Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 31 (17.8.1917)
- Date
- 1917-08-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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wt r H . SeLe 2. Frankfurter Israelitisches Famüienvlatt. Nr- 31. gegenüber dem General-Anzeiger Vornehmes Familien-Kaffee SM- Nachmittags u. Abends Konzert. ^*6 Aus Ser Letzten Vorstandsfitzuug des Jüdischen Frauenbundes. Ueber die IngendkomMission wird berichtet, das; diese auf der Ersenacher Tagung durch Verhindening der ÄdmmissionsvorsitzeNden Frl7 Werner nickst vertreten war, wohl aoer durchs Frau Helene Meyer Lei der Sitzung des Verbands der Jüdischen Jugendvercine. Der Vorstand beschließt, weiter an der Organisation der jüdischen weiblichen Jugend zu arbeiten, sich aber bereit zu erkläre»» und bereit zu finden, praktisch! mit bei» Verband der Jüdischer Jugendvereine zu arbeiten. Mach! Beschluß der Delegiertenversammlung sind Rabb. Dr. Ndbel-Frankfurt a. M-, Prof. Gntinann-Breslau, Goldmmrn-Oppelu, Perlcs-Königsberg,' Warschauer und Elbvgen-Berliu gebeten worden, ein Flugblatt über jüdische Sexual-Ethik der jüdischen sozialen Frauenarbeit und Jugendarbeit auszuarbciten. Cs ist keine Arbeit ciugegangen, was sehr bedauerlich ist, da auch für die vielen Sittlichkeitskonferenzen eine populäre und Verantwortliche Darstellung der jüdischen Sexual-Ethik dringend notwendig ist. Keine jüdische Frau und auch nur wenige Männer beherrschen das Gebiet und können in der Diskussion einen jüdischen Standpunkt einnehtnen ^md verteidigen. Man bedauert, daß die Herren, die man um ei« so bedeutsames Erziehnngsinstrnment gebeten hat, versagt hüben. Frau Frankl und Frau Eschelbach er »vollen Robb. Dr. Eschjelbacher bitten, das notwendige Flugblatt mit ihnen gemeinsam zu entwerfen. Ueber Las Jsenburger Heim wird berichtet, das; mit großen Opfmm aus Frankfurt a. M. ein H a u s lll gekauft worden sei, da die Zahl der ylufnahmegesuche (Dauerfälle, vorübergehende Aufnahme von Kindern, gefährdete und Schulkinder) ständig wächst und ein günstiger Kauf angrenzend an die erste Liegenschaft »nöglich war. Die Kauffumme von 23,000 M. und die Einrichtung an Bette» und Möbeln sind aber noch! längst nicht aufgebracht. Die Vorstandsmitglieder sagen zu, je in ihren Gemeinden und Vereinen für die dringend nötigen Zuschüsse sorgen zu wollen. - Die Berliner Vorstandsmitglieder berichten, daß sie auf privatem Wege M. 6000 aufgebracht habeir, Nürnberg M. 500, Katwwitz M. 294. Die meiste» Gemeinden stehen über diesem wichtigen Zweige der Jugendfürsorge-Arbeit des Jüdischen Frauenbunds noch ftemd gegenüber. Es tvird bestimmt, daß mit M 500 die „JNunerwährende Mitgliedschaft" erworben werden "fann und eine Freistellenstiftung M. 3000 betragen soll. Zu Punkt IX Bund erwerbender Frauen berichtet Frau Meyer, daß für den September im Anschluß an eine weitere Sitzung in die praktische Arbeit eingetreten werden und eine Konferenz zusainmcnbcrufcn werden soll) um darüber zu beraten. Nach Beschluß der Delegierten-Versammluug »vird eine Aenderüng der Statuten festgelegt, infolge deren der § 2 den folgenden Wortlaut erhält: „Der Verein teilt seinen Zweck erreichen: a) durch Volkse rziehNng, Jugendpflege, Pflege des Familienlebens, Förderung der Frühehe ufw.;' v) durch BestrSungen, die das Erwerbsleben der jüdischen Frauen und Mädchen erleichtern; c) durch- Bekämpfung aller Formen und Aenderungcn von Unsitllichjkeit; d) durch Stärkung des jüdischen Gemcinschaftsbeioußtseins; e) burchi Stärkung der geistigen Beziehungen zwischen den;üdischen und den anderen konfessionellen und interkonfessionellen Verbanden zur Förderung der sozialen und nationalen Kulturaufgäven im deutschen Frauenleben; f) durch Bekämpfung aller Formen des Antisemitismus." Frau May berichtet über den Fortgang der Angelegenheit Frühehekasse 1914. Auf der ersten Borstandssitzung wahrend dS Kriegs wurde von der Vorsitzenden ein Antrag eingebracht auf Erleichterung der Eheschließung und zwar in Form einer Versicherung als wichtigste soziale Aufgabe der Zukunst. Als Bedingung zur Auszahlung von Geldern war vorgeschlagen, beiderseits Sittliche Zeugnisse einzufordern, daß toeder Tuberkulose noch venerische Erkrankung vorliege. Die hierfür nötigen Mittel sollen in Form xiner Volksversicherung aufgebracht werden. Die eingeleitetcn Verhandlungen mit der „Viktoria zu Berlin sind zum Abschluß gelangt, und .für die Arbeiten innerhalb des Bundes ist eine besondere Kommission unter Vorsitz von Frau Dr. Eschelbacher gewählt. Es handelt sich um drei Arten der Versicherung: 1. Können Leute ihr Kind selbst versichern; 2. körmen Wohlhabende ein „Patenkind" versichern; 3. kamt jemand, sich selbst zum Wähle eines Kindes (Knabe oder Mätzchen) versichern. Es ist ein Flugblatt geschaffen, in dem klargelegt wird, wie die von jeder Bevölkerungspolitik erhobene Forderung, die nachweislich gesunde Früh'ehe zu unterstützen, von den jüdischen Frauen zum ersten Mal praktisch verwirllicht wird. Man glaubt, daß dieser 'Gedanke sowohl in seiner religiöse« wie in seiner modern sozialen Bedeutung in alle« jüdischen Kreisen Verständnis und freudige Bereitschaft zur Ausführung finden wird.; Frl. Päppenheim berichtet über das Angebot eines Hauses für das L a u d - E r z i e h u n g s h e im, und S »vird eine Kommission ernannt, die das Projekt vorsichtig prüfen soll. Fran Hopf berichtet über die Gründung des Bayrischen Landesverbandes jüdischer Franenvereine. Der Artikel von Frl. Pappcnhcim, „Weh dem, dessen Gewissen schläft" und verschiedene andere gleichzeitig erfolgte Anregungen zur Zusaimnenfafsung der jüdischen Wohlfahrtspflege in der Großloge für Deutschland und im Deutsch-Israelitischen Geineindc-Bund wurden der Anlaß zu einer Sitzung, die der Berliner Verband für jüdische Wohlfahrtspflege zum 30. April einberufen hatte. Im Anschluß an einen von Herrn Magistratsassessor Dr. Ollendorfs-Breslau in Berlin gehaltenen Vortrag wurde einstimmig eine Entschließung gefaßt, darauf hinzuwirken, daß eine Zentrale für die gesamte jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland sobald als möglich ins Leben gerufen »verde. ' Die Leitung des' Verbandes für jüdische Wohltätigleitspflcgc Berlin hat sich! an die Großloge für Dentschland U. O. B. B., den Dcutschj-Jsraclitischen Gemeindcbrmd und den Jüdisch:» Frauenbund mit dem Ersuchen gewandt, sichzu einem Gründungskomitee zusammenzusckstießen und die vorbereitende»» Schritte zur Bildung einer Zentrale zu-treffen. Ein Bericht der Ortsgruppe Frankfurt liegt vor, nach dem das Jngeirdamt in Frankfurt die Bearbeitmig der Inserate „Pflegestelle und Adoptionen betreffend" übernimmt und die Ortsgruppe die dort erscheinende jüdische Zeitung aus Kinderannvecn hin bearbeitet. Es »vird die Anregung gegeben,.das; alle jüdischen Zeitungen von den Ortsgruppen oder angeschlossenen Vereinen der Städte, in denen sie erscheinen, in gleicher Weise zum Schutze der Kinder bearbeitet werden. Die Herbstfeiertage in der deutschen Armee. Das Kriegsministerium hat mit Verfügung vom 31. Juli ds. Js. N°r. 1040, 7. 17 61a den> Konimandobchörden von folgenden Wünschjen und Anträgen zu den bevorstehenden Herbstseiertagen »nit dein Anheimstellen Kenntnis gegeben, diesen Wünschen zu entsprechen, soweit es angängig ist und sich mit ben dienstlichen Interessen vereinbaren läßt. 1. Für die an der Front befindlichen Mannschaften: a) Dienstbcfreiung am. Versöhnnngstage, beginnend eine Stunde vor Sonnennntergmig des Vorabends und schließend mit Eintritt der Nacht; soweit möglich, Dienstbefreiung an den übrigen Feiertagen; ») Gelegenheit zur Begehung dS Neujahrsfestes und VersöhnungstagS, soweit möglich!, auch der anderen Feiertage durch gemeinsamen G o t - tes dienst. Bei Zentralgottesdiensten größerer Verbände Berücksickstigung des religiösen Reiseverbots derart, daß die Mannschaften vor Beginn des Feiertags am Orte des GöttesdienpS eintreffen und ihn erst am Schlüsse des Feiertages zu verlassen brauchen. Wegen Regelung der Einzelheiten »verden sich die Herren Feldrabbiner an die Arineeoberkommanbos, denen sie zugeteilt sind, wenden. 2. Für die Mannschaften in ben heimatlichen Garnisonen und an festen Standorten in der Etappe: a) soweit mit den dienstlichen Interessen vereinbar. Heimaturlaub, oder Urlaub zur nächst gelegenen jüd. Gemeinde; t>) soweit diS nicht möglich ist, Dienstbefreiung an ben Festtagen. Berücksichtigung des religiösen Reiseverbots durch Gewährung der Möglichstest bei den Urlauben, die Reise selbst vor Beginn und nach! Ende des Feiertages zurückzulegeir. 3. Endlick> ist gebeten worden, bei Erteilung von Heimaturlaub an die im Felde befindlichvn Mannschaften, die Urlaubstermine si»r die jüdischen Soldaten, soweit möglich, unter Mitberücksichtigung der Feiertage festznsetzcn. Aus aller WeLt. Deutsches Reich. Hamburg. Repräseutantensitzung der Deutsch-Israel. Gemeinde. Der Vvrsitzeiwe, Jos. Lippinann, gedachte des 90. Geburtstags des Vorsitzenden dS Vorstands, Levin Lion!. Die Abrechnu»r g .der Gemeindekasse für 1916 Wießt bei 309,781 Mark Ausgaben mit einem Fehlbetrag von 41,895 Mark.; Der Antrag des Vorstands, einen. Seelsorger . für die Krankenhäuser anzuMlen, wurde nach lebhafter Aussprache in der vorliegenden Form äbgelehnt. rver Berufsberatungsstelle der Juden in Hamburg wurden D00 Mark bewilligt. Zu esticr sehr erregte» Auseinandersetzung kam :& bei dem Anträge des Vorstands, einen Beitrag fü r die Freistellu»»g von Mehl für die MazzoSversorguttg 1917 zu bewilligen. Der Vorsitzende und Albert Wolfs bemängelten, daß der Vorstand sich in Angelegenheiten des Synagogenvcrbandes mischje. Lisser ist der Ansicht, daß, wenn das Repräsentantenkvllegium jetzt einen Beitrag für die Mazzoth gewähre, dam» sei der Synagogenverbstnd verpflichtet, jeden» 'Gemenckemstglied ohne Rücksicht auf die religiöse Gesinnung Mazzoth zu liefern. Im übrigen möchte er an den-Vorstand dS Synagogenverbmides das Ersuchen richten, bei der Lieferung von Mazzoth in Zukunft eben so liberal zu verfahren wie in Berlin und nicht den Bezug von Mazzoth von der Führ»»ng eines rituellen Hausstandes abhängig zu machen. Der Börsitzcnde Ivies da»auf hin, baß noch 8 11 der Gcmeindeverfafsnng der Synagogenverband verpflichtet sei, jedes Gemeindemitglicd mit. Mazzoth zu versorgen. Das Borgehen dS Synagogenverbands bei der letzten Verteilung von Mazzoth, den Bezug derselben von dein Nachweis der Führung eines rituellen Hausstands abhängig zu machen, habe bei einer großen stluzahl von Gemeindemitgliedern eine große Erregung hervorgerufen i»nd sei a»ch bisher in feiner anderen Gc- »neinde gebräuchlich gewesen. Auf eine Anfrage bei der Zentrale für Beschaffung der rituellen Lebensmittel in Frankfurt a. M. sei »hin die Antwort zuteil geworden, daß diese Anordnung ohne ihr Wissei» und ihre Einwilligung geschehen sei. Albert Wolfs teilt mit, daß das 'Verfahren bei der Verteilung von Mazzoth ai»f Anorduung der hiesigen Behörde geschehen sei, die stets ans die religiösen Bedürfnisse der Jude,» Rücksicht genommen habe. Er sei der Ansicht, wer keinen rituellen Hausstand habe, dem sei S auch kein religiöses Bedürfnis, Mazzoth zu essen. Herr K i »n n» e l st i e l betonte, das; cs ihm »vohl ein religiöses Bedürfnis sei, das Passahfest zu feiern und Mazzoth zu essen, wenn er auch feinen rituellen Hausstand habe, und gleich! »hin denken Hunderte von Gemeindemitgliedern, für dereii religiöses Bedürfnis gesorgt werden müsse. Das Ergebnis der Debatte, an der sch noch eine Reihe anderer Herren beteiligte, ergab die Tlblehnung des Antrages 1>S Gen»e»ndevorstandes. Gleichzeitig wurde beschlössen, den Gemeinddvorstand daraus aufmerksain z» machien, daß der Synagogenverband seinen gemäß § 11 der Verfassung übernommenen Verpflchtungen betrcsfs der Versorgung mit Mazzoth nicht nachgekommen ist. Der Gemeiudev'örstand »vird ersucht, ^Asittel und Wege z» finden, um dierarttgen Borkonimniiien für die Zukunft vorzubeugen. Nürnberg. Israelitischer Jngendbund. Endlch ist cs dein Verein C h e w r a t h B a ch n r i in (Israel. Jugendbund) dank tatkräftiger Mithilfe seii»er Freunde und Gönner — namentlich der tätigen Mitarbeit des vormaligen ReallehreS in Nürnberg und jetzigen Distriktsrabbiners in Ansbach Dr. Brader — gellmgen, für seme Mitglieder ein eigenes Heim zu errchten. Es besteht aus zivei in einander gehenden Sälen, von Denen der größere zur Abhaltung von Vortrügen »nid nainentlch für die Bereiusäbende, die »n den Wintermonaten an jedem Freitag abend stattfinde», beftinimt ist. Der kleine Raun» soll junge» Kauflenten und Stildierendeii, deren Elten: ncht in Mrnberg wdhncii, in ihrer freien Zeit als Aufenthaltsort dienen. Gailingeu. Israelitisches Krankenhaus. Ain.11. Aug»»st konnte das Israelit. Krankenhaus auf ei« 25jähriges Bestehen z»»rückblilken. Das Krmrvenh'mls hat sch ilntcr der Leitung seines Präsidercke»» S. W e » l - N c»»b u r g e r »n Diessenhoscn u»»d se»nes Kassierers Samuel Veit -Gailingei» so sehr euttrickelt, daß die israelitische Gemeinde Gallingen stolz auf diese Institution sein kann. Die ärztliche Leittmg liegt in den bewährten Hä»wen des Dr. »neb. C. H e»lb r o u «, die Pflege der Kranken u»»d die wirtschaftliche Leitung wirb mit seltener Pflichttreue Don Schwester-Oberin Frida Erlanger versehen. < Schweiz. Bo« Jerusalem «ach New-Uork über Zürich-Bern. Was das' friedliche Bern sich nie hätte träumen lassen, ist durch Den «»»berechenbaren.Krieg Ereignis geworden. Gegenwürttg beherbergt Bern ca. 90 Juden aus Jerusalem. Letzten Freitag abe»»d käme»» über Oesterreich 42 palästinensische Juden nach Bern mit dem Reis^ieh: Amerika. Sonntags darauf kamen weitere 45 jerusalemische Ausivanderer an, die zur selben Reisegesellschaft gehören und das gleiche Reiseziel haben. Während die erste Gruppe aus Frauen und Kindern besta»»d, waren in der zweiten Gr»»ppe anchl ältere und jüngere Männer vertreten. We sind an»erikan»sche Staatsangehörige, und ein Tell von ihnen spricht auch perfekt englisch, alle aber sprechen oder verstehen hebräisch. Sie alle erklären auf Befragen, daß absolut keine Pogrome oder irge»»dwelchje Feindseligkeiten gegen die Juden als solche ftattgefundcn hÄen. Kn Gegenteil: die Türken beha»»dcln di« Juden sehr loyal. Sie selbst w»»rden weder interniert noch äusgewiesen. Einzig und allein die schrecklich'e Mt in Jerusalem und die F»rrcht vor dem kommenden Winter trieb sie fort aus ihrer so teuren und geliebten alten Heimat. Denn die Not in Jerusalem, wie int Lande Palästina sei für die Juden unbeschreiblich. Die amerikanische Gesandtschaft, die israelitische Kultusgen»ei»»be wie die Zionisten nahmen sich der Bedaueniswerten sehr warmherz»g an. In etwa acht bis zehn Tagen, sobald die Pässe in Ordnung sind, wollen alle die Reise nach Amerika antreten, mn dann, wenn die Friedenssonne ihre heilenden Strahlen über die Erde anssendet, »mch Palästina zurückz»lkehren.