Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 39 (19.10.1917)
- Date
- 1917-10-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39. m siche Äösimg; rüWlich müßtsi dabei die Rechte der gegenwäüigen onbEten Bewohner Palästinas vollauf gewürdigt werden, und es dürfte der zw-?: instische Gedanke nicht zu .einem Druck für die-- jenigen Juden, werden, welche andere Wege suchen. Durchgängig wird gegenwärtig zu halten sein, - daß. es sich, hier uim.-recht verwickelte Probleme^ handät, ü« sorgfWge Prüfung, und. ernste Arbeit, ve^lmrg«!', aber es besteht nicht der mindeste Grund zum Zyieij^l^ daran, Saß' das ( deutsche Volk mit' der ihm eigenen Gründlichkeit uäd dün ihm inne- ' wohnenden Gerechtigkeitssinn dabei in keiner Weise hinter anderen Völkern zurückstehen wird. Interview «ttdem hsllLuLischerl Müister SavlumL»-LohM«u. Der Minister Freiberr Alexander Friedrich, de Savornin-Lohman gewährte dem jüdischen Publizisten Ben Mose Zwi ein Interview. Savorniu- Loßman ist eine der markantesten Figuren in. der politischen Welt Hollands. Er entstammt einem alten,, angeschenen Geschlecht und zog durch seine vielseitige Betätigung ans den verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebensbald die allgemeine Aufmerksamkeit auf. sich. Durch gründliche wiflenschastliche Arbeiten envarb er sich den Rang eines llniversilätsprofeffors. Durch fast vier JahrzÄmte ist er abwechsesird Mitglied des Holländischen Ober- und Unterhauses. 1890. wurde er zum Minister des Innern ernannt. Er ist. der Führer der kalvinisüschen „antirevolutionären" Partei Hollands. Der Minister begann mit der Betonung der wirklichen Gleichberechtigung der Juden in Holland, und fuhr dann fort: „Meine eigenen jüdischen Erinnerungen warennur geeignet, mich in meinen Sympachien für die Juden zu üestärken. Unter den Juden, die ich in unserem Parlament traf, habe ich vortreffliche Männer kennen gelernt, die viel Sinn .für Recht und Gerechtigkeit hatten, auch wenn sie naturgemäß die Dinge von einem ganz anderen Standpunkt als ich betrachten. Sie waren zumeist Liberale, während ich der antirevolutionären (christlich-historischen). Partei angehöre. So denke ich an Godefroy, der eine Zeit lang das Justizportefeuille innehatte, an de Hantog und Druicwr, die von uns allen sehr geachtet wurden. In deiner Weise hat ihre -jüdische Sonderart unsere Wertschätzung beeinflußt oder sich in unserem Berkchr störend fühlbar gemacht." Ben Mose Zwi: „Eine mächtige Bewegung hat das jüdische Volk erfaßt, welche eine jüdische Vertretung und die Ausiwllung der Judenfrage ans dem Friedenswngreß anstrebt. Das .jüdische Volk erwartet von diesem Kriege seine Befreiung und die Verwirklichung. seiner Hoffnungen eines jüdischen Palästinas. Wie stehen Sie diesen Bestrebungen gegenüber?" de Savornin-Lohman: Ich schließe mich ganz den Anssührul^en oes Ministers Treub an, die er jn der Unterredung mrt Ihnen über den Gedanken des Judenstaates getan hat. Wenn seine DurchPhrung möglich ist, kann ich es nur von ganzem Kerzen begrüßen. Ich ,hege warme und aufrichtige ShmpaMe für die Idee der Rückkehr des jüdischen Volkes nach seinem allen Heimatland. Die Verfolgungen der Juden haben in mir immer die Ewpfinoung Heftigsten Widerwillens und Wscheues ausgelöst. Selbst wenn man annehmen wüche, daß die Juden durch ihre Handlungen Anlaß zu Feindseligkeiten gege&en haben, so sind die Verfolgungen, ihre Formen und ihre Grauscrmkell nicht zu entschuldigen. .Ich wünsche von Herzen, daß die Juden in ihrem eigenen Laude das Werk ihrer Wiedeigeburt durchführen, .in Ruhe .leben und der Kultur und dem Fortschritt dienen. Wir Holländer sind immer für die Freiheit der Individuen und der Nationen eingetreten. Darum wünsche, ich, daß auch die Inden ihre Freiheü erlangen^ Ich kann es nur begrüßen, wenn die Judenstage auf der Friedenskonferenz bchandelt und zu einer gerechten Lösung durch die Verwischung der nationalen Hoffnungen auf Palästina gerächt werden würde. Der Zionismus scheint mir die natürlichste. Lösung der Judenfrage. Ich hüte immer für ihn aufrichtige Sympachien. Ebensowenig wie heute zögerte ich auch früher nicht, ihnen Ausdruck zu . geben. So nahm ich vor Jahren in SchevrniWen an einer Versammlung: teil, die Jacobus Kan» einberief mrd wo Prof. Marmorek aus Paris die Ziele des Zionisiuns äuseinirndersetzte. Meine Sympathien für den Zio-. nismus sind keine Zufälligkeit. Sie entspringen nicht einer Laune oder einer zufälligen Jdeenverbindung. Sie, wurzelnd nicht in Erwägungen auAchsießlich.Holisischer NaMr. ^Sse -fließen -aus tie^nneren BewMjgründen.: E glÜübigen Protestanten,. wvMnter ich diejenigen verstehe, die dein alten Testament göttliche Autorität zuerkennen, übersehen niemals' den Zusammenhang zwischen dem alten.Testament und ihrem Glauben an Christus. Ihr Glaube ist gewissermaßen auf dem jüdischen ausgebaut,, da Christus für sie die Erfüllung -der. Prophezeiungen ist. Für sie hat das „alte. Volk"" immer eine hohe Mission gehabt, und. insofern erachten wir uns dem „gläubigen Juden" gerstesverwadt. Darum sind wir auch gegen jede Verfolgung der Juden wegen ihrer Religion." :| Jüd. Korrespondenzbüro, Haag. Die russischen „MckzugSpogrome" in Galizien. Me Pctrograder „Berchjte des Arbeiter- und Soldaten-Rats" enthalten -folgenden Brief eines jüdischen Soldaten: - , . „Am 28. Juni, während der Straßenkämpfe in Kalasch, haben sich die Soldaten and Kosaken betrunken and bald ihr Raabwerk »n den Juden begonnen. Wie die Juden erzählen, war das eine fürchterlich^ Schlägerei. Die ausgelassensten Orgien fanden am hellen Tage statt. Frauen wurden geschlagen, Mädchen vergewaltigt. Die Juden des Städtchens waren gezwungen, ihr letztes' Vermögen zu lassen und ziellos za flüchten. Kameraden! Wer nicht diese Jaden gesehen, wer.nicht in diese verzweifelten Blicke gescheut hatte, wer nicht die Greise gesehen, die ihre'Söhne im Krieg und nun in kaum einer Stunde ihr ganzes Vermögen verloren hatten, die kleinen Kinder, die nach- Vater and Mutter schrien, die Eltern, die ihre Kinder verloren hatten, — der hat noch nie wirkliche Leiden gesehen. Man sollte sich die Eltern anschauen, deren 13jährige Tochter vergewaltigt würde. Biele jüdischen Frauen haben den Tod gttvWt, am der Schjande za entgehen. Ich habe Frauen gesehen mit verdrehten Händen, eine junge Frau mit ckbgehauenen Fingern. Einem Juden hat man auf dem Wege nach Stanislau 7000 Kronen geraübt. Die schauerlichen Morde der Soldaten-und. Kosaken aus der „wilden Division" sind aber so zahlreiche daß man sie nicht ganz einfach, in einem gewöhnlichen Schreiben aufzählen kann. . ." Der Korrespondent der „Birschjewija Wjedemosti", der über die Ausschreitungen der russischen Soldaten in Kalusch berichtet, schildert, wie die Juden des Städtchens ihr Geld und Schmnckgegenstände ihren kleinen Töchtercheirum den Hals gehängt hatten; aber auch das half nicht. Die Kinder wurden ganz aackt entkleidet, offeu aus der Straße geschändet und in, Stücke gerissen. Aus aller Welt. DentfcheS «eich,. verli«. Verein für jüd. Geschichte und Literatur Der Verein, der auf ein 25jährigcs Bestehen zurückblickt,' wird -in diesem Winter außer den Vorträgen in der Philharmonie, je einen Dortrag in Charlottenbnrg sowie im Zentrum und im Westen Berlins veranstalten. 'Es finden folgende Vorträge statt: 18. Oktober Dr. I. Elbögen (Berlin): Festvortrag zum 25jährigen Bestehen unseres Vereins. 1. November: Rabbiner Dr. B. Jacob (Dortmund): Heinrich Graetz, der Geschichtsschreiber des Judentums. 1817—1917. 15.' November: Dozent Dr. S- H. Hvrovitz (Breslau): Zur Entwicklung der jüdischen Predigt. 13. Dezember: 1. Popnlärwissenschjaftlichcr Bortrag : Benas Levy (Berlin): Bilder von Juden und Judentum im Welt- - krieg. Mit zahlreichen Lichwildern. 10. Januar: Professor Dr. Adolf Koch (Berlin): Die Stellung der deutschen Inden nach dem Kriege. 24. Januar: Redakteur Albert Katz (Pankow): Ein Reorganisator des Judentums in alter Zeit. .21. FÄruar: 2. Populärwissenschaftlicher Vortrag: Kapellmeister Eduard Levy (Berlin): Jüdische Geschichte, dargestellt durch Musik. Mit Gesangsdemonstrationen aus Opern und Oratorien. Gesang von Frau Gina- Goetz- Levy. 14. März: Professor Dr. Gust. Dalman (Greifswald): Goliläische Synagogen- und. andere Reste spätjüdischer Bautätigekit in Palästina. Ferner finden Borträge statt: 6. Dezember, im Festsaal des Logenbans', Joochimsthaler Straße 13: Geh. Regierungsrat, Professor Dr. Hermann Eohen (Berlin): Die Tugendlehre der jüdischen Ethik. 7. Februar, im Lehrervereinshous, Alexanderstraße 41: Rabbiner Dr. S. Jamvel (Schwedt a. d. O.): Der Weltkrieg und die biblische Kulturmissivn. 7. März, in den Prachtsälen des Ostens, Frankfurter Allee 48: 3. Populärwissenschaftlicher Vortrag: Chefredakteur I. Landau (Berlin):, Jüdischer Krmor. ’ Oesterreich-Ungar«. »ien. Auswelf»«» FKltzischer Jade« ««S v«vapest. , Die jüdischen Blätter Ungarns setzten den Kaiser telegraphisch davmr i» Kenntnis/ daß die galizischen Flüchtlinge in Budapest auf Veranlassung des Ministers des €eör2. . Frankfurter Mlreilit^chesv FümÄienVlatt. Innern llg rv n ^,wie Hunde auf den Straßen zusammi» gesangen" und ckbgeschobcn werden., - -¥ Im Flüchtlingsansschuß des Reichsrates brachten Reizes, Kür an da und Rauch die Ausweisungen zur Sprache. ES wurde der folgende Antrag zum Beschluß er. hoben: „Die Meldungen über die letzten Ereignisse i» Budapest undüber die rücksichtslose Behandlung der. sich dorten befindenden Flüchtlinge hat drr-Flüchtlingsansschnß 'piit lcbhastxm Befremden ausgenommen und nimmt die Er- "klärung des Ministers des -Innern, wonachdie österreichische Regierung die geeigneten Schritte zur Wahrung der Interessen dieser Flüchtlinge in die Wege geleitet habe, in der Anhoffnung energisches Verfolgung dieser Aktion mit Befriedigung zyr Kenntnis." Großbritannien AuSschreituugeu gegew rusiische Juden. Das Jüd. Korrespondenzbüro im Haag berichtet: In London haben Ausschreitungen gegen russische Juden stattgefunden. Russische Juden, selbst jüdische Soldaten wurden vom Pöbel und englischen Soldaten verprügelt und mit Steinen beworfen- In den Stadtvierteln, wo viele russische Juden wohnen, sammelten sich Menschenhaufen an, welche lärmende Kundgebungen veranstalteten, die, Juden beschimpften und die Fensterscheiben jüdischer Häuser einschlugen. Nur dem energischen Eingreifen der Polizei gelang es, die Ordnung wieder herzustellen. Northclifsblätter verbreiteten das Gerücht, daß die russischer Juden durch Berprügelung und Berhöhnüng englischer Soldaten die Ausschreitungen verursacht hatten und Hetzen aus diesem Anlaß gegen die russischen Juden. Dieses Gerücht entbehrt den jüdischen Blättern Londons zufolge jeder Grundlage. Rußland. vorkouferenz für de« jüdische» Kongreß. Die Vorkonferenz für den jüdischen Kongreß in Rußland beschloß, den Kongreß in einer der zwei russischen Residenzstädte zur Zeit der Tagung der russischen Konstituante abzuhalten. Me Wahlen zum Kongreß müssen zwei Wochen nach Eröffnung der Konstituante ftattfinden. Die Wahlen in das große Organisations-Komitee für den Kongreß riefen lebhaste Debatten hervor. Schließlich wurde eine gemeinsame Liste in folgender Zusammensetzung akzeptiert: 9 Zionisten, 3 Ppale-Zipn, 4 Vertreter der geeinigten sozialistischen Parteien, 3 „Bolkspartei", 5 Bundisten, 4 orthodoxe Gruppe, 2 Volksgruppe- 2 demokratische Gruppe, 2 Nationalpartei (Dubnowisten). In das Organisations-Komitee wurden außerdem folgende unparteiische Vertreter gewählt: Grnsenberg, Brande, Kreinin, Ansky und der ^Deputierte Fried mann. Nach einer warmen Schlnßansprache des präsidierenden Hern: Jaknbsohn fand die feierlich^ Schließung der Konferenz statt. RumSuie«. Die^Lage der Jude». Wie aus russischsen Mtteilungen über die Lage der Juden in Rumänien zu entnehmen ist, hat der König von Rumänien vor kurzem eine aus Vertretern der jüdischen Gemeinden Rumäniens zusammengesetzte Deputation empfangen. Die Deputation bat dringend um Revision der Jndengesetzgebung. Der König erwiderte, daß der augenblickliche Zeitpunkt es unter keinen Umständen zulasse, sich mit der jüdischen Frage zu beschäftigen. Die gesamte Kraft der Nation müsse jetzt auf die siegreiche Beendigung des Feldzuges und auf die Eroberung Siebenbürgens konzentriert werden. Nach dem siegreichen Feldzug werde es'dann an der Zeit sein, der Frage' einer Reform der Jndengesetzgebung näherzutreten. AmerUa. Wie die amerlllmische» HUfsfondS ia Palästina verteilt werde«. Felix M. Warb'nrg, Vorsitzender des „Bereinigten VertellnngS-Comitös", hat kürzlich von dem früheren amerikanischen Konsul in ^rusalem, O t is A. G l a ze - broo k, den ersten ausführlichen Bericht darüber bekommen^ wie die Gesamtsumme von 688.838,23 Doll., die das Joint Distribution Comittee nach--Palästina überwiesen hat, ausgegeben worden ist. 64 000 Personen mußten vollkommen aus den Hilfsget&em unterhalten werden. Am 31. Juli war der Minimalbetrag, der dazu gehörte, einen Menschsen vor dem Hungertode zu bewahren, 1 Doll, monaüichi, d. h. eine Summe von 64.000 Doll, insgesamt. Heute dagegen, durch-' die zunehmende Teuerung und Lebensmittelknappheit, können diese Zahlen bedeutend vervielfacht werden. Me Hilfe in Jerusalem wurde in verschiedenen. Forme» geleistet. Den Gesunden suchjte mau Arbeit zu verschaffen, indem man AÄeitgebern Daxlehen gegen Sicherheit gewährte, die sie in den Stand fetzten,- ihre Arbeitsmöglichkeiten auszunutzen und den Wbeüsuchjenden! Gelegenheit zur Arbeit verschafften. Besondere Hilfeleistungen gewährte man 5kranken und Wöchnerinnen; ein anderes Gebiet der Hilfeleistung war die Subventionierung von Volksküchen, Krankenhäusern usw.; zu den Feiertagen, besonders zu Pessach-, wurden Lebensmittel verteilt. Der Bericht wird in den amerikanisch-jüdischen Kreisen mit großer Befriedigung ausgenommen; diejenigen, die bisher ihre Pflichten gegen PMstina treu erfüllt hüben, ohne-irgendwelche Beweise in Härtden zu haben, baß ihre Beiträge in der von ihnengewünschten Weise verwendet wurdenwerden nach diesem nachträglich erstatteten/ sehr ausführlichen und von unparteiischer Seite stammenden Rechenschaftsbericht erkennendaß.die - amerikanischenFonds im Sinne der Spender verwaltet werden Siewerden sich durch den Bericht aber nicht nur davon überzeugen, daß das bisher' Geleistete Nutzen gebrächt hat, sondern |SP