Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 30 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30, IfwQ »»MM Aw Erlanger Macht. K ■ Araiiuer iaiserhofsip.i4.re Waschen, Färben und Faponnleren H allen Art Herren*» am# Damenhütem H —— Abholung und Lieferung frei' ins Haus.-— H bleibt aber nach immer die Frage offen: Wo liegt die Ursache, daß' kein Jude unter den Mitgliedern der Delegation sich befindet? Weshalb hat sich der einzige Jude, Mr. Eugene Meyer, der ~ als Mitglied der Delegation schon bestimmt war, znrückziehen müssen? War da tatsächlich — wie Staatssekretär Lansing erklärte.— nur eine rein inncrjüdlsche Frage maßgebend, und welcher Art war diese? Lcher ist gar zuletzt die Hauptschuld der Negierung der Vereinigten Staaten selbst zuzuschreiben? Die angebliche Paliistinakommisfton der amerikanischen Regierung. In letzter Zeit brachte,: verschiedene Tageszeitungen die Nachricht, daß Präsident Wilson eine spezielle, aus Zionisten (Morgenthau, Professor Frankfurter und Lcwin-Epstein) bestehende Kommission zum Studium der Palästinafrage einbernfen habe, die auch mit den Ententeregierungen in Verbindung treten solle. Einige Zeitungen meldeten bereits die Ankunft der Kommission in Europa. Tie Nachricht beruht auf Irrtum. Sie entstand infolge der Mitteilung, daß sich der geweseue amerikanische Botschafter in Konstantinopel H e n r y M o r g e n t h a n auf dem Wege nach Äegupten befinde, um von dort aus die.Hilfsaktion für die Juden Palästinas zu organisieren. Morgenthau soll mir den türkischen Behörden in Verbindung treten und die nötigen Schritte einleiten, daß das Geld des Joint Distribution Committecs und die für die notleitenden Juden bestimmten Lebensmittel unter die Juden Palästinas verteilt werden. In Begleitung MorgenthauS befindet sich der junge jüdische Professor der Havard-klniversität Felix Frankfurter. Bo« der jüdische« Orthodoxie Rußlands. Die neu entstandene national-religiöse 'Organisation „Nezach Jisrvel" in Petersburg (vgl. unsere Zeitung 9fir. 26) erläßt an alle orthodoxen Kreise der russischen Judenlicit einen Aufruf, per zunächst die hohe Bedeutung der gegenwärtigen Lage für das Judentum Rußlands hervorhcbt. Angesichts des nahenden all-jüdischen Kongresses müsse auch die Orthodoxie gleich den anderen jüdischen Parteien sich organisieren und ihre Forderungen geltend machen. Denn schon seien verschiedene indische Männer und Richtungen in Rußland für die Ausbreitung ihrer Ansichten, welche die Religion als nebensächliche Privatsache des Einzelnen bezeichnen, tätig. Diesen irrigen und gefährliche» Ideen, die die Verweltlichung der Gemeinde, d. h. die Ausschaltung her Religion aus dem Bereiche der Gemeinde umfassen, ninß das Judentum kräftig entgegcutreten und seinen wahren Willen vor dem jüdischen Kongreß verfechten, zumal jene sich als 'Vertreter des Volkes aufwerfen. Die orthodox gesinnten Schichten der verschiedenen Städte werden aüfgesordert, sich zu organisieren und der Haupt-Organisation in Petersburg beizutreten. Der Aufruf ist unterzeichnet von Rabb. D. T. Katzenellenbogen, Dr. M. E. Eisenstadt, Dr. A. E. H a r k a w i, S. Heller- Kowno, I. B- Wolf, D. Lewin, Ing. A. Tannenbaum, B. T- Kohan, I. D. Markon, I. Mark-Libau, S. Epstein, Sch. Oscrmann, E. Rosowski-Wilna, N. Rosenfcld- Warsch'au, I. Schreiber-Lodz, Dr. I. F. Schneerfohn-Homel. Eine jüdische Soldatenvereivigimg in Moskau. Eine bedeutende Zahl von jüdischen Soldaten versammelte sich! am 3./16. Mai in Moskau zwecks Begründung einer jüdischen Militärvereinigung. Nach den Begrüßungen durch, die Vertreter der Moskauer Kricgs-Hilfsgcsellschaft und des Arbeiter- und Soldatenrats legte der jüdische Militärarzt Schicki» a n n das Ziel und die Aufgaben des zu schaffenden ,,Vereins für jüdische Soldaten" dar. Zunächst habe dieser die jüdischen Soldaten rechtlich zu schützen und daher gegen den Antisemitismus im Heere anzukämpfen — eine Erscheinung, die namentlich in letzter Zeit durch hetzerische Propaganda an Stärke gewonnen habe. Arbeiten auch die jüdischen Parteien wie auch der Arbcitcr- und Svldatenrat diesem Antisemitismus kraftvoll entgegen, »> bleibt für die jüdischen Soldaten dennoch die Notwendigkeit bestehe», ihr angegriffenes Recht und ihre Ehre selbst zu verteidigen. Weiter hat die Organisation die Aufgabe, für die jüdischlen 'Heercsangehörigeir kulturelle und materielle Arbeit zu leisten. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Um die Frage, ob eine solche Organisation überhaupt nottuc, entwickelte» sich! lebhafte Debatten. Bon den Ausführlcngeir der 25 zum Wort eingeschriebenen Redner, crscheintcn die vom Vertreter' des Arbeiter- und Soldatcnratcs H i l l m a n n .als die wichtigsten. Der Plan einer jüdischen Militärinstitntion müsse abgelehnt werden, da die Interessen des jüdischen Soldaten inbczug auf den Antisemitismus der Arbeiter- und Soldatenrat vollauf wahrnehme. Anders auf kulturellem Gebiete. In dieser Hinsicht sei der Rat damit einverstanden, eine besondere, jüdische Kommission zu bilden, die aber mit ihm verbunden bleiben müsse. Dieser lebhaften Widerspruch hervvrrusendeic Ansicht traten die Bundisten bei, tvährend die „Poale Zion" und Sejmisten ihn bekämpften unter dem Hinweis auf die besonderen dem Rat fremden Bedürfnisse der jüdischen Soldaten. Das Ergebnis der Versammlung blieb schließlich die Organisierung eines großen Teiles der Versammelten zu einem Verein. Ein zeitweiliges Präsidium, das aus 12 Mitgliedern, Militärärzte», Fähnrichs und Soldaten besteht, wurde gewählt. Der K. C. im Kriege. Nach de» bis 22. Juli eingegangenen Kriegsadressen- Meldungen stehen von den über 1100 Mitgliedern des K. C., unter Einrechimng der Gefallenen und infolge Verwundung oder Erkrankung als dienstculbranchbar Entlassenen, 918 im Heeresdienst. Hiervon gehören _ bezlv. gehörten dem Feldheere 778 an. Den Heldentod starben bis dahin 71 K. C.er. Vermißt werden ferner 1 K. C.er, außer den seit mehr als 6 Monaten v.ermißten Kb. Kb. Willy Mottcck, Kurt Haas und Hans Grünwald neuerdings Kb. Fritz Walter Löwenbcrg, Spreviae. seit 5. Mai 1917 bei Laon. 5 K. C.er haben ihre AuSzeichiucng mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, 100 mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse, t Mit dem Eisernen Halbmond, 131 sonstige Kriegsauszeichnungen gemeldet. 07 K. C.er wurden.während des Krieges zu Offizieren des BenrlanblenstandeS befördert, 60 im preuß. Heere einschließlich des 'Württemberg. Kontingents und im sächs. Heere, 1t im daher. Heere. Außerdem wurden 2 K. C.er im prenß., 1 K. Cer im sächs. Heere zu Feldwebel-Leutnanls befördert, 8 K. C.er gehörten bei Kriegsausbruch als Ofsiziere des Benrlanbtenstandes dem daher. Heere au. Krankenhaus „Schaare Zedek" in Jerusakem. Das Allgem. Jüd. Krankenhaus „Schoare Zedek" zcc. Jerusalem .— Leitung in Frankfurt ä. M. — veröffeittlicht Bericht über die Zeit vom 1. Februar 1911 bis 1. Februar 1917. In diesen 1090 Tagen wurden 3085 Personen an 12,278 Berpflegnngstagen verpflegt. 2000 Personen ivnrdcn geheilt, 219 gebessert und 07 nicht gebessert entlassen und 501 starben. Die vcrhälnismäßig hohe Sterblichkcitszifser ist eine Folge herrschender schwerer epidemischer Erkrankungen; wurden doch allein in den Jfolicräbtcilnngcn 10,191 Vcrvflcgnngstage gezählt, davon allein 7117 im dritten Berichtsjahre. Außerdem fanden in der Poliklinik täglich durchschnittlich mehrere hundert Behandlungen statt. Einige Zeit wurden außerdem täglich 300 Choleraschictzimpfnngcn vorgenommen. Wie diese Zifferir zeigen, erfüllt das Krankenhaus in Jertlsalcm eine gewaltige 'Aufgabe, Natürlich bedarf es hierzu der fortgesetzten matcrielleic Förderung der Iveitestcn Kreise.*) Aus alker Welt. Oesterreich-Ungar« Wie«. Generalversammlung der Allianz. Zlnc 25. Juni fand wie gewöhnlich unter äußerst geringer Beteiligung des Vorstandes und in Anwesenheit von zwei, drei Mtglicder» die diesjährige Generalversanimlung der Israelitischen Allianz in Wien statt. Das Versiegen der amerikanischen Hilfe, die.der Allianz bis '1916 Mittel in der Höhr von mehr als 10 Millionen Kronen für die Fürsorgcaktion brachte, wird,!vie der Bericht sagt, für die Bedürftigen „zu einer vernichtenden Katastrophe" führen, lvcnn nicht die inländische Jndenschaft in die Bresche springt. Rußland. Nm die Schulfrag». Die Bildnngsgesellfchaft „Mefizeh haskalah" in Petersburg hielt am 30. Mai (12. Juni) ihre Jahresversammlung ab. Unter dem Vorsitz von I a s ch n n s k i wurden die Vcrhandlungeic, hauptsächlich um die Schnlfragen, geführt. Es schieden sich zwei Meinungecc scharf ab. Während die eine mit der Beibehaltung der bisherigen „neutralen" Taktik des Zcntral-Komitces, das. sich auf einen nnparteiischen Standpunkt stellt und Schulen verschiedenen Typs gründet, forderte die andere die Annahme eines parteilichen Charakters, ohne Rücksicht auf den Willen des Volkes, wenn dieser den Absichten der „Mcfizeh haskalah" widerstrebe. *) 'Geldsendungen an Carl Mosbacher, Frankfurt am Main, Postscheck 7785, Briefsendungen an Emil Goldschmidt, Frankfurt a. M., Röderbergtveg 63. seile 3. 'Als Vertreter der Richtung des Zentral-Komitees sprach Dr. I. Eiger über die Ziele und Aufgaben der Gesellschuft, die Notwendigkeit von Neuwahlen zunr Zentral- Komitce hervorhebend, erklärte er die Gründung voll religiösen wie auch weltlichen Schulen, deren Lebensfähigkeit sich erst zeigen müsse, als die Aufgabe des Zentral-Komitees. Rirenberg, Stiff und Tschernich o io traten denr Referenten entgegen, während Dünaburg der ersten Ansicht beipflichtet. Sodann las Herr Goldberg den Entwurs eines Budgets für das Jahr 1917 vor, das sich auf 1,336,000 Rubel beläuft, der Entwurf wurde an genommen. Ei» . Antrag von Eiger, eine Beratung von 25 Mitgliedern z,l bilden, ging durch Es wurden aber mcr 22 Kandidaten der verschiedensten Richtungen gewählt, da die übrigen 3 Kandidaten gleiche Stimmen erhielten. Die Versammlung wie die .Stichwahlen wurden auf die nächste Sitzung der Gesellschaft verschoben. Die Stadtralswrrhle» und die Jude«. Die zur Zeit in ganz Rußland stattfindendell S t a d t r a t s w a h l e n haben unter den jüdischen Parteien, insbesondere bei deir Zionisten starkes Interesse ertvcckt. Die lokalen Zionistenkomitees lverden nach einer Aufforderllng des Zentralkomitees mit reger Energie and womöglich im Verein mit anderen jüdisch-nationalen Richtungen zu den Wahlen herantreten. In Petersburg sind indessen die Neuwahlen zum Stadtrat beendet worden. Bon den jüdischen Kandidaten wurden 30 gewählt, u. a. folgeccde: Sliosberg, M. M. Winawer, Axebrod, Gotz, Liber, Wilanki», Abr am owitsch.*) die verschiedene russischen Parteien (von best Kadetten bis zu den Maximalsten) vertreten. Amerika. Für das .riorrMsche Programm. Die Konvention der Sozialisten-Territorialisten in Newhork hat auf einer Beratung den Beschlccß gefaßt, den zionistische» Forderuirge», namentlich betreff Palästinas, tätig beizustinnneii. Vorerst aber soll eine llntersnchung über die Möglichkeit einer großzügigen territorialen Arbeü iu Palästina augestellt werden. Argentinien! Eine indische Kulturtagung. Eine Tagung der Jüdische» Kultur-Organisation in A r g e n t i it i c it, die die jüdische» Schulen, Bibliotheken, dramatische» Vereine u. a. Anstalten bilden, nahm nach zweitägigen Verhandlungen in Bnenos- Aires einige Beschlüsse an, die jüdische» Kulturinstitute Argentiniens zu vereinigen, durch iiistruktorische Arbeit die kulturelle Arbeit zu vereinheitlichen, eine Rundfrageunter den jüdischen Lehrern betresfs des Erziehungswefcns zu veranstalten, mehrere nationale Schulen errichten und als offizielle Sprache der Kultur-Organisationen Hebräisch anzulvenden. Der Krieg und die Inden. Frankfurt n. M Hermann 8 e v >. Sabn des Herrn Simon Lcvk, Dörnigheimerstr. 9, wurde zum Sanitäts- Unteroffizier befördert, und Ludwig Ries. Sohn des Herrn Max Ries, Sandweg 11, erhielt das Eiserne Kreuz. Alzey. Okstzlnkiellv. Hein. Mols bei einer Lustschifferabt. erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. ReaenSbnra. Hauvtmann. Rechtsanwalt Dr Fr rtz Oettinger erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Breslau. Stabsarzt Dr. Walter Freund, ein Sohn des verstorbenen Stadtverordn. - Vorstehers Geh.' Justizrats F., erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Student Walter Deutschmann wurde znm Leutnant befördert. Wien. BlsL's „Oesierr. Wochenschrift" meldet in Nr. 30 folgende Auszeichnungen an Inden: 1 Ofsizierskreuz des Franz Josef-Ordens, 1 eisern. Kronenorden 3. Kl., 1 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 6 Wlitärverdicnstfreüze 3. Kl., 18 silberne Signum landis. 10 bronz. Signum landis, 31 gold. Berdienstkreuze mit der Krone, 32 gold. Berdienstkreuze, 11 silb. Berdienstkreuze mit der Krone, 1 gold. Tapferkeitsmedaille. 1K silb. Tapferkeitsmcdaillen 1. Kl., 10 silb. Tcchferkeitsmedaillen 2. Kl., 101 bronz. Tapjerkeitsmedaillen. zusammen 301 Auszeichnungen; hievon 121 an Offiziere und Kadetten des Soldatenstandes, 11 an Militärärzte und Mflitärbeamte, 136 an Mannschastspersonen. Bndapefl Rela Szilard, Oberleutnant. Besitzer beider Signum landis, ist ’rnit denr Ritterkreuz d es Leopoldordens. der höch!sten Auszeichnung, die bisher einem Reserveoffizier verliehen wurde, ausgezeichnet worden. Er hatte 'in der Zehnten Jsonzoschlacht am 23. Mai mit seiner Kompanie die Stellungen bei Coitanjevica zurückerobert. Personale« «. kleine Vttttellnngen. t. Berlin. Geb. SRcn'cntn^Srot D r Iolkes. ordentk. Professor an beging den A b r a h a m der Tcchn. Hochschrcke in Charlottenburg, 60. Geburtstag. Oberkantor a. D. R o s e n t h a £ — Charlottenburg, Sybel- *} Zederbaum-Martow. S Kaffee Bniilaiid 9 Eaiserstrasse 56 Eaiserstrasse 56 Täglich erstklassige IMF* UnterlialtUDgsmiislfc