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Neue jüdische Presse · 1917-08-17 · Heft 31 (17.8.1917) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 31 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Franksurlcr Jsraelitliches FamUicnblatt. PersrmsLie« ruAetne Mttteiluuge». Berll«. Geh. SanitätSrat Dr. Heinrich Brock, Generalsekretär der Deutschen Balneologischcn Gesellschaft, begeht am 29. August den 85. Geburtstag. Wie«. Dr. S- Krenberger, Direktor des israelit. Taubstunnneninstitutcs, früher Präsident des österr. zionist. Landeslvmitres, dann der Leitung der Jto angehörend, erhiüt den TiÄ Kaiser!. Rat. Budapest, Frau Rosa Gomverz hinterließ 1 Mill. Kronen zur Errichtung einer isr. Landes-Lehrerinnenpräparandie, 20,000 für den Pester isr. Frauenvercin zur häuslichen Pflege armer Wöchnerinnen, 6000 für das' isr. Mädchenwaisenhaus, 6000 für das isr. Knabenwaisenhaus, 4000 für den isr. Frauenverein in Dügujhely, 2000 für das isr. Lehrerpräpavandie, 2000 Kr. für das Sicchenhaus der Chewra Kadischä, 2000 für das Asyl der Chewra Kadischa, 2000 für das Rabbinerseminar und' je 1000 für eine größere Anzahl Wohltätigkeitsinststutionen. Haag. Mehrere holländische Judm trete» baldigst eine Reise nach« 'Holländisch-Jndien an, um zwecks Gründung einer jüdifchlen Kolonie auf Java die Möglichkeiten des Lands zu erforschen. Koyeubaaen Das bekannte Mitglied des Großen A. C. Boris Go l d b c r g ist von London nach Rußland tzereW . Kopeubapen. Jüdische Handwerker in Kiew schloffen sich tzu einer Gruppe unter , dem Namen ,L)bde Zion" zusammen. Der Standpunkt der „Obde Zion" ist sowohl traditionell als auch national. Weiter protestiert die Gruppe in einer Erklärung gegen das eigenmächtige Auftreten des Bunds, der Sozialisten-Territorialistcn Poale Zion u. a. als Vertretung dS jüdischen Handwerks- und Arbeiterstands, ohne deffen Anerkennung zu besitzen. London. In dem soeben veröffentlichten Testament des am 29. Mai d. I. derstprbencn Barons Leopold pon Rothschild sind letztwillige Verfügungen enthalten, hie sowohl die Verteilung des Riesenvermögens des Verstorbenen wie die Zuwendung von größeren und kleineren Vermächtnissen au seine Verwandten und seine Dienerschaft betreffen. Für wohltätige Zwecke hat der Erblasser nichts bestimmt; er hofft, daß „seine Söhne in dieser Hinsicht ihre Pflicht kdnnen werden." .Ein jüdischer Dramatischer Klub wurde jüngst in Toronto (Kanada) gebildet. Der nach dem jüdischen Dramatiker Pcrez Hirschbein benannte Klub sieht seine Anfgcche in der Förderung junger dramatischer Talente, in der Verfeinerung des künstlerischen jüdischen Geschmacks durch geeignete Aufführungen und schließlich in der Belehrung seiner Mitglieder durch Kurse, Vorträge, Diskus, swnen, literarische Abende usw. In Cincinnati (Vereinigte Staaten) starb am 22. Juni der Senior der jüdischen Dichter Amerikas) David Grcenberg. Unter dem Pseudonym Ben-Fischm verfaßte er größtenteils Zcitgedichte. Frankfurter Berichte. Israelitische Waisenanstalt. Der Bericht. umfaßt diesmal zwei Jahre. Ende 1916 waren in der Knaben-Abteilung 35 Zöglinge und in der Mädchen-Abteilung 18 Zöglinge. Aus der Moses und Clara Schiffschen Stiftung zur Unterstützung verwaister Knaben für die Dauer ihrer Lehrzeit wurden im Jahre 1916 11 Zöglinge unterstützt, von denen 3 in der Anstalt, 8 bei ihren Müttern oder zuverlässigen Familien gegen Vergütung verpflegt wurden. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Prof. Dr. I. Caro (Ehrenmitglied), Julius Stavcilhaqen (Bors.), Prof. Dr. E. F i n k (stellv. Bors.), W i l l y Dir e Y - fus, Arthur Ellinger, Meier Selig Gvldsch.wrdt, LeoHamburger, Michael M. Mainz, Wilhelm Schames, Sigmund Schwab, Dr. A Sondhcimer, Julius Werner. Ehrenmitglieder smd Frerftau Mathilde v. Rothschild, Freifrau lb schm idt - N o th s ch i l d, Frau Kommerzienrat Srau Helene Fuld, Frau Babctte Gvldschmidt, Frau Johanna Stern und Frau Emma Strauß. JMeton. Korporal Spitz. Eine österreichische Geschichte aus dem Jahre 1859 von LeopoL) Kompert. (Schluß) Mailand, den 2. Mai 1859. „Dieses Mal, herzlichste Eltern und Geschwister bis zu hundert Jahren, kann ich nichts dafür, daß ich Euch erschrecken muß. Herr Feiwel Buchhalter hat recht gehabt: wir ziehen in «inen großen und fürchterlichen Krieg. Ihr werdet schon wissen, was vorgeht. Der Piemontrs' will unserm Kaiser ein Stück Land wegnehmen, und der Franzos' will ihm dabei helfen. Aber der Pienumtep raitjamt dem Franzosen soll nur zusehen, ob das so mir nichts, dir nichts geht. Und der Kaiser von de» Franzosen soll gar Soldaten in seiner Armee haben, die auf ihrem Tornister Katzen tragen, und wenn man mitten im Gefecht ist, springt einem die Katz' ins Gesicht. Aber als Kürschnergeselle weiß ich schon, wie man mit Katzen umgeht. Einige Kameraden von mir lachen und tanzen, andere sind wieder traurig, weil es jetzt Ernst.wird, und sie daran denken, was ihrem jungen Leben alles geschehen kann. Ich glaube aber, ein Soldat soll keins von beiden sein, nicht allzu lustig, aber auch nicht traurig. Unser Korporal sagt das auch. Die Mutterleben bis zu hundert Jahren soll es auch so machen, weil ihr Sohn doch ein Soldat ist, und wenn sie ein gar zu beschwert Herz bekommt, soll sie an unfern Kaiser denken, dem man sein Land wegnehmen will. Jetzt muß ich wieder schließen als Euer aufrichtiger Sohn bis ins finstere Grab. Markus Spitz. Mein zweiter Leutnant, der Moritz Zion heißt, loie ich Euch neulich geschrieben, kommt mir immer bekannter vor, je mehr ich ihn ansehe. Wenn er nur ■ nicht in der Uniform wäre! Ich glaube immer, ich wüßte schon, wer und was er ist. Hat die Mutter das kleine Anschele zu der alten Baruschka geschickt? Uebrigcns ist der Waclaw Jaresch noch imnier der alte Feind. Obiger." Novara, 25. Mai 1859. „Herzlieüste Eltern und Geschlvister bis zu hundert Jahren! Zwischen unsereni Italien und dem Land, was deni Piemontesen gehört, ist ein Fluß, der heißt Ticino, und ist viel größer und breiter als zu Hause unsere Jser. Wenn man über dem drüben ist, so ist man in des Piemontesen seinem Land. Denn Ihr müßt wissen, herzliebste Eltern, daß unser Kaiser der Beleidigte ist, und ihm gebührt cs, sich sein Recht zu verschaffen. Erst jetzt war der Krieg! Weil wir aber in Feindesland sind, darf die Mutter bis zu himdert Jahren ja nicht glauben, daß schon große Schlachten und Gefechte vorgefallen sind. Der Franzos! hat noch nicht all seine Leute beisanimen, und der Piemontes' fürchtet sich allein uns anzugreifen -. . Aber es bleibt keinesivegs aus. Neulich sind wir in rin Dorf geschickt worden, um daselbst zu furagicrcn; man muß nämlich bei den Bauern hole», was zu holen ist, Eier, Butter, Heu und Stroh, auch Geflügel, und Waclaw Jaresch war auch dabei. Da sind wir pn ein Haus gekommen, wo die Bäuerin sehr geweint und auf italienisch zu uns gesprochen hat) was wir aber nicht verstanden haben. Drauf hat sie uns in den Hof geführt, und hat uns die einzige Henne, die da hermngelaufen ist, geben wollen. Da habe ich zu Waclaw Jaresch gesagt, der dabei war: „Was möchtest du sagen, Jaresch, wenn man deiner Mutter Baruschka, was einmal bei uns die Lichter geputzt und eingeheizt hat, ihre letzte Henne wegnehmcn, oder ich, wenn das meiner Mutter mit ihrem letzten Stück Bettzeug, geschehen möchte?". - Und da sind wir beide fortgegangen, und habe ich bei dieser Gelegenheit gesehen, daß Waclaw Jaresch ein gut' Kind ist, locil er an seine Mutter denkt. Gestern ist ein Spion eingebracht worden, der hat dem Feinde berichten wollen, wie und wo wir stehe», damit er dann über uns herfallen und' an unserer schwächsten Seite fassen könnte. Mit eineni so schlechten Menschen macht nian aber im Krieg eine» kurzen Prozeß, und er ist zum Galgen verurteilt worden. Weil er aber so geweint hat und gesagt, er habe vier lebende Kinder und die hätten jetzt keinen Vater, so hat ihm unser General das Leben geschenkt, er soll sich anderswo seinen Galgen suchen. Zuletzt will ich euch noch vernielden, daß schon ein Gefecht vorgefallen ist, aber es war nur ein lleines, und ich bin nicht dabei gewesen. Der Ort heißt Montebello, und wir haben in unserem Lager den Kanonendonner ganz deutlich gehört. Da habe ich hernach etliche von den Verwundeten gesehen, und die haben uns von den Franzosen erzählt, und was sic für rote Hosen haben, aber eure Katz' auf dem Tornister hat niemand gesehen. Aber die Mutter braucht sich darüber nicht zu ängstigen, denn wenn jede Kugel treffen könnte, hätte {man ja nicht nötig, Krieg anzufangen. Darum lebt wohl alle und vergesset nicht Euern getreuen und aufrichtige» Sohn bis ins finstere Grab. Markus Spitz. Nr. 31 Mit meinem Leutnant Moritz Zion muß ich mich doch geirrt haben. Gestern war ich mit dem Napporthuch bei ihm, und nachdem er gelesen, fragte er mich, was denn meine Eltern wären. Da habe ich ihm gesagt, daß mein Vater mit Wolle handelt und manchmal bringen ihm die Bauern auch kleine Partien Hasenhäutchen ins Hans, worauf 'er gelacht und nichts weiter gesagt hat. Nun ftag' ich Euch aber, wenn der Leutnant der wäre, den ich meine, hätte er gelacht und nichts weiter gefragt? Obiger?' «Bei jBillafranca, 19. Juni 1859. „Herzliebste Eltern und Geschlvister bis zu hundert Jahren! Ich leb'! ich leb'! Alle meine Glieder sind gesund geblieben. Und wenn ich gleich diesen Brief nur mit Bleistift schreibe, so dürft Ihr daraus nicht schließen, daß mir etwas fehlt, und kommt das nur daher, weil ich kein „Tinterl" bei mir . habe. Sonst aber leb' ich, und das ist genug nach solcher Schlacht. Damit Ihr einen Begriff bekommt, nrie cs Angegangen ist in der Schlacht, melde ich Euch nur, daß von unserer Konrpagnie nicht mehr Übrig sind als siebzig Leute, und der Hauptmann ist tot und der Oberleutnant auch und der erste Leutnant desgleichen, und fünf Korporals sind auch tot und zwei Feldwebel sind sv zugerichtet, daß sie wahrscheinlich auch nicht mit dem Leben davon kommen. Und damit ich Euch nicht länger verschweige, was Ihr doch hören werdet: auch Waclaw Jaresch ist tot, aber sagt cs uni Gottes willen der alten Baruschka nicht. Jetzt weiter! Wie kommt es, daß mir mitten in der Schlacht einfällt: Heute ist ja Schcymot (Pfingsten), und in der Synagoge stimmen die Leute vielleicht gerade jetzt das Gebet an, das so anfängt: „Damals sangen Moses und die Kinder Israels dieses Lied dem Ewigen!" Ich Habe das Gebet.so vor mich hingesagt, ohne daran zu denken, ob mich einer hört, aber wie ich nach den Worten bin, wo cs heißt: „Da bliesest du sie an mit deinem Hauche, und cs deckte sie das Meer; sie sanken wie Blei in die gewaltigen Wasser. Wer ist wie du imter den Göttern, o Herr!" Da höre ich, wie einer hinter niir in unserer heiligen Sprache sagt: „Wer wie du so mächtig in seiner Heiligkeit, so furchtbar in seinem Ruhme der Wunder tut?" Ich wende mich um, da winkt mir unser Leutnant Moritz Zion mit den Augen zu, und da war's mir, herzgeliebte Eltern und Geschwister, in diesem Augenblicke, als hätte ich meinen Bruder vor mir! Bist du also doch der? habe ich mir gedacht, als was ich dich angesehen habe? und meine Seele hat aufgejubelt; Mut und eine Freudigkeit sind über mich gekommen, und ich habe mich stark gefühlt loie ein Löwe. Der Leutnant muß mich auch verstanden haben, ivas in diesem Augenblicke in meiner Seite vorgeht; denn er hat mir auf die Schulter geklopft und leise gesagt: „Markus Spitz, wir beide wollen uns heute besonders brav halten, du weißt warum?" Ja, Herr Leutnant! habe ich rufen wollen, aber das Wort ist mir auf der Lippe geblieben. Gerade jetzt ist der Befehl gckonimcn, unsere Kompagnie und noch eine von unserem Bataillon sollen einen Meierhof nehmen, und die Franzosen haben ihn schon besetzt gehabt. „Den Meierhof müßt ihr nehmen, Kinder", schreit uns der Obrist nach, „wie ihr nur könnt."- Drauf haben die Tambours den Sturmschritt geschlagen, und wir sind auf den Mcierhof zugelaufen. „Jetzt, Markus Spitz," ruft Leutnant Zion hinter mir, „jetzt zeig dich, wer du bist." Das Ende vom Liede war, daß wir nach einerhalben Stunde die Franzosen aus dem Meierhofe gejagt haben, und waren nun die Herren davon. Jetzt erst haben wir ein bischen Atem schöpfen können, aber, lebendiger Gott! wie hat cs um uns ausgeschen! Tote überall herum, Franzosen und unsere Leute bunt durcheinander. Mein Leutnant Moritz Zion lebt, aber der Hauptmann und der Oberleutnant waren tot. Da fällt mir Waclaw Jaresch ein, wie cs dem wohl ergangen ist, und da bemerke ich ihn unter einem Baume sitzen, bleich wie der Tod, und er hält sich beide Hände aufs Herz gepreßt. „Waclaw Jaresch," schrei' ich und fliege zu ihm hin, „bist du verwundet?" Da hebt er seine Hand auf, und die war blutig, und er reicht sie mir. „Ich sterb', Bruder," sagt er mit schwacher Stimme; „wenn du nach -Hause kommst, so grüß -mir meine Mutter." Da habe ich ihn aufheben und irgendwo an einen sichern Platz bringen wollen. „Laß, laß", sagt er und seine Augen sind schon gläsern, - aber seine Hand er schw mit nn heller Böses mit cn will er nicht ni schwistc meine < chlicßei meint hätte c Die A das kle ie wir Geschwi vermel! die Ko ganzen die Sch weil dc wir do gezeigt, die Na vorgcta nicht n M worden halten, bcigesta bekam iür Tc Ä ich micl N berichte Gott g das „L auf dci schwer daß in darium in der ich mii meine J> Halter, A bekamt wordei indem weinen ( //' wordei vcrdan A < tr a-, „d ein W glaube kommt . G aber - i dcutliä < tt der «: Ihr a , G Halter' Jahrei mit se' sagte i tr bald ti

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