Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 32 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 32 Seite 3. Frankfurter Israelitisches Famllienblatt. 13. T. Rodehan, Herrenschneider Frankfurt a. Main, Fricdonsstvasse No. 1 - Telephon: Römer 3650. FEISTSTE MAS8-SCHNTEIDEREI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. bürget juristischen Departements hat sich an den Justizminister mit einem Rapport gewandt, der u. a. besagt, das; auf den Bazaren, Straften und ösfentlichen Plätzen eine wachsende Progrvmagitation getrieben wird. Aufrufe zu Pogromen werden insbesondere in Petersburg und W i - teb s't verbreitet; oft wird direkt zur Ermordung gewisser Personen aufgewiegelt. Daher wird der Justizminister gebeten, die Provisorische Regierung zur Abfassung eines besonderen Gesetzes gegen Ausiviegeln zum Pogrom, Mord usw, u. ä. Verbrechen zu bewegen. - Indessen werden nach einer Anordnung des Ministerpräsidenten Kerenski in allen Orten, wo. Unruhen gegen die jüdische Bevölkerung stattgefunden haben, Untersuchungen über die Schuldigen angestellt werden.' Die verantwortlichen Behörden, jbic nicht zeitlich und streng genug gegen die Unruhestifter vorgingen, sollen zur Verantwortung gezogen toerden. Aus alledem ist ersichtlich, das; es noch sicherlich mancher Kämpfe bedürfen wird, die judenseindlichen Strömungen vollends hinwegzuräumen. Eine Millionen-Anleihe für die Inden Rußlands. Wie die Pariser Ausgabe des „New-Iork Herald" aus Petersburg meldet, wird zur Hebung der jüdischen Not in Rußland geplant, amerikanische Bankiers um Uebernahme einer A n l e i f; c von 12 Millionen Rubeln anzugehen. Rituelle Berpflegnng jüdischer Heeresangehöriger. -Aus dein Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthvd. Judentums" 'wird uns geschrieben:' Die ^Verpflegung der an der Front und an Orten ohne rituelle Speiseeinrichtung befindlichen jüdischen Heeresangehörigen durch Unsere „Konserven-Abteilung" hat in der letzten Zeit eine angenehm empfundene 'Bereicherung erfahren. Es stehen zur Herstellung von Suppen Jenuil- "W ü r f e [ zur Verfügung, und es! ist neuerdings, dank den Beulühungni der „Kriegskommission für rituelle Lebensmittel" und dun Entgegenkommen des KriegSministeei'ums genehmigt worden, das; auch rituelles Pflanze nse t t (Tvmor), entsprechend den für die allgemeine Fettversorgung des Heeres geltenden Vorschriften, zum Versand gelangt. Darnach können bezogen werden: ör> bzw. 65 Gramm als Tagesration, je nachdem, ob sich der betreffend? Mann bei einer mobilen Formation im Westen oder im Osten befindet, 60 Gramm wöchentlich, wenn die Leute einem iminobilen Truppenteile oder dem Aerzte-, Pflege- und sonstigen Personal eines Rese'rvelazarettes oder Genesungsheimes im Jnlande angehören und etwa 180 Gramm wöchentlich, wenn sie als Kranke oder Verwundete in einem Lazarett des Inlandes beköstigt werden.. Nachdem die Fleischrate für. die bürgerliche Bevölrermtg auf 250 Gramm wöchentlich wieder herabgesetzt worden ist, dürfen auch Heeresangehörige bei immobile n Trup-' Penteilen bei "ihrem Konservenbezuge nicht mehr Fleisch empfangen, als dieser Höchstinenge entspricht. Als Ersatz dafür werden neben den gemischten Fleisch- und Gemüsekonservcu reine Gemüsekonserven (Nudeln, Graupe» und Gries; hergestellt. Alles Nähere besagen die Drucksachen der „Konserven- Abteilung". - Aus aller Wett. Deutsches Reich. Königsberg. Hilfsverein für kranke rnhische Israeliten. Der Verein ' hat im abgelaufenen Jahre etwa 50 Kranken seine Fürsorge zugewendet. Die 31 neuen Patienten entstammten ausschließlich den besetzten russisch-polnischen Gebieten, sie sind mit Genehmigung und zum Teil auch unter Mitwirkung der dortigen Militär- und Zivilbehörden überwiesen worden. Trotz dieser, im Vergleich! zur Friedenszeit nur geringen Krankenzahl, erforderten die Zwecke des Vereins 16,260 Mk. Ausgaben, hiervon Kurkosten in Kliniken und Anstalten etwa 13,200 Mk., Barnuterstützungen 1671 Mk. [ . Die Einnahmen haben eine erhebliche Zunahme erfahren, so daß die Ausgaben , aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden konnten. Der Eiserne Fonds, dem Zuwendungen in Höhe van 17,240 Mk. zuflossen, wies am Jahresschluß ein Vermögen von 76,378 Mk. auf. Durch den Ausbau.der Sammelbüchsen-Organisation hat sich der -Verein eine neue Beitragsquelle erschlossen, die in den Pessach-Feiertagen vorgenommene erste Leerung er-, brachte eine Einnahme von 767 Mk. Die Königsberger Synagogengemeinde leistet einen Jahresbeitrag von 500 Mark. In gleicher Weise bekunden noch 25 andere jüdische Gemeinden und Stiftungen ihr Interesse. Ei« Komitee für russtsch-jüdische Kriegsgefangene. Ein Komitee zur Versorgung der russischen Kriegsgefangenen mit jüdischen und hebräischen Büchern, untei dem Schutz-der spanischen Botschaft, ist in Berlin entstanden. An seiner Bildung nahmen teil Rabb. Dr. M Hildesheimer (Berlin), Rechtsanwalt I. Bechan (Charkow), Schriftsteller S. S ch uiiiit (Mohilew), Jurist Bf. Singalowski (Minsk). In einem Aufruf wird' gesagt: Die geistige Rot der russischj-jüdischen Kriegsgefangenen steigt unaufhörlich, zumal - die von Rußland gesandten Bicher meist in russischer oder ukrainischer Sprache abgefaßt seien. Zudem befinden sich die Zentren des jüdischen Buchhandels in den von den Verbündeten besetzten Gebieten. So sind schon seit Dezember 1016 Bestrebungen zur Bildung eines 'Komitees eingeleitet und nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten verwirklicht worden. ES sollen für die ea. 30,000 jüdischen Kriegsgefangenen in Deutschland, die in 150 Lagern interniert sind, möglchst viele gute Werke angeschafft werden: für die Errichtung einer, einigermaßen ausreichenden Bibliothek in jedem Lager sind mindestens 500 Mark nötig. Die Gründer des Komitees erwarten in dieser Kulturarbeit tatkräftige IliitcrstLtziiug der Juden in Rußland und Amerika. llm die Anschaffung, in geeigneter Weise durchzufühueu, wird in Warschau unter Mitwirkung von Vorstehern der Presse und Gesellschaft, wie des Buchhandels, ein Komitee gegründet werden, das die Auswahl und den Trans.port der Bücher besorgen soll. Vor allem, vor. dem Eiiitresfen der Gelder aus Amerika und Rußland, ist eine Summe von 12,000 Mark'erforderlich, eine Summe, zu der jeder beisteuern möge. Schließlich fügt' der Ausruf Hinz», die Bibliotheken könnten nach dem Kriege den Petersburger Kulturiustitutiouen zugesandt werden. Ae Stellung der Schächter im HUfSdienft. Das Kriegsamt hat im Einvernehmen mit dem Herrn Minister des Innern, anerkannt; daß die von den Synagvgen-Gcmcinden beschäftigten Schächer bei einer Behörde tätig sind und demgemäß nach 8 - des Hilssdienstgesetzes tut Hilfsdienste stehen, soweit ihre Zahl das Bedürfnis nicht übersteigt, und soloeit ihre Zeit durch ihre Tätigkeit als Schächter in Anspruch genommen wird. Soweit letzteres nicht der Fall ist, können sie neben ihrer vorgenannten Tätigkeit zum Hilfsdienst herange-ogen werden, qalls nicht auch'ihre übrige Beschäftigung im Sinne des § 2 des Hilfsdienstgesetzes Bedeutung hat. Desterrsich-Mgsr». Prag. Anerkennung der israelitischen Nationalität. Jiu tGcsolgo deS neuen FlüchtlingSgesetzeS verössentlicht das Ministerium des Juuern eine Statistik über das österreichische FlüchtliugSelend. Dieser Statistik ist. was nebenbei bemerkt sei, zu eiltuehmcn. daß etwa -42'V« aller mittellosen, d. h. den Unterstütznngsbestiminungeii des neuen Fluchtlingsgesetzes unterliegenoen Personen Juden sind. Das Interessanteste an dieser amtlichen Publikation ist, das; neben anderen in der ' N'a t i v n a I i t ü t e it rubrit die „I sraelite n" angeführt sind. Dies ist deshalb wichtig, weil bisher in Oesterreichdie Nationen nicht als Tnbjette des öffentlichen Rechtes galten. Zwar spricht ein Ttaatsgrnndgesctz von den Rechten der verschiedenen „Bolksstämme", doch ohne daß diese je namentlichausgezählt würden. Bei den Volkszählungen wird nicht nach der Volkszugehörigkeit, sondern nach der „Umgangssprache" gefragt. Als vom Bnkowiiiaer Landtag eine nationale Wahltune' für die Juden beschlossen wurde-, konnte die Wiener Regierung sie nicht sanktionieren, — denn die Wiener „Israeliten" beziehen diesen Ausdruck nur auf eine Religionsgemeinschaft. ' Die Bezeichnung der Juden als Ration von Amts wegen, die auch ein sonst in jüdischen Angelegenheiten einsichtsvolleres Wiener Blatt in ziemlich fassungslose Erregung versetzte, trägt endlich, dem VoliSbewußtscin der österreichischen Juden Rechnlcng, wenn auch von einer Nationalität der „Israeliten" zn sprechen, nicht eben sehr stilvoll klingt. „Telbstwehr." Rrrtzlavd. Eine orthodoxe Konferenz. Die neue orthodoxe Partei „Mesvra wchernt" (Tradition und Freiheit), über deren Gründung in M. 23 berichtet wurde, hat in Moskau eine achttägige Konferenz, unter Teilnahme von 80 Delegierten abgeha^en. Näheres über die interessante Tagung bringen wir in nächster Nummer. Freier Eintritt in die Hochschulen. In allen höheren Schulen und Anstalten Petersburgs und Moskaus sind zum erstenmal die Bestimmungen angeschlagen worden, daß der Eintritt von Studierenden jeder Person, ohne Unterschied der -Nation und des Glaubens gestattet sei. „Jewrejskaja Njedelja" knüpft an diese Nachricht längere Ausführungen, die freudig begrüßen, daß nun die Juden als freie und gleichgestellte. Bürger in die russischen Hochschulen eintreten könnten. Krankheiten unter Sen Heimlosen. Unter den rumänisch-jüdischen Heimlosen im Gouvernement Beßarabi'en ist eine Epidemie c, u's ge br ochen. Eine Meldung, die das „Zeiitral-Hitfskomitee" in Petersburg erhielt, berichtet über das "Umsichgreifen des Typhus und anderen Hniigerkrankheite», denen 'täglich viele Heinilose zum Opfer fallen, schnelle Sanitar-Hilfe tut not, um Abhilfe der erschreckenden Zustände zu schassen. Kaffee Kaisepgarten am Opernplatz Erstklassiges fadiilien-Kaffee j Jeden Nachmittag ron 4 bia 7 Uhr und Abend von 81/* Uhr ab W“ H.xmstler»K.onz:ert. gp Kaffee Kuhland Kaiserstrasse 56 Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige SST* Unterhaltungsmusik . . Gesangs - Einlagen. --: Spanien. Eine Unterredung mit Ednardo Zamacois. Eduards Zamacois, der berühmte Romanschriftsteller, gewährte einem Vertreter des „American Hebrew" eine Unterredung. Er versuchte, die Ansichten des sreidenkenden Teiles seiner Landsleute über die mit der jüdischen Frage zusammenhängenden Probleme, insofern diese spanische Interessen betreffen, anSeinanderznsetzen. Räch Zamacois sei die spanische Regierung die einzige in Europa, die während des Krieges an die Juden in den Balranländern dachte und sich bemühte, ihnen nach Möglichkeit zn helfen. Das spanische Volk und die Regierung seien eifrig bemüht, die Juden zur Rückkehr »ach Spanien zn bewegen, da seit der Vertreibung der Juden der Handel, die Wissenschaft und die Kunst sehr gelitten hätten. In Spanien gebe es noch, heute viele Juden, die zwar keine jüdischen Namen führen, deren Aeußeres aber ihre Stammeszugehörigkeit zeige. Sie nehmen geachtete Stellungen ein unter den -Anwälten, Aerzten, Journalisten und sie genießen Überall persönliche Achtung, „ Zamacois glaubt, daß in einigen Jahren, schon alle religiösen Schranken in Spanien niedergerissen sein werden. Zwar weisen die Klerikalen aus die Gefahren hin, die der ^Radikalismus der Juden für die sozialen Verhältnisse des Landes bedeutet, aber die liberalen Ideen gewinnen immer mehr Boden und König Alphons sei ein Mann, der dem Fortschritt den Weg ebne. De« Dichter sieht in den Juden die Fackelträger der Freiheit. Spanien brauche sie zur Hebung seines Handels, feiner Kunst und Wissenschaft. Die Zeiten der Inquisition seien vorbei. Wenige dürsten wissen, daß der radikale Senator Dr. Angel Pulido, ein berühmter spanischer Arzt, von de» Juden abstamme. Dieser berühmte Strst und Politiker sei es gewesen, 'der verlangte, daß die spanische Regierung die 50,000 Juden von Saloniki nach Spanien auf eigene Kosten bringe. Das Projekt konnte wegen der finanziellen Seite der Frage und infolge der großen Last, die es mit sich brachte, nicht verwirklicht werden. Senor Zamacois glaubt, daß nach, dem Kriege der Jude von einem anderen Gesichtspunkte aus beurteilt unb bewertet, werden werde. In der Wiederherstellung Europas werde der Jude eine große Rolle spielen, namentlich auf dem Gebiete, der kommerziellen Wiedergeburt. Zamacois knüpft keine Hoffnungen an-den Zionismus. -Die Juden sollen sich mit anderen Völkern vcrncischen, sie Gerechtigkeit und Schönheit lehren. Dies soll ihr Zweck und Ziel sein. Dazu bemerkt der Korrespondent des „American Hebrew": „Senor Zamacois ist ein Künstler und kennt wahrscheinlich nicht die Wehen eines Weltwanderers." Der Krieg nnd die Juden. Berlin. D'e Rechtsanwälte Arthur Wolfs und Dr. F r a n k f n r l e r,-Gerichtsräte an der Kommandantur — Dr. Frankfurter, ein Schwiegersohn des verstorbenen Professors Dr. Martin Philipps»« — und Paul Mankiewitz, Direktor der Deutschen Bank, erhielten des Eiserne Kreuz am schwarzweißen Bande. Frankfurt a. M. Alfred Straus, z. Zt. Leiter - der Zahnärztl. Abt. des Res. Lazaretts 11 und Vorsitzender des Zahnärztl. Vereins, erhielt das Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Bande: Vi;ewachtmeister Arth u r S t e r n, Sohn der Frau Sophie Stern, Hanauertmchflraße 44, Bertteter der Firma Gebr. Simon-Berlin in Amsterdam, das Eiserne Kreuz. Frankfurt a.M Walter Schwerin, bei ein«. Flicgerabteilung im Felde, Lohn des Herrn I. Schtvcrin, Bockenheimer Anlage 6, wurde mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet. Mainz. Fritz Heidenheimer. Sohn der Frön Auguste Heidenheimer, Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapferkeitsmedaille, wurde zum Leutnant in einem Fußartillerie-Regiment befördert. Mannheim. ' Bataillonsarzt Dr. Alfred Lust, Sohn des Schriftstellers Dr. S. Lnß, erhielt das- Gsi=> ferne Kreuz. Er wurdechchon im Frühjahr durch das Bayr. Ludwigskrenz ausgezeichnet. Heilbronu. Otto Herz wurde zniu Leutnant befördert. Düsseldorf. Ernst Grünewald wurde zum Leutnant befördert. Wien. Bloch's „Oestxrr. Woch.'nschriV' verzeichnet in Nr. 32 folgende Auszeichnungen an Inden: 1 Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens, 14 Militärverdiensvkreuze 3. Kl., 21 silb. Signuni laudis, 34 bronz. Signunc laudis, 15 gold. Berdienstkreuze mit der Krone, 11 . gold. Berdienstttenze, 7 silb'. Verdienstkreuze mit der Krone, 18 silb. Tapferkeitsmedaillen 1. Kl., 100. silb. Tapferkeitsmedaillen 2. Kl., 197 bronz. Tapserkeitsmedaillen, 2 eiserne Bcrdienstcrcuz? mit der Krone, 2 eiserne Bcrdienstkreuze, 4 belobende Anerkennungen des Armee-Oberkommandos, zusammen 426 -Auszeichnungen; hiervon '135 an Offiziere und Kadetten des Soldatenstandes, 16 an Militärärzte und Militärbeamte, 275 an Mannschnstspersonen. .y ————— i, /PerfrmiMerr n. kleine MitteUmrge»?> jr Frankfurt a. M. Am 16.Angnüverschiednrrchlangem "Leiden der hier als Flüchtling weilende Herr Moritz Kurz, 1. Bürgermeister. Knltuspräsident und Ehrenbürger der Stadt Miknlince (Galizien). Der Verstorbene kanc nach Frankfurt vor ungefähr Jahrxn. Er wußte, was er als im politisthKn Leben Ste^w-