Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 36 (21.9.1917)
- Date
- 1917-09-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3. Nr. 38 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. gegennder dem Koneral-Allzeigvr Vornehmes Familien-Kaffee IV* Nachmittags u. Abends Konzert. “VC Strauß, Bert hold Feiwel und A. I. Rom, teils ihre Erinnerungen an den Kongreß erzählend, teils programmatische Aufgaben des Zionismus besprechend. Ein Gedicht Von Scholem Aleichem (Es verbeugt sich a'heiin), vorgetragen von M. Eisenstadt, und ein weiterer Gesangsvortrag des jüdischen Männerchors waren die. letzten Darbietungen des schon verlaufenen Abends. New Hark. Auf der 8V. I a h r e s k o n f e r e n 3 der Amerikanischen Zionisten führte Professor Frjede n w a l d über das Wachstum der zionistischen Bewegung' in Amerika folgendes aus : „Bei der Konferenz, die im Jahre 1914 in Rochester abgehalten wurde, hatte die Föderation ein Einkomnien von Doll. 14,000. Während des. ersten Kriegsjahres bereits erhielt das P. E. C. Doll. 80,000 an Beiträgen, außerdem -Doll. 67,000 für Hilfsfond und Doll. 198,000 für Neberweisungen. Während des zweiten Kriegsjahres erhielt das P. E. C. mehr als Doll. 150,000 Beiträge, Doll. 150,000 für Hilfsfonds und Doll. 435,000 für das Ueberweisungskonto. Im laufenden Jahre betrug das Einkomnien des P. E. C. Doll. 275,000, außerdem Doll. 100,OM für Hilfsfonds und Doll. 400,OM Ueberweisungskonto. Dr. Friedenwald schloß seine Rede: „Wir werden kein Kompromiß machen. Was wir verlangen, sind nicht Rechts in Palästina, sondern die Anerkenn,rüg unserer Rechte auf Palästina, und diejenigen, die auf dieser Plattform stehen, die nicht weniger und nicht mehr wolle», sind i» unseren Reihen willkommen." Als nächster Redner begrüßte D r. Step h a n S. Wise die Konfererrz. Er behandelte die Entwickelung des Zionismus in Amerika während der verflossenen 20 Jahre. Dann beschäftigte er sich mit dem Basler Programm und erklärte, daß alle Zionisten auf diesem einen Programm zu stehen hätten, daß der Zionismus, die Bewegung des jüdischen Volkes zwar allen offen stehe, daß aber jeder organisierte Zionist der Bewegung nicht gemäß seiner persönlichen Auffassung vom Zionismus angehört, sondern gemäß dem Basler Programm. Dr. Wise warnte davor, Kompromisse einzugehen, selbst wenn die Schwierigkeiten, die tzu überwinden sind, die zehnfachen wären. Er warnte auch vor denen, die Zugeständnisse um des Friedens willen machen wollen, denn ein Aufgeben der tragenden Prinzipien kann niemals wirklichen Frieden bringen. Schließlich wandte er sich dagegen, daß der nationale Zionismus zu einem internationalen Wohltätigkeitsünternehnren degradiert werde. „Wohltätigkeit ist gut für einen kranken, gebrochenen Menschen, aber ein ungebrochenes, unbeschädigtes, sich wieder erneuerndes Volk verschmäht Wohltätigkeit als die Lösung seines Problemes. Es verlangt und wird sich zufrieden erklären mit nichts weniger, als was einem jeden ehrenhaften und selbstbewußten Volke gewährt wird, — Gerechtigkeit." (Schluß folgt.) Der Krieg mtö die Juden. Krankfnrt n. W. Gefreiter Ludwig MoseS, Sobn des Kaufmanns Albert Moses, Bäckertveg 26, erhielt die hessische Tapferkeitsmedaillc. Frankfurt a. M. Gefreiter Julius David. Inhaber des Eisernen Kreuzes, Sohn von Hermann David, Rappstraße 11, erhielt die bäd. s i l b. B e r d i e n st - medaillr amBandeder Militär. Karl Friede. Verdien stmedaille. Wie« Blochs „vesterr. Wochenschrift" meldet in Nr. 36 folgende Auszeichnungen an Juden: 2 eiserne Kroneü-Orden 3. Kl., 1 Offizierskreuz und 5 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 21 Militärvcrdienstkrenze 3. Kl., 12 silberne Signum laudis, 54 bronzene Signum laudis, 27 goldene Becdienstkreuze mit der Krone, 14 goldene Bcrdienstkrcuze. 12 silberne Verdienstkreuze mit der Krone, 3 silberne Verdienstkrenze, 20 silberne Tapferkettsmedaillen 1. Kl., 99 silberne Tavfcrkeitsmedaillcn 2. Kl., 105 bronzene Tapferkeitsmedaillcn, 2 eiserne Berdionstkreuze mit der Krone, 9 eiserne Verdienstkrenze, zusammen 386 Auszeichnungen : hievon 147 an Offiziere und Kadetten des Svldatenstandcs, 36 an Militärärzte und Militärbeamte, 203 an Mannschästspersonen. Budapesteft. Oberleutnant Bela Szilard. Mitglied' des königl. Ungar. Automobilklubs, erhielt das Ritterkreuz des Leopold-Ordens m.Kriegsdekoratiou verliehen. Persousttev «. kleine WltteUrmge». Berlin. Dr. Franz Fürstcnheim, Berth. Kirstein, Paul Lamm, Ludw. Jacoby und Berth. Tietz wurden zu Handelsrichtern ernannt. Berlin. Eine Zentralwohlfahrtsstelle für die Juden in Deutschland wurde hier begründet. Nach einem Bericht über die Vorarbeiten für die Neugründung, den Stabsarzt Dr. W. Goldschmidt erstattete, sprach Sanitätsrat Dr. Feil che nfeld über die Aufgaben der Zentralwohlfahrtsstelle. Die Stellungnahme der einbcrufeude» und begründenden drei Körperschaften brachten Geheimrat Timendorfer (Großloge), Professor Dr. Kalischer (D. I. G. B.) und Fräulein Berta Pappenheim (Jüdischer Frauenbund) zum Ausdruck. Berlin. Dr. Sal. Frankfurter, Rabbiner der Rel.-Ges. Adaß Jisroel in Königsberg i. Pr., der seit einem Jahre in den konserv. Synagogen der Berliner Gemeinde vertretungsweise amtierte, ist zum Rabbiner der orth. Gem. Ahawath Reim hier gewählt worden. - Breslau. Mit dem Tode des Seminardirektors Prof. Dr. Israel Lewy verliert das deutsche Judentum einen Talmudgelehrten ersten Ranges'. 1838 in Hohensalza geboren, hatte er bereits' mit jungen Jahren ein bedeutendes talmudifches Wissen. So wurde er denn 1872 als Lehrer für Talmud an die damals gegründete Lehranstalt für die Wissenschlaft des Judentums nach Breslau und nach dem Tode Dr. Joels an das Jüd.-Theolog. Seminar nach Breslau berufen. Lewy hat mrr wenig Schriftliches hinterlassen. Bescheiden in seinem ganzen Wesen, sowie er niemals ein Amt angenommen hat und ausschließlich in seinem Lehrberuf aufging, gehörte er auch nicht zu den schreibseligen Naturen, im Gegenteil hat er sich! nur dann zu Veröffentlichungen entschlossen, wann er dazu verpflichtet war, also für Jahresberichte der Anstalten, an denen er lehrte, die vorgefchriebenen wiss. Abhandlungen zu liefern. Dieser Einrichtung verdanken wir u. a.: „kleb. ein Fragm. a. d. Mischna d. Abba Saul (Jb. d. Lehranst. f. d. Wissensch. d. Jud. Berlin 1876), E. Wort üb. b. Mechiilta d. R. Simon, Interpret, d. I, II, IH Abschn. d. pal. Talm. Tr. Nesikin (Fb. d. j. Seich Brest. 89, 95, 99. 02), c. Borte, üb. d. Rit. d. Pessachb. (das. 04), ferner: E. Wort üb. d. jüd. Gebet (Mtschischr. 25, 109/21, 156/64), ü. d. Spuren d. griech u. röm. Altert, i. talm. Schriftl. (Berhdlgn. d. 33. Phil. Vers. Gera 1878). Offenbach. Bei der Beerdigung beS im 72. Lebensjahre verstorbenen Lederindustriellen Geh. Kommerzienrates Ludo Mayer sprachen Rabb. Dr. Goldschmidt für die israelit. Gemeinde, Regierungsrat Dr. Spam e r für den Großherzog, Oberbürgermeister Dr. D u l l 0 für die Stadt, Stern-Roth im Namen der Mayerschen Firma, Professor Eberhardt für die Techn. Lehranstalten usw. Neustadt kOberschlrkien). Kommerzienrat Emartutl Frankel hat' int Interesse der Ansiedlung von Kriegsverlctzten und Kriegsteilnehmern der Stadt 150,000 Mark als Emma- und Emamiel-Fränkcl-Stistung überwiesen, ans der die Ansiedler der hiesigeit Kleinsiedlung unverzinsliche Resthypotheken von. 1M0 bis' 20M Mark erhalten. Paris. Hier starb der russtscheStaatsrat Daniel de Poliakoff, in Belfort der Seidenfabrikant Arthicr Blum und in Lyon im Alter von 40 Jahren der Dichter Paul Löwen gar d. .Löwengard, der ein Werk ,.La Splendcur du Catholicisme et le Magneficcnces et l'Eglise" schrieb, bekehrte sich zum Katholizismits, trat aher wieder zum Judentum zurück. Baris. Wie dem ,.8'Univer isr." aus Saloniki berichtet wird, ist die Not unter den dortigen Juden sehr groß. General Sarrail hat große Summen Geld für die erste Hilfe verteilen lassen und zwar erhielt die jüdische Getneinde 100,000 Fr. und die „Alliance israelite" 20,M0 Francs. Das Bureau der „Miance israelite universelle" hat einen eindringlichen Aufruf erlassen. Für den Augenblick muß besonders gesorgt werden flir Nahrung. Kleidung und für Mittel gegen die anftretenden Krankheiten. Die „Alliance isr. universelle" hat sofort telegraphisch eine erste Sendung von 500,000 Fr. nach! Saloniki überwiesen. London. Der verstorbene Bankier Sir JakobElijahu S a s s 0 0 n in Bombay (Indien) hat in seinem Testament n. a. folgende Summen bestimmt: 66,0M Pfund Sterling für eilt wissenschaftliches Institut in Bombay, 150,000 Rupies für indische Wohltätigkeitsanstalten. Krankenhäuser und Bothei-Midroschiim in Indien, 8000 Rupies' für den Oberrabbiner in Jerusalem, daß er für ihn bete, 2000 Rupies für Arme in Jerusalem, 40M Rupies für die Rabbiner in Saffcd, Chebroit und Tiberias, damit sie für ihtr beten. Rabbiner Joses Nobel s. A. Kurz vor Anbruch unserer heiligen Festtage erreichte tins die Traucrkunde von dem Mlcben des allgemein verehrten und ehrwürdigen Rabbiners Josef Nobel in Halberstadt. Es gebricht uns an Zeit, um in würdiger Weise von dem teuren Dahingegangenen Abschied zu nehmen. Eitl Leben, das erfüllt war von Gottesftircht, Menschenliebe und hohem Menschentum,, das Leben eines' der geistigen Führer seiner Gemeinde und im weiteren Sinite des gesamten deutschen Judentums liegt abgeschlossen vor uns. Es wäre ein vergebliches Utrterfangen zu versuchen, im jetzigen Augenblick auch nur obenhin alles zu sagen, was zu sagen wäre, um uns und 'andern die gcmtze Schwere des Berltistes klar zu machen. So sollen die folgenden Zeilett nur versuchen, einen kurzen Abriß des Lebens und des Wirkcns dieses dahingegangenen großen jüdischen Mannes zu geben. Man wird noch oft und schmerzlich in der nächsten Zeit, wo wir die fiihrenden Meister besonders nötig haben werden, an ihn zurückdenken, und es wird sich dann noch Gelegenheit bieten, das nachzuholen, was jetzt versäumt; wurde. Bon den ältesten Schülern unseres großen Meisters Rabbi Esriel Hildesheimer s. A. weilen nur noch! wenig? in unserer Mitte. .Mit Rabbiner Nobel ist einer der ältesten dahingegangcn und einer, der ihm ganz besonders nahe stand. Ein Sprößling der angesehensten und gelehrtesten Räbbinerfamilien Ungarns hat der Dahingegangene, nachdem er von frühester Kindheit an in den verschiedensten Jeschwiwot der ungarischen Großen gelernt hatte, sich besonders nahe an den jungen deutschen Rabbi angeschlossen. Nachdem er eine Reihe von Jahren das' Rabbinat zu Totis. in Ungarn mit großem Erfolge bekleidet hatte, folgte er einem Rufe als Klausrabbiner in die weithin berühmte und durch alte Tradition geheiligte Stätte der Gemeinde Halberstadt. Was ihn in erster Reihe wohl dazu bestimmte, diesem Rufe zu folgen, war der Wunsch, seinem Lehrer und später verehrten Freunde in Deutschland nahe zu sein. In rührender Bescheidenheit und doch seines Wertes sich bewußt, wirkte er an dieser Stelle, und sein Wirken ging weit hinaus über den Kreis seiner Heimatsgemeinde. Ein vorzüglicher Lehrer, der mit Begeisterung uni» Liebe seinsn Schüler an die. Quellen des Judentums) besonders an den Talmph und die heiligen Schriften, heranführte, hat er Jahr ein, Jahr aus aus der Heimatsgemeinde selbst und aus den weiteren Kreisen Deutschlands Schüler um sich versammelt, die alle mit großer Liebe an ihm hingen. Sein Unterricht in dem tälmudischen Disziplinen war einzkgarttg. Wer das Glück hatte,' einen Talmudschiur bei ihm zu hören oder gründlich zu lernen, dem werden diese Sttmden ewig unvergessen blechen. Er war ein glänzender Redner und verstand es, die Hörer cm sich zu fesseln und in geistreicher Weise das gesamte deutsche Schrifttum, das er wie selten einer beherrschte, zur Belebung und zur Verinnerlichung seiner Vorträge heranzuziehen. Rabbiner Josef Nobel gehörte keiner der Richtungen imrerhalb der traditionellen Judenheit Deutschlands an, wie fernem äbgellärten, versöhnlichen Wesen überhaupt jede agressive Tendenz fernlag. Er verfolgte die modernen Bewegungen im Judentum mit der größten Aufmerksamkeit, und man durste ihn seiner Gesinnung nach der traditionKtteuen zionistischen Föderatton Misrachi zuzählen. Auf exegetisch-homiletischem Gebiete hat uns der Verewigte mehrere wertvolle Werke hinterlassen. Diese Werke, seine Söhne, von denen zwei bekannte Rabbiner sind, und die große Zahl seiner Schüler sind Bürgen dafür, daß das Andenken dieses großen Juden in der deutschen Judenheit erhalten bleibt. Frankfurter Berichte. SK jährigeS Bestehe« des Sampertzsche» EieÄeuhauseS. Jsru Chag Simchas Thora kann das Gumpertzsche Sicchenhaus auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Wenn nach den Sprüchen unserer Väter die Welt aus Thauro, Awaudo und Gemiloth Chasodim besteht, dann sind es diese drei Dinge, die die weithin leuchtenden Säulen dieser Anstalt büden, denn im Geiste und im Simm unserer heiligen Thauro wird hier in Gott gefälligem Dienste ein Gemiloth-Chesed-Werk ausgeübt, um das schwere Leid der Kranken und Hilfesuchenden zu liüdern. Ursprünglich waren die Siechen in einem kleinen Hause untergebracht. Durch die aufopfertmgsvolle, unermüdliche und rührige Tätigkeit der Verwaltung, an deren Spitze seit nunmehr 25 Jahren von den Gründern noch die Herren Julius Goldschmidt, Michael Mainz und Joseph Holzmann stehen, gelangte die Anstatt zu ihrer heutigen Bedeutung. Einen hervorragenden Anteil nimmt hierbei die dem Siechenhaus angegliederte, von Freifrau Mathilde von Rothschild errichtete Minka von Goldschmidt-Rothschild-Stiftung, da dieser Prachtbau mit den modernsten Mitteln eines Krankenhauses ansgestattet ist. Die Anstatt ist hierdurch in der Lage, ihre Kranken mediziniscy und chirurgisch selbst behandeln zu können. Diese Vorteile kommen ganz besonders dem im Hause befindlichen Lazarett zugute, und die Militärbehörde hat deshalb das Lazarett zur Schwerkrankenstation für Offiziere und Mannschaften bestimmt. Außerordentliche Anforderungen werden z. Zt. an die Verwaltung gestellt, und es wäre daher sehr zu begrüßen, wenn die vieien Freunde und Verehrer dieses Liebeswerkes die Bitte des Vorstandes, durch eine größere Beisteuer die Fortführung ihres Krankenheims in der bisherigen Weise zu ermöglichen, nicht ungehört verhallen ließen. Realschuldirektor Dr. S. Adler. Zu seinem 60. Geburtstage. Am 26. September feiert der in weiten Kreisen der Frankfttrter israelitischen Gemeinde sehr verehrte Direktor Dr. Adler die 60. Wiederkhr des Tages, an dem er zu Ratibor in Oberschlesien als jüngst^ von vier Kindern dem Kaufmann Moritz Adler geboren wurde. Nach dem frühen Verlust des Vaters von der Willensstärken Mutter trotz dürftiger Verhältnisse in höheren Schulen vorbereitet, studierte Salo Adler von 1876 bis 79 in Breslau Geschichte, Geograph« und Germanistik, beschloß seine Studien während seiner Lehrtättgkeit (1879—82) an der Samsonschnle in Wolfenbüttel, promovierte 1880 zum Doktor der Philosophie und legte 1883 seine wissenschaftliche Staatsprüfung ab. Nach 7jährigcr Tätigkeit als Probekandidat am Königl. Gymnasium in S chn e i d e m ü h l, später als wissenschaftlicher Lehrer an der dorttgen Kaiserin Angnsta-Biktoria-Schule fand er nach langem Kampfe bei aller Anerkennung der Leistungen endlich (1889) seine Ernennung zum Oberlehrer. Bald darauf wurde er als Nachfolger des berühmten Steinschneider zum Rcttor der Mädchenschttle der jüdischen Gemeinde zu Berlin berufen. Jetzt in gesicherter, angesehener Stellung entfaltete Adler bald eine überaus große außeramtlichie Tätigkeit. Schon 1892 wurde er als Delegierter des Dentsch-Jsr. Gemeinde- Bundes in die Gemeinde-Nnterstützungskommission, später in den Ausschuß des D.-J. G.-B. gewählt. Sein Streben für den Zusammenschluß aller jüdischen Lehrer zeigte sich bereits 1893 in der Gründung der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin, mehr aber noch in dem unausgesetzten Bemühen und den ttotz aller Schwierigkeiten fortdauernden und zu seiner nicht geringen Freude bald' vollendeten Borbereititngen für die Gründung des Verbandes der jüdischen Lelrervereine im Deutschen Reiche, dessen Vorsitzender er bis 1900 war. als er zum dauernden Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Wer einen tieferen Eiitblick in daS vorbildliche, nitermüdliche Wirken Adlers nur auf diesem einen Gebiete genommen hat. weiß, daß keiner wie er den Namen eines Vaters der jüdischen Lehrer verdient. Diese seine treue Fürsorge für seine Standesgenossen zeigte sich in der Gründung und Unter stüNung zahlreicher Anstalten und Sttstungen. zuerst in der Errichtung der Pensions-, Witwen- und Waiscnkasse, sodann der hauptsächlich in Frankfurt fundierten und Lldlers Namen tragenden Darlehenskasse des Verbandes, beides Schöpfungen, die schon märyHes Elend in jüd. Lehrerhäusern gebannt Haben, Manche