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Neue jüdische Presse · 1917-12-14 · Heft 47 (14.12.1917) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 47 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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- iArankfurt a M Tbwtn Frank. Sohn von IacsV Frank, Uhlanbstr. 48, ward» wegen Tapferkeit vor tem Femde züm V ize selb web el befördert. 'Feldhilfsarzt Wenni Rapp, Sohn von Gustav I. Rapp, Seilerstr. 19, erhielt bas Eiserne Kreuz. Darmftadt. Adolf £tiev, Mll nv'ver der Firma Gebr. Trier, überwies dem Hessischen Landesverein vom Roten Kreuz eine Spende von 100,000 Mark.' '»lHatnjt. &utnänt F? itz Heidenoetm er, der bereits im Besitze des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und-der Hessischen Tapferkeitsmedaille ist, wurde mit dem Eisernem Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. München. Feldh'lsar-i Benedikt Nußbaum, Sohn von Hermann N., wurde nunmehr auch mit dem Eikernen Kreuz 1. Kl: und dem bayr. Militär- Berdienstkreuz 1. Kl. ausgezeichnet. Nürnberg ' Feldloz-rettin pet or!» i lb a r d Goldschmidt, Unteroff. Viktor Reichenberger und Robert Jondorf erhielten das Eiserne Kreuz, Unterosf. Martin Selling und Paul Lebrecht das bayr. Militärverdienstkreuz 3. Kl. HreSl»«. S absarzr Dr L u i> w > g B ö v m "nd Vize» seldw. Albert Jacob erhielten das Eiserne Kreuz l. Klasse. Martin Goldring wurde zum Leutnant befördert. «aerob«. Isaak Heb, Sohn von Salomon Heß I., erhielt das Eiserne Kreuz. Beverungen D^m N>t,e>ten Max. ManSbach', Sohn des Herrn Salomon Mansbach, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, wurde in den Kämpfen bei Cambrai für hervorragende Tapferkeit von Sr. Majestät nunmehr auch das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. . Bbe'sberg Lehrer H» go W e > ck > e lb aum, der vor drei Wochen das bayr. Militär-Verdienstkreüz 3. Kl. mit Schwertern erhielt, wurde nun mich mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. vopei» Overleutnant Manneberg wurde zum Kr i e g s r a t ernannt. ' SB en Blochs Wochenschrift verzeichnet in ihrer Nr. 47 folgende Auszeichnungen an Juden: 2 Eiserne Kronen-Orden 3. Kl., 4 Ritterkreuze des Franz Josef- Ordens, 5 Militärverdienstkreuze 3. Kl., 23 silb., 57 bronz. Signum laudis, 33'gold., 20 silb'., 8 eis. Verdienstkreuze m. Krone, 5 gold., 3 silb., 58 eis. Berdienstkreuze, 12 silb. Tapferkeitsmeoaillen 1. Kl.,' 74 2. Kl., 69 bronz. Tapferkeitsmedaillen. u. kleine Mitteiluuge». very«. Arnold Stein ,sel« z-hn Jahren Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde „Adaß Jisroel", ist verschieden. , ' Die Universität Heidelberg hat Kommerzienrat Netter, Vorstandsmitglied der jüd. Gemeinde und Rudolf Masse mit dem Doktortitel honoris causa ausgezeichnet; letzteren infolge seiner 100,000 Mk.- Spende für eine Theodor Mommsen-Stiftung. Berlin In letzter Zelt traten hi-r u a aus dem Judentum^aus: Dr. Georg Badt, Dipl.-Jngenieur Fritz Reisner, Kaufmann Bruno Silberberg, .Rechtsanwalt Dr. Rudolf Jsay, Frau Rechnungsrat Minna Liebow, geb. Sußmann, Dr. Klrt Borchardt, Akzt Dr. Hugo Levy, Kaufmann Georg Deymel, Kaufmann Julius Flatöw, Kaufmann Martin Philippe und Kaufmann Leo Henschel. .Berlin. Art»r Stadtvaue^, der bekannte sozialdemokratische Abgeordnete, ist verschieden.. Kostet. Der jüorsche Mädch>nbustd. der heute 60 jungen Mädchen ein Heim bietet, feierte sein hundertjähriges Bestehen. Paff««. Siudienrat und Ob'erreallchulinspektor Dr. Simon Bein trat in den Ruh-estand. Breslau. Der Kat'er oat den Flde knmmißbeiitzer Dr. Paul Schvttlaender als Senator der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft bestätigt. Hamburg. Der Bank er Max Marburg stand zum ersten Male ein Jude als Senator zur Wahl. Er unterlag mit 60 gegen 63 Stimmen. Proft. Tr Isidor Pollak, seit l90t Priva'd"zent sür»femitische Sprachen und Literatur an der hiesigen Universität, wurde zum außerordentl. Professor ernannt. Er ist gleichzeitig Bibliothekar der berühmten Bibliothek der Israel. Kultusgemeinde und der Universitätsbibliothek. - Frankfurter Berichte. Personalien Vorigen Freitag wurde der im Alter von 33 Jahren auf dem Felde der Ehre gefallene HermannSchames, Sohn des Herrn Wilhelm Schames, hier, zur letzten Ruhe gebettet. Eine stattliche. Zahl von Verehrern und Freunden fand sich zum letzten Geleit ein. Der allgemeinen Trauer gab Herr Rabbiner Nobel in schönen, warmfühlenden Worten Ausdruck. Mit einem hübschen Vergleich zwischen luchot (Tafeln) und schiwre luchot (gebrochene Tafeln) beginnend, rühmte er dem Dahingegangenen große Pflichttreue und 'Arbeitsfreudigkeit und Menschenliebe nach-. Auch hob er das hohe Maß der Elternverehrung Kibbud aw weöm des Verstorbenen hervor. Im Namen des Personals.der Firma Beer, Sondheimer u. Co., dessen Mitarbei-i ter er war, widmete Herr I. Äesthoff dem Verschiedenen Worte des Dankes für feine treue und erfolgreiche Mitarbeit und seine kameradschaftliche Anhänglichkeit. Der Verstorbene zeichnete sich durch sein jüdisches Fühlen und seine Herzensgüte aus. Er übte stets Zdokoh beseser und half selbst in seinem zeitweisen militärischen Standort, Berlin-Brandenburg, wo er nur konnte und womit er nur konnte. /Wegen dieser seiner Tugenden genoß er allseitige VerehrüngundBelilebtHeit: Zum Schluffe sei noK gefajft. daß der Verstorbene im Rahmen dev Tradition, gewiss«» Haft lebte. Sein Andenken sei gesegnet! >, ' 8t» Erholungsheim für jüdische Gelehrte und Studenten In einer gut besuchten Versammlung wurde am 9. Dezember 1917 zur bleibenden Erinnerung an den um das Verständnis unserer Gebete und die Erklärung der Heiligen Schrift hoch verdienten Grammatiker und Literarhistoriker Wolf H eidenheim auf Anregung des Herrn Michael Mainz ein ,Molf Heidenheimsches . Erholungsheim für jüdische Gelehrte und S tud en ten" gegründet. Sitz des Vereins ist Frankfurt a. M. Das Heim soll an der Hauptstätte des Wirkens Heidenheims, in der Nähe Rödelheims, errichtet werden. In den Vorstand wurden einstweilen folgende Herren gewählt: Eduard Feist, Stadtbibliothekar Dr. Freimann, Rabbiner Dr. Horovitz, Realschuldirektor Dr. Lange, Kantor und Lehrer I. Ä. Levy, Michael Mainz, Bankdirektor Hermann Maier, Jakob Rosenheim und Wilhelm S chames. Rituelle Speisefette. Wir machen unsere Leser auf die im heutigen Annoncenteil erschienene Bekanntmachung des Vorstands der Israelitischen Gemeinde betr. die Versorgung mit rituellen Speisefetten aufmerksam und freuen uns, daß damit diese wichtige Angelegenheit in einer für die rituell lebende Bevölkerung durchaus befriedigenden Weise ihre Lösung gefunden hat. Kleine Notizen. > Die Kaiserin stattete den Geschäftsräumen des Kaiser!, und Königl. Hofantiquars I. Rosenbaum einen einstündigen Besuch <w. Bügele -er Maggid. Bon Aron David Bernstein. (Fortsetzung.) ImiMon Diesmal hieß das Schicksal nicht Altenstein; es war der neue Rabbiner in F., der nach dem Brande und dem Wiederaufbau des Städtchens daselbst ausgenommen ward. Dieser, Reb Jitzchak Reb Simchas, ließ Reb Chaim zu sich rufen und sagte ihm nach einem sehr lehrreichen, „Wörtchen" und einigen gut „geteutschten" Bibelversrn, haß es keine Art und Weise sei, wenn feine Mäochen, die jetzt bald heiratsfähig würden, so herumwanüern durch die Welt, um vor Leigen und Verheirateten zu singen. „Jyr' wißt", schloß er. seine Ermahnung, „die Stimme eines Weibes ist Verführung. Euere älteste Maü ist schon in Fahren, wo sie nicht immer so mit dem Machsor umgehen darf; und eure zweite Mad, höre ich, will ein ganz Gelehrter sein. Nun, Reb Chaim, ihr seid doch ein guter Jude, vergeßt ihr denn, was unsere Weisen gesagt haben: „Wer seiner Tochter Gelehrsamkeit beibringt, lehrt sie Unzucht." Reb Chaim war hierüber nicht minder bestürzt als über Altensteins merkwürdigen Ngensinn; allein darüber war er keinen Augenblick zweifelhaft: der Rabbi war gerecht, wie Gott gerecht ist. In. Reb Chaims Seele waren schon die gleichen Zweifel aufgestiegen. Noch vor Abend desselben Tages war der Entschluß Reb Chaims bekannt, fortan nicht mehr die Gemeinde zu verlassen. Dies steigerte die Teilnahme für ihn bei Jung und Alt. Man lobte den Beschluß und noch mehr die Motive. Selbst Leeser Schlapp, der nichts ungehöhnt lassen konnte, glaubte dem armen Reb Chaim sein Mitleid ausdrücken zu müssen. „Nun, Reb Chaim," sagte er, „mit euerer Golde werdet ihr kein Gold mehr machen, uiü» mit euerer Vögele werdet ihr nicht mehr ausfliegen. Ihr seid mir ein Jammer." Mit schwerem Gemüt ging Reb Chaim heim. Die Gastfreundlichkeit von Reb Noach Brall hatte den zweiten leer stehenden Stock seines Hauses der Familie, die nur vorübergehend nach F. zu kommen gedachte, eingeräumt. Aber als der Vater hier den beiden Mädchen seinen Entschluß bekannt machte, entstand eine lebhafte Szene. Mitder frommen Golde, die in einem Alter von fünfzehn Jahren das- Gefühl für Schickliches und Unschickliches schon ttef empfand, ward er sehr bald ferttg. Mit der dreizehnjährigen Vögele gab es einen harten Strauß. Sie kämpfte wie ein wahrer Maggid mtt allen Mttteln der Dialektik und ihrer reichen Gelehrsamkett aus allen Werken der deutsch-jüdischen Literatur» gegen die Argumente des Rabbi und ließ in ihrer Rede Streiflichter des Geistes über den Beruf der Frauen hören, die einer George Sand' wüttiig waren. Sie sprach mtt einer so glänzenden Beredtsamkett, daß der Vater nicht nur verstummt vor Verwunderung, dastand, sondern sich in seinem Herzen sagte: man müßte eigentlich einen Fasttag darüber «Kruft», daß kein Mensch dich- Klugen Reden hört. Aber er irrte, der gute Reb Chaim; Bögeles Rede hatte eine Zuhörerin, «ine begeisterte Zuhörerin. Die reiche Täubchen Reb Noachs war aus gut« mittiger Teilnahme hinaufgestiezen in den selten besuchte» zweiten Stock ihres Hauses und hatte an der Tür den lebhaften Streit belauscht- Man sagt, kinderlose Frauen hätten eine ganz besondere Vorliebe für Ideen, die an Emanzipaüon des Weibes streifen. Ob dies der Grund war, daß die gute Täubchen ganz berauscht ward von Bögeles Argumenten, wissen wir nicht; so viel aber steht fest, daß fte, als Vögele mit dem vollsten Siegel bewußtsein ihre Rede endete, die Tür wett anfriß und das Kind mit einer Heimlichkeit in die Arme schloß, daß allen mtt einander die heißen Tränen in die Augen traten. „Komm her, du Herz-Bögele," rief die begeisterte Täubchen, „komm du Weiber-Maggid! Gott, gelobt sei er, hat dich gesegnet von Kopf bis Fuß. Du hast da geredt, daß dn könntest im heiligen Lande predigen. Aber der Rabbi ist doch gerecht. Du darfst nit mehr so in der Welt herumwandern. Dn mußt lernen ein Haus führen, Stricken, Nähen, Kochen und Backen, damit du einmal eine Hausfrau wirst, die Gnade findet in den Augen Gottes und den Augen der Menschen. Darum geb dich zufrieden, uiü» nun kommt alle hinunter, wir wollen mit meinem Reb Noach die Sachen weiter überlegen." > Es geschah also. Bis tief in die Nacht hinein hatte die Beratung gewährt. Ihr Ergebnis war, daß Reb Chaim einen neuen Lebensplan ergriff. — Seine und seiner Kinder öffentliche Laufbahn war beendet; seine Wirksamkeit sollte sich auf ein stilleres Gebiet znrückziehen als sonst, wo er sich in den höheren Kreisen der jüdischen' Gesell',chast in Schubin, Kosmin, Margonin und vornehmlich im unvergeßlichen Wronke imb ähnlichen Mittelpunkten des K'hilla-Daseins bewegte. Er wurde auch in der Tat, durch den siegreichen Einfluß des Reb Noach, der Mikwenitzer. Diesem Einfluß verdankten die Mädchen auch die ausschließliche Berechtigung, die Talglichter für das Beshamidrasch und die Schul zu ziehen. Sie betrieben zugleich fleißig Handarbeiten nach oer Anleittmg, die ihnen die fromme Täubchen gab und verdienten damit manchen Groschen. Ihre Dienstleistungen in der Mikwe endlich wurde ihnen gerne mtt allen vermögenden Frauen mit einem Geschenk belohnt; denn die Amnut dieser zwei' Mädchen ward einstimmig anerkannt, und hatte man auch fortan nicht Gelegenheit, öffentlich den Glanz des unsterblichen Chasan in Goloe und den Ruhm des unsterblichen Maggid in Vögele zu bewundern, so konnte man doch ihr Herkommen nicht ganz außer Acht lassen. Es stand vielmehr bei aller Welt fest, daß die Mädchen nur so blühend und lieblich seien, wett ihnen „das Verdienst der Brr-, eitern" beistehe. So waren denn wieder fünf Jahre bis zur Zeit, wo unsere Geschichte spielt, vergangen. Wir wissen nn», daß der Besuch der Mäochen im Beshamidrasch seinen guten Grund hatte, und daß man diesen nur sehr entfernt die Schuld üeimessen kann, in unfern zwei Bachurim eine so grenzenlose, wahrhaft Kotzebuesche Verzweiflung erzeugt zu haben. Aber auch daran, daß die Lichter heute etwas später als sonst fettig geworoen waren, hatten sie nicht Schnür, sondern der Umstand, daß in der Mikwe ei» Badegast oder ttchttger eine Badegästin sich um einige Tageftüher angekündigt hatte als sonst; und zwar eine Badegästin, die der beste und liebste Kunde in diesem Hause war. Die Vorbereitungen zum Empfang der lieben Badegästin waren also heute die Ursache, daß die Lichter für das Beshamidrasch nicht so schnell fettig wurden als sonst; indessen wollen wir es nur gestehen, daß die Schalkhaftigkeit Bögeles bei der Mieferimg eine Rolle spielle. Nach Goldes Ansicht sollte durchaus der Later die fertigen Lichter mttnehmen, wenn er zum Abendgebet ginge; sie hatte durch ihre Scheibchen oft hinübergeblickt ins Beshamidrasch und dort den Zempelburger und den Kosminer allein gesehen, uiü» gerade deshalb schlugen die Flammen der Liebe uiü» der Verlegenheit ins Gesicht, wenn sie hinüber sollte, wo ihr Herz sich ganz im Stillen hinsehnte. — Vögele dagegen bewies ihr schalkhaft mit allen möglichen gelehtten Zitaten, daß man den Vater nicht bemühen darf, urü» daß ein fromm Kind sich nicht zn schämen braucht, die Beshamü»rasch-Lkchter einem so feinen Bachur in die Hand zu geben, damtt in der Nacht seine Angen sollen licht werden in der . Gelehrjamkett. „Wenn es eine fromme Handlung ist." sagte Golde ernst, ,M»rum soll ich dich derselben «icht prüttngvr?''.

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