Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 46 (7.12.1917)
- Date
- 1917-12-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ea 3k. 46, E. T. Rodehan, Herrenschneider Frankfurt a. Main, Friedrusstraise No. 1 Telephon: Römer 3650. FEINSTE: »aASS.SCHNMShFREI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. lendet am 13. Dezember sein 70. lL e b e n s j a h r. Bei dieser Gelegenheit werden seine zahlreichen Schüler, wie die vielen Leser, die er durch seine Erzählungen „Schamsche", „Um 20 Gulden", „Die Mitgift", „Das Gelübde",' „Land und Stadt" und viele andere Romane aus dem jüdischen Gemeindeleben erfreute,' sich, seiner Tätigkeit gerne-dankbar erinnern: " Ärriburn. Professor Emil Levh. ei"e Autorität auf dem Gebiete der Sprache der mittelalterlichen Troubadours der Provence, Verfasser eines 'achtbändigen Wörterbuches des 'Wtprovenzalischen, ist — 62 Jahre alt — verschieden. Er war ein hervorragend bescheidener und idealistisch veranlagter Mensch. Als ihm der Diez-Preis zusiel, wies er das Geld einem wissenschaftlichen Institute zu, ohne daß jemand mehr als nur der Geber und der Nehmer davon erfahren hätte. .; Wien Felix K >iranda. Verwaltungsrat und ehemaliger Direktor des Wiener Bankvereins, Sohn des verstorbenen Präsidenten der Kultusgemeinde Felix K., Bruder des Abgeordneten Camill K. und des Kultusvorstehers Dr. Artur K., ist v e r f ch i e d e n. Prag. M o r > tz W e l l > ch und SieafriedLiebers, zwei in jüdischen Vereinen Prags führende, angesehene Persönlichkeiten, sind verschieden. Vud»neft. E>ne r iesig, n>ch j >d sche Z-itung schreibt: ,Menn in den Budapester Blättern eine Traueranzeige erscheint und es ist darin nicht angegeben, auf welchem Fried- Hofe der Tote begraben werden wird,, so kann man darauf schwören, daß es sich um das Leichenbegängnis eines Inden handelt, dessen Hinterbliebene sichschänren, Juden zu sein. Doch ihr Vorhaben gelingt ihnen nicht. Eben weil sie den Friedhof verheimlichen, machen sie aller Welt bekannt, daß der Verstorbene ein Jude war, daß sie selbst es ebenfalls sind, daß sie sich« aber dessen schämen. Was sind das für Leute, die sich durch nichts geltend zu machen wissen als dadurch, daß sie ihr Judentum verheimlichen? Und wenn sie sich dessen schämen, warum verlassen sie cs nicht?' Wohl weil es sich! um den Vater, um den Großvater han-- delte? Diese hielten noch zum Judentum und verhinderten die Angehörigen an der Taufe. Nun sie aber gestorben sind, möchte, man die Oeffentlichkeit betrügen und so einen alten Juden, dem es im ganzen Leben nicht einsiel, etwas anderes als Jude sein zu wollen, «13- Christen erscheinen zu lassen, damit die Oeffentlichkeit die ganze Sippschaft für Christen hält. Hat schon einmal ein Christ in der veröffentlich,ten Traueranzeige den Friedhof verheimlicht, damit man meine, der Verstorbene sei Jude gewesen?" v Ungvar Ungarn,. Rabbiner Lasar L o e'w, ein ' Fürst des'Talmudwissens, ist im Mter von 79 Jahren verschieden. Einer seiner Schwiegersöhne, Joachim Soffer, wirkt als Lehreran der Thora-Lehranstalt in Frankfurt am Main. W-rrkcha«. Dr. Moses Auerbach, früher in Pethach Tikwah (Palästina), ist hier eingetroffen und hat die Leitung der orthodoxen Mädchenschule „Hawazeleth" übernommen. Warschau. Aus London find nach einer Meldung aus Kopenhagen Hilfsgelder für. die kriegsleidenden Juden Polens im Betrage von 150,000 Mark auf dem Wege. Die auf die Adresse der Herren K. Nathanson, B. Eiger und Dr. Sch. P o z na n s k i gerichteten sind von Herrn Salomon Montaigne gesandt; schon'vor einigen Monaten sind von der gleichen Stelle 140,000 Mark in Warschau angelangt. . Zürkw. Unter den Opfern der Unruhen befand sich auch eine jüdische Frau, Frau Jetti Wolf) geh. Billig. Die Familie war gerade beim Nachtessen, als Frau Wolf bemerkte, daß ihr neunjähriger, einziger Knabe auf den Balkon trat, um bas traurige Schauspiel der Bolksunruhen zu beobachten. Sie eilte ihm schnell nach, um ihn zurückzuholen und wurde in diesem kurzen Augenblick von zwei Kugeln schwer getroffen. .Die Agudas-Jsroel-Jugendgruppe veranstaltet in fünf Vorträgen einen Palästina - Zyklus. Dozent ist cand. Abr. Schlechter. DavoS. Die Absicht, vier ein Heim für jüdische Lungenkranke zu begründen und so den hiesigen jüdischen Kurgästen endlich einmal Gelegenheit zu schaffen, rituell zu leben, begegnet hier großem Interesse, — sind doch unter den 3000 bis 4000' Kurgästen unseres Luftkurorts in der Regel mindestens 700 Juden. Haag. Dl- . Fra k ur-er Zeitung" vom 23. November bringt einen Bericht ihres Haager Korrespondenten, in welchem vom Jüdischen Korrespondenzbureau am Haag gesagt wird, daß es im Dienste Englands steht. .Das Bureau bezeichnet diese Behauptung als wn wahr und hat seinen Advokaten beauftragt, alle erforderlichen Schritte zu unternehmen, um den Korrespondenten des genannten Blattes, Rudolf Netter, zur Verantwortung zu ziehen. Turin. Hier verschied noch langem Leiden Oöe» rabbiner Professor Giuseppe Fra. Rew'Aorl R bbiner Barnet Wolinskh, der älteste Mamr Newyorks, ist — 113 Jahre alt verschieden. Er kam im.Mter von 18 Jahren aus Rußland herüber) Er hinterläßt 118 Nachkommen und seine dritte Frau, die jetzt 55 Jahre zählt. Scala - laicht spiele Sch&fergasBe 29. Scbäfergasse 29. Modernes Theater 'Vorführung stets neu«r .und hervorragender Film«. Frankfurt« KffmelitischeZ FamüisnAM. Seite 3 AewAork. 'Präsident Wilson hat den Führe» der amerikanischen Zionisten, den Oberrichter Louis D.- Brandeis zum Mitglied der Kounmission ernannt, welche die Aufgabe hat, die Materialien für die Friedenskonferenz zu sammeln.. Während Oberst H ous-e den Auftrag hat, alles Material betreffend die westeuropäischen Länder zu sammeln, hat Brandeis zur Aufgabe erhalten, die Probleme des Orient zu studieren. Er verdankt seine Ernenmmg der Tatsache, daß er ein Zionistensührer und ein guter Kenner der Zustände im Osten ist. Man nimmt mit Sicherheit an, daß sich die Vereinigten Staaten durch Brandeis auf der Friedenskonferenz vertreten lassen werden. New V»'k Der am-rikaniscb-jüdische Philäntrov Lewinsohn hat jüngst das 50jährige Jubiläum seiner Ankunft in. Amerika gefeiert. In Deutschland geboren, wunderte Lewinfohn vor 50 Jahren nach- Amerika aus, wo er sich im Laufe der Zeit einen außergewöhnlichen Reichtum erwarb. Wegen seines Kupferhandels ist Lewinsohn unter dem Namen Kupferkönig bekannt. Sowohl im wohltätigen wie im gesellschaftlichen Leben der amerikanischen Juden, hat der Jubiliar eine vordere Stelle erlangt. Wie man weiß, hat er, wie wir Unlängst melden konnten, seine Sympathien für den Zionismus erklärt. Auf dem ihm zu Ehren veranstalteten Bankett sprachen u. v. I. H. Schiff, Ex-Präfident Taft und viele andere Persönlichkeiten. Frankfurter Berichte. Personalien In voller körperlicher und geistiger Frische beging am 28. November Frau Julie Eisenheimer, Feldbergstraße 12, ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin, eine geb. Cahn aus Mainz, ist die Tochter eines hervorragenden Talmud- und Schriftgelehrten und die Schwester des Geh. Legationsrats Dr. Wilhelm Cahn, Berlin. Sie erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und war daher an ihrem Geburtstage der Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Die Wahl zum Ausschutz der israelitischen Gemeinde.; Nachdem in den letzten zlvei Jahren in Rücksicht auf die Zeitverhältnisse die. Wahl zum Ausschuß der israelitischen Gemeinde ausgefallen ist und die Mandate der Ausschußmitglieder je »um ein Jahr verlängert worden sind, hat man dieses Jahr beschlossen, damit die Wähler nicht weiter ihres Rechtes beraubt werden und das Interesse an der Gemeinde und ihren Angelegenheiten dadurch nicht vermindert wird, die Wahl stattsinden zu lassen. Der Zentralverein israelitischer Ge-- meindeMitglieder und der Freisinnige Verein für jüdisches Gemeindeleben haben sich aus -drei gemeinschaftliche Kandidaten geeinigt: Bankier Albert Cahn (Teilhaber der Firma Gebrüder Sulzbach), Sanitätsrat Dr. Ludwig Hanau und Eli Michael. . Die Wahl findet am 12. Dezember auf der Gemeindestube Hochstraße 12 statt. Die Wähler werden, worauf besonders aufmerksam gemacht wird, nicht durch Karten eingeladen, die Wahl wird vielmehr nur durch öffentliches Ausschreiben in den Zeitungen bekannt gegeben. ' Obwohl ein Wahlkampf nicht stattfiudet, empfiehlt es sich! doch, daß jeder einzelne Wähler, dem es möglich ist, von seinem Wahlrechte Gebrauch macht. Der Zionismus im Rahmen des Weltkrieges In einer von 600 Personen besuchten Versammlung der Frankfurter Zionistischen Vereinigung sprach Major a. D. E n d r e s über obiges Thema. Ein nichtjüdischer Kenner Palästinas wies hier nach .; 1. Das jüdische Volk hat durch seine bisherige Kolonisationstätigkeit in Palästina, deren organisatorisch durchdachter, von Philantropie freier Aufbau der zionistischen Organisation zu verdanken ist, den Beweis erbracht, daß es allein Palästina eine wirtschaftlich bedeutende Zukunft verbürg!. 2. Die Türkei hat deshalb das eigenste Interesse daran, die Ziele des Zionismus in Palästrna aufs kräftigste zu fördern. 3. Bisher ging nur ein Tausendstel von Teutschlaitds Weltexport nach den türkischen Ländern. Soll der Export von Bedeutung werden, so muß in Palästina jüdischer Geist und jüdische Arbeitskraft dafür Sorge tragen, daß die wirtschaftliche Macht der türkischen Länder sich hebt, denn dir sonstige Bevölkerung der Türkei ist zu passiv veranlagt. zehnjähriges Stiftungsfest des Heims des Jüdischen Frauenbundes. voll. Gesang der Zöglinge ecösfnete und jc>.Mß sie. Die Festrede Rabbiners Dr. Seligmamn war in einfacher und schlichter Beredsamkeit ein Hinweis auf das Heim in seiner religiösen und vaterländischen Bedeutung und seinem letzten Ziel der Familienpflege. Er gedachte in warmen, anerkennenden Worten Frau Luise Goldschmidts, der Gründerin der Anstalt, und zeigte, wie die Fürsorge für die gefährdete Jugend ein Baustein für die gesamte jüdische soziale Arbeit ist.. Für den Jüdischen Frauenbund gab Fräulein Pap-, penheim in kurzen Umrissen ein Bild der Entwicklung des Heims von seiner Gründung, da die Fürsorge nur einen kleinen Teil sittlich gefährdeter Jugendlicher umfassen konnte, und die sich dann im, Haus 2 und--3 zum Schutze von Kindern und Müttern für Fälle daüernder Schutzbedürfttgkeit ausgestaltete. Beide Redner sprachen ihren wärmsten Dank für die aufopfernde Mitarbeit der Beamtinnen aus und betonten die wertvollen Beziehungen der Anstalt!zu Arzt und Schule als die unerläßlichen Helfer in diesem Zweige sozialer Hilfstätigkeit. Als dauernde Erinnerung au die Feier, als Markstein seines zehnjährigen Bestehens «und zugleich als Symbol eines Lomler & Laii»di 33- Llabfrauenberg 33 ~ '= Kragen, Hansehellen, «oscntriger, Handschuhe» :: InahenanzHge. Handarbeiten..traf»tthfc “ wichtigen Zweiges seiner Arbeit hatte Fräulein P ap penheim eine Holzbildtafel „Die Auffindung Moses" ,bgm Haus 2 gewidmet. Die künstlerische -Auffassung des Werkes, don dem bekannten Bildhauer Karl Mohr in Frank» furt a. M., das in der Durchbildung einer tropischen Landschaft und in der feinen Linienführung , der Figuren, besonders in der Gestalt der Königstochter aß eine hervorragende Leistung der Holzbildncrei bezeichnet werden kann, wird hoffentlich eine Anregung und vorbildlich dafür sein, chaß man in Räumen, die sonst nur sozialen Aufgaben, gewidmet sind, des .künstlerischen Schmuckes nicht vergißt.. ‘ . Unter den zahlreichen Gästen waren anwesend: die Vertteter der Israelitischen Gemeinde, des Israelitischen Hilfsvereius. der Jüdischen Frauenvereinigung, der Jugendgruppe der Franksurt-Loge und des Monikaheims, die durch ihr Erscheinen ihr Interesse an dem Gedeihen der Anstalt bewiesen. Zionistische Bereinigung. Am Samstag sprach der kais. osman. Major a. D. Franz Carl E n d r e s in der zion. Ortsgruppe im großen Saale der Frankfurt-Loge über den »Zionismus im Rahmen der Weltpolitik." Herr Jakob Wohf leitete die 60Q. zählende Versammlung ein. In kurzen. Worten beschrieb Major Endres die Entstehung und die Entwicklung des Zionismus. Sodann ging er zu der Bedeutung des Zionismus für die Türkei über. Die jüdischen Kolonien in Palästina, sagt er wei'er, sind wie Oasen in der Wüste und da sähe man die Behauptung der Antisemiten, daß die Juden zwar ein Handelsaber nie ein Bauernvolk werden könnten, klar widerlegt. Durch die Juden gewinnt auch die Türkei gute Lehrer, die den Mißständen der Wirtschaft und Verkehr Abhilfe zu schaffen lehren könnten. Ihnen wird auch die Türkin eine fruchtbare und eine mit allen modernen Einrichtungen versehene Provinz zu verdanken haben. ‘ Darauf erklärte er auch«, warum der Deutsche von dem Standpunkt der nationalen Polittk für den Zionismus sympathisieren müsse, da deutsche Ansiedlung nicht in Bettacht kommt, denn selbst die Templer, die sich ziemlich gut bewährt, lange nicht das geleistet haben, was die Juden in kurzer Zeit vollbrachten. Einfach aus dem Grunde, weil der Jude das Land als seine Urheimat, bettachtet, nach der all sein Sehnen und Hoffen gerichtet ist. Auch im Interesse des deutschen Handels kann es nur begrüßt werden, daß ein Handels tüchtiges Volk Palästina besiedelt. Uebergehend auf die Kundgebung Balfours meint Referent, daß England e» nur zur Verwirklichung feiner imperialistischen Pläne eines Landweges nach Indien über Mesopotamien und. Palästina getan hat. Zuletzt betonte Redner noch besonders, Deutschland erwarte von seinen jüdischen Mitbürgern, daß sie deutsche Polittk in gewohnter Loyalität treiben und aus keinerlei englische Versprechungen eingehen werden. Lebhaften Beifall zollte das Publikum denr Redner. Herr W o l f ergriff daraus das Wort und legte scharfen Protest gegen, die Treibereien des Frankfurter orthodoxen Blattes ein, das nicht nur Zwist zwischen den Zionismus und das andere Judentum, sondern auch einen Keil Wischen den Zionisten selbst, zn schieben bestrebt ist. Er betont, daß die Unterschiebungen, die die Zeitung dem Zionismus macht» vollständig aus der Luft gegriffen ist und als bewußte Unwahrheit darstellt. An die Loyalität der Zionisten gegenüber der Türkei ist keinen Augenblick zu zweifeln. Das jüdische Volk ist von ttefer Dankbarkeit gegen die TürLi Mr das freundliche Verhalten in der Vergangenheit erfüllt. Es hofft, daß die Türkei auch weiterhin ihr Wohlwollen bewahren wird. Auch dieses wurde mit grckßem Beifall ausgenommen. Darauf wurde ein Begrützungstelegramm des Berliner E. K. C. verlesen. Die Versammlung schieb - mit dem Bewußtsein, dem Zionismus einen Schritt uähergerückt zu sein. A. O. „VICTORIA« Erste' Borliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Han«» Tel. 20f 2. || GQlIeQtStraSSB II. Han«a Tal, 2002. Spezialität: Kragen, Hansehotten und Hemden« Bögele der Massiv. Von Aron David Bernfteim '„Kosminer!" rief er leise, „hast du gehört? Golde wird noch kommen! Siehst du, Bruder, das ist heute, ein glückseliger Tag!" mit „Ein .. er schrecklich!" „Wie?" fragte der Zempelburger erstaunt, „Hast du. nicht eben mit deinem Vögelchen gesprochen?" „Nein," unterbrach ihn der Halbverzweiselte; hören, sie will von mir nichts hören!" Mrt diesen Worten warf er sich auf die Bank'undließ seinen Kopf auf den Arm fimen, um die Flammen i;