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Neue jüdische Presse · 1917-08-10 · Heft 30 (10.8.1917) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 30 (10.8.1917)
Date
1917-08-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 3Ö. Seite 2. SdiU-Kate nl gegenüber dem Oeneral-Anzeiger Vornehmes Familien-Kaffee W Nachmittags n. Abends Konzert. "VI Halbwüsten Provinz in eine blüKende Stätte der Kultur und des frohlockerrden Lebens für das ganze Reich von großem Nutzen sein und die gesamte Kultur der Menschheit bereichern wird. Das sind die Prinzipien, die wir stets zur Grundlage unserer mit Palästina verbundenen Hoffnungen und Arbeiten gemacht haben. Wenn trotzdem traurige Ereignisse doch möglich waren, die einem eifersüchtigen MiMrauen gegen die Loyalität unserer friedlichen nationalen Arbeit in Palästina entspringen, so wird vor uns unwillkürlich die Frage — die nicht wir gestellt haben — in ihrer ganzen Größe ausgerollt: imviefern das nationale friedliche Schaffen in der Zukunft vor solchen Henrnwngen, die den Erfolg und .selbst den Garrg dieser urrermüdlichen TMgkeit untergraben, gesichert ist. Mcht.wir waren es, die diese Frage gestellt haben; das Leben wirft sie auf. Wir wollen aber nicht und können ün§ nicht einer Antwort entziehen. Ms wir vor zwanzig Jahren in Basel das Furrdarnent unserer Arbeit festgelegt haben, erllärten wir im ersten Puirkt unseres Progranunes, daß wir unser nationales Heim als gesichert durch öffentlich-rechtliche Garantien denken. Diesem Rcchtselement maßen unser Führer und mit ihm zusaimnen auch wir alle eine grundlegende Bedeutung bei. Dieser Anschauung blieben wir auch treu. Wir sagten' uns nur später, daß dieses RechtÄnoment nicht unbedingt die Vorbedingung für das Schaffen sein nurß, und wir begannen zu schaffen. Wir gewannen im Lande feste Positionen und eine enggeschlossene Avantgarde; wir organisierten und formten das Volk in der Diaspora. Dies alles taten wird ungeachtet der Arbeitsbedingungen, aber während der ganzen Zeit dieses Bauens, und Schaffens vergaßen tvir keinen Augenblick dieses Grundprinzip, das wir auf unsere Fahne geschrieben haben, den öffentlich-rechtlichen Charakter des hon uns geschaffenen Heims. Wir sind überzeugt, daß .gerade jetzt der Augenblick für die Formulierung dieses Teiles unseres Progrcunmes gekommen ist. Das Prinzip, das zu Beginn der Welttragödie die Alliierten ausgestellt haben, das später von den Zentralniächten anerkannt und endlich von den Demokraten verkündet wurde, ist das Prinzip der Selbstbestimmung der Nationalitäten, nicht nur der großen und mächtigen, sondern auch der kleinen und schwachen, das Heißt solcher, die in Wem Streben zur Unabhängigkeit sich nicht auf eine Macht stützen können. Jede Nation, die in dieser Richtung ihren Willen ausgesprochen hat, muß auch die Möglichkeit bekomnicn, zu leben und zu schaffen und über die Leistungen ihrer Söhne zu versügen, wie -es ihr WUle ist, wie es ihr die Eigenart ihrer Begabung, die Tradition ihrer Vergangenheit und das Ideal ihrer Zukunst diktieren. Sie hat das Recht, dies zu tun, insofern sie dadurch den Wlllen der Begabung und die Tendenzen der anderen Nationen nicht unterdrückt. Und damit diese Devise mcht auf dein Papier stehen bleibe, sondern im Leben verwirklicht werde, müssen jeder Nation gewisse Staatsrechte, öffentlich-rechtliche Garantien genmhrt werden auf dem Gebiet, in dem sie lebt. Es liegt und es kann kein Grund vorliegen, dem jüdischen Volk das Recht abzusprechen^das für alle anderen Völker anerkannt wird. Wir sahen, wie das Streben der jüdischen Volksmassen gerade in unseren Tagen in einer sichtbaren und wuchtigen Form zum Ausdruck kam; dieses Streben ist der Ausfluß des Volkswillens, ist der politische und kulturelle Faktor, mit dem die Völker, die die Grundlagen des .künftigen Friedens und Zujainmenlebens .der Nationalitäten festzusetzen haben, rechnen müssen. Man sagt uns, nur ein Häuflein unseres Volks wohnt im Lande, aber die großen Masten Frankfurter Israelitisches Familienblatt. des Volkes wohnen außerhalb dieses Landes; und auch innerhalb des Landes bilden die Mehrheit nicht die Juden, sondern die Araber. Wir sehen uns daher veranlaßt, in aller Oefferrtlichkeit von neuem zu erklären, was wir schon wiederholt erklärt haben: Wenn wir von den Rechten der Juden in Palästina sprechen, so verstehen Nur darunter nicht die Rechte und die Interessen dieser 100 bis 120000 Juden, die dort augenblicklich lebetl, sondern die Rechte und Interessen dcS viclnullionenstarken jüdischen Volkes, das, durch unsichtbare Fäden mit diesem Lande verknüpft, niemals aufgehört hat, es für das seine zu halten und sich danach zu sehnen, und das nur oort das Problem seines normalen nationalen Seins lösen kann. Das ist dgs eine. Richtig ist ferner, daß die Araber dort zahlreicher sind als wir, ungefähr eine halbe Million. Aber die Juden zusamaren mit den Arabern bilden 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung, die in Palästina einst gelebt hat, als sie jüdisch war. Das' Land ist noch unbevötkert und erwartet erst, die, die es bevölkern und erneneru werden. Für die letzten Jahrzehnte gab es fast teuren Zuwachs der arabischen Bevölkerung; eher macht sich eine Verminderung bemerkbar. Der ganze Zuwachs und zusanrmen damit auch die gesamte Entwicklung des Landes steht auf Rechnung der jüdischen Bevölkerung, die im Verlauf der letzten 40 Jahre auf das Vierfache vergrößert wurde. Dieser Zuwachs wird in einem viel beschleunigteren Tempo vor sich gehen, nachdem die elften und schwierigsten Etappen hinter uns liegen und nach! dem dem jüdischen Volke das Recht ans die nationale Selbstbestimmung gewährt werdeir ivird, das jetzt von allen anderen Völkern allenthalben verlangt upd ihnen auch zugestanden werden ivird. Für uns gibt es keinen Zweifel, daß das Judentum, ,das auch jetzt eine Kulturmacht im Lande bildet, nach ein paar Jahrzehnten die Mehrheit der Bevölkerung ausmacheu wird. Wir sind weit davon enffcrnt, etwas Schlimmes von der schönen und geistig begabten Nation der Araber zu .sagen. Zwei Tatsachen wollen jvir aber doch seststellen: .sieben Jahrhunderte sind verflossen, seit die Araber sich in diesem Lande anzusiedeln begonnen haben, und sic haben dieses Land nicht kolonisiert. Sieben Jahrhunderte sind sie dort tätig, und das einzige Zeugnis ihres Schaffens ist der wahrlich herrliche Omartenipel in der Tempelstadt Jerusalem. Alles andere blieb in derselben Gestalt und in demselben Zustand, in dem wahrscheinlich unsere Eltern es verlassen haben nach den Kriegen und Vertreibungen. Die Araber schufen dort auch kein Zentrum ihrer geistigen Kultur. Die Zentren ihres materiellen, politischen und geistigen Lebens befinden sich ans änderen Gebieten, in Bagdad, in Kairo, in Bayruth, aber nicht in Palästina. Nach Palästina zieht es den Araber nicht. Ein ganz kleines Häuflein dieses Vielmillionenvolkes ließ sich in diesem Lande nieder und führte teilweise ein Bcduinenleben. Sie haben einen kläglichen Unterhalt und sind damit zufrieden. Die Existenz der palästinensischen Araber bedroht überhaupt nichts. Die Inden haben leine Tendenz, sie zu verdrängen oder zu unterdrücken, sie sind frei und müssen frei bleiben und werden eine Mltononrie in ihrem inneren Leben genießen, wie .sie auch die Inden genießen werdeir. Die jüdische Einwandermrg wird, Jute die Erfahrung gezeigt hat, die primitive Existenz der eingebornen Fellachen materiell und geistig bereichern, indem sie ihnen die Lehren der europäischen Kultur in konkreten Beispielen vor Augen führt. Fassen wir konkret und klar unsere Wünsche zusammen: Wir halten es für unbedingt notwendig, daß die Völker, die berufen sind, die Grundlagen des künftigen national-politischen Lebens sestzulegen, mit dem unzweideutig ausgesprocherren Willen des jüdischen Volkes, von treuem Palästina als ein nationales Heim zu besiedeln und zu erneuern, rechnen. Wir halten ferner die Beseitigung aller Hemmungen und die Schaffung der Garantien, die eine" ungestörte und erfolgreiche Enüvicklung und Tätigkeit im Larrde sichern, für unbedingt erforderlich. Als eines der dazugehörigen Momente betrachten wir die vollständige Autonomie auf dem Gebiete unseres inneren Lebens. Dies sind upsere Forderungen. Wir sind überzeugt, daß in diesen Puukteu rriemarrd irgend etlvas erblicken ivird, das derr Rahmen der von jeder anderen Nationalität erhobenen Forderungen überschreitet und worauf wir nicht den moralischen Anspruch hätten. Ich bin glücklich, erklären zu können, daß alle die Männer, die die Politik lenken und, sie beeinflussen, in allen Länderir, auch in derr .sehr mächtigen, gegenwärtig unsere Aufgaben und Ziele viel tiefer und konkreter verstehen als vorher. Hier zeigt sich auch die Wirkung des Weltkrieges. .Sie sind bereit, unsere Ansprüche zu unterstützen, wenn die geeignete Stunde dazu kommen wird. Die Voller und ihre Führer verstehen, daß das, was wir verlangen, nichts anderes, ist als die.Schaffung der Bedingungen, die uns die Initiierung und Regulierung einer großen beispielloserr nationalen Arbeit ermöglichen. Alles andere bleibt uns, unserer Verantwortung und unserer Ehre überlassen. Wir glauben, daß unser Volk in der eigenen Heimat seinen Volksgenius irr seiner ganzen Macht entfalten wird. Vorr neuem wird - darin Pie Leit kommen, in .der ,xs wieder nicht nur für sich, sondern fiir die gesamte Menschheit arbeiten und ewige Wahrheiten verkünden wird! Die amerikanische Delegation «ach Rußland nnd die Inden. K o p e rrh a a e n. Die Tatsache, daß in der vor einiger Zeit nach Rußland delegierten amerikanischen Koinmijsino (unter der Leitung des Senators Rootj kein Jud'e vertreten war, hat viele nnd verschiedenartige Kommentare hervorgernfen. Die für jüdische Blätter bestimmte ' Newyorkcr Korrespondenz „Der jiddische Korrespondent" verbreitete unter dem 14. Mar die Nachricht, daß kein Jude in der nach Rußland zu entsendenden Delegation t ei ln eh me. Am 18. Mai aber brachte dieselbe Korrespondenz ein offizielles Dementi des Staatssekretärs L a n s i n g. Damit schien auch die Frage erledigt zu sein; drei Tage später aber, am 21. Mai, veröffentlichte die Newhorkcr jüdische Tageszeitschrifc „Wahrheit" eine Unterredurrg des Richters A. L. Lewy mit Präsident Wilson, in der der letztere erklärt haben soll, daß er sehr bedauere, daß fein Jude in die Root-Delegativn ausgenommen wurde; dies sei auf Wunsch der russischen Regierung geschehen, die keinen Juden in der Delegation haben wollte; deshalb habe auch der. Zionist Mr. Eugene Meyer, der als Teilnehmer der Delegation schon bestimmt war, auf sein Marrdat verzichten müssen. Diese angebliche Aenßermrg Wilsons verursachte, wie das zrr erwarten ivar, in allen jüdischen Kreisen Amerikas größtes Aufsehen. (Sitte Beruhigung trat erst ein, als der Newyorker „Tag" vom 27. Mai eine Unterredung seines Washingtoner Korresporrdenterr mit L a n s i n g veröffentlichte, in der der Staatssekretär kategorisch erklärte, die russische provisorische Negierung habe im allgemeinen keinerlei Wünsche betreffs. der Zusammensetzung der nach Rußland zrr entsendenden Delegation geäußert; was die irr der- „Wahrheit" veröffentlichte Unterredung mit Wilson betreffe, so könne er vorläufig keine Erklärungen geben, da er mit dem Präsidenten noch nicht gesprochen habe; die Ursache dagegen, daß sich Mr. Eugene Meyer von der Delegation zurückgezogen hatte, stehe im Zusammenhang mit einer innerjüdischen Frage, sei aber absolut rricht auf die Haltung der russischen Regierung zurückzuführeu. Lansing riet noch dem „Tag"-Korrcsporidenten, sich in dieser Angelegenheit an T u m n l t y, Wilsons Sekretär, zu wenden, ersuchte ihn aber gleichzeitig, dieser seiner Erklärung im Interesse der Wahrheit und im Interesse der amerikanischen und russischen Regierung die weiteste Verbreitung zu geben. Zwei Tage später (29.) veröffentlichte der Newyorker „Vorwärts" ein Telegramm seines Petersburger Korrespondenten, Ministerpräsident Fürst Lwow habe ihM erklärt, daß die Gerüchte nur eine böswillige Lüge seien; nieder die Regierung noch irgend einer der einzelnen Minister haben jemals einen Unterschied unter den Nationalitäten gemacht.^ Durch diese offiziellen Erklärungen ist wohl die russische Regierung rejng.ewäschen worden; es

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