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Neue jüdische Presse · 1917-09-14 · Heft 35 (14.9.1917) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 35 (14.9.1917)
Date
1917-09-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2' gegenüber dem General-Anzeiger ■Vornehmes Fami lien - Kaff e e UM- Nachmittags n. Abends Konzert. Polen. m:L-dz. Reorganisierung der Lhadorlm. Seit längerer Zeit machte sich hier eine Bewegung zur Umgestaltung des Cheders geltend. Diese Reformbcstrcbungen haben nun feste Gestalt angenommen und zum Erfolg geführt. Zugleich mit der Reorganisierung der Gemeinde wird im Chederwesen eine Reihe wichtiger Neuerungen durchgeführt. Die t^hadorim sollen völlig in den Bereich eintreten. Damit übernimmt die Gemeinde die Verantwortung und Sorge für die weitere Entwicklung des Cheders. Ein disbezüglicher Plan ist bereits ausgearbeitet worden. Darin werden die Motive, die zur Aufrechterhaltung der Chadorim veranlaßten, folgend ansgelegt: Der Cheder ist von jeher eine Pflegestätte jüdischer Bildung und Erziehung im Osten gewesen und genießt jetzt noch das gleiche Ansehen. Seine plötzliche Umwandlung in eine moderne Schule wäre Häher -unpädagogisch und verfehlt. Zu erwägen ist ferner, daß nach geschichtlichen Erfahrungen die Behinderung der religiösen Aüslebung eines religiös durchdrungenen Volkes zu Sittcnverderbnis führen kann. Deshalb muß die Umänderung des Cheders.in maßvoller und umsichtiger Weise vorgenommen werden. Ein besonderer Aufsichtsrat, der aus dem Stadtrabbiner und einigen Gemeindevertretern besteht, wird die Leitung der Reformarbeiten in die Hand nehmen. Zunächst wird die Festlegung eines genauen Lehrprogramms und die Einteilung in ein geordnetes Klassensystem ins Auge gefaßt. Dem hygienischen Zustande wird besondere Sorge zugewendct und ärztliche Beaufsichtigung bestimmt winden; regelmäßige Pausen werden nach anderthalbstündigem Unterricht festgesetzt und Turnstunden eingeführt. Bor allem aber wird der Lehrkörper erneuert; die Melamdim haben eine Prüfung zu bestehen. Ihre Besoldung erfährt zugleich eine Erhöhung. Wie schlimm die materielle Lage der Melamdin ist, mögen einige Zahlen beleuchten: Die ZW der Chadorim in Lodz betrug 168 mit insgesamt 595,7 Schülern. Infolge materieller Verhältnisse aber mußten im Sommer 35 Chadorim geschlossen werden, so daß die Schülerzahl um 1026 sank. ' Die ichcn mitgcteilten Absichten werden wohl in diesen Dingen heilsame Milderungen schassen und den Cheder einer Gesundung zuführen. Großbritannien. Das Mische Regiments Das Jüd. KorrespondenKüro im Haag berichtet: : Tie englische Regierung hat den Plan eines jüdischen Regiments aufgegeben. Tie Juden werden zu Bataillonen zusammengefaßt, die verschiedenen Divisionen zugetcilt und die Abzeichen ihrer Divisionen tragen werden. Gelegentlich der Anwesenheit Rossauows und ©mit* uows, der Vertreter des russischen Arbeiter- und Soldateurates, in London, wurde eine jüdische Arbeiterversammlung einberufen, auf der gegen die Gründung besonderer jüdischer Einheiten protestiert und eine Reso- .lutiou angenommen wurde/ die - besagt, daß die russischen Juden in England nicht gezwungen werden dürfen, gegen die nationalen Jntcregen des jüdischen Volkes-'und die ' von Rußland proklamierten Freiheiten in eigene -jüdische Regimenter eingereiht zu werden. , Amerika. Rew-Aork. . . Uuterstützuugögelder für die Juden In den KriegSgebieteu. Das vereinigte Verteilungskomitee (Joint Distribution Committee) bestimmte in einer im Juli stattgehabten Sitzung den Betrag von 500,000 Dollar zur Unterstützung der Juden in den kriegführenden Ländern Europas. Mr. Marburg machte die Mitteilung, daß Maßnahmen getroffen wurden, um die Hilfsfonds. in die Länder gelangen zu lassen, die von fremden Armeen besetzt sind. .Die Gelder werden durch die Vermittlung des .holländischen Gesandten in Washington an die Königin von Holland gesendet werden, die das Geld den jüdischen, die Verteilung der Unterstützungsgelder vornehmenden Lokalkomitees der verschiedenen Länder überweisen wird. Das Geld für PalMma wird durch S. Hoofien, Direktor der Anglo- Palästinensischen Bank in Jerusalem, verteilt werden. Herr Hoofien wurde bon der holländischen Regierung zum Spezialbevvllmächttgten in Palästina für das jüdische Untcrstützungswerk des amerikanischen Betteilungskvmitces ernamtt. Die Zuwendungen für Rumänien werden Herrn Vopicka, dem amettkanischen Gesandten in Rumänien, an« verttaut werden. .. 9lm Sbjrt* Berhaftnng eines jüdischen Bankiers. Die Verhaftung und Internierung des bekannten jüdischen Bankiers RudvlfHech!t, Vizepräsident der Firma .Chandler L.Co. iir Newyork, hat in den Kreisen der amerikanischen Juden großes Aufsehen und bedeutende Mißstimmung .hervorgerufen. Er wurde am 11. Juli durch 'Polizisten auf feinem Kontor verhaftet und ins Gefängnis geführt^ von wo man ihn dann in ein Jnterniertenlager auf Ellseiland verbrachte. Frankfurter IsraelitischesFamtlienÄatt. Rudolf Hecht gehörte schon vor den, Kriege der Firma Chändler L Co. an und ist in Ncwyorker Bänkkreisen sehr gut bekannt. Obnwhl deutscher Abstammung, hatte er doch schon im Jahre 1913 das amerikanischelBürgerrecht envorben. Trotz des Protestes seiner Freunde pick des berühmten Bankhauses verweigern die Behörden jede Auskunft.. Gegen Hecht jst keinerlei Klage angestrengt worden; - ■■■■ ---—r— ar: -di s'. Ul ■ t ,: - . -;i. Der Krieg und die Jade«. Frankfurt n M LDie „Denkmünze der freiwilligen Krankenpflege" wurde im Krankenhaus der Jsr. Gemeinde zu Frankfurt a.. M. den Schwestern Lotte Löbcnstein und Ottilie Winter sowie der Helferin Jenny O g u t s ch verliehen. Frantfurr a. M. Der Sraatslekretar oes ReichSmariueamtes hat an die in Betracht kommenden Dienststellen der Marine unter Nr. A. V>. 10 032 eine Verfügung erlassen, durch welche im gleichen Sinne wie durch den bereits veröffentlichten kriegsministcriellcn Erlaß auch für die jüdischen Mari ne Mannschaften die Begehung der Herbstfeiertage durch Urlaub, Tienstbefreiung und Gottesdienst geregelt wird. Frankfurt a. M. Dmch Veriügung des KttegSministe« riums an die heimatlichen Dienststellen und die Felbstellen ist für die Begehung der jüdischen Herbstfciertage in den Kriegsgefangenenlagern wie im vorigen Fahre folgendes-festgesetzt worden: 1. Arn Bersöhnungstage: Befreiung von jedem Dienst. 2. Am 1. Neujahrstag, sowie am 1. und 8. Tage des Laubhüttenfestes: Befreiung ^vom inneren Dienst, soweit die dienstlichen Verhältnisse es irgendwie Anlassen, nick aus Wunsch von sonstiger Arbeit. 3. An den genannten vier Feiertagen Abhaltung gemeinsamen Gottesdienstes im Lager. Für die auf Außen-arbeit befindlichen Kricgsgefa^igenen konnte mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage nur für den Bersöhnungstag das Rechit der Teil- > nähme an den gottesdienstlichen Veranstaltungen am Ar- - beitsvrte selbst bewilligt werden. Mainz. Am 28. August wurde hier ein i s r a e l i t i s ch e s Sold.atenheim eröffnet, welches bestimmt ist, den jüdischen Soldaten der hiesigen Garnison in ihrer dienstfreien Zeit Erholung und Unterhaltung zu bieten. Die Räume wurden -von dem hiesigen Jsr. Krankenpflegeverein bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Sie befinden sich Clarastr. 131. Eine reiche Auswahl von Zeitungen und Zeitschriften in Verbindung mit her Gelegenheit, öfters init Kameraden zusaimnenzutteffen, sind .geeignet, den Aufenthalt in dem Heim zu einem angenehmen zu gestalten. Auch werden zu billigen Preisen Getränke verabreicht. Der Besuchj gestaltet sich bis jetzt recht lebhaft, dasHeim ist täglich von 12—3 und von 6—10 nachm., sowie Samstags und Sonntags von 12 Uhr mittags an ununterbrochen bis 10 Uhr abends geöffnet. Auch Soldaten, die nur zu kurzem Aufenthalt in Mainz weilen — etwa auf Trausportkommando usw. — sind in dem Heim jederzeit willkommen. . Mainz. Leutnant Rechtsanwall Eugen Selig, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. und 1. Kl. und der Hess. Tapferkeitsmedaille, der verdienstvolle .Vorsitzende des Jüd. Jugcndvcreins, starb den Heldentod. Nürnberg. Leutnant und Student Richard Friedmann und Hauptmann Martin Stahl erhielten das Eiserne Kreuz 1. Kl. Dber-Gloga». Unteroffizier Erich Gerson, Sohn des Kantors Gerson, erhielt das Eiserne Kreuz. Alehiugen. OffizierstellvertreterLehrer MaxLieben, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. .Kl. und der Bad. Berdicnstmedaillc, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Ansbach. Staatsanwalt Maximilian Morttz wurde zum Leutnant befördert. AfcherSlebe«. Otto Schwabe ist zum Leutnant befördert worden. Arnsberg. Leutnont Dr. jur. Georg Rosental starb den Heldentod. > Seligenstadt- Leutnant Artur Götz erhielt daS Eiserne Kreuz 1. Kl. Wien. Bloch's Oesterr. Wochenschrift verzeichnet in ihrer letzten Nummer folgende Auszeichnungen an Juden: 7 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 20 Militärverdienstkreuze 3. .Kl., .27 silberne Signum laudis, 63 bronzene Signum laudis, 30 goldene Verdienstkreüze mit der Stroitc, 13 goldene Verdienstkreuze, 12 silberne Verdienstkreüze mit der Krone, 1 silbernes Verdienstkreuz, 1 goldene Tapferkeitsmedaille, 26 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Kl., 25 silberne Tapserkeitsmedaillen 2. Kl., zusammen 225 Auszeichnungen; hiervon 142 an Offiziere und Kadetten des Soldatenstandes, 42 an Militärärzte, Milüärbeamte und Auditore, 41 an Mannschaftspersonen. Wien. Dem Generalmajor Karl Schwarz wurde der Adelstand. verliehen. Oberleutnant Tr. Max Glaß, Autor des Romanes „Das offene Tor", erhielt das Eiserne Kreuz. Personalien n. kleine Mitteilangen. Berlin. Hier traten in der letzten Zeit u. a. aus dem Judentume aus: die Kaufieute Fritz Leonhard Falk, Paul Tucholski, Hans Wolf Baruch, Ludwig Brandt nick Rudolf Cohen, der Zeitungsverleger Max Oskar . Müller und der Dipl.-Jng. Arthur Steinhardt. Breslau. Professor Dr. Ifra el Lewh, derDirektor des Jüd.-Theolog. Seminars/ ist — 75 Jahre alt — verschieden. Nürnberg. Hauptmann und Handelsrichter Emi-l Fe ch he im er erhielt vom König von Sachsen den Titel Geheimer Hofrat. Speyer. Dr. v. Kaulhäb er, der als Erzbischof nach München versetzt wurde, sprach hier bei seinem Abschied 9fc. :if» auch folgende Worte: „Mein Gruß gilt auch jenen Mitbürgern, deren; Wwr. uüs hie Propheten - und die / lutstertzlichen Psalmen als Lahsal .in., schweren Zeiten ^geschenkt haben,, die am Fronlelchnämstäge auch ihre.Häuser geschmückt und in dieser schwerenüZeit den Armen viel Gutes getan haben. Die barmherzigen Schwestern haben mir vieles davon erzählt." «erwangen IBodenj L e«p o ld. K iHeimer. unser-geschätzterTRitbürger,.feiert am ersten-TageTKanschhaschjostoh den 70.cG e.b u r tMt a g; Mögen sekpx vieqSöbtze bald in.Gesundheit vom Felde heimkeyren. . . .. Wien. Pros. Dr. Stefan Weidenfeld, Bruder des Landtägsabgeordncien, ein hervorragender ' Krebsfi>rsch«r und ein vorzüglicher Kenner der Brbel -7er entstammte einer angesehenen. Rabbinerfamilie —, ist im Alter von 47 Jahren verschieden. Haag. Dir Spendtneinnahmen deS Jüdischen Nationalfonhs vom 1. Januar bis 31. August 1917 betragen Mk. 1,055,305. . .. Petersburg. Die Blätter bringen die Nachricht, daß für..Schtepkin, den gegenwärttgen Gehilfen des Ministers des Innern, Gurewitsch, Mtglied des Bauern^ ratcs, Ministergehilfe würde. Das' wäre' das erste Mal, daß ein Jude diesen hohen Posten erhielte.-! New-Aork. Frank Moß, em sehrbelanmer Anwalt, wurde zum Polizeipräsidenten in Newyork ernannt. -/ Kraakfarter Pertchte. Kleine Notizen. G e r h a r t H a ü p t m a n n hat während seines hiesigen Aufenthaltes zur Einsttckierung seines Dramas „Florian Geyer" im Franffurtcr Schauspielhmrse dem Frankfurter Künstler H e i n r i ch G o t t se l i g zu einer Porträtzeichnung gesessen. Das Bild ist zurzeit im Erker her Kunsthandlung Goldschmidt, Kaiserstt.. I, ausgestellt >uck im „Illustrierten Blatt" reproduziert. jfetuMon. Boa meinem Großvater. Bon Leopold Komp ert. (Schluß). Da riß es wie ein Schleier vor den Augen des Großvaters, seine Sinne hatten ihre volle Helligkeit erlangt, wieder war das Lächeln aus seinem Nachniittagsschlummer um seine Mundwinkel herum zurückgekehrt, aber nur für einen flüchtigen Augenblick... „Sag einer dem Schuldiener, daß er mit dem Klopsen äushören soll, bis ich es ihm sägen lasse." Ein Knabe lief eiligst davon. „Und jetzt," gebot er weiter, und seine Stimme schallte ftisch und weühin tönend, „geh ein anderer zu Hirsch Elsäßer und zu seinem Weibe. Der Rabbi läßt ihnen sagen, sie mögen zu ihm kommen."- Tiefe Stille lagerte sich Wer die ftühcr so bewegte Versammlung unter den Fenstern. „Gott weiß, wo sie das Kind' suchen!" rief eine Stimme nach einer Weile. „Hanne .Elsäßer," meinte ein anderer, „hat geschrien, sie wirst sich in die Jser, da wo sie am tiefsten ist, wenn sie das Kind nicht vor Abend findet." „Holt sie nur!" gebot aufs neue der Großvater, „und sagt ihnen, cs wird mir vielleicht eingegeben werden, wo das Kind ist." Dann trat er vom Fenster zurück und schloß es hinter sich. - Die Leute entfernten sich auf diese Worte nach allen Seiten, so manches Gemüt von eigentümlichen Schauern ergriffen, daß der alte in Ehrfurcht angeschaute Rabbiner mft einer, solchen Sicherheit die Zukunft zrl verkünden vermochte, in die ihm doch nach aller Ansicht kein Einblick gegönnt sein konnte! Der 'Großvater setzte sich aber wieder an den Tisch vor den aufgeschlagenen Talmud hin, und diesmal schien tzr wirklich durch eifriges Studium nachholen zu wollen,. was ihm der Nachmütagsfchlummer unwillkürlich ge-' raubt hatte. Aber es schien nur so; denn als seine Blicke einmal durch das Fenster schweiften, lÄhelte er wieder. Seine Kätzchen lagen wieder draußen in der Kühle des abendlichen Schattens, vielleicht um abzuwarten, wie'denn der Schluß des kleinen Dramas sich gestalten werde, dessen Beginn in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft vorgegangen war. Mittterweile war mehr als eine Stunde verflossen; die Sonne stand am äußersten Rande des Himmels; tiefe Stille ringsumher! Die ganze Gasse schien ans der Suchefahrt nach dem verlorenen Knaben umherznirren. . . . - .. ■ - Da verkündigte immer näher und näher 'dringendes Klagegeschrei, daß alles Suchen umsonst , gewesen. ' Bon der Anhöhe herab, die zum „guten Orte." hinausze- 2

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