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Neue jüdische Presse · 1917-09-14 · Heft 35 (14.9.1917) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 35 (14.9.1917)
Date
1917-09-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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'/ ■ . ■ ■ ■ ■■■■ - Erscheint wöchentlich am Freitag. Srjngsprris pro Nirrtrljahx: In Frankfurt a. M.Mk. 1.—' frei ins Haus. Kei der . Post abonniert 90 Pfg., frei ins Haus 4 Pfg. pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch Streifband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn Mk. 1.50, für Rußland 1 Rubel, für alle übrigen Länder Mk. 2.— Einzel - Nummern kosten 10 Pfg. s ■ ' ■ — Redaktion und Expedition: Frankfurt a. M. :: Eatigeftr. 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903. -}-3H- Herausgeber: KalZ |eis. .. - ■ - H Insrrtümsprrs für die fünfgespaltene Petitzeile 30 Pfg.. für , die Reklamezeile Mk. I.—4 Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Stellen-Angebote und -Gesuche, Wohnungsinserate. Heirats- Annoncen 20 Pfg. die sechsgespaltene Petüzeile ohne jeden Rabatt. Platz- und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annon cen-Annahme bet der Exped. und iu cuAnnoncen-Bureaus. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. a e s. « s © 8 ET P © s § ,ze 15. Jahrgang. Freitag, de« 27. El Jul 5677 (14. September 1917) Nr. 85. Ein neues Jahr — ei« «euer Geist. Ein neues Jahr — ein neuer Geist; die ileberschrift für einen schwungvollen Festartikel, den der Leser mit gehobenem Gefühl aus der Hand legt! Doch wir wollen uns nicht an das Gefühl, wenden, sondern ernste Worte zn dem Verstände sprechen. Denn in der eisernen Zeit, in der wir heute leben, muß. jeder Gedanke über den Ambos; der Ueberlegung gehen, wenn er kein Stundendasein führen will. Und gerade die gegenwärtigen Tage, da ein neuer Jahresring seinen Anfang nimmt, gebieten' einen Halt. Der große Strom der flutenden Masse des jüdischen Volkes, in dem ein jeder derr sich gesteckten Zielerunentwegt nachstrebt, steht plötzlich siunerrd still. Plötzlich ahnt ein jeder, auch die Menge der Gleichgültigen, der Gedankenlosen, der vom Baume des Judentums Absterbenden, die Herrschaft des Gottes, der einst vom Sinai zn seinen Vätern sprach, und ein jeder kommt zu dem Bewußtsein, dctt> ein Band ihn mit seinen jüdischen Brüdern verbindend eint. Israels Bethäuser, im Jahre meist riur spärlich besucht, jtuo plötzlich zu eng und zu wenig geworden. Sie alle sind da vor ihrem Gotte versammelt: .die Führenden der Gemeinde, die Augeseheneii der Gesellschaft, arm und reich, alle Mänrier, Kinder und Frauen. Doch schwinden die Tage, die die ehrfurchtsvollen genannt werden, io ist auch ihre Stimme dahin, —. und ein jeder wandelt seines Weges wie in der vergangenen Zeit. Vergessen ist hie Besonderheit Israels, .hast es ein Volk mit einer heiligen Aufgabe ist. Die Wanderung Israels durch die Völker zeigt dies freilich auf Schritt und Tritt, und gerade in den Tagen d-es Weltkrieges sollte der Unterschied in' des jüdischen Volkes Daseinsauffassung und der der anderen Völker einem jeden in Israels Reihen eindringlich bcicnßr werden. Auch in der Mitte des jüdischen Volkes gibt es alle Götter der Leidenschaften anstatt des hingebungsvollen Dienens dem e i n e n Gotte, — und doch hätte ein jüdisches Herz und Hirn nie die krasse, rohe, menschenverachtende Vermessenheit gehabt, die Fackel dieses Weltkrieges z-.i entzünden. Nicht bei den Zerstörern von Meuscheuglück, nein, bei den Idealisten der Menschheit 'waren stets die Besten und die Fähigsten des jüdischen Volkes zu finden. Und da sollte man nicht die Ideale dieses Volkes, dem auzugehören man das Glück hat, in ihrer Reinheit wieder zu erfassen und zu leben suchen? Und da sollte einen nicht eine Ahnung, durchströmen-, wo in Wahrheit Menschenglück zu gewinnen ist? Das, >vas Judentum bedeutet, wahrlich, es liegt dem Verständnis selbst, des Einfachsten im jüdischen Volke nicht zu hoch. Wer nur mit offenen Sinnen an den Tagen des Rauschhaschonoh und Jaum-kippur in den Versammlungs- Häusern seines Volkes zum Gebet weilt, er sieht dessen Besonderheit. Der Weltkrieg! hat auch vom jüdischen Volke furchtbare Opfer gefordert. Angesichts seines gewaltigen Schvfarrufes möge ein jeder-sich fragen, ob er bisher als 'Jude nicht gesündigt hätte, ob es nicht seine Pflicht sei, als Jude mit sich zu Rate zu gehen. Kenntnis des Judentums und ein Sichverbinden mit den Interessen der Judenheit sind die Wege, die dahin führen, wohin das Schofar ruft. Das Leben und das Gute, der Tod und das Böse liegen vor einem jeden, in Israel. Doch loer ergreift das Leben und das Gute für sich mtd seine Nachkommen? Wer sich vornimmt, Jude zn werden, treu den Gesetzen der Väter, der hat es gewählt, hat gewählt das Leben und das Gute für sich, für düs jüdische Volk und auch für die Menschheit, du nur ein treu in seiner Eigenart lebendes jüdisches Volk dieser zum Segen gereichen kann. Treue zum Sinai-Judentum ist das Leben, Assimilation der Tod. Werden Israels Bethäuscr wieder von Israels Lehrhäusern überstrahlt, - dann ist groß die Zukunft seiner Kinder! Tagung des engere« Aktionskomitees der zionistische» Organisation. In Kopenhagen fanden eine Reihe 4iou Sitzungen des Engeren Aktionskomitees statt. Das Engere Aktionskomitee hat die Lage und die Tätigkeit der Zionistischen Organisation in verschiedenen Ländern eingehend besprochen und über die in einzelnen Landesverbänden entstandenen Fragen beraten. Mit großer Freude wurde hierbei die Emanzipation der Inden inRußland, die von weittragender Bedeutung für das gesamte jüdische Volk und sein Besreinngswerk in Palästina ist, sowie die großartige Entwicklung oer zionistischen Arbeit in den Bereinigten Staaten und der mit ihr eng verknüpften Kongreßbewegung begrüßt. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Lage in Palästina, besonders den durch die Evakuarion Jaffas geschaffenen Verhältnissen gewidmet. Das Engere Aktionskomitee hat ferner die allgemeine politische Situation besprochen und sie erforderlichen Schritte allseitig erwogen, die der Organisation nach Ende des Krieges die Möglichkeit verschaffen sollen, an großzügige Arbeit zur Realisation des Bolksstrebens nach Palästina heranzntreten. Einstimmig sind dabei die Richtlinien für die weitere Arbeit in verschiedenen Ländern sestgestellt worden. DaS Engere Aktionskomitee befaßte sich schließlich mit einer Reihe konkreter .Fragen, die die laufenden Aufgaben der Organisation sowie die Tätigkeit einzelner zionistischer Institutionen betreffen. Brief aus Lodz. Das Polizeipräsidium hat hinsichtlich der jüdischen (V> e m e i nd ew ah l en soeben eine Verordnung erscheinen lassen. Jeder, der mindestens eine Mark jährlich Gemeindebeitrag leistet, erhält das Wahlrecht. Es ist eine Wählerliste auf dieser Grundlage onsznstelleu und von der jüdischen Gemeinde zur Einsicht öffentlich auszulegen. Die Wahlen werden bereits im Oktober stattsindeu. Die Verordnung gilt nicht nur für die jüdische Gemeinde in der Stadt.Lodz, sondern auch'für die anderen jüdischen Gemeinden im Kreise Lodz. Auch für die Cheders ist eine Verordnung ausgearbeitet worden. In dieser heißt es: „Als Melammed und Lehrer der Cheders kommen nur solche Personen in Frage, die die Lehranstalten besucht haben, die vom Obersten Rate errichtet werben. In diesen Lehranstalten .werden Religion, weltliche Wissenschaften, pädagogische und methodische Bildung gelehrt werden. Nur Jünglinge von .mindestens 18 Jahren, die eine güte talmudische Bildung Nachweisen, werden in diesen Lehranstalten ausgenommen. Der Lehrkurs dauert zwei Jahre." Aus aller Wett. Deutsches Reich. Berlin. Fleischversorgung der jüd. Bevölkerung während der Hervftseiertage. Tie Reichsfleischstelle hat — Wtenz. 3953/17 — sämtlichen Bundesregierungen, der Statthalterschaft von Elsatz- Lothrrngen sowie sämtlichen Landesfleischstellen folgende Verfügung zur Kenntnis ^bracht: „Tie jüdischen Herbstfeiertage fallen in diesem Jahre auf die Zeit von Mitte September bis Mitte Oktober und zwar in drei Wochen auf je einen Montag und Tienstäg und in einer Woche auf einen Mittwoch '(beginnend am Tienstäg Nachmittag). Um den rituellen Haushaltungen zu ermöglichen, in diesen Wochen Fleisch zu erwerben, würden die (Schacht- und Fleischverkaufstage wie folgt festzusetzen sein: ' Für die Woche: Bom 17.—23. Sept.: SchächUagj: In der vorhergehende» Woche, spätestens der 14. September, Berkaufstäg: 16. September. Für die Woche: Vom 24.—30. Sept.: Schächttag: Spätestens der 24. September, Verkaufstag: 24./2S. Sep^ tember. , : Für die Woche: Bom 1.—7. Oktober: Schächttag: In der vorhergehenden Woche, spätestens der 28. September, Berkaufstag: 30. September. Für die Woche: Bom 8.—14. Oktober: Schächttag: In der vorhergehenden Woche, spätestens der 5. Oktober, Verkaufstag: 7. Oktober. Ten hohen Bundesregierungen beehren wir dies mit dem Anheimgeben zur geneigten Kenntnis zu bringen, den Fleischvcrkauf an den Sonntagen, 18. September, 30. September und 7. Oktober gegen Verabfolgung der nächstwöchigen Fleischmarken zu gestalten und die Kommunakverbände anzuweisen, den vorgebrachten Wünschen, wenn irgend möglich, zu entsprechen." Holland. Haag. Der jüdische Kongreß. - Wie das Jüd. Korrespondenzbüro berichtet, wird dm geplante Kundgebung des holländischen Judentums am gleichen Tage wie der Kongreß der amerikanischen Judenheit (18. November) stattsindeu. In der Versammlung» die in Amsterdam gehalten werden wird, werden die Prinzipien des amerikanisch-jüdischen Kongresse? besprochen werden. Nach eingehender Erörterung der Judenfrage wrrd der Tagung eine Resolutton zur Annahme vorgelegt werden. Die Beschlüsse der Versammlung werden der holländischen Regierung mit dem Ersuchen zur Kenntnis gebracht werden, sie aus der Friedenskonferenz zur Sprache zu bringen. Haag. Jüdische Pioniere. Tas Jüd. Korrespondenzbüro berichtet: Die Bewegung zur Bildung jüdischer Pioniergruppen (Hechaluz), die nach Beendigung des Krieges nach Palästina gehen sollen, hat auch in der jüdischen Jugend Hollands eingesetzt. Aus Jnittative der zionist. Bereinigung „Haschachar" fand am 2. September unter dem Präsidium des 'Herrn F. Fronmann eine Konferenz der jüdischen Jugendverbände Hollands statt. 17 Korporattonen waren durch '50 Delegierte.vertreten. N. Groß und Samuel Schmeidler hielten Meserate. Die Konferenz beschloß die Gründung einer Chalnz- Organisatton und wählte eine Komniission, die aus folgenden Sektionen besteht: 1. Landwirtschaftliche Sektion. Dieser obliegt die Aufgabe, junge Leute, die sich dem Pionierberuf widmen wollen, zu organisieren und sie aus landwirtschaftlichen Betrieben in Holland für ihren Beruf praktisch ausbilden zu lassen. 2. Finanz-Sektion. Diese hat die Aufgabe, dir für die Durchführung der gekennzeichneten Aufgaben nötigen Mittel zu beschaffen und Maßnahmen zu treffen, die Ansiedlung der Pioniere in Palästina zu erleichtern. 3. Propaganda-Sektion. Diese hat die Ausgabe, die allgemeine Propaganda für den Chalaz-Gedanieu in Holland unter der jüdischen Jugend in Wort und Schrift, zu führen, wobei auch die Propaganda fürden Pwnierbeitrag berücksichttgt werden soll, der bekanntlich dazu bestimmt ist, den Pionieren in Erez Israel zn helfen, sich in Pioniergenossenschaften zusmnmenzuschließen und sie mit der nötigen Ausrüstung zn versehen.

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