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Neue jüdische Presse · 1917-09-21 · Heft 36 (21.9.1917) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 36 (21.9.1917)
Date
1917-09-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Ei T. Xtodeltan, Herrenschneider Frankfurt a. Hain, Frledensstrasse No. 1 Telephon: Börner 3650. FEINSTE HASS.SCHNE10EBGL Auf Wunsch koschere Verarbeitung. Träne trocknen halfen. Auch! den Lehrerinnen galt seine Sorge in der Gründung der Jsr. Lehrerinnenheime zu Steglitz (jetztGroß-Lichterfelde) und inFrankfnrt a. M. Seinen klaren Blick und sein hilfbereites Wesen leiht er ferner den Verwaltungen fast sämtlicher großen jüdischen Organisationen Deutschlands, so dem Verband der Deutschen Juden, dem Zentralvereiu Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, dem Ost-Europäischen Komitee, dem Hilfsvcrcin der Deutschen Juden, dem Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Jndentnnls, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums nsw. Im Jahre 1900 wurde D r. Adler an Stelle D r. Bärwalds zum Direktor der Realschule der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. (Philanthropin) berufen. Damit beginnt sein umfangreiches Wirken in hiesiger Stadt und Gcmeiilde. Wir können uns damit begnügen, die Stätten seiner Tätigkeit aufzuzählen und geben damit ein Bild eines so vielseitigen Schaffens, daß man die Tatkraft Adlers bewundern muß. Neben der amtlichen Leitung der beiden im Philanthropin vereinigten Scksulanstalten widmet sich Dr. Adler mit ganzer Wärme und eifrigster Rührigkeit — dabei ist Lückenlosigkeit in unserer Aufzählung nicht ausgeschlossen — folgenden Wohltätigkeitsinstituten: der Stiftung für gebrechliche und verwahrloste Kinder (feit einigen Jahren zu einem Kinderhort ausgebaut), der Creiznach-, der Jsaac und Bertha Glazier-, der B. H. Gvldschmidtschen Stipendien-, der Königswartcr Unterrichts-, der Louis Maher-Maasschen-, der Dr. Leopold Odrellschen-, der Ricßer-, der Siegmnnd Stcrnschen Waisen-, der Julius und Amalie Flersheimschen-, der Ignatz und Anna Sichel- und endlich auch der Wilhelni- Augustä-Stiftung für Frankfurter Lehrerkinder. Er ist Vorsitzender des Jsr. Frauenvereins, sowie mich? Mitglied des Städtischen Jugendamts. Eine überaus anstrengende und umfangreiche Tätigkeit entwickelt Dr. Adler aber noch als Vertrauensmann der israelitischen Gemeinde für den jüdischen Religionsunterricht an den hiesigen öffentlichen und privaten Schulen. Bis zum Jahre 1900 war nur an wenigen hiesigen höheren Schulen israelitischer Religionsunterricht erteilt worden. Man erhält einen Begriff von dem jetzigen Umfang desselben und von Direktor Dr. Adlers Verdiensten auf diesem.Gebiet, wenn inan erfährt, daß im Jahre 1916 an 38 Anstalten in 249 Stunden an rund 1900 jüdische Kinder Religionsunterricht erteilt wurde. Dieser Erfolg ist nicht zum geringsten der Organisationsfähigkeit und dem unermüdlichen Schaffen Dr. Adlers zu danken. Ganz besonderes Interesse zeigt er auch' für die Pflege des hebräischen Unterrichts, der bekanntlich nach den bestehenden Gesetzen noch' nicht an den staatlichen Schulen erteilt toeröeu darf. Erst kürzlich erließ er in folgenden prägnanten Sätzen einen Aufruf an die Eltern: „Der hebräische Unterricht will der Jugend das Verständnis der Gebete sowie der heiligen Schriften eröffnen und sie zur Beteiligung am religiösen Leben der Gemeinde befähigen; das Hebräische bildet einen wesentlichen Zweig der religiösen Erziehung, hie sonst lückenhaft bleibt. Religiöse und pädagogische Gründe verpflichten somit zur Teilnlchme an diesem Unterricht." Einen eifrigen Verfechter hat in Dr. Adler auch die israelitische Volksschule. Von der Erkenntnis ausgehend, daß die staatliche Schule einen konfessionellen Charakter trägt und die einheitliche Erziehung des jüdischen Kindes beeinträchtigt, ist er in mehreren Schriften warm und begeistert siir das Recht und die Pflicht der jüdischen Gemeinden eingetreten, jüdische Volksschulen zu gründen. So sehen wir in D i rc kt o r D r. Ad lc r einen Mann vor uns, dessen ganze Persönlichkeit im gemeinnützigen Streben ausgeht., Sein jüdischer Standpunkt ist nicht der nnsrige, wir erkennen aber sein ideal gerichtetes, unermüdliches Schaffen unumwunden an. Der starke Sirnfo«.*) Wenn du einmal, teurer Leser, ein Synonym für das Wort „Jude" finden wfllst, so nimm ein historisches Wörterbuch zur Hand und suche unter dem Buchstaben „K". Findest du den Namen „Krösus", so unterstreiche ihn und behalte ihn in Gedanken, weil du gefunden hast, was du wolltest. Jude und Krösus ist ein und dasselbe; nicht wahr? Jeder. Mensch weiß doch, das; cs unter den Juden Rothschilds gibt mrd dann auch noch andere Bankiers, die, ich weiß gerade nicht wie viel Millionen und vergoldete Paläste voll mit kostbaren Gemälden, Teppichen, Schnitzarbeiten rc. besitzen. Daraus also folgt der einfache Schluß, daß rin Stamm der Rothschilds und andere große Bankiers besitzt, sehr reich sein und Millionen, Paläste, Gemälde, Teppiche, Schnitzereien, Spiegel rc. haben muß, und wenn nun ein Sohn dieses Stammes dies alles nicht hat, so liegt der Grund ausschließlich in seineul eigenen Willen. Wahrscheinlich kann er sich *) Die Verfasserin, die im vorigen Jahre starb, war Christin. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. mit Geringerein behelfen; wenn er nur wollte, so hätte er gewiß auch alle diese schönen Kleinigkeiten. Ein reicher Stamm, also ein glücklicher Stamm! Deshalb wundcrt's mich, warum Schimele, der Sohn von Gcrschom und der Mann von Zipa, keinen Begriff von diesem Reichtum und dem daraus entstehenden Glücke hat. Anfangs, wenn ich die vollständige Unkenntnis Schimele's sah, glaubte ich, er wolle die Christen zum Narren haben, in deren Reihen er sich gewiß seine Opfer gewählt habe, die ihm schon von der Verwaltung der Judengemeinde „zur gefälligen Ausbeutung" übergeben oder gar verkauft worden seien. Von diesen mythischen Opfern sprach man ja so viel bei uns während der letzten Jahre! Aber nach nährerer Beobachtung überzeugte ich mich gründlich und zu meiner großen Verwunderung, daß Schiniele in der Tat und ganz gewiß keine derarttgen Opfer kennt und gar nichts davon weiß, daß solche überhaupt eine Quelle von Rcichtümcrn und irdischem Glucke sein können. Was aber die Gemälde, Teppiche, Spiegel, Schnitzarbeiten und Paläste anbetrifft, so zweifle ich, ob Schimele sie je einmal in seinem Leben gesehen hat; es sei denn, daß wir einen kleinen, eine halbe Elle langen Spiegel in hölzernen! Rahmen ohne eine Spur von Vergoldung und Schnitzerei darunter verstehen, welcher über dem Koffer von Zipa hing, und zu welchem die sechsjährige Ester, eine Tochter von Schimele, mehrere Male am Tage sich cmporreckte, wahrscheinlich um ihre roten Locken, ihre blauen zu dem Spiegel cmporlachcndcn Auge» und das blasse Gesicht des Vaters zu sehen, welcher gleichfalls lächelt, wenn er de» sogenannten Spiegel und sie betrachtet. Schimele weiß nichts von andern Spiegeln als von diesem, in dem sich iinmer ein Stückchen der schmutzigen Wand und Esters Stumpfnäschen abspiegelt, sowie er denn überhaupt nichts ahnt von zahlreichen Erscheinungen nick Dingen, die tatsächlich auf unserer schönen Erde existieren. Denn ich muß hier mit großer Scham, die ich für die Gestalt meines Bildes empfinde, gestehen, daß der Kreis von Erscheinungen und Dingen, die Schimele bekannt und vertraut waren, sehr eng ist. Wenn man aber gerecht sein will, so inuß man von dieser Unkenntnis irdischer Dinge das zehn Fuß lange und fünf Fuß breite Zimmer ausschließen, welches Schimele wirflich ganz genau in allen seinen Einzelheiten kennt, einmal, weil er darin schon seit zwölf Jahren wohnt, und dann, weil es eigentlich verzweifelt wenig darin zu kennen gibt: Zwei alte Betten mit rnbenfarbigem Bettzeug, einen riesig großer Ofen mit eiserner, schwarzer Oessnung gleich einem tiefen Abgrund, auf dem immer große Lappen zum Trocknen liegen, ein Fensterchen in wurmstichigem Rahmen, einen am Fenster stehenden Tisch, drei Stühle, eine Katze und fünf Kinder. Die letzteren besonders kennt Schimele sehr gut, weil er sie sehr liebt. Wie sollte er sie aber auch nicht liebe», da sie ganz ungewöhnliche Kinder sind, wunderschön, klug über ihr Alter und gut! Aber davon wollen wir jetzt noch nicht sprechen. — Zipa erzählt cs ja doch sehr oft und sehr lang, und Schimele widerspricht ihr gar nicht. Im Gegenteil, er fühlt selbst die ganz ungewöhnliche Bedeutung seiner Kinder sehr ttef und freut sich nicht minder darüber als Zipa, obwohl er es stillschweigend tut, was einen tpirksamcn Gegensatz zu der Bcredtsamkeit der Mutter bildet. . Jedes Kind bereitet ihm große und jedesmal neue Freuden; Ester zum Beispiel ist ein tvahrer Engel; Schuhe trägt sie nur am Sabbat, und was für welche! Mein Gott, aus dem Korbe einer Lumpensammler!» ausgewählt, durch irgend welche reichen Kinder abgetragen, manchmal von Atlas oder aus dünnem Saffianleder, blau oder rot, aber immer sehr zerrissen und mit Schnürchen, anstatt mit Bändchen zusammengebunden. Ob aber in Schuhen oder ohne solche, ihre kleinen Füße trippeln beständig durch das Zimmer, klettern auf den Koffer der Mutter, springen auf den mit Steinen gepflasterten Hof, und nmnchmal hängen sic auch auf dem Zaun, der den Hof von dem imchbarlichen Hause scheidet, derart, daß es fast scheint, sie seien ohne sic dort, weil die obere Hälfte von Ester von der einen Seite des Zaunes und die andere von der anderen Seite herunterhängt. Ihr tvild zerzaustes Haar sieht dann aus wie gedrehte und zusammcngewickelte Flämmchen, die so groß sind, daß das fleine runde Gesichtchcn mit dem Korallenpunkt anstatt der Lippen von ihnen ganz umrahmt zu sein scheint. So ist Ester das dritte in der Reihe von Schimeles Kinderschaar. Ein ausgezeichnet passendes Gegenstück zu ihr. bildet ihr Bruder, der um ein Jahr jüngere Mendele, dessen individuelle Züge bis jetzt lei» Röckchen aus roter Leinwand, und ewig von ihm bis zur Erde' herabhän- Nr. 36 Nr 3 gende weiße Bändchen zu sein scheinen, Äuf wüche Mendele sehr oft tritt, worauf er naturgemäß zur Erde fällt und mit einem durchdringenden Schrei das; geringe Quantum von Luft erfüllt, welches'die enge Stube und den kleinen Hof ausfüllt. Da niemand sich um dieses Weinen bekümmert, ist es auch gewöhnlich von sehr kurzer Dauer: Mendele erhebt sich, setzt sich seine fleine Mütze besser auf das wie bei der Schwester feurige und wilde Haar, und in Esters Gesellschaft fängt er von neuen! an, auf den Zäunen cmporzüflettern und ans eineni Haufe» daliegender Bretter die verschiedensten Kunststücke auszuführeii, während Schimele vom Fenster mit einem leisen Lächeln und stiller Freude : zusieht. Mendele aber wird leider schon in sehr kurzer Zeit diese wahrscheinlich schönste Lcbensepoche grenzenloser Freiheit und nngctrübten Glückes endigen. In ein paar Monaten wird er schon fünf Jahre alt und dadurch gezivuugen sein, einen regelmäßigen Lehrgang seiner Studien anzufangen, zumal er diesen Anfang eigentlich schon versäumt hat. Vor einem Jahr schon, vor seinen! vierten Geburtstage war bereits die Rede zwischen ihm und seinen Eltern, man solle ihn nach dem Cheder schicken. Danials Nnrr Mendele keineswegs einverstanden. Er wollte nicht ins Cheder gehen, — und damit war die Sache abgetan. Er ergriff mit beide» Fäusten das Kleid der Mutter, klammerte sich fest mit den Füßen an dieselbe, schrie laut, die Tränen flössen in Strömen über seine roten Wangen, — und er ging nicht. — Zipa ärgerte und grämte sich sogar anfangs über den Widerwillen, den ihr vierjähriger Sohn gegen die Wissenschaft und den Melamcd mit dem langen Bart, den hohen Schulter» und dein mürrischen Blick zeigte. Doch ihr Mann tröstete sie, indem er ihr erzählte: „Als ich in seinem Alter tvar, lief ich auf den Straßen herum und amüsierte mich, und siehe da, wozu bin ich später gekommen; — auch er wird dasselbe erreichen. Indessen kann er noch ein wenig hcranwachsen." Der ältere Sohn Schimeles, der neunjähre Enoch, besucht dagegen schon seit fünf Jahren das Cheder, er kann ausgezeichnet hebräisch lesen, ist beivandert in der Wissenschaft des Chnmesch oder der fünf Bücher Moses, und seit einem Jahre hat er schon die Sttise einer bedeutend höheren Wissenschaft erreicht, da er das Studium ■ des Talmud mit dem Komniciitar Raschis begonnen hat. — DaS sind gewiß ungewöhnliche Fortschritte. Aber die schwarzen Augen des schmächtigen Kindes habe»; sich auch ungeivöhnlich weit geöffnet und sind ungemein ttef eingefallen, sie glänzen in dem schmalen Gesicht mit einem so eigentümlichen warnien und so traurigen Feuer, als ob sie sich fortwährend über ettvas bellagen tvollten. Anfänglich beklagte sich auch Enoch über die Strenge seines Mclanieds und zeigte seine Ohren, die in seinen! dichten schivarzen Haar wie Rubine leuchteten, so rot ivaren sic von dem häufigen Ziehen. Zuweilen erzählte er auch seiner Mutter ganz leise, daß er Rückennnd Kopfschnicrzcn habe. Doch die Klagen hatten keinen tröstlichen Erfolg, und daraum hörten sie in kurzer Zeit auch auf. Der Melamcd, welcher Enoch unterrichtete, »var der billigste von alle» Lehrern der Stadt und obwohl es innerhalb des jüdische» Volkes bekanntlich Rothschilds und viele andere reiche Bankiers gibt, so waren Schiniele und Zipa doch nicht im stände, einen solchen Lehrer zu bezahlen, der mit einer größeren Milde des Charakters und feineren Manieren des Umganges zugleich größere Ansprüche vereinigte. Enoch aber, obwohl er gut lernt und bereits sehr viel weiß, empfindet doch nicht die innere Zufriedenheit, welche gewöhnlich dem glücklichen Wanderer in das Reich der Wissenschaft folgt. Meistenteils setzt er sich in einen Winkel der Stube auf die Erde, wenn er aus der Schule kommt, rückt die abgetragene Mütze auf die Stirn und ttef sinnend scharrt er entweder mit einem fleinen Schlägel den .sestliegenden Mist in dem Winkel auseinander, oder er nimmt die große graue Katze auf seinen Schoß, 'streicht langsam mit der kleinen, mageren Hand über das Fell und schaut mit seinen eingefallenen aber glänznenden Augen in die gelbgoldenen, ihm freundlich zuwinkenden Augäpfel der Katze. Das Tier wurde von Zipa auf der Straße als ein Neines verhungertes Kätzchen aufgehoben i»nd zusaunncn mit ihren Kindern aufgezogen; es hat außer Enoch noch jemand, . für den cs eine lebhafte Sympathie hegt. (Fortsetzung folgt.) |f Kaffee Rnhland Kaiserstrasse 56 EaiserBtrasse 56 TSgllch erstklassige BST Unterhaltungsmusik i ■ 1; SeBangB - Einlagen. =■ ■ ,3* Nack cingetrofl werde», jigem Br die Zähn, Inhaber Schäl Sammler klappe», tichem K> In l gleichen . Abend, i schwänge» ihn meist los an n Zu"> ungsman begrüßte ein rnssij fühl der ylnsspraö achtet ha fangenen Gege der Bevi »vir ans! ich! erwie konnte d halten. Nun reicht. 3 wohl uv' gedacht 1, Soldaten und Ran Male na richten d Nach anständie zu werde Ungeziesi friiliere l fluftur trokbem Polüerai »nick vor Flöhen , genebme waren a Teil »vn reiten n' Wielten. Waschwa ta die Mangel. Men» i als Gef, nach! 18 Kanalisa die ich' i Nail batte ich erschseinn von den melden, der SIrji Fieber l 39 Grab Che ein Frit brnder t Tag n, würde , 40 Grat und' Ve Hauptsai ein heiß Logenbr Wäsche, fühlte. eingestel transpoi Schrecke, oder Res in den Ruhe fl) ichast z Trui llsra I Vornehn Vorbei Uebari Hlch I |9rBndli bei

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