Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1917-11-09 · Heft 42 (9.11.1917) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 42 (9.11.1917)
Date
1917-11-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2693025-2693067--10101-2705392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 4ß. Araykstkrter Berichter ' WolfSfett-ÄuSftelluus. ' ' Eine Ausstellung sämtlicher Original-Radierungen des Professors Erich WolfSfeld ist bei Trittler, Goetheplatz, zu sehen. Die seht interessante Ausstellung enthält natürlich auch die jüdischen Eharakterstüdien des bedeutenden Künstlers.. „VICTORIA« Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Hanaa Tal. 2002. ]g klllielllstrssso II. Hami Tel. 2002. Spezialität: Kragen, Manschetten nnd Bernden. Der starke Simson. Erzählung -von Elise Orszesk». (Fortsetzung.)? In diesem' Duett entschied sich Simson's Los. Er >var zwar anfangs verschlossen, aber die Reize der Delila konnten den jausdauerndsten Widerstand belegen. Vergeblich stand er vor ihr und sagt mit der überzeugiingsvollsten und flehendsten Stimme: „Dos is nit Der Geschäft." Die verführerische Kokette wußte, daß es ein wichtiges Geschäft für sie war. Sie sang so lange mit' ihrem- Baß. Schimele aber hörte nur den' schönsten Mezzo-Sopran daraus. Delila schaute ihn mit kindlichen Äugen'an. Schimele aber sah zwei strahlende schwarze Diamanten, — bis Simson ermüdet durch den Kampf und besiegt durch die Liebe, die Haare in feinp Hände nimmt und sie der Zauberin zeigend, sang: „In ihnen liegt meine Kraft!" Delila steht nun auf, winkt mit dem Rosa-Fächer, rückt die rote Rose zurecht, wischt den Schweiß.von dem roten Gesicht ab und reicht die Hand dem besiegten Helden. Ein wiederholter Kuß' und wiederholter Schrecken Miners, der nicht begreifen kann, warum Schimele ihn mit einer solchen Zärtlichkeit umarmt und so stark feine Lippen die seinen drücken. Dann verschwindet das verliebte Paar in dem Palast der Verführerin hinter dem gezackten Vorhang. Wieder erscheinen die Philister, aber was sehen wir? Dieselben, die in dem dritten Bilde von der Hand Simsons gefallen sind. Nach dem Auferstehen muß natürlich ihr Haß-gegen den Mörder noch, viel größer sein. Sie erwarten Delila, sie schleichen sich vor die Tür des Palastes, sehen durch das Fenster, tauschen untereinander geheime Zeichen aus... Aber da ist, sie ja! Sie kommt hinter dem Vorhang hervor, in der einen Hand hält sie den roten Fächer, in der andern einen Büschel Haare, rabenschwarz. Unter den Philistern herrschte eine unbeschreibliche Freude. Der König selbst drückt die Hand Delilas dankerfüllt. Die Ritter ziehen die Schwerter aus der Scheide, und mit einem Wutgeschrei werfen sie sich auf den aus dem Palast kommenden Simson. Simson aber ist gar nicht wieder zu erkennen. Ohne Helm, ohne Haare, ohne weißen Mantel fällter in die Hände seiner Feinde, die ihn ohne Zeremonie blenden. Der. Vorhang fällt, in dem Auditorium herrscht Grabesstille des Entsetzens, und nur aus den Winkeln hört man ein leises Schluchzen! Mit Recht weinen diese mitleidsvollen Seelen. In der Garderobe auf der Bank, auf welche ihn die Philister hingcsetzt. haben, sitzt, Simson, todblaß, schwer atmend, mit geschlossenen Augen. „Rebbe," spricht Moische zu ihm, „seht Euch den Palast an, den-Ihr stürmen sollt auf der^ Bühne. . . Vielleicht ist er zu "schwer für Euch, man' kann ihn Heiner machen." ' - ' . Aber aus der Brust Schimelcs hörte man nur Stöhnen und Aechzen! ' „Die Feinde haben meinen Augen das Licht entzogen," lispelt er schmerzvoll, „ich bin blind, meine Augen' werden nie mehr herrliche Werke des-Ewigen sehen." „Hörst Du," rufen die Philister sich einander zu und tauschen verwunderte Micke miteinander. „Er glaubt, wir haben ihn wirllich geblendet!" Plötzlich geht Delila durch die Garderobe. .Schimele hat "das Rauschen ihres Kleides gehört und hebt - die Augenlider auf. Seine Äugen werfen Blitze' des Grolles und der Verzweiflung, die Wangen werden dunkelrot.; „Was hast du mir getan? was hast'du .min getan? Du- - hast michvernichtet! Ich habe - durch Heine . WM.,. ..ea-1... t _w ‘«w . ». . Ho’pNvCwVBjCIJIflp. jj^HliilWwiWi. Schlauheit meine Stegen verlöre«, ich bin in die ftmgenschaft gekommen und bin verloren!" Indem er diese Worte immer lauter und lauter - schreit, ballt er die Fäuste und wirst sich ans Delila, die erschrocken den Fächer aus der Hand fallen läßt und entläuft in den weitesten Winkel der Garderobe, wo sie sich hinter den blumengemusterten Schlafrock, -eines judäischen Greises verbirgt. Moische mit seinen breiten Schultern stellt sich vor Meier, und da er nicht wagt, seine Hand gegen den gelehrten Mann zu erheben, streckt er sie nur vor sich hin und ruft mit einem Tone milder Ueberredung: - „Rebbe, aj way, Rebbe!" Aber die - Exaltation Schimeles dauert mir ganz kurze Zeit uni> verhandelt sich in einen^traurig tiefen, diMpfen'Schmerz. Er. sinft auft-dic,:Bantz läßtkdst Hände fallen, schließt die Augen und fängt zu 'jammern an: : * „Oh! Oh! ich habe auf rein Gesicht wie aus eine Blume des Paradieses" gesehen, dein Mund war für mich ein Honigstrom, deine Augen brannten vor mir wie eine Flamme, vor welcher, mein Herz zerfloß! Du hast mir aber Böses zugefügt! Ich bin ja doch verloren, Delila!" . Niemand bemerkt, mehr die wehmütigen Klagen des erblindeten Helden, mit Ausnahme von Delila, die, ihren Kopf von den falschen Locken und Blumen frei machend, mit Furcht auf ihn hinschielt! Auf der Bühne steht jetzt ein ganz anderer Palast als vorher; .er hat Pappepfeiler, die durch ein Pappgesims verbunden sind. Rings um die Pfeiler sitzen dje Philister. Sie freuen sich, jubeln und singen und, um die Festesfreude noch zu erhöhen, befehlen sie, den erblindeten Gefangenen noch in den Palast zu führen. Simson, der Held, wird durch zwei gemeine Soldaten vorgeführt und steht nun mit geschlossenen Augenlidern nicht furchtsam, aber todblaß da. Schaut ihn nur gut an, er scheint, daß sein Gesicht in dieser einen Stunde magerer geworden ist. Die blassen Wangen sind eingefallen und die geschlossenen Augen sind dunkel umringt. Man könnte sagen, daß das Gesicht durch Leidenschaft, Haß und Verzweiflung verehrt scheint! Die Philister spotten und machen die unglaublichsten Scherze mit ihm. Sie erzählen ihm von den Verwüstungen und der Rache, die sie an seinem Lande nehmen. Und er, der erblindete Gefangene, der kraftlose Athlet, kann sein armes verratenes Vaterland nicht mehr verteidigen! (Fortsetzung folgt.) Aus -er Wett -er Chasfi-im. Bon Ch aim Blo ch, Delathn. z. BaalschemS Werdegang. Als Israel verwitwet wurde, verließ er Okup und zog nach! Brody, wo damals die größte Kabbalistenschule war. Er wurde in einem Dorfe bei Brody als Kinderlehrxr ausgenommen und erlangte bald durch großen Verstand und tiefe Frömmigkeit allgemeine Achtung, so, daß die Leute anfingen, sich in rituellen und rechtlichen Fragen an ihn zu wenden. Hie und da kam er nach Brody, wo er nnauffällig die Vorträge in der Kabbalistenschule hörte. Einmal hatte Rabbi Wraham, der Vater des Rabbi Gerson, Jünger der Kabbalistenschule und später Privatgelehrter und Schulleiter in Kuth, mit einem Mann aus Israels Dorfe einen Streit, und sie vereinbarten, von diesem ihren Streit schlichten zu lassen. Israel, dem im Traume offenbart worden war, daß die Tochter Rabbi Abrahams seine Gattin sein werde, zeigte chm einen kleinen Reflex des rn chm wohnenden Lichtes, und Rabbi Abraham, der während des Gespräches von. Rabbi Israel eine seit Jahren schwierige Stelle gelöst bekam, gewann ihn so lieb, daß er ihm seine geschiedene Tochter zum Weibe antrug. Israel willigte unter der Bedingung ein, daß die Verlobung eine zeitlang geheim blechen, und in dem Berlobungsakt nur sein Name Israel beu Eliser erwähnt werbe, ohne jeden einem Gelehrten gebührenden Titel. Rabbi Wraham starb auf der Heimreise, und sein herbeigeeilter Sohn, Rabbi Gerson, fand unter den hinterlassenen Papieren den Berlobungsakt, der seine Schwester einem einfachen Manne verband. Als Rabbi Gerson feiner Schwester die Sache erzählte, sprach sie: ,Menn unser Vater dies für recht gefunden Hatz so ist es auch recht",' und sie beschlossen zu warten, bis sich der genannte Israel selbst Melden würde. Eines Tagä erklärte Israel seiner kleinen Gemeinde, . er müsse seiner Stelle entsagen, da er in seine Heimatsgegend zurückkehren wolle. Er reiste nach Kuty. Unweit der Stadt zog er einen kurzen Pelzrvck mit einem dicken Gürtel an und erschien so vor Rabbi Gerson, als dieser gerade über einen Rechtsstreit - verhandelte. Rabbi Gerson dachte, ein'Armer .stehe vor ihm und gab eine Müme: Israel verweigerte die, Annahme und sagte: „Ich habe mit dem Rabbi vertraulich' zu sprechen." Rabbi Gerson führte ihn rn ein anderes Zimmer. Dort entnahm Israel-den Berlobungsakt seiner Tasche und übergab .ihn dem Rabbi mit den Worten: „Gebt mir mein Weib", wobei er den Ton und die Gesten eines Dörflers gerauchte. ' ■ : Seite HL ß G«ckM Gers»» mschiraü und -Sachte fei sich: hat da der Bat« getan, Liefe» Grobian seinar Töchter zum Mann zu gebend Er begab sich zu seiner Schwester, doch dies« erwiderte: »Mas der Vater getan hat, ist gut." So Mußte Rabbi Gerson in die Ehe einwilligen. Bor der Trauung vertraute Israel seinem Weibe an, wer « sei, beschwor sie aber, davon niemandem ein Wort zu erwähnen, auch dann nicht, wenn sie Not und Leid zu ertragen haben werde. ) Rabbi Gerson gefiel es'nicht, daß sein Schwager ein so einfacher und ungebildeter Mann war. Er versuchte, ihn in der Heiligen Schrift zu unterrichten. Doch Israel wollte fein wahres Wesen nicht offenbaren und stylte sich so, als ob er nicht die geringste Fähigkeiten für das Studium hätte. ’ Rabbi Gerson wollte einen solchen Schwager nicht in seiner Nähe haben. Er schlug deshalb seiner Schwester vor,- entweder sich von ihrem Manne scheiden zw lassen' odW - mit ihm einen sucheren- Ort überzusiedeln. « Sie wählte das letztere-. .Israel verließ Kuty imd ließ sich in einem «afen Gebirgsdorf nieder. I Gleich Rabbi Jsak Lurga in der schauerlichen Einsamkeit-der Nilgegend verbrachte Israel die ganze Woche allein in den Bergen. Sein Weib fuhr ab und zu mit ihrem Wägelchen jn die Berge, holte mit Hilfe ihres Mannes!Lehm und verkaufte ihn an die Stadtleute. Israel aber fastete tagelang und aß sonst nichts anderes als trockenes Brot, das er bei der Glut der Sonne backte. Die einst außerhalb Galiziens kaum dem Namen nach gekannten Karpathen sind ^bekanntlich herrlich. Inmitten wilder Felswänderomantischer Hänge und Schluchtenj dunkler Wälder, tiefer Taleinschnitte, reißender Ströme und Wasserfälle, die von Kuty aus über schwer gangbaren Bergpfaden an den ewig schneebedeckten „Schwarzen Bergen" nach verschiedenen Richtungen ins Ungarland führen, verbrachte Israel einsam seine Tage, in tiefe Gedanken versunken. ' „Es werden Zeiten kommen, da werden viel« Menschenseelen hier Herumschweben; deshalb muß man für sie die Luft rein machen," sagte er seinem Weibe, als sie von ihm das Zuhausebleiben verlangte. Die gottbegnadigte Natur, die er hier von Angesicht zu Angesicht in all ihrer Schönheit schaute, wirkte aus ihn wie eine Offenbarung. Im Rauschen der Gewässer, in der Bewegung der Bäume und der Gräser auf den weichen grünen Wiesen und im Gesang der Vögel vernahm er Gottes Stimme: „3He ganze Welt ist voll der Herrlichkeit Gottes." Hier brachte er stundenlang im Gebete zu, und die Huzulen (ruthenische Gebrcgsbauern), die ihre Schafe aus den Almen weideten, wollten gar manchmal gesehen haben, wie die Schafe sich Um Israel bei seinem Beten sammelten, unb an ihm emporsprangen, als übte er eine Anziehungskraft ans sie aus. ’ Einmal ging Israel in tiefen Gedanken auf einen Berg. Auf dem gegenüberliegenden Berge stand^ der huzulifche Räuberhauptmann Doboz und seine Bande. Sie sahen, wie Israel sich dem Bergrande näherte und dachten, er werde Herunterstürzen. Plötzlich sahen sie jedoch die beiden Berge zusammen kommen, und nachdem Israel den zweiten Berg bestiegen hatte, wieder auseinandergehen. Die Räuber erzählten Israel, was sie gesehen hatten und baten ihn, für-, sie zu Gott zu beten. Israel tat es unter der Bedingung, daß sie nie mehr Mordtaten verüben würden. Er wurde seit dieser Zeit ihr Richter. Hier in den Karpathen reiste Israels tiefer Pantheismus, eines der Hauptelemente seiner späteren Weltanschauung. Hier bereitete er sich zu der Sendung vor, die ihm beschieden war. So vergingen sieben Jahre. Dann zwangen Nahrungssorgen Israel und seine Frau, das Dorf zu verlassen und nach Kuth zurückzukehren. Rabbi Gerson gab ihm eine Anstellung als Kutscher, da eröfters in den Dörfern der Umgegend zu tun.hatte. Als sie einst unterwegs waren, schlief Rabbi Gerson'ein. Israel war aber so mit seinen Gedanken beschäftigt, daß er nicht merkte, wie die Pferde in einen Sumpf gerieten. Er mußte Rabbi Gerson wecken, und dieser mußte erst Bauern holen, damit sie den Wagen herausbrachten.' Rabbi Gerson sah nun ein» daß sich sein Schvager auchSfür derartige Beschäftigungen nicht eigne. Er pachtete daher sür ihn ein Wirtshaus iu Jtrup, einem Dorfe zwischen Kossow und Gystin. Die Frau versah die Wirtschaft, und der Mann verbrachte wieder ganze Tage -und Nächte in einer Hütte, die eiö sich im Walde, von seinem Wohnort ziemlich entfernt, bei einer Stelle, wo der Berg seinen Fuß förmlich im Flusse badet, gebaut hatte, in Andacht und Studium der Geheimlehre. Er errichtete sich auch in einer Keinen Höhle eine Mikwah, die man noch heute sehen kamt. Jn der Regel kam er nur auf Sabbat nach Hause. Wenn er aber einmal auch an Werktagen nach Hause kam, so half er seiner Gattin in der Wirtschaft und bediente die Durchreisenden wie ein gewöhnlicher Schankwirt. Er lebte uach wie vor nur vom trockenen Brot, doch am Sabbat erlaubt er sich großen Aufwand: er legte weiße Gewänder an, aß und trank und verbrachte den Tag, verschiedene Gesänge anstiimnend, in freudiger Stimmung. V Die Umstände fügten, daß das Ehepaar das Schänkhaus, das ziemlich gut ging, aufgeben mußte. Israel zog mit seinem Weibe nach Pluste, wo er wieder als selbständiger Lehrer in großer Not lebte. Hier erlernte er das .Schächten und wurde bald als Schächter iniKrzybowicz, ein Dorf bei Jazlawitz, ausgenommen. Er führte für das Schächten eine wichtige Aenderung durch kunstgerechtes Schleifen des rituellen Schlachtmessers ein, eine Hcmdhäbung, die heute in allen Gemeinden Osteuropas und Palästinas zur Vorschrift geworden ist. Aber lern nie ruhiges Wesen ließ ihn nicht dabei: er wechselte bald das 'Stert eines Schächters mit dem! Posten eines Gutswirtschaster. Als Jsrinl sechsnnddreißig Jahre alt wurde, errv- - schloß «r sich, «mdlWj HarvorMtreton. E» wteva noch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.