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Neue jüdische Presse · 1917-10-19 · Heft 39 (19.10.1917) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 39 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39. Scala - Lichtspiele SehUergaBse 89. Schäfergasse 29. Modernes Theater Vorführung stets neuer und hervorragender Filme. aioch. die -Verpflichtung in sich , fühlen, der palästinensischen FudeNheitiw dieser schwersten Prüfungszert weiter trest betzustehen. , / __ Zionistische Nachrichte«. Mvutreal. Ende Juli fand in Winnipeg die 15. Jahreskvnferenz der Kanadischen Zionisten-Föderation statt, zu der Delegierte von 214 jüdischen Organisationen aus 77 Städten erschienen waren. Die Konferenz war das größte zionistisch^ Ereignis, das die kanadische Judenheit bisher verzeichnen konnte, und fand, eine würdige Beachtung sowohl seitens der jüdischen Bevölkerung wie auch der osfiziellen Persönlichkeiten. Der Gouverneur der Provinz Manitoba besuchte die Konferenz und sprach in seinem und seiner Kollegen Namen seine herzliche Syinpathie mit den zionistischen Bestrebungeü aus.. Der Premierminister von Kanada, Sir Robert Borden, begrüßte telegraphisch die Konferenz, der er besten Erfolg und guten Verlauf wünschte. Den Besitz bei der Konferenz führte Clarence l. de Sola, der seit fast zwanzig Jahren Präsident der. Zionistischen Föderation in Kanada ist. In seiner Eröffnungsrede gab -de Sola einen lieberblick über die Entwicklung des Zionismus in Kanada und: über die Lage der zionistischen Weltorganisation. Er wies ferner auf die Bedeutung Palästinas als wahres Heimat-- land der Judien, als geistiges und kulturelles Zentrum des Volkes hin. Auf der Nachmittagssitzung begrüßte Mnister John-' ston die Konferenz. Dr. Ben Zion Mossinsohu brach-te Grüße und Glückwünsche der amerikanischen Zionisten.! Dr. Schmarja L e v i n sprach nmnens des Engeren Aktions-' Comitös- und richtete einen dringenden Appell an die Delegierten, die Organisation zu vergrößern rmdzu ver-' stärken. Die Mächte sind nicht zu den Philanthropen oder " Assimilanten gegangen, um bie' Wünsche des jüdischen Volkes zu erfahren, sie haben sich an die volkstümliche Zionistische Organisation gewandt, als an diejenige Organisation, die den Wllen des Volkes geschaffen hat und die vom Geiste des Volkes beseelt wird. Deshalb ist es Pflicht der Zionisten,. durch ihre Organisation und ihre Einigkeit Volkswillen und Bolksgeist würdig zu vertreten. Weitere Ansprachen hielten Dr. S y r k i n und M. Schein kin. Der Krieg nud die Jude». . >Berlin. Fliegerleutnant Dr. August Moser,Sohn des Bankiers Kommerzienrat Adolf Moser, starb den- Heldentod. ) Lnvwigshaken. Heinrich Altschüler. Inhaber, des Eisernen Kreuzes und des bayer. Verdienstkreuzes; 2. 5kl. m. Kr. kr. Schjw. wurde zum Leutnant Le-: sördert. 1 . Elberfeld. Werner Stiel von hier, Studentj Wilhelm Kaufmann aus Duisburg-Nuhrort und' Referendar Ernst Winter aus Gelsenkirchen wurden zu Leutnants befördert. Saga«. Unteroffizier Walter Bick erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Wie« Im Avgeordnetenhause richteten M a x W i n t e r und Genossen au den Landesverteidigungsininister in Sachen des jüdischen Soldaten Oskar Grünberg, der infolge Chikauierungeu seitens des Oberleutnants von Traun Selbstmord verübte, eine.Anfrage. Blochs „Oesterr. Wochenschr." verzeichnet in Nr. 39 folgende Auszeichnungen an Juden: 1 Komturkreuz und 4 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 8 Militärverdienstkreuze 3. Kl., 18 silb. Und 43 bronz. Signum laudis, 35 gold., 1 silb. und 9 eiserne Verdienstkreuze mit der Krone, 13 gold. Berdienstkreuze, 7 silb. Tapferkeitsmedaillen 1. Kl. und 33 2. Kl., 120 bronz. Tapserkeitsmedailleu und 3 eiserne Verdienstkreuze. tu kleine Mitteilungen. verll». Justizrat Dr. Maximilian Horwitz, Vorsitzender des .Verbandes der deutschen Juden und des Zentralvereins deutscher Staatsbürger ^üd. Glaubens, ist verschieden. Dr. Horwitz hat sich in selbstloser» unermüdlich tätiger Arbeit dien beüien Organisationen gewidmet. Auch noch iin letzten Jahre war er fortgesetzt tätig, trotzdem er ans Krankenbett gefesselt war und den Tod seines Sohnes, der im Felde fiel, erlitt. Hetdelberg. Wirkt. Geb. RatProf. Dr. LeoKöntgsb e rg er, der berühmte Mathematiker, feierte den 80. Geburtstag. Budapest. Minister Dr. Wilhelm Bazsonyi besuchte am Jomkippur die Synagoge in der Tabakgasse und spendete für die. jüdisch^ Schule in der Sipgasse 1lh000 Sh.' - - ... (s Fürstprimas Czcruoch sprach, als er kurz darauf bei, einer Veranstaltung den Minister traf, diesem gegenüber seine Freude über die Achtung seiner Religion aus. Franksnrler Berichte. Personalien. Bald nach Jöm-5kippur-Ausgang traf mt§ die erschütternde Nachincht, daß Moses Unna auf Flanderns Frankfurter Mraelitisches Uamilienblatt. Kampfgefilde sein-junges Leben im .Alter von 19^ Jahren dem Vaterland zum Opfer brachte. Sein TÄ> reißt wieder eine gewaltige Lücke in die Reihe der Jünglinge, auf die Deutschlands gesetzestreue Kreise große Hoffnungen setzen dursten.. . In des MortS vollster Bedeutung wurde Moses Unna von seinem Pater, selbst ein Enkel des Würzburger Raw s. U., auf -detr Knieen der Thora erzogen. Es gehört hierzulandezuden'Seltenheitep;-daß ein jstdischM 5kind,:bevor es : das schulpflichtige Alter erreicht^ bereits mit denr Gemoro- \ lernen begonnen hat, wie dies bei Moses Unna der Fall war. Mit glänzenden 'Geistesanlagen ausgestattet, zählte. er bald zu den Besten unter seinen Mitschülern, und sein bescheidenes, versöhnliches und menschenfreundliches Wesen, so rein und so lauter, so natürlich und ohne jede Falschheit, machte ihn zum Liebling feiner Lehrer und Kameraden. Mit der Strenge seiner jüdischen Lebensaussassung verband er einen feinsinnigen, nie verletzenden Humor, der ihm überall Freunde schasste. Frühjahr 1916 verließ er mit dem Zeugnis der Reife die Klingcroberrealschnle und widmete sich alsdann an der hiesigen Universität mit großem Eifer dem medizinischen Studium. Dabei -bildete er sich unablässig auf dem Gebiete jüdischer Geisteswissenschasten, vornehmlich auf dem des Talmud, weiter. Ueberall wo es galt, eine Mizwo zu erfüllen, betätigte er sich. So war er im Kerias-hätauroh- Berein lange Zeit Vorsteher und Baal-Kanroh. Die Erfüllung der jüdischen Gebote war ihm höchstS uäd heiligstes. Anliegen seines Lebens'. Im November 1916 wurde er zu den Waffen gerufen, und im Mai 1917 rückte er bereits ins' Feld. Aber auch im Feindesland, wo er täglich den Tod vor Augen sah, verließ ihn sein tiefwurzelndes Gottvertrauen nicht;nlit peinlicher Gewissenhaftigkeit kam er «uch dort allen religiösen Pflichten nach und lebte streng rituell bis zur Todesstunde. Mit welcher Treue und Liebe er aber an Vater und Mutter und Geschwister hing, wie er unablässig bemüht war, ihre Sorgen um ihn zu bannen, wie seine Gedanke« stetsbei ihnen toeilten, wie er fern-von der Heimat doch-in der-Heimat lebte, davon legen die vielen Briefe an seine Angehörigen Zeugnis ab. Täglich! mit Ausnahme von Schabbes schrieb er an seine Eltern, mochte er auch noch so sehr durch seinen Berns als Sanitäter in Anspruch genommen sein. Sein ernster Pflichteifer sicherte.ihm oua> draußen die Sympathie seiner Vorgesetzten, sodaß der Stäbs- und Regtmentsarzt über ihn an den Vater schreiben konnte: »Ich hatte zwar nicht viel Gelegenheit, Ihren Sohn näher kennen zu lernen, da ich jäbkommandiert war:' Aber ich weiß, daß er ein pflichtgetreuer Soldat,-ein lernbegieriger. Mediziner war, der deswegen bald befördert werden sollte." Ein Volltreffer hat ihm zusammen mit einer Anzahl anderer' Kameraden, als sie am Schabbes Teschuwoh durch ein Dorf marschierten,- jäh und plötzlich ein Lebensende gefetzt. Sein Heimgang erfüllt uns alle mit tiefer Wehmut, und mit innigster Anteilnahme rufen wir über ihn aus: „Chawal al.daawdin welau misch takchin". Der Schriftsteller und Lehrer S. H. Gold mann, der seit vierzehn Jahren der Redaktion unserer Zeitung angehört, feiert.am Samstag mit seiner Frau die Silbern« Hochzeit. Beide sind mit ihrer ganzen Persönlichkeit, mit all ihrem Hoffen und ihren Lebensidealen der jüdischen Regeneratrvnsmwegung.ergeben. Herr Gvldmann dichtete bereits im jugendlichen Alter hebräische Fabeln und ist seit jeher ein geschätzter Mitarbeiter der hebräischen Presse des Ostens. Auch der einzige Sohn des Ehepaares Ijat sich trotz seiner Jugend in der gesamten jüdischen Welt schon einen Namen erworben und man setzt allgemein für die Zukunft die größte Hoffnung auf ihn. Maler- und Weißbindermeister Jos. Meier feiert am 21. Oktober mit seiner Frau Fanny geb. Schwärz die Silberne Hochzeit; gleichzeitig begeht er sein 25jähriges Geschäftsjnbilänm. Bereinigung jüdischer Akademikerinne» .„Bernrin" Frankfurt a. vk. Das erste Arbeitssemester der im Februar d. Js. gegründeten Vereinigung jüdischer Akademikerinnen „Bernria" . begann mit sechs Mitgliedern. Die Zahl erhöhte sich im ■ Laufe des Semesters anf acht Mitglieder. Die Vorarbeiten , des Winters 1916/17 hätten cs ermöglicht, gleich nach: Ostern mit der Tätigkeit zu beginnen. Entsprechend dem ■ Programm fanden wöchentliche Zusammenkünfte zu wissenschaftlichemStudium jüdischer Quellen statt, deren Leitung in den Händen des Direktors Dr. G. Lange lag? Die Untrrrichtskurse waren gut besucht, selbst in den Ferien waren die in Frankfurt a. M. anwesenden Mitglieder bis auf eine beurlaubte Kommilitonin stets vollzählig anwesend. [ Gelernt wurde Chumesch, wobei neben der Üebersetzung - der Hauptwert auf die gründliche Besprechung des Stoffes -gelegt und an Hand der alten Kommentatoren (die vom Dozenten vorgetragen wurden) tiefer auf den -Geist der ThvrabestimMnngen eingegangen wurde. Kn Anschluß an diese gemeinsame Arbeit hielten Referate:. Fräulein stud. phil. Paula Moses und Fräulein stud. phil. Rachel - Ladens? y. Don allgemein wissenschaftlichen Borträgen! ist besonders das Referat von Fräulein stud. nat. H an n a . Eisenmann zu erwähnen. An die Referate schloß sich - stets eine rege Diskussion an. Spaziergänge und, gesellige Abende hälfen den studentischen Geist der jungen Bereini- ' gnng kräftigen. - i Das erste Semesters ihres Bestehens berechtigt die „Bernria" za den besten Hoffnungen. Das -neue Semester konnte mit der Aufnahme eines neuenMitgliedes begonnen werden. Zwei nicht mehr in Frankfurt studierende Vereinsschwestern stehen aks auswärtige-Mitglieder mit der Bereinigung in regem-'Verkehr. _ Es wäre zu wünschen, daß.jüdische Studentinnen mit ähnlichen Interessen., an anderen Universitäten dem. Beispiel der. Frankfurter' Kommilitoninnen folgten. Die hiesige Vereinigung -hat zugleich diegeschästkscheLeitnng der .Zentrale für gesetzestreue - Mische Studentinnen" — btzher Seite 3. in Heidelberg— übernommen und. versendet za Beginn jedes Semesters eine Liste, der ihr bekannten Mischen Studentinnen, um den an einem Orte Studiereichen einen Zusammenschluß zu «leichtern. Sie bittetdeshalballe SSommilitvninnen, denen ihre Bestrebungen: zusagen,- dieihnen bekannten Namen gleichgesinnt« Akademistrinnen und Abiturientinnen .an ihre Schriftführerin, Fräulein stud. Phil. Recha Ka.tz, Frankfurt a. M-, RödeÄergweg 71, seichen zu wollen. ' ’ MSdckeuNub •: ,-j Der „Mädchenklnb", Langestr. 3V, 2. Stock, kann am 22. -Oktober auf sein 15 j ä hrig e s Bestehem zurückblicken. .Der.jjN -weilen 5kreisen bekannt« P«ein ist schon vielen jüdischen jungen Mädchen ein lieber Aufenthalt geworden. D« Klub, welcher allabendlich von 6—9 Uhr geöffnet ist, sorgt in weitgehendst« Weise durch Stunden, Vorträge, Bibliothek nsw. für die-Weiterbildung derweiblichen Jugend. Es ist Gelegenheit geboten, dort auch ein billiges warmes Abendessen einznnehMen. Das mit dem Klub in engst« B«biichnng stehende Heim in der Fischerfeld straße 18 bietet gnte und b^iagliche Wohngelegenheit. v Znr Psychologie »« Inden. - Ueber- . dieses Thema sprach in ein« gut besuchten Versammlung der Zion. Jugendgruppe Frl. .Dr. med. Julie Bender. Ausgehend von den Beziehungen zwischen Wkoholisnrus und B«brechen, zeigte sie, wie das jüdische Volk'durch die Freitag-Abende and die Sabbate von diesen Entartungen d« meisten . and«en Völk« verschont blieb. Mffeton. Der -arke Simstm. Erzählung von Elise O r szes ko. (Fortsetzung.) Die Fenster der 'Wohnung Moisches sind heute hell beleuchtet, und es kommt uns von dort her das G«äusch eines lebhaften und wie von zahlreichen Stimmen geführten Gespräches. Sollten Maische und seine Frau Ehaja anfangen, bei sich Bälle oder Redouten zu geben? — Ich zweifle; denn obwohl sich bekänntermaßen in dem Volke Israel Rothschilds und andere sehr reiche Bankiers befinden, ist doch uns« Schildermaler ein ganz unvermögender Mann. Ich sehe schon im Geiste, daß sich auf den Gesichtern meiner Leser ein gewisser Schrecken mit Empörung gemischt spiegelt. Wenn die ungewöhnliche Beleuchtung von Moisches Fenster und das von dort kommende Geräusch nicht Zeichen zur Vorbereitung eines Balles sind, so müssen es zweifellos die Beweise einer geheimnisvollen Beratung oder einer finstern Verschwörung der Juden sein! — Ich weiß nicht, vielleicht! Ich kenne Moische, den Schildermaler, nicht näher, und darum kann ich eigentlich auch nicht für ihn s» bürgen-wie für-Schimele. Aber wir-werden es unbedingt erfahren. Jetzt schauen wir uns näh« dies Keine Fenster an, welches durch die ganze Breite des engen Hofes von den beleuchteten Fenstern Moisches getrennt ist. Die Wand des Hauses, vor welcher wir jetzt stehen, ist niedrig, alt und besitzt die augenscheinliche Retziung, sich auf den Boden hinzulegen, so tief beugt fie schon ihre graue und morsche Oberfläche. Mit-ihr zusammen neigt sich auch das Fensterchen mit seinen vier Scheiben und seinem morschen Holz. Hinter dem Fenster leuchtet das matte Licht eines Lämpchens mit dem langen, engen Zylinder. Dieses Lämpchen steht auf einen» Tisch bei dem Fenster, welches fast bis zur Hälfte durch ein großes, offenes Buch bedeckt ist. An dem Tisch, und über das Buch gebeugt sitzt.... Ich habe diesmal das Vergnügen, Ihnen persönlich Schimele vo^ustellen! — Ich bin sicher, daß wenn Sie ihn. betrachten werden, auch Sie die Meinung Zipas bestätigen, daß « sehr schön und zart ist. Er ist groß und sehr schlank und' hat sehr weiße Hände wie eine Dame der besten Geburt und -des feinsten Tones; dieselben sind schmal und sehr schön geformt, obwohl sie mager sind. Sein schmales, blasses Gesicht-mit dem gekräusellen, rabenschwarzen Bart hat eine wundervolle Reinheit und Zartheit der Züge und einen, ruhigen, milden Ausdruck. * In dem Augenblicke, da er seine Augen von dem Buche erhebt, nimmt sein Gesicht den lichten Ausdruck eines geheimnisvoll sinnenden Träumers an; man sieht alsbald, daß die feurigen mit . einem lichten Nebel begi KafEee Knhland 3* :Kaiser8txaBse-J5ß Kaiserstrasse ^56 ' TSgBcb erstklasalge WM- ‘Unterhaltaogsmiialk Om—jpi -Hnlag»»,

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