Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 37 (28.9.1917)
- Date
- 1917-09-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches FamMenblatt. Nr. 37. ■ 7i < < ■ m F. SAIÄT-DENIS, .'KPSSSS& ALLE REPARATUREN «l> UHREN Gold und Silberwaren, Brillen und Zwicker. beabsichtigen vder in irgend einer anderen Weise bereit sind an der lkolonisationsarbeit in Palästina teilzunehmen. Zu diesem -Zwecke empfiehlt die Konferenz dem P. f.S' -1. eine besondere Abteilung zu schaffen, unter Namen „Das Pionier-Departement'", die eine intendem sive Tätigkeit entfalten soll; 2. für diesen Zweckein Budget von nicht weniger als 5000 Doll, aufznstellen. -Die Konferenz empfiehlt allen Zionisten, die ernstlich an eine Mederlassung in Palästtna denken, und die sich an industriellen vder agriknlturellen Unternehmungen zu beteiligen beabsichtigen, oder die gewillt sind praktische Berufe dort anszuüben, daß sie sich durch das „Pionier-Departement" eintragen lassen, und daß sie bereits jetzt sich! zusmnmenschließen und so gründlich wie nur möglich für die große Arbeit vorbereiten." Dr. Glaser, Hilfsarheiter bei den Kgl. Museen» erhielt den Titel Professor. — . Handelsrichter Cohn in Mlmersdors wurde zum S t ad t r a t gewählt. Mener-Reustadt. Rabbiner Benj amin Weiß ist, 70 Jahre alt, verschieden. Nach seinem letzten Willen unterblieb jede Trauerrede. Nicht einmal einen. Ehrenplatz am Der Krieg rmv die Zudem Kranksurt a M. Leutnant Willy Koschland, JnhÄer des Eisern. KreuM Und' deS bahr. Militärverdienstordens m. Kr. n. Schv., erhielt das Hess. Kr reg e>r- Ehrenzeichen in Eisen. Frankfurt a. M Dem Landsturmann Theodor Mannheimer, z. Zt. in fiz. Gefangenschaft, Sohn der Witwe Mannheimer, Däckerweg 24, wurde die silb. bad. Verdienstmedaille am Bande der Militär. Karl-Friedrich-Verdienstmedaille verliehen. Fra«Ü«rt a. M. Leutnant Alfred Ettltnger. Miünhäber der Firma Emil Ettlinger, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Eafsel. Bat.°Arzt Dr. Siegfried Falkenheim und Oberarzt Dr. Hugo Mayer, Sohn von Leopold Mayer in Gießen) erhielten das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Hamburg. Leutnant Arnold Bernstein erhielt das Eiserne Kreuz 4. Kl.-» München. Max Brader von hier und Sal.Neumau n aus Würzburg wurden zu Leutnants befördert. Würzburg. Der langjährigen ersten Borfitzenden des hiesigen Mischen Frauenvereius, Frau Sarah Fvrchheimer wurde in Anerkennung ihres verdienstvollen Wirkens auch auf dem Gebiete der KriegZfürsorge der König Ludwig-Orden verliehen. Wie«. Louis Strauß, Sohn des Komponisten Oskar Strauß und Großneffe btg Präsidenten der hiesigen israelit. Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, starb den Heldentod. 1 Wie«. Bloch's „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in Nr.- 37 folgende Auszeichnungen an Inden: 2 Offizierskrmize des Franz Josef-Ordens, 2 Mtterkreuze des Franz Josef-Ordens, 21 Mllitärverdienstkreuze 3. 5kl., 36 silb. Signum laudis, 63 bronz. Signum laudis, 25 aold. Berdienstkreuze mit der 5krone, 12 aold. Berdienstkreuze, 14 silb. Verdienstkreuze mit der Krone, 14 silb. Berdienstkreuze, 18 silb. TapserleitsmÄmillen 1. 5kl., 56 silb. Tapferkeitsmebmlwn 2. Kl., 143 bronz. Tapserkeits- Medaillen, 7 eiserne Verdienstkreuze mit der Krone, 20 eiserne Berdienstkreuze, zusammen 423 Auszeichnungen; hievon 144 an Offiziere nnd Kadetten des Soldatenstandes, 36 an Militärärzte und Militärbeamte, 243 an Mannschaftspersoneu. Budapest. Oberstleutnant M o r l z 2 ö l d, ein Offizier von hervorragender Tüchtigkeit, wurde zum Oberst befördert. Sofia. „Echo de Bulgare" schreibt: Anläßlich des dreißigjährigen Jubiläumsseiner Regierung erhielt König Ferdinand mich von d«i Juden seines Landes Kundgebungen. Als Antwort ans die Hulliignngsadresse der jüdischen Gemeinde von Sofia sandte er an den G r o ß - rabbiner das folgende Telegramm: „Mit Genugtuung und Befriedigung habe ich den Ausdruck der Treue und die warmen Wünsche zur Kenntnis genommen, welche Sie mir anläßlich des Festes vom 15. August zukommen ließen. Ihnen, allen Juden des Königreiches und den jüdischen Helden, die mit tapfscem Mute das Vaterland verteidigen, meinen herzlichsten Dank!" Perso»alre« «. üeweMttteUmtge«. Berlin. Justizrat Bernhard Breslauer wird aus Gesundheitsrücksichiten seine sämtlichen Ehrenämter niederlegen. Lerldt. Dem Jüdischen Frauenbund ist die Idee herangebracht worden, den aus dem Osten als Fabrikarbeiterinnen dämmenden Jüdinnen überall Schutz und Fürsorge zuteil werden zu lassen. Es wird zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Arbeiterinnen beitragen, wenn sie unter dem pslegerischsen Schutz der Vertreterinnen des Jüdischen Frauenbundes' stehen, die wissen, von welcher BÄeutung sur die vaterländische Aufgabe jede Hand ist, die arbeitet. Der Jüdische Frauenbund verpflichtet sich. nnd hat schon damit begonnen, die pflegerische Arbeit für die weiblichen Ostjuden aufzunehmen, überall da, wo ein Bedürfnis dafür vorliegt. Dresden. Max Brods'S dramatische Dichtung „Die Höhe des Gefühls", als Buch im Verlag Kurt Wolff (Leipzig) erschienen, wurde vom Hoftheater zur Aufführung in dieser Spielzeit angenommen. BreSla«. Siegfried Elsuer, Chorleiter der alten Synagoge, ein vvrzügliKr Musiker, verschied nach langem Leiden. — Prof. Dr. Kvnrad Alexander und Dr. Salv Hepner erhielten den Titük Geheimer Sanitätsrat. ---- . 5. durfte man ihm einräunten, es war sein -Wunsch, dort begraben zu werde»; wo die Kinder liegen deren Mund — wie es in seinem letzten Willen heißt — niemals eine Lüge gesprochen. Nur das eine verlangte er, daß sein Sarg aus den Brettern seiner Suckv gezimmert werde. Prag. Hier oerschieden Advokat Dr. Markus Fischer, einer der wenigen traditionstreuen Juden, Prags, und Dr. Otto Pribram, Präsident der Arbeiter -Unfall - Versicheruilgsänstalt für Böhmen. — Oberfinanzrat Dr. Alois Koserak wurde zum Präsidenten der israelit. Kultusgemeinde gewählt. Agram- Der BanuS von Kroatien hat den Advokaten Dr. Robert SicbenschseiN zum' Präsidenten der krvatischjeu Advokatenkammer ernannt.. Dr. S. ist bekanntlich der verdienstvolle Präsident der Agrmner israelitischen Kultusgemeinde. Der starke Sirnsov. ' Erzählung von Elise Orszcsko. / (Fsrtsetzung.) Dieser jemand ist die älteste Tochwt Schimeles, die zehnjährige Hiba, schlank, schmächtig und seit jünf Jahren hustend. Hiba hat ein blasses Gesicht, hellgraue Augen mit einem leidenden und geduldigen Ausdruck und flachsblondes Haar, welches glatt gekäMnt und hinten in einen festen, kurzen abstehe,tden Zopf zusammengebnndcn ist. Im Hause wird sie als eine ganz erwachsene Person betrachtet. Hiba ist sehr ernst und überlegt; sie vertritt in der Wirtschaft die fortwährend abwesende Mutter und pflegt die jungen Geschwister sorgsam. Sie heizt den Ofen, holt Wässer aus dem nahe liegenden Brunnen, kocht das Essen, macht einmal in der Woche die Stube ecru,. nnd hundert mal täglich leidet sie die verschiedensten Qualen durch EM Und Mendelc, welche sie fortwährend suchen» rufen, tadeln oder trösten muß; und alle diese Aufgaben erfüllt sie mit einem großen Ernst Md mit seltener Ausdauer» in den mageren Handelt die Stricknadeln führend. Die Strümpfe, die sie strickt oder stopft, sind vön verschiedener Farbe, gelb, schwarz und blau, vor sechs Jahren schon hat ihr die Mutter die Künst beigebracht, nnd seit dieser Zeit versorgt sie das ganze Haus mit ihren Strickarbeiten, die sie in schweren finanzielleit Krisen sogar lukrativ verwertet hat. Manchmal fühlt sich Hiba müde, setzt sich auf ein kleines Stühlchen neben dem Ofen nieder und legt die Hände, welche fortwährend die Strümpfe halten, auf die Knie. Dieses Ausrnhcn dauert aber gar nicht lange, weil gerade dann meist dem kleinen Kinde die Lust ankommt, spazieren zu gehen. Es fängt an herumzuspazieren, indem es energisch mit' den Händen sich fortbewegt und laut schwatzend^ auf die Erde fällt uno fürchterlich schreit. Dann steht Hiba auf, hebt cs von der Erde auf und wiegt es so lange in den Armen, bis sich der Knabe beruhigt und das über ihn gebeugte Gesicht seiner Schwester anlacht. Hiba legt ihn dann in die Wiege, aber der kleine Weltbürger läßt wieder einen wehmütigen und traurigen Ton erllingen, welcher den Wunsch ausdrücken soll, daß Hiba bei ihm bleiben möge. Die Wiege steht gleich neben dem Bette von Zipa. Das Bett ist sehr groß und wird noch, durch zwei darauf liegende Federbetten erhöht. Hiba, obwohl sie für ihr Alter schlank ist,, kan» schwerlich auf das Bett kommen. Sie arbeitet sich aber doch mühsam hinauf, setzt sich auf den höchsten Wipfel der Federbetten, stützt die Füße an den Rand der Wiege, und so die Strümpfe emsig fortstrickend', kann sie bequem den kleine» Kerl aufrichten, welcher schon cinzuschlafen beginnt, aber von Zeit zu Zeit doch die Augen söffnet, tun z'n sehen, ob die Schwester noch immer bei ihm ist. Ich weiß nicht, ob diese sich jeden Augenblick öffnenden und schläfrigen Augen des Kindes bemerken, wie eigentümlich und auffallend zugleich der Kopf des ernsten Mädchens von dem blassen Gesicht absticht, und wie die gesenkten Augenlider und der rückwärtige Zopf von dem roten Boden ringsum von den Federbetten und Kopffissen sich abheben. Das sind die Kinder von Schimele, die sich hier dem geduldigen Leser vorgestellt; aber wie ist er selbst, Schimele? Wie er ist? Die eine Frage enthält alle anderen, der Geburt und der höchsten oder niedrigsten Position, welche der Mensch auf der Leiter der svziüien Hierarchie einnimmt, in sich. ' Was die Geburt anbetrifst, so kann ich nich't g'enan sage», wer nnd was der Vater von SchMeft war, Wassersuhrmann oder HühhäMr! Einige meinten das erste, die Andern das Klbeite, aber alle stimmten in der Behauptung überein, er müsse sehr ärm gewesen sein, wenn sein Sohn seine wissenschästiiche Erziehung , in der Talmud-Thora, das ist in einer unentgeltlichen Schule empfangen hüt. Daß er aber eine getvisse 'Stufe bii Hierarchie erlangt hat, können wir üüS den Worten schließen, die er zu seiner Früü sagte: „Sieh, was ist aus mir geworden k* Ein Mensch, der diese Worte mit Stolz Md Zufriedenheit ausspricht, muß Ävas Großes und Wichtiges im Leben erreicht haben. Schimele hat nun fit der Tat die Stellung «tue, welche wir alle gewöhnt sind, als eine hohe zu betrachten» «ßd welche bei der Allgemeinheit eine solche Ächtustg, ja eine gewisse Art von DankNrkeit erweckt, denn er ist, ich werde den verehrten Lesern eine große Üeberraschung bereiten, wenn ich sage, daß Schimele ritt .Gelehrter ist. Diese Mitteilung wird nicht W geringsten Widerspruch zu meiner früheren Behauptung stehen, daß der Kreis der Dingd und Erscheinungen dieser W.eltdie Schimtle bekannt sind, ejn sehr enger ist-, wenn Ihr Kur von Eurer Einbildungskraft Md Euren Gedanken in diesem Augenblicke alle berühmten Akademien, Universitäten und Hüchschulen ausschließen wollet, welche ihren SchÄkern prachtvoll ausgestattete Diplome ausstelftn Äs Gelehrte in allen .Zweigen der Wissenschaft, die den meisteit kaunt j>em Namen nach bekannt sind. Die lvissenschästsichen Anstalten, aus toelchen SchiinM seine Gelehrsamkeit geschöpft hat, ilennen sicht Talmud-Thora, Jeschiba und Bet-Ha-Midrüsch. . Sie repräsentieren drei pädagogische (Stufen: die Elementarschule, dLs Gymnasium und die Akademie. Nicht fette Juden erklimmen diese drei Sttlfen. — Es gibt viele, die aus Mangel an Fähigkeiten öder Nit ernstem Willen auf der ersten oder Suf der zntziwn stehen bleiben. Schimele aber blieb nicht, stehen, er überschreitet alle drei Stuft»-, find )väs das Wichtigste ist, er hat die erste Stufe im zehnten, die zweite im dreizehnten, die dritte im achtzehnten Lebensjahre erreicht. Mit achtzehn Jahren verheiratete er sich nach Landessitte, hörte aber nicht -auf zu lerne». Er besuchte das Be-tha-Midrasch und lerüte, er säß ganze Abende und Nächte an seinem tteinc» Tischchen am Fenster und — lernte. Und was lernte er nun? — Seine Religion, seine Geschichte, die Geschichte seines Glaubens nnd seines Volkes, die sehr zahlreichen und äußerst zarten Schüttierungen derselben, die erhabene Metaphysik» welche sic lehrt, die klugen Sprichwörter, Sentenzen, Axiome und lieblichen Legenden, welche sich arabeskenartig vereincu, und deren größter Teil — werdet ihr das wohl glauben? — mit den cdlsten Perlen und den schönsten Blüten der menschlichen Gedankenwelt verglichen werden darf. Schimele ist also — wie soll ich mich nur ausdrucken? — ein Theolog nnd zum Teil auch ein Philosoph, ja sogar ein Geschichtsforscher, was nämlich unmittelbar die Geschichte seines Volkes und seiner Religion anbetrifft. Ueber die Grenze dieser Wissenschaft, in welcher er einen hohen Grad der Gewandtheit erlangt hat, ist er nicht hinausgekonunen, und mit Ausnahme seiner forttvährenden Uebnngen in diesem Spezialsache tut er absolut nichts. Diese innige Vertiefung in seinen Studienkreis, ganz getrennt von de» Forderungen und Bedürfnissen des täglichen Lebens, hätte die Existenz Schimeles und seiner fünf Kinder in unentwirrbare Schwierigkeiten gebracht, wenn er nicht in seinem achtzehnten Lebensjahre gerade die sechzehnjährige Zipa geheiratet hätte. Zipä tvär damals wie eine leichtfüßige Gazelle in einem großen Kolonialladen beschäftigt. Sie fühlte sich so überglücklich hochgeehrt, die Frau eines Gelehrten zu toerden, daß sie sich dein Manne, der sie mit einem so glänzenden Lose beschenkte, mit Leib und Seele, mit einer schüchternen und zugleich rührenden Liebe, mit tiefer Verehrung und unennütlicher Bereitwilligkeit, ja einer grenzenlosen Aufopferung freudig hingab. Schimele, der Sohn eines Wasserfuhrmanns oder Holzhackers, der arme Schüler einer Armenschule, der mit Ausnahme der 200 polnischen Gulden, die man für ihn gesammelt hatte, kein Vermögen besaß, galt doch in den Augen von Eltern und heiratslustigen junge» Mädchen für eine so großartige Partte, daß, als seine Heirat mit Zipa bekannt wurde, die ganze Gemeinde emstimnng sich über das Glück der kleinen Gazelle wunderte, deren Mutter in den Straßen Obst verkaufte, und deren Schwestern Schuhmacher, Tischler und ähnliche Vertreter eines groben Handwerkes und niedrigen Standes \ii stä. Ha km vdc jiq bcsl kfi Ac W° W Ivel gro lmel die iu« |fäji [gen kan m Ijiflj übe vor die d'tr sie ldoä lode Ibviu mr: iBli limb P'! Ihim liudi »es liitU hat der (ttin Sr« liÖfl zwo imd H lal lepi iteir trei Irüt sw der Zip' lud) Klei, mich! |d)ie Stfj! |ebe; bin Itat hie M pelc lei Iren Iciit foni liftl Bert kehl ftd tfjä lic nie B* K