Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 37 (28.9.1917)
- Date
- 1917-09-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37. Seite 3. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. ScnlaLichtspiele Olympia-Theater Schäfergasse 29. Weissfranenstr. 14. Nup beste und Intereseante Auffahrungen. E rstklassig e K fl nst 1 e r kap eile._ Bei der Regelung der Lebensmittel erhielten alle Präfekten den Befehl, zunächst die rumänische Bevölkerung zu versorgen; die „Fremden", d. h. die Juden sollen erst nachher berücksichtigt werden! Die Folge davon war, daß die jüdischen Eiiüvohner ohne Lebensmittel blieben. Eine Reihe von jüdischen Krankenhäusern, Altersversorgungsheimen und sonstigen Wohltütigkeitsanstalten mußte geschlossen werden. Hunderte von jüdischen Frauen und Mädchen wurden von den Läden vertrieben, trotzdem in den Lokalen reichlich Lebensmittel zum freien Verkauf vorhanden waren. In einer Reihe von Städten konnten die Juden überhaupt keine Lebensmittelkarten bekommen. In der Folge entstanden Krankheiten und Epidemien unter der jüdischen Bevölkerung. Um den Vernichtungskampf gegen die jüdische Bevölkerung zu vollenden, wurde plötzlich! an: 2. Juni ein Verbot erlassen, nach jüdischem Ritus zu schlachten, mit der Begründung, in der heutigen Zeit inüsse man für die Moral und Veredelung der Sitten wirken. Das jüdische Schächten wurde als eine Grausamkeit erklärt. Nur dank dem Eingreifen der russischen Militärärzte und einzelner russischer Truppen, die mit den Juden ihre Lebensmittel teilen, konnten die Juden überhaupt in den Besitz von Brot, Fleisch und Zucker konunen. Als der Befehl erteilt wurde, daß die Einwohner zu öffentlichen Arbeiten, nanientlich zu Schanzarbeiten herangezogen werden sollen, begann ein furchtbares Bacchanale gegen die Inden. Es ivurden zunächst nur ver« mögende Juden herangczogcn, zu dem einzigen Zweck, Geld Von ihnen zu erpressen. Besonders grausam verhielt sich gegen die Inden in Focsani der Major Knsbin, der die Arbeiten an der Eisenbahn verwaltete. Fast die gesamten jüdischen Einwohner wurden von ihm ans« geplündert. Der Loskanfpreis schwankte zivischcn 200 und 2000 Francs. Die Erpressungen würden an ein und derselben Person tviederholt vorgenommcn. Als von den reichen Juden niemand mehr da war und alle schon erpreßt waren, begann man die arme Bevölkerung an die Arbeit zu schleppen. Auch Rabbiner wurden zu den Arbeiten gezwungen. Um sie öffentlich zu verspotten, wurden sie in eine Reihe gestellt, Bart und Schiläfeulocken wurden glatt rasiert und so wurden sie durch die Stadt getrieben vor den Augen der ganzen Gemeinde. Die nichtjüdische Bevölkerung wurde fast nicht gestört, und ini Gegensatz zu den Juden ist sie für die Arbeit bezahlt worden. Mit unerhörter Grausamkeit ließen die rumänischen Behörden die unglücklichen jüdischen Flüchtlingsmassen nicht in die Dörfer hinein, nieil an diesen Orten nach den rumänischen Vorschriften Juden Lin Anfenthaltsrecht hatten. Tausende von jüdischen Flüchtlingen nrußten mit Frauen und Kindern unter freiem Himmel außerhalb der Dörfer in Kälte und Regen übernachten. Nicht einmal die vor Hunger und Kälte gestorbenen Kinder durften sic in den Dörfern begraben. Der größte Teil der rumänischen Inden, deren Zahl etwa 250,000 beträgt, lebt in kleinen Orten in der Moldau. Auch in Friedenszeiten waren sie den erpresserischen und thrannischlen Behörden ansgcliefert. Jetzt, wo alle diese Orte unter Militärverwaltung stehen, ist das Leben den Juden zur Hölle geworden. Jeder Rumäne darf auch in der Kriegszeit nach Belieben reisen. Für Inden dagegen existiert dafür ein ganzer Kodex von Vorschriften. Der Jude darf nicht tvciter als bis Äcrlag reisen. Dabei muß er eine Unterschrift abgcbcn, bis nach Kriegsende nicht mehr zurückzukehrcn. Die Kasernen und die Dorfgefängnisse sind angefüllt mit Inden, die seit Jahr und Tag als verdächtig cingespcrrt sind. Zahllose Familien sind dadurch ihrer Ernährer beraubt worden. Alle Bemühungen, die Unschuldigen entlveder vor ein Gericht zu stellen oder in Freiheit zu setzen, sind erfolglos. Als B r a t i a n o cingesehen hätte, daß in Rußland tvcgen dieser Vorgänge großer Unwille herrscht, eilte er nqch Petersburg, um in einem Gespräch mit den Pressevertretern von denr Beschluß der rumänischen Regierung Mitteilung zu machen, die Jndenfrage , d e m n ä ch st" vor das Parlament zu bringen. Damit wollte er offenbar deni Beschluß des Arbeiter- und Soldaten-RateS Vorbeugen, von der rumänischen Negierung zu verlangen, unverzüglich ein Dekl'et über die Gleichberechtigung der rumänischen Juden zu erlassen und der antisemitischen Politik ein Ende zu machen. Man sollte meinen, daß wenigstens nach der Erklärung des rumänischen Ministerpräsidenten die abscheulichen Slusrottungsmaßnahmcn gegen die Juden aufhörcu. Tatsache ist aber, daß noch Anfang August die Vertreter des Arbeiter- und Soldatenrates in Odessa die schlimmsten Nachrichten aus Rumänien erhielten. Noch sind die Gefängnisse voll von Juden, noch werden die Inden aus zahlreichen Orten vertrieben, noch werden die Flüchtlingsmassen gehetzt und gejagt und dem Hungertode prcisgcgeben. Roch im Mönat Juli organisierte sich ein großer antisemitischer Verband, der Rumänien „vor den Uebergriffen der Inden schützen soll." Die Gründung dieses Verbandes hat die besondere Aufmerksamkeit der russischen Militärtomitces erregt. Es stellte sich sofort heraus, daß unter dem Deckmantel dieses Verbandes führende Mitglieder der früheren russischen „Schwarzen Hundert" ihr dunkles Werk treiben. Me südrnssischen Vertreter des Arbeiter- und Soldaten-Rates haben die Provisorische Negierung bereits auf die Gefahren hingcivicscn, die dieses Treiben für die Ordnung an der russissch-rumänischen Front und für die russische Freiheit in sich birgt. Es heißt, daß die Provisorische Regierung sich gegenwärtig ernst mit der Judenfrage in Rmnänien beschäftigt. Man tvird mit Spannung das Resultat erwarten. Ein Büro der neutralen Judenschaft. Dr. Mayer Ebner aus Czernowitz hatte auf seiner Rückreise von Rußland, wo er drei Jahre als Zivilgefangencr weilte, in Stockholm eine Unterredung mit Obcrrabbiner Dr. Ehrenpreis. Im .Verlaufe der Unterhaltung führte Dr. Ehrenpreis folgendes aus: „Es besteht seit einiger Zeit in Stockholm die Absicht, rin Büro neutraler Juden zu schassen für die Wahrnehmung der Interessen des Judentums im Weltkrieg. Man befaßt sich bereits mit der Vorbereitung der zur Schaffung dieses Büros' notwendigen Maßnahmen. Wir sondieren jüdische Organisationen der neutralen Länder über die Möglichkeit, eine zentrale Stelle zu schaffen, welche als Bindeglied zw-ischen den Juden der kriegführenden Staaten und als ansführendes Organ für die gemeinsamen Interessen der Juden im Kriege zu dienen hätte. Wohl wird man einwenden, daß die Judenschäft der neutralen Länder zahlenmäßig kein Gewicht hat und zu unbedeutend sei, um diese Aufgabe zu übernehnlen. Wer auf diese Einwendung waren , wir gefaßt. Zahl und Bedeutung der neutralen Judenschäft spielen nämlich in dieser Frage ebenso wenig eine Rolle, wie Zahl und Bedeutung der neutralen Sozialisten in den holländischs-skandinavischen Ländern. Auch diese sind gegenüber den Sozialisten in den kriegführenden Ländern verschwindend klein und doch wird niemand die Legitimation und die moralische Bedeutung des holländischi-skandinavischen Büros bestreiten. Unser Büro soll eben nicht die Juden der neutralen Länder vertreten, sondern die Juden der kriegführenden Staaten; unser Büro soll eben befähigt sein, Wünsche zu übermitteln, und hiefür sind nicht Zahl und Macht maßgebend, sondern die politische Bewegungsfreiheit und Unabhängigkeit nach allen Richtungen. Das ist die 'technische Seite der Aktion. Wir wollen mit den Juden der kriegführenden Staaten in Verbindung treten und die verschiedenen Parteirichtungcn in Einklang bringen. Die Engländer und die Ainerikaner verwenden die Judenfrage als diplomatisches Kunstmittcl — Engländer, Amerikaner, Franzosen und Russen sympathisieren mit einem jüdischen Palästina —, merkwürdigerweise läßt sie die zum Hinrmel schreiende Not der Juden in Ruinänien ganz kalt. Es wäre nun auch Sache der Zentralmächte, dem Judenproblem wohlwollend näher zu treten, der Zentralmächte ganz besonders, weil die Jndenzentren von Polen, Galizien, Rumänien und Palästina in ihren politischen Interessensphären liegen und eben deswegen gerade die Zentralmächte das' erste Wort bei der Lösung dieser Fragen haben müssen." Aus aller Wett. Oesterreich-UugsrB. Me«. «ine Flüchtlings Statistik. Die Zahl der mittellosen Flüchtlinge, die infolge der kriegerischen Ereignisse evakuiert worben waren, betrug nach einer vom Ministerium des Inner» angefertigten Statistik am 1. Juni 1017 491,745 Personen. Davon waren aus dem Osten über 300,000, die sich! wieder in ^folgender Weise verteilen: 177,745 Juden, 84,495 Ukrainer, 38,879 Polen, 7066 Deutsche und 3857 Rumänen. Die große Zahl der Juden gibt einen Begriff davon, welches Leiden das jüdische Volk in Oesterreich infolge des Krieges zu tragen hätte. Bon den jüdischen Flüchtlingen wurdeil 67,229 in Böhmen und 40,237 in Wien untergcbracht. Das Lager in Deutschbrod, das infolge der von den jüdisch-nationalen Abgeordneten im Parlament vorge'brachten Anklagen gegenwärtig aufgelöst wird, zählte 5417 jüdische Bewohner. Unbekannt ist die Zahl der in den Baracken oder auf dem Transport ums Leben gekommenen Flüchtlinge, wobei erwähnt sei, daß in den Lagern die Sterblichkeit' bei stillenden Müttern, bei Kindern und Greisen eine außerordentliche Höhe erreichte. Auch Kriegs^ senchxn, insbesondere der Flecktyphus, forderten eine große Anzahl von Opfern. ' Holland. Amsterdam. «in jüdischer »ongreß. Während man in Rußland, den Bereinigten Staaten, Saloniki und Italien von jüdischen Kongressen spricht, ist auch in Holland ein „Gemeinschaftliches Koniitce" zur Einberufung eines holländisch-jüdischen Kongresses gegründet worden. Es ist interessant, daß Vertreter der verschiedenen Anschauungen, das Niederländische Büro der Alliance Jsraelite, die Niederländische Zionisten-Föderation und die Niederländische Jto-Födcration, gemeinschaftlich für das Zustandekommen des Kongresses arbeiten. Bulgarien. Sofia. «in jüdisches Komitee. Hier bemüht man sich, ein Komitee zu bilden, das die Forderungen der bulgarischen Judenheit, die in allen ihren Parteien und Organisationen in dem Programm des Zionismus vereinigt ist, vor der Regierung vertreten soll. Das ganze jüdische Lebe» Bulgariens, das seinen tätigsten Ausdruck in Sofia findet, wird von Karl H e r b st, dem Führer der Zionisten und der bedeutendsten jüdischen politische» Persönlichkeit, geleitet. Zusammen mit Kaffee RuMand ü Kaiserstrasse 56 Kaiserstraase 56 Täglich erstklassige MT Unterhaltungsmusik —- Gesangs - Einlagen. ■■ 1 - Tm Afi Erlanger Raehf. Äramör laiserüorslr.14. Waachan, FSrhora und Faponnlanan altan Art Harren- und Oamanh üto. -Abholung und Lieferung frei ins Hans.- dem Mitbegründer der Bulgarischen Zionisten-Föderation Dr. Eschua Caleff wird Karl Herbst eine Sammelschxift „20 Jahre Zionismus" heransgeben. Außer den genannten sind auch die Zionisten Choime Farchy, Abraham Assa, M. Benaroya. Bernhard A r d i t i in hervorragender Weise an der jüdischj-politischen -Arbeit in Bulgarien beteiligt. Da die öffentliche Meinung Bulgariens an der Judenfrage viel Interesse nimmt, ist beschlossen worden, eine Denkschrift über die Judenfrage zu veröffentlichen. Amerika. HilfSgelSer für Juden in dt» okkupierten «ebieten. Das „Bereinigte Verteilungs-Komitee der Fonds für die vom Kriege betroffenen Juden" in Newyork, dessen Präsident .Herr Felix M. Marburg ist, hat von dem State-Departement in Washington die Erlaubnis erhalten, Hilfsgelder für die Juden der okkupierten wie auch anderer in der Kriegszone liegenden Länder zu überweisen. Demgemäß sandte das Komitee dem holländischen Gesandten in Washington zur Weitergabe an seine Regierung in Holland, die dann wiederum das Geld an die Bestimmungsorte gelangen lassen wird, folgende Beträge: 150,000' Doll, für Polen nick Lithauen, 100,000 Doll. für da§ von Oesterreich besetzte Gebiet Polens, 50,000 Dollar wurden zum Lebensunterhalt und zur Bekleidung der Kinder in den hebräischjen Schulen in Warschau bestimmt, 40,000 Doll, für Rumänien, 45,000 Doll, wurden als Monatsrate für Palästina zur Verfügung gestellt, außerdenr 4000 Doll, für die Volksküchen uitb 1000 Doll, für das Gesundheitsamt in Jerusalem. In Anbetracht der Notlage in Palästina beschloß das Komitee, außerhalb der Monatsraten weitere 50,000 Doll, zu überweisen. Zionistische Nachrichten. Rew-Nork. 30. Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten. (Schlußvericht.) Der zweite Sitzungstag brachte lebhafte Diskussion über die Leitung. Es hätte sich eine Opposition organisiert, die hauptsächlich dafür eintrat, durch die infolge der russischen Revolution geänderten Verhältnisse eine neue Basis für die Einberufung des amerikanisch-jüdischen Kongresses zu schaffen. Mit einer überwältigenden Majorität, s/6 aller anwesenden Delegierten, wurde eine Resolution angenommen. die „allen zionistischen Delegierten des amerikanisch-jüdischen Kongresses nahelegt, die im Ausruf zur Einberufung des Kongresses' benutzten Ausdrücke (jüdische Rechte in Palästina) loyal zu beobachten." Die sehr heftige Diskussion wurde durch einen ausführlichen Bericht des Vorsitzenden des Exekutiv - Komitees, Louis Lipsky in ruhigere Bahnen geleitet. Dr. S. M. Mel am cd sprach danach gegen den Geist des gegenseitigen Verdachtes, der sowohl in den Reihen der Administration wie der Opposition herrscht, und der zu nichts anderem führen kann, als die Stärke der Organisation zu unterminieren. Schließlich wurde der Bericht Lipsky angenommen und denr Exekutiv-Komitee ein Vertrauensvotum erteilt. Die ganze Opposition, die ursprünglich 80 Vertreter gezählt hätte, war zu 7 zusammengeschmolzen, die gegenüber 500 Delegierten gegen den Antrag stimmten. In der dritten Sitzung erstattete S. Abel den Bericht für das Büro des Jüdischen Nationalfonds und hob hervor, daß die Eingänge für 1916/17 60,156 Dollar oder 5000 Dollar mehr als 1915/16 betrugen. Richter Hugo P a m verlas' den Bericht des amerikanisch-jüdischen Kongreß-Komitees und beantragte Anerkennung der alten Äbmachinngen, die mit 201 Stimmen gegen 44 bestätigt wurden. Die Neuwahlen ergaben Wiederwahl von Harrh Friedenwald als Präsidenten; Lo u is L ipsky, Vorsitzender des Exekntiv-Konritees; Louis Robinson, Schatzmeister. Mitglieder desExekutiv-Komitees: S. Abel» Prof. Israel Friedlander, Dr. D. de Sola Pool, Bernard A. Rosenblatt, Morris Rosenberg, Dr. S. M. Melamed, Chas. Cown, Reuden Brainin, A. Goldberg, Rabbiner H. Maslianski. Frau Joseph Fels, Israel B. Br »die, M. L. Avner. Bon den Resolutionen, die angenommen wurden, nennen wir: „Die Konferenz drückt ihre Befriedigung aus über das große Interesse, welches die Massen des jüdischen Volles gezeigt haben.' indem sie mit einer Zahl von fast 400,000 an den Wahlen der Delegierten zum amerikanischjüdischen Kongreß teilnahmen und angesichts des Vertrauens in die zionistischen Grundsätze, das sie durch die Wähl einer ansehnlichen Zahl zionistischer Delegierten zum großen jüdischen Kongreß bewiesen haben." „Nachdem die zwanzigste Zionisten-Konferenz in Amerika die Berichte über die vorbereitende Arbeit sür eine Jüdische Kolonisation in Palästina nach dem Kriege zur Kenntnis genonimen hat, erkennt sie die Notwendigkeit der sofortigen Vorbereitung für diese Arbeit an. Diese Vorbereitungen bestehen 1. in dem Sammeln von Material, 2. in der Ausarbeitung von Projekten und Plänen durch Spezialisten und Fachleute, in der Organisation derer, die nach Palästina zu immigrieren i I ij;s ■X; V i I | | \ i \? I!