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Neue jüdische Presse · 1917-08-17 · Heft 31 (17.8.1917) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 31 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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. Erscheint wöchentlich am Freitag. Semgsprris pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— fiel ins Haus. Bei der Post abonniert 90 Pfg., frei ins Haus 4 Pfg. pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch . Streifband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk. 1.50, für Rußland 1 Rubel, für alle übrigen Länder Mk. 2.— Einzel - Nummern kosten 10 Pfg. k---..- . .-. -.— -Jf Redaktion und Expedition: Frankfurt s. M. rr Langestr. 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903. HeranKgeSev: Galt; Geis. Jusertionspreis für die fünfgespaltene Petitzeile 30 Pfg., für die Rellamezeile Mk. 1.—.. Bei Mederholungen entsprechender Rabatt. Stellen-Angebote und -Gesuche, Wohnungsinserate, Heirats-Annoncen 20 Pfg. die sechsgespaltene Peti^eile ohne jeden Rabatt. Platz- und Datum-Borschrist ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Exped. und in a.Annoncen-Bnreaus. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. 15. Jahrsaug. Freitag, den 29. Aw 5977 (17. August 1917) Rr. Bl. Segen und Fluch. Siehe, jeden Tag habe ich in eure Hand den Segen und den Fluch gegeben: Den Segen, indem ihr aus die Gebote Gottes, eures Gottes, höret; Und den Fluch, '.venu ihr nicht aus die Gebote Gottes, eures Gottes, höret und von dem Wege ablveichet, den ich euch heute befohlen habe und ihr anderen Göttern nachgehet ... . So beginnt an dem. kommenden Sabbat Gottes Wort in deni Buche der Bücher. Es ist der Sabbat Rei, der letzte vor dem Ellulnwnat mit seinen erschütternden und zur Selbstbesinnung auffordernden Schofartönen. Die ernste Zeit, da ein Jahr, Rechnung von uns heischend, scheidet und ein neues mit seiner verschleierten Zukunft beginnt, naht heran. Doppelt ernst, doppelt schwer aber in diesem Jahre nach den Prüfungen eines schon drei Jahre währenden furchtbaren Weltkrieges. Denn eine Prüfung ist. dieser Weltkrieg, und ein jeder von uns hat immer wieder und wieder mit sich zn Rate zu gehen und sich zu fragen, ob seine Hände rein sind von dem Blute, das da vergossen wurde und noch wird. Nicht die Waffe ‘ brausten auf den Schlachtfeldern vergießt in Wahrheit das Blut, sondern die Däheimgebliebeneu sind es, die durch ihr Leben den 'Krieg verlängern oder verkürzen. Und uns will dünken, als ob die Daheimgcbliebcnen in ihrem Dienen den ‘ Göttern ihrer Leidenschaften und falscher Ideale die alten geblieben seien. So müssen denn durch die Länge des Krieges erst die gewaltigen Ereignisse;■ von austen kommen, um dann pach innen allmählich auf die einzelnen zu wirken. Unser Gottesgesetz» hat durch eine Verordnung gerade die Verantwortung der Gesamtheit in ihren einzelnen Gliedern für die Geschehnisse des Blutvergießens. ausgesprochen. So ein Erschlagener gesunden wird, müssen die. Nettesten der zunächst liegenden Stadt vor des Erschlagenen Angesicht treten nnd die Versicherung abgeben, dast ihre Hände rein sind an dem Morde. Der tiefere Sinn der Verordnung .sagt: Unser Leben ist nicht schuld daran, dast in unserer Mitte derartiges geschehen konnte, der Mörder kann nicht einer der unsrigen sein. Die Verantwortung des einzelnen für :öie Gesamtheit und der Gesamtheit für jeden einzelnen in inniger Wechselwirkung ist eines der grundlegenden Prinzipien des Judentums. Gleich nach den Worten vom Segen und Fluch zeichnet unser Lehrer Moses die Voraussetzungen, unter denen das Volk Israel in dem cinzunehmenden Lande glücklich leben wird: Gottesfurcht, soziale und rechtliche Gerechtigkeit. Diese Voraussetzungen hän-> gen von jedem einzelnen ab, wie sie Sorge der Gesamtheit sind. Ihre Befolgung bringt Segen jedem einzelnen und der Gesamtheit, ihre Vernachlässigung Fluch. Es ist gut in den Augen Gottes, sein Volk Israel zu jeder Zeit und zu jeder Stunde mit dem Segen des Friedens zu segnen, beten wir dreimal des Tages. Doch diesen Segen können wir nur mit unserer eigenen Lebensführung schaffen. Wieder nrendet sich mit dem scheidenden Jahre ein Tag der Ewigkeit. Lassen »vir diesen Tag nicht Vorbeigehen, ohne dast wir das Göttliche in uns gefunden haben; — erst wenn wir es gefunden Haben, wird uns der Segen des Friedens' werden! Der 19 Millionen Dollar Kriegs-Hilfs- Fond. Der „American-Jewish Chronicle" regt zur schnelleren Realisierung des Projektes des 10 Millionen Dollar Kriegs-Hilfs-Fynds an, dast jeder amerikanische Jude oder jede amerikanische Jüdin den Verdienst von einem Tage dem Fonds zur Verfügung stellt. Nathan Straus, der bekannte Philanthrop, der für die notleidende jüdische Bevölkerung in der Kricgszone sehr große Spenden gegeben hat, zeigt jetzt wiederuni der Welt ein bemerkenswertes Beispiel von hochherziger Wohltätigkeit. Er hat sein eigenes Hans zum Verkauf gestellt, dessen Wert von 350 000 Dollar dem 10 Millionen Dollar Fond zusließen soll. , Die jüdischen Studenten der Columbia -11 itibcxfität haben 1100 Doll ar für den 10 Millionen Kriegs-Hilfs-Fond für die durch den Krieg betroffenen Juden beigesteuert. Dies schöne Resultat ist den Bemühungen eines kürzlich gebildeten Komitee? zu verdanken, dessen Ehrenpräsident Professor R. G o t t h e i l ist. Eine neue religiös-nationale Organisation in Amerika. Unter dem Namen „Hamizpah Association" ist eine niit der Föderation der Amerikanischen Zionisten verbundene zionistische Vereinigung gebildet worden. Außer der Förderung der allgemeinen zionistischen Ziele hat die Hamizpah eine Sonderausgabe: den Standpunkt des traditionellen Judentums zu behaupten in Uebereinstimmung mit dem von Theodor Herzl sestgelegten Grundsatz, dast „die Rückkehr zum Judentum der Rückkehr ins . Judenland vorausgeht". Die Vereinigung beabsichtigt, energisch für die Erhaltung der jüdischen Traditionen als eines Faktors für die Regeneration des jüdischen Volkes zu arbeiten. Unter den Mitgliedern des leitenden Komitees der Vereinigung sind: Dr. Solomon T. H. Hurwitz, Präsident; I. L. Bril, Sekretär, 2r. M. W. Beder, Schatzmeister; Rabbiner Dr. Herbert S. Gold stein, Dr. Nathan Blechm a n, Dr. H e u r p K e l l er . uftv. : Das wirtschaftliche Erwachen der Türkei. Es bars angenommen lverden, daß die Türkei nach! pem Kriege jals iEinwandernngsland für 'Juden stark in Frage kommt, und & liegt ja auch! int Ins« ese der Türkei, jüdsche Intelligenz und Tatkraft sich' dienstbar zu machen.. Eine jüdisch«. Zeitung muß daher auch auf das . wirtschaftliche Gebiet in der Türkei ihr Augenmerk richten. Im ..Neuen Orient" bringt G. Hern eingehende Ausführungen über das wirtschaftliche Erwachen der Türkei; diesen Ausführungen sei folgendes entnommen: . Die Türken koiMten keinen besseren wirtschaftlichen Lehrmeister finden als diesen Krieg. Er zeigte ihnen, woran es der türkischen Volkswirtschaft gebrach und wo die bessernde" Hand ansetzen müsse. Die schwächst« Stelle der türkischen Volkswirtschaft wurde bald offenkundig, auch für das ungeübteste Auge: ihre Abhängigkeit vom Aus lande. Die großen Gefahren dieser wirtschaftlichen Abhängigkeit hatte man — nnd damit kann sich die Türkei trösten — tri feinem Staate noch eingesehen und sich daher auch irgends Mühe gegeben, sie zn beseitigen, Der Türkei war es ja so leicht gemacht, alles aus dem Auslande zn beziehen, was sie brauchte, und der Wertzoll, der billige und teuere Waren, Rohstoffe nnd Fertigfabrikate, Gegenstände des allgemeinen Bedarfs und Luxussachen mit dehri gleichen Zoll belegte, mußte diese Bequemlichkeit noch unterstützen. ... Da kam der Krieg und mit ihm die Absperrung aller Zufuhren.. Mm,hieß es mit den .eigenen. Mitteln, auS- .'kommen, und es ging. Die Erkenntnis setzte sich allgemein durch, daß die von loben angesehene Landwirtschaft im Leben des Staates eine ganz andere Rolle spiele, als man bisher geglaubt hatte. Man sah ein, daß die türkische Landwirtschaft mehr und besseres erzeugen müsse: mehr Getreide, Fleisch, Gemüse, Milch usw., nnd in größerer Güte. Es entstanden überall Molkereien, die die Städte mit Butter versorgten, die vor dem Kriege zum großen Teile auS dem Auslande gekonnnen war; die Landlente, insoweit sie nicht unter den Fahnen staNden, boten im Verein mit den Frauen, Kindern und Alten ihre ganze Kraft auf, möglichst viel Feld zu bestellen, nnd verlangten zu ihrer Unterstützung von dm: Regierung landwirtschaftliche Maschinen und Geräte. Die Regierung gab sie ihnen» soweit es in ihrer Macht stand, und beeilte neue Maschinen in Deutschland. Die Pflege der Landwirtschaft würde als eine der dringlichsten und wichtigsten Aufgaben des Staates betrachtet, was vordem nicht im mindesten der Fall gewesen war. Um die nötigen Vorbereitimgen für das Aufblühen der Landwirtschaft zu schaffen, wurde auch während des Krieges an der Ausgestaltung der Verkehrsmittel weitergearbeitet, wurden die Pläne für die Bewässerung fruchtbarer Ebenen (so der von Adana. Eskischphir üsw.) misgearbeitet nnd die Inangriffnahme der Arbeiten vorbereitet, wurden Flußläufe geregelt, wurde eine Schwefel grübe im Wllajet von Aidin abgebaut, um den Weinbauern genügend Schwefel für das Schwefeln ihrer Stöcke zur Verfügung stellen zn können, wurde für die Reorganisation der Landwirtschaftsbank ein deutscher Fachmann, der Gey. 'Oberfinanzrat Dr. Kautz berufen, tmirde die Reform des türkischen Forstwesens in Angriff genommen, um der Waldverwüstung und ihren verderblichen Folgen für die Bodenkultur Einhalt zu tun usw. - Dann erinnerte man sich der eigenen Kohlenvorkommen und begann sie abzubauen, um den Ausfall der fremden .Zufuhr zu decken. Was. möglich war, suchte man auch an Jndnstrieerzeng nissen selbst herzustellen. Es wurden ueue Fabriken eröffnet nnd bestehende erweitert, ganz neue Industriezweige eingeführt usw. Daß man der Kriegsindustrie besondere Aufmerksamkeit widmete, ist selbstverständlich. Die Werkstätten der Großmeisterei der Artillerie und der Admiralität wurden erweitert und ausgestaltet, nnd es wurde Kriegsbedarf erzeugt, der vordem ausschließlich aus dem Auslande gekommen war. So hat die türkische Volkswirtschaft durch den Krieg mannigfache Anregungen erfahren. Das Streben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit vom Auslande äußert sich in einem anderen Sinne: unabhängig. auch von fremder Vermittlung. Die Türkei ist nicht nur wirtschaftlich abhängig von fremden Volkswirtschaften, sondern auch don fremder Vermittlung. Die Waren, die sie ans dem Anslande beziehen muß, werden nicht von türkischen Kanfleuten vermittelt, sondern von fremden, auch nicht auf türkischen Schissen zngeführt, sondern auf fremden, und -schließlich auch nicht durch türkische Banken bezahlt, sondern durch fremde. Auch diese fremde Vermittlung soll jetzt eingeschränkt werden. Seit Jahren schon bemühen sich die Jungtürken, eine eigene türkische Handelsflotte zu schaffen nnd die Schiffahrt in den türkischen Gewässern der eigenen Flagge vorzubehalten. Sie haben jetzt eine türkische Nationalbank gegründet, die die türkischen Kapitalien sammeln und der türkischen Volkswirtschaft zuführen soll. Sie wird wahrscheinlich auch das Recht der Banknotenausgabe erhalten, das jetzt eine f emde Bank, die Ottomanbank, besitzt. Sie bemühen sich, einen tüchtigen Kaufmannstand 'heranzuziehen, der die fremden Kommissionäre und Agenten ersetzen kann, nnd unter der Bevölferung technische Kenntnffse zu verbreiten, um die fremden Arbeiter und Techniker überflüssig zn machen. In allen diesen Belangen haben sie im Kriege einen mächtigen Förderer gehabt. Der fremde Zwischenhandel, betreffe er nun Waren, Kapital, Versicherung oder Schiffsährt, wird von allen Seiten bedrängt, und es wäre töricht, zn leugnen, daß seine ehemalige Blüte unwiederbringlich dahin ist. Es bilden sich Genossenschaften, die ihre Erzeugnisse mit Umgehung des fremden Zwischenhandels unmittelbar an die Verbraucher verkaufen wollen; es entstehen kleine ReÄereien, die mit türkischen Schissen mit den fremden Flaggen in der Küstenfchiffahrt in Wettbewerb treien, und es werden überall Raiffeisenkassen und lleine Banken für die Beftiedigung lokaler Kreditredürfnisse gegründet. .. . So sehen wir auf allen Gebieten wirtschaftlichen LebenI rege Tätigkeit: das wirtschaftliche Erwachen der Tüpfei ist allgemein.

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