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Neue jüdische Presse · 1917-08-31 · Heft 33 (31.8.1917) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 33 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblait. Nr. 33 iwssene Gute; ebenso tat er cs mit der Frau Leser Kollins. Ms er sich schon entfernen wollte, rief sie ihn noch einmal zurück und bat ihn, er möge die Kinder zu guter Letzt noch „benschen". Nicht weniger als sieben Kindcrköpfc, Knaben und Mädchen, legten sich unter seine segnenden Hände; er sprach über alle die uralt heilige Formel des Patriarchcnfürsten. Dann ging er. Wo aher war Deborah? Ms er über den finstern Hof schritt, stand am Ausgange des Gäßchens eine Gestalt; er kam näher; sein Herz pochte in Mächtigen Schlägen. „Bist du's, Deborah?" . „Ich bin's!" tönte es schluchzend zurück. „Warum weinst du, mein Kind?" „Ich weiß es selbst nicht." Er ergriff ihre Hand, die in der seinigen heftig zitterte. „Deborah, mein Lieb' l antworte mir bestimmt, was ich dich frage. Möchtest du, daß ich hier bleibe?" „lim mein ganzes Leben!" flüsterte sic nur chm hörbar. Er neigte sich zu chrem Ohre; sein warmer Atem umfing sie, ringsherum waltete tiefe Stille, nichts störte, nichts legte sich feindlich zwischen das Aussprechen des Seligsten, was diese zwei Wesen jemals empfunden haben. „Willst du mein Weib werden? mein gutes treues Weib?" so mochte das lauten, was er chr ins Ohr flüsterte. „Lebendiger Gott! warum mir dieses Glück?" rief sic in. erschreckter Freude zurück. „Sag's noch einmal: Willst du mein Weib werden?" „Ich will's." „So will ich dir auch sagen, wer und was ich bin!" Darauf erzählte er ihr in Wenigen Worten die Geschichte seiner Hierherkunft, wie er der berufene Rabbiner sei und es nienmls bereuen werde, daß.er gerade diesen Weg cingeschlagen habe, um mit seiner Gemeinde und seiner Deborah bekannt zu -werden. Seltsam! sie entzog jetzt ihre Hand der seinigen. „Was ist dir, Deborah?" „Mein Vater ist ein armer Alaun," schluchzte sic, „er gibt mir nichts nach." „Und ich nehme dich doch, Deborah!" rief er und * umschlang sie mit seinem Arme. „Ich will nichts, als rmr dich. Meinst du, du hast mir die Mitgift reicht schon mitgebracht? Sie ist mir lieber als Gold und Perlen." „Ich versteh' das nicht." „Ist das „Kopfstück Fisch" nichts?" sagte er mit scherzhaftem Ernst. „Hast du mich damit nicht geehrt, als du noch gar nicht gewußt hast, wer und was ich bin? Sieh <m, Deborah, das will ich dir all mein Leben nicht vergessen, ich habe daraus ersehen, daß du die Rechte bist, wie sie mir gebührt. Dü wirst mich immer ehren und wirst das Weib sein, von dem geschrieben steht: Es -vertrauet auf sie das Herz ihres Mannes, und sein Erwerb nimmt nicht ab." Was weiter vorging? An einem der nächsten Tage traf zu aller Bcrwimderung der junge Rabbiner ein, diesaml nicht zu „Fuß", sondern im Wagen, worauf auch sein sonstiges Gepäck in zwei großen Truhen lag. Man erkannte in ihm den ftemdcn „Gast", und nicht geringe war das Kopfschütteln in der Gemeinde über die sonderbare Weise, in der sich der künftige Lehrer und Seelsorger cingeführt hatte. Daß dieser Umstand jedoch keine üblen Nachfolgen für ihn hatte, bciveist die Tatsache, daß er fünfundfünfzig .Jahre in dieser Gemeinde blieb und daselbst auch sein Grab fand. (Fortsetzung folgt.) Der Bau. von Jchuda bcn'Gersou. Ein Künstler baute ciue Form Und stellt sic auf. Doch gab sich nicht bekannt. Die Menschen, die den Bau crsahn, Lobten und tadelten an ihm ran; Doch alle kamen überein: Das muß ein echter Künstler sein. Der diesen Bau erschuf. Ein Künstler von Beruf. Und >nan verehrte seinen stille» Ruhm Und die ihn tadelten im stillen auch Doch Jahre gingen, Jahre kamen, Man war schon längst gewohnt, das Bild zu schaun. Es kam herauf ein and'rer Samen Mit neuem Denken, neuem Schaun. Mau tvar schon längst gewohnt, das Bild zu schaun. Man redet hin, man redet her. Und schließlich tauchet auf die Mär Und wurde fest und wurde gaitz' gewiß. Das gar kein Künstler hier betelligt ist. Daß dieser Bau von niemand anders war Als von ihni selbst. Ein cig'ncr Bau ganz aus sich selbst heraus. Und man kam überein, Das könnte nur so sein. Der Künstler aber, der ging still nach Haus, Und lacht sich aus. Au eine» jüdische« Soldaten in Jerusalem. Stella Rothschild. Mt Andacht sah ich. Ten«-Karte, Doch war ihr Inhalt leerer Schall — Du standest aus der hohen Warte, Und gabst mir keinen Widerhall. Du wandelst auf dem heiligen Boden Der unserer Bäter Heimat war. Dem brachten unzählige Ode» ' Die Dichter aller Zeiten dar. Dein Sehnen galt den heiligen Landen, Wo noch die Tempelmauer ragt; ■ Dich zog's mit unsichtbaren Banden, Du wandert'st dahin unverzagt. Und nun Du weilst am hehren Orte, Wo Davids Harfe einst erklang, 4tun fehlen Dir beredte Worte, ° Wo David seine Psalmen sang. Du atmest in den hehren Sphären, Wo Gottes Stimme einst erschallt. Und wo auf heiligen Altären Einst Dpferdnft zum Himmel wallt! . Doch Du verharrst in diunpfen Schweigen, Du singst kein Jercmiaslicd, Du willst nur ehrfurchtsvoll Dich neigen ■ Verschließt Dein fühlendes Gemüt. , Dochs tveiß ich wohl, was Dich bedrücket ' Und was verstummet Deinen Mund Und warum es Dich nicht beglücket. Nun dort zu sein zu dieser Stund. Der Schauder ist's, der Dich, erfasset, Daß Du, wo einst Burg Zion stand. Die Menschheit sich aufs Neue hasset Und Kriegswut abermals.entbrannt. Hier, wo auf heiligen Ruinen ■ Der Friede endlichhat gewohnt. Der selbst von wilden Beduinen Gehütet wurde und geschont. Doch Albions Söhne, die noch, immer . Umgeben sich mit Hclligcuschein, Sic schonen nichts lind schonen nimmer, Sic dringen auf Jerusalem ein. Werft ab die Maske frommer Beter, Denn sie ist eitel Heuchelei, Barbaren seid Ihr und Verräter, Ihr kennt nur Haß und Tyrannei. . So' schweige weiter, stummer Sänger, . Uiü> singst und dichtest Du auch nicht, ' Bekämpfe tapfer unsre Dränger Bis Friedcnsmorgcnrot in Sicht- Literarische Chronik. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Juden tu ms. Herausgeber: Prof. Dr. M. Braun. 61. Jahrg., 3.-6. Heft. Breslau, Köbncr'sche Verlagsbuchhandlung. Inhalt: Briefwechsel zwischen Mannheimer und Zunz (Brann u. Rosenmann). — Die Bortragszeichcn der Samaritaner (Jdelsvhn). — Die Tosefta in den Halachot Gcdolot (Epstein). — Zur Geographie Palästinas in der Zeit der Mischua (Klein). — Das Wort Pharisäer bei Spinoza (Porges). — I. I. Theomicu-Fränkel und seine Zeit (Balaban). — Lazarus Bendavid (Guttmann). — - Besprechungen usw. Literarische Rotize«. i Scienkewicz' bekannter Roman „Quo vadis“ ist jetzt in einem Krakauer Verlag auf Hebräisch erschienen. Der Uebcrsctzer ist ein junger Gelehrter Namens Jarob Avigdor. Oifesabaelier DspraeMnSt-Ais.? sage 3i2sn£ia8h a. HL Telefon 123. (Anschluss mitFrankftut), lewfihrteste TS{5S2efe?»to{?Jüfflg (100,000 qm jährlich) sowie unObertroffe!» Bettfadarnralofgung mittelst nnEaHW] Druckluft und Wasserdampf. Wocheu-Kkleuder. Samstag, 1. Sept. (14. Ellul): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7h» Uhr. Sabbat-Äusgang in Frankfurt a. M.'Ä Uhr, in Berlin 8 Uhr 40 Min. , Wochenabschnitt: Ki-Scizei. — Die Behandlung der kriegsgefangenen Frau. Erbrecht, Sittsamkcit, Barmherzigkeit, Unfallverhütung, Verbot von Mischgattungen, Lohnauszahlung, Armenrecht nsw., Schwagerehc, Richtiges Maß und Gewicht, Ameleks Andenken. Aus dem Prophetenwort des Sabbats: 1 „Die Gattin der Jugend, — wird sie wohl je entstellt?" , „Die Berge könnten von der Stelle rücken, die Hügel wankend werden, — doch meine Liebe wird von dir nicht weichen und der Bund meines Friedens nicht wankend werden, spricht Gott, der sich. Hern erbarmt." „Sind alle deine 'Kinder Schüler Gottes, so ist groß der Friede deiner Kinder." „Ich habe den Meister geschaffen, der in die Kohle,iglut bläst und das Wertzeug für sein Werk hervorbringt, — und ich habe das -Verderbenbringende geschaffen, um neues Leben hervorzubringen." Wochengottesdienst in Frankfurt a. M. Morgens 6Va lUhr in den meisten Synagogen (Bockenhcim. Unterlinban 7'Uhr, Hanptsynagoge Königstcinerstraße 7V2 Uhr). Mcich 81/4 Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheil», Unterlindaü 7% Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr, Königsteincrstraße 7 Uhr). Bereius-Kaleuder. Z i 0 N i st i s ch e I u g e n d g r u p p c. Taubenstraße 41. Atontag, 9—10 Uhr: Hebräischer Sprachkursus. Mittwoch, 8V2—9Vs Uhr: Bibelkurs - (Propheten). Mittwoch, Ähs—10Ve Uhr: Hebräische Konversation. Donnerstag, 8H2 Uhr: Mitgliederversammlung. Frankfurter Familieuuachrichte«. B a r m i z w 0 s. Maier Einhorn, Fischerfcldstr. 8, Synagoge Börncplatz. Verlobte. Haiiny Gans, Äergerstr. 49 mit Meier Tcplitzky, Opendstr. 63. G e ft o 16 cit. Heinrich Auerbach, 28 I., i. F. — Student Arthur Mayer, Vizcwachtmeistcr, 20 I,, Sohn von Sieg. MtaYer, Eppsteinerstr. 44. Auswärtige FaMilieuuschrichte«. Geboren. Eine Tochter Heinrich Warszawski (Saalfcld), Stettin. — Ein Sohn Hugo Kaufmann (Reinachß, Leipzig. — Eine Tochter Apotheker Julius Lctvy (Gnttmann), Breslau. Verlobte. Irma Wreschner, Wiesbaden mit Samson Raphael Erlanger, Luzern. Gestorben. Anselm Lader,'80 I., Mirnberg. — Alois Baum, Näbburg. — Salomon Bollerstein, 7l I., M.- Gladbach. —Adolf Gans, 62 I., Essen. — Julius Frankfurther, 98 I., Berlin. — Anselm Lader, 80 I., Mirnberg. — Moritz Spiegelberg, 61 I., Köln. — Hermann Stern, 35 I.,» München. — Fanny Friedman» geb. N'custädter, 78 I., Ulm. — Max Eohn, Berlin, i. F. — Erich Rode, 31 I., Wongrowitz, i. F. — Walter Friedman», 21 I. Glogau, i. F. — Thekla Blumenfeld geb. Wertheim, 38 I., Cassel. — Nathan Zamary, 59 I., Schönebeck. — Isidor Hoffmann, 64 I., Oldenburg. — Emil Grunewald, 22 I., Düsseldorf, i. F. — Siegmund Katzenstein, 42 I., Hildburg- Hausen, 1. F. — Arthur Feige, 20 I., Dresden, i. F. — Adolf Seelig, Berlin, i. F. — Josef Beyer, 65 I., Mainz. —■ Hans Reis, Meiningen, i. F. — Eugen Selig, Mainz, i. F. — Levi Hochiherr, 79 I., Berwangen. — Max Bickart, 46 I., Ulm. — Gustav Mandclbanm, 70 I., München. — Fanny Rosenstraus geb. Alexander, 73 I., Konstanz. — Salomon Cohn, 56 I., Wöllstein. — Zahntechniker Ludlv. Küttner, 25 I.; Eugen Goldmann; Oberleutnant Julius Paschelis; Hugo Loeb; Leo Lesser, Berlin, i. F. — Arthur Stein, Thorn, i. F. —- Speudeu. ’ Es gingen bei der N a t i 0 n a l f v n d s k 0 m m i s s i 0 n ein für die Evakuierten Marx Loewenstein-SchormSheim 5 Ai. Natio.nalfonds Simon Oppenheim zum 7. Elnl anl. Fahrzeit für sein Töchitrrchen Rosa, 1 Dölbau,iw 6 M.

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