinigung trägt, in wannen Wvrwn. ein „Vivat, creScat,. flooeat!" KxmHwtter Israelitisches FmnüisMatr. Seite 5- Launige Borträge und heitere Lieder, anregende Unterhaltung und frohes Spiel riesen eine Stimmung hervor, die deutsch-studentischen Frohsinn und jüdische Festesfreude in harmonischem Zusammenklang einte. i 1 w| JFsiiWfiton, Üll 1 1 Bögele der Maggid. Bon Aron David Bernstein. (Fortsetzung.) t Auch heute nahm Golde das Buch und suchte das Gebet auf, welches die Weltgeschichte von Anbeginn am richtigsten Ende anhebl, nnd rührend erzählt von den vier Pärchen -Adam und Eva, Abrahani und Sara, Isaak und Rebekka, Jakob nnd Lea, die beisammen liegen in der Doppelhöhle bei Hebron und von #öer Mutter Rahel, die allein liegt aus dem Weg, um zu hören jedes schwere Gemüt. — Die arme Golde! Sie dachte an ihre Mütter, die auch allein liegt nnd gewiß gehört hat, wie Mwer ihr Gemüt ist, seitdem Leeser Schlapp sie geschmäht. Ihre Stimme und ihr Herz zitterte deshalb heute ganz besonders unter der Wucht dieser himmelstürmenden Worte. Sie schluchzte vom „Hetr der Welt" bis zum „Amen, Amen" so rührend, daß Täubchen noch mehr Tränen vergoß als sonst, und als Golde das Gebetbuch küßte und zuklappte, nahm Täubchen sie anS Herz und sagte zu ihr: „Golde, was ist dir denn dein Gemüt so schwer heute? hast du etwas aus deinen! Herzen, so komm bald zu mir und schütte es -aus!" " 1 Golde schwieg: aber ihr Antlitz drückte genugsam aus, daß auch sie noch sehr bewegt sei und rührte das Herz der Madame Täubchen noch tiefer. Unter solchen Umständen darf es nicht verwundern, daß das Bad etwas angreifend auf.die sehr streich gcstiinmtc Frau wirkte. Sie mußte beim Ankleiden lauge Pausen machen, um sich ein wenig zu erholen, und als die Mädchen sich mit besorgten Gesichtern um sie bemühten, sagte sie wehmütig: „Liebe Kinder, was soll ich Euch sagen? Meine Hoffnung habe ich auf Gott den Gelobten gestellt, aber ich bin jetzund mehr betrübt als sonst, denn der Kreisdoktor, mit dem ich geredet habe, hat mir gesagt, daß mir „die Gemütsbewegung" sehr schädlich ist, und — mein Gemüt ist doch einmal bewegt, ich kann's nicht ändern!" Da Vögele hierbei die. Bemerkung niachte, daß die liebe Beschützerin gegen alle bisherige Regel Neigung hatte, auch nach dem Bade in Wehmut zu versinken, nahm sie all ihre Munterkeit zusammen und rief mit der heitersten Stimme, die ihr so gut stand, aus: „Herzige Madame Täubchen!' Der Kreisdoktor hat das gesagt! — Haben wir denn nicht einen Kreisdoktvr im Himmel, dessen Kreis geht über alle Welten und über alle Sterne und hat der nicht angeschrieben: wirf ans Gott deine Sorgen! — Der Kreisdoktor? — Ist . nicht der Priester Eli ein Kreisdoktor gewesen für ganz Israel von Dan bis Berseba, warum hat er nicht zu Hanne gesagt, die doch ihr schwer Gemüt gehabt hat: Die Gemütsbewegung ist dir schädlich!-Der Kreisdoktor,"''fuhr sie nach einer kurzen Pause fort,, „ist ein Goi und weiß nichts von unserem Gemüt. -7- Na! der Kreisdoktor! — Was soll aus uns Judenweibern werden, wenn wir nicht einmal weinen. aus Gemütsbewegung!?"—. Die muntere Art, in welcher Vögele dieses ausrief, verfehlte, ihre Wirkung um so weniger, als in der Tat der Gründzug von Täubchens Charakter der der gutmütigsten Heiterkeit war. Bögele wußte die glückliche Wendung zu benutzen, und das stille Stübchen war bald unter ihrem Geschwätz eine Stätte fröhlichen Lachens, wie es kurz zuvor eine der Wehinut gewesen war. . Täubchen stand endlich völlig angekleidet, und Golde knüpfte ihr eben die Kette hinten am Nacken zusammen; da sie nun den Heimweg anzutreten gedachte, lüftete die gute Frau ein wenig die Gardinen am Fenster und blickte in die mondhelle Nacht hinaus. „Stehen da nicht ein paar Bachurim vor dem Beshamidrasch!" fragte sic. — Golde warf über die Schulter Täubchens den Blick hinaus und fuhr so sehr zusammen, daß sie die Kette zur Erve fallen ließ. Die gutmütige Täubchen sah sie.mit schalkhafter Laune forschend an, und entdeckte eine Flainmen-Rötr in dem lieben Gesichte, die für Frauen-Augen gär zu verräterisch ist. „Golde", rief sie aus und hob - ihr am Kinn den gesenkten Kops.: in die Höhe. „Golde,, was. ist es. denn für ein Bachum der dich so erschreckt? Ist er es, der dir dein Herz so schwer macht!" — Goldes Augen senkten sich in einer Weise, die jede Bestätigung überflüssig machte. „Weißt du, Golde," rief Täubchen aus, „der Bachur muß doch ein Herz von Marmclstei'n haben, wenn er dir so weh tun kann!" Das war zu viel! Golde schlug die Augen so licht und voll Liebe und Glückseligkeit auf, daß' der eine Blick die schwerste Anklage von der Welt hätte . vernichten müssen. „Und willst du mir nicht. sagen, wer es ist?" fragte Täubchen lächelnd. Golde bewerte die Lippen, aber konnte das Wort nicht herausbringen. Bögele, die inzwischen die Kette ausgenommen hatte, überhob sie der Mühe, denn sie rief lachend: „Wer e» ist? Nun, das Kosminerchen ist es nicht!" „Tu geschliffen Mäulchen!" lachte-Täubchen auf, „Hab ich dich gefragt, wer's nicht ist!" „Nun," lachte Bögele, „wenn es der Kosminer nicht ist, ist es erwiesen, daß es der andere, der Zempelburger sein muß!" „Ah!" rief Täubchen aus. „Der Zeurpelburger! Ah! Das ist ein feiner Bachur! Golde, da brauchst du dich nicht zu schämen! wahrhaftig nicht! Siehst du," sagte sie zu ihr, die mit verschämter Schüchternheit vor ihr stand, „siehst du: die Kette, die ich da in der Hand Hab, häng ich dir mit Gottes Hilfe um, wenn der Heilige, gelobt sei er, mir das Glück gibt, dich unter Trau-Himmel zu führen!" Golde preßte die Hände ihrer Wohltäterin mit stummem Danke! aber Vögele blickte mit so leuchtenden Augen auf sie, daß das ganze Gemüt Täubchens in die fröhlichste Bewegung geriet. „Soll mir Gott alles Gute geben. Vögele, du guckst doch mit eiriem Paar lichten Augen in die Welt hinein, daß ich einen Schwur darauf tun, möchte, du hast mir auch etwas verschwiegen!" „Ich?" rief Vögele unter leichtem Erröten, indem sie sich init all ihrer Schalkhaftigkeit abwandte, — „ich verschweigen? — Golde kann nichts reden, und ich kann nichts verschweigen! — Ihr könnt mirs glauben: ( der Zempelburger ist es wahrhaftig nicht!" Täubchen schlug die Hände in einander. „Was hör ich, du Maggid?. Das Kosminerchen, das Charifchen^) hast du dir ausgesucht? Guck mich nur noch einmal an!" Nur einen Augenblick koHte es Bögele ' eine Ueberwindung, die Röte ihres Gesuhtes sehen zn lassen; auf eine zweite Bitte, sie anzngucken, wandte . sie sich um und sagte mit einem heitern Ernst, der fast einen Anstrich von Wehmut hatte: „Warum nicht? Charis und Maggid steht sich doch so gut an!" In weniger als einer Viertelstunde hatte Täubchen alles, was die Mädchen von ihrer Liebe wußten, herausgelockt. Viel war es nicht. Worte waren so gut wie noch gar nicht gewechselt; denn wie der Kosminer gegen Vögele, war Golde gegenüber dein Zempelburger so gut wie stumm. Aber Blicke hatten desto mehr gesprochen, und vorerst war es genug. Eine Weile stand Täubchen mit ernstem Gesicht zwischen oen Mädchen, die sie an beiden Händen hielt, dann sagte sie: „Kinder! Gott der gelobte wird .in eurer Hilf sein. Der Verdienst der Vorfahren wird euch beistehen, und Täubchen Rcb Noach Bralls ivird. euch nicht verlassen. — So wahr soll Gott mich begnadigen: mein Herz sagt mir, daß 'euer Herz wird erfreut werden!" Und wieder kamen die zwei Wasser übereinander! . Die gemischten Wasser der, Wehmut und der Freude. Bei Täubchen rollten sie als Tränen an dem schönen Antlitz herab, bei Golde' blieben sie schwer an der Wimper hängen; in Bögele» Auge waren sie nur wie ein holder 'Hauch zu sehen. Nach einer Weile sah Täubchen wieder lachend ihrem Herz-Bögelchen ins Auge. „Watte, du Schelmgeficht," sagte sie, „dir werde ich das gut bezahlen." — Sie griss in ihre Tasche. Ten einen hatten Taler, über den Reü Chaim in seiner Hinterkammer mit dem Sch'loh - hackodausch schon bin ganzen Abend merkwürdige Unterhandlungen fühtte, den legte'sie auf das Gebetbuch; einen zweiten harten Taler aber nahm sie in die Hand und zwang ihn Golde auf, die sich weigette, ihn anznnehmeu. ,>Da,". sagte sie, „da hast du einen Taler, da machst du morgen einen guten Sabbat, ich werd dem Schulklopfcr sagen, er soll dem Zempelburger ein Bittet?) Charis, ein scharfsinniger Talmudist. -) Sil fei, Anweisung aß Tischgast zn den Sabbati Mahlzeiten hei einem Gemeindemitglied. , - ' ■ ,\ . ■ ' ■ - . \ .

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