Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 27 (20.7.1917)
- Date
- 1917-07-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 27. I- II gegenüber dem lüeneral-Anzeiger Vornehmes Familien-Kaffee Nachmittags u. Abends Konzert. Am Abend desselben Tages fand die Einweihung der neuen vergrößerten V c r e i n s r 8 u in e, die sich im Mittelpunkt der Stadt — Berlinerstraße 5, II. — befinden, statt. Vorträge, Rezitationen und Jargon lieber füllten de» Abend aus. Bei den Sammlungen zu Gunsten des Hilfswerk istina stellte sich, der I. T.-V. in den Dienst für Palästina stellte sich, ocr y. des Lokalkomitces, seine Smnmlcrinncn brachten zirka 2U00 Mark auf. Oesterrrtch-U»gar». Neue Kriegswaisenhäuser in Galizien. Der Wiener Verein zur Rettung verlassener jüdischer Kinder und das Zentralkomitee für jüdische Kriegs' waiscn in Lemberg sind unablässig bemüht, ihre Tätigkeit zu erweitern Und immer mehr Ortschaften ihre unmittelbare Fürsorge zuteil werden zu lassen. So wurde das bereits seit Jahresfrist in P r z r in y s l -bestehende Waiscnheim in einem großen, zweistöckigen, allen nwart der Vertreter der Zivil- und Militärbehörden statt. Vom Zcntrallomitcc waren der Präsident Dr. Paruas und der Generalsekretär R u b e n z a h l erschienen. Nachdem Rabbiner Gcdalje Schmelkes die religiöse Weihe vollzogen hatte, hielten der Präses des 'Ortskomitees Dr. Joachim Gold färb und der Repräsentant des Zentralkomitees Dr.. Paruas Ansprache». Die Feier schloß mit der Absingung der Volkshymnc durch bi- Zöglinge des Waisenhauses. Die Zukunft der Anstalt erscheint durch eine Stiftung des verstorbene» Bürgers Hartmayer im Betrage von 200,000 Kronen gesichert. Am 4. Juli erfolgte die feierlich- Eröffnung eines zweiten Waisenhauses in Sanrbor, am 10. Juli eines solchen in Strqj. ' Rußland. Eine Tagung Ser Gesellschaft für jüdische Hygiene. An der am 22. April (5. Mai) in Petersburg eröffneten Tagung der Gesellschaft für jüdische Hygiene nahinen Abgesandte von Moskau, Poltawa, Oriel, Nrschni- Aowgvrod, Twinsk, Witebsk, .Kiew, Polozk, Pensa, Hömel, Charkow und vielen anderen Städten teil. Die Debatten der unter Vorsitz von I. A. Pewener aus Moskau abgchaltcneu Versmnmlung, drehten sich' vornehmlich um die Frage eines jüdischen Aerztewcsens. Fast alle Redner, wie Dr. M. M. Grau, Bondcld, Schwarzmann, Perlt», .Feinleib und andere stellten sich, ans den Standpunkt daß gemäß eines nationalen Selbstbcstiinmnngsrechts der Juden ein spezifisch jüdisches Acrztewcsen seine volle Berechtigung habe. Den Juden muß die 'Möglichkeit gegeben werden, eigne jüdische Krankenhäuser zu errichten und in allgemeinen Heilanstalten die jiddische Sprach: frei benutzen zu können. Nach, der Debatte beschloß man, daß die „Gesellschaft zur Behütung der jüdischen Gesundheitihre Tätigkeit in verstärktem Maße' fortsetzen müßte. Ferner wurde 'diq^ Beteiligung am alljüdischen Kongreß beschlossen, um die^ Ausgaben der jüdischen Gemeinde inbezug auf die jüdische Gesundheitspflege festznlegcn. - Die Flüchtltvgsfrage. , Das jüdische „Zentrale Hilfskomitee-' in Petersburg hielt am 19. und 20. April (2. und 3. Mai) Beratungen ab, die der Flüchtlingsfrage gewidmet waren. M. N. Klrcinin beleuchtete in einer eingehenden Rede die Lage der Heimlosen. Seiner Ansicht nach sei die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre alten vielfach zerstörten Heimstätten zweifelhaft. Die Flüchtlinge haben sich an vielen Stellen in kompakten Massen eingebürgert, treiben Handel und Wandel/ gründen schulen, mit einem Wort: sic sind auch' keine Fremden in diesen Städten. Daher muß die Frage für sic die jüdische Gemeinde in die Hand nehmen, vorerst aber, bis zur Umgestaltung der Gemeinde in demokratischem Sinne, muß das Zentrale Hilfskomitee weiter bestehen. / In der Debatte sprachen F i s ch e l e w i t s ch, A. K a p e l und viele andere. Während Fischelewitsch sich gegen Redner wandte — unter dem Hinweis, 8<y» der Flüchtlings wünschten ihre alte Heimat wieder anfzusuchen, stimmte Kapel, Kreinin bei. Endlich wurde leine . Resolution angenommen, die Hilfsaktion für die Hcimlosen der reorgmiisierten Gemeinde, die auf Gruiid allgemeinen gleichen, direkteil und geheimen Wahlrechts gewählt werden soll, zu übergeben. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen die Hilfskomiteen ihre Tätigkeit, festsetzen. ' Es sollen nach einem weiteren Beschluß periodische Schriften und Flugblätter in jiddischer. Sprache zur Ausktärnng der Flüchtlinge über die Art der Selbsthilfe h'erausgegeben werden. Nationale Autonomie für die Sude«. L c o n C h a s a n o w i t s ch telegraphierte dem Jüd. Korrespondenzbüro im Haag, die Delegation des Arbcitcr- /nnd Soldatenrates in Stockholm habe ihm in einer Konferenz die Versicherung gegeben, daß der Arbeiter- und Soldatenrat zweifellos für die nationale Autonomie der russischen Indenheit'eintreten werde. Der Krieg und die Juden. ~ Nürnberg. Amtsrichter Dr. Friedr. Neubürger. Sohn von Distriktsrabbiner Dr. Ncubürger-Fürth rrnd Dr. jur. Ludwig A st r u ck ans Nürnberg starben den Heldentod. nnsscl Leutnant Walter G u m p r i ch aus Münster und Offizierstellv. Karl A r c n s b c r g aus Aöttingsn erhielten das Eiserne'Kreuz 1. Kl. Wren. Bioa,- ,O-tie r. Wom>n>cysisr" veizeichnct ia ihrer letzten -Nummer folgende Anszeichnnn g c n an Juden: 4 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, IMilitärverdiciistkreuz 3. Klasse, 12 silberne Signum landis, 26 bronzene Signum landis, 14 goldene Verdienstirenze mit der Krone, 10 goldene Vcrdieiistkrenze, 10 silberne Verdicnstkrcuze mit der Krone, 3 silberne Verdienstkreuz-, 6 silberne Tapferk-itsmcdaillen 1. Kl., 37 silberne Tapfcrfeitsincdaillcn 2. 5ll., 139 bronzen- Tapferkcitsmedaille», 52 eiserne Verdienst kreuze mit der Krone, 137 eiserne Vcrdienstkrcnze, 5 deutsche eiserne 5lreuze und 4 Kriegervcrdicnstmedaillen, zusammen -410 Anszeichnnngen: hievon 68 an Offizier- und Kadetten des Soldatenstaiides,. 29 an Militärärzte und Militärbeamte, 313 an Man»-- schaftspersonen. Persouatte» ». kleine Mitteilungen. Berlin. Am?0 Juni'aab hier zugunsten des Wobltätigkeitsvercin „Agudat Achim" der berühmte Warschauer Kantor Sirota wie seine Tochter Helena einen jüdisch-religiöse» Volksliederabcnd. Der Andrang war ungemein stark: 2501) Personen waren erschienen. Sirota sang unter -Musikbegleitung chassidische. Lieder in hinreißender Weise, und errang sich..den Beifall aller. Seine Tochter führte ebenfalls ihren Licdcrvortrag eindrucksvoll ans. Sirota hat darauf Einladnngcn zu Konzerten in Berlin und Frankfurt erhalten. Die Einnahme tomint den jüdische» -Notleidenden in Palästina zugute wie auch jüdisch - russischen in Deutschland weilenden hcimlosen Familien. Nauheim. Einem >eit langer Z'it vorhandenen Bedürfnisse entsprechend, vcrcinigtcii - sich in vergangener Woche unter Führung von Frau H e d w i g C r a ui e r ans Frankfurt a. M. eine Anzahl hiesiger Frauen zur Gründung einer Frauen - Chewra. Es traten sofort nach einer Ansprache von Frau Crämcr 47 Damen als Mitglieder bei. Frau Emil Roscnthal wurde als 1. Präsidentin und Schriftführerin, .Frau Löser als 2. Präsidentin und. Frau K a h n als Kassiererin gewählt. Frau Cr am er wurde zur Ehrcnpräsid-ntin ernannt und wird weiterhin Ihre Kräfte in den Dienst der Wohltätiglcit dieses Vereines stellen. Aawen Leopold Spier, Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemciiidc Aachen, feiert am 24. Juli Stadt und' Mitglied der Haiidelskamincr in Wesel. Im Jahre 1890 siedelte er nach, Aachen über. Budapest. Leopold Emil Kovstein binterließ 200,000 Kr. zur Errichtung einer urologischen Abt-ilnng am- Spital der israel. Rcligioiisgemcinde, 100,000 Kr. für Kriegswaisen am Knabe»- und Mädch-iiwais-nhans, eine Bcttstiftniig von 30,000 Kr. der Chewra Kadischa, 25M0 Kr. für Mutter- und SSugliiigsschntz, 10,000 Kr. der sozialwisscnschaftl. Geiellschast zur Prämierung .von Werken usiv. nsw. GroSno. Am 20. Mai starb in Koliowä iGcednoer Gouvernement) der angesehene Rabbiner Raw Schmarjvh Josef K a r r l i tz. Kopenhagen . In V--«er-b»-g j» der geschätzte indische Kaufmann und Wohltäter Chajim L j n b s ch i n s t i gestorben. . [ 1^ London. Die .Morning-P-st" wendet sich gegen die Ernennung des Lord M o n t a g u, weil er Jude sei. Neben seiner Liebe zum Gcburtslande sei der Jude seiner Nation treu ergebe»: es sei daher nicht ratsam, in die Negierung zu viele Juden anfziinchnleii. Wie der Rabbi von Pumpian die soziale Frage löste Von Rüben Brandes. (Aus deni Jiddischen.) (Schluß.). Er zog die stirne in Denkerfaltcn, legte den linken Zeigefinger bald auf die Nase und bald auf die Augen, kraute sich bedächtig den Kopf — denn das gehört zum Denken — und kam zu diesem Schluß: „Woher weiß man Venn, daß das Geld der Reichen genug sein werde, um alle Armen zu befriedigen? Einige Arme werden immer bleiben, und diesen kann man dann Gutes tun!" Nun blieb aber noch die Frage übrig, an welche Arme der Reichtum verteilt werden solle. I JE, T. Bodebau, Herrenschneider Fraukfurfc a. Main, Friedensstrasse No. 1 Telephon: Römer 3650. FEINSTE MASS-SCHNEIOEREI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. I F. SAINT - DEN IS. ALLE REPARATUREN an UHREN Gold und Silberwaren, Brillen lind Zwicker. Dochdiese Frage zu erledigen, war ja eine Kleinigkeit. Zuerst den Rabbinern, dann die übrigen, die in der heilige» Lehre sinnen und dann die anderen, —- wie'» gerade und wen'» gerade trifft. Nochmals dachte er alle Einzelheiten des Planes durch: er war vollkommen, kein Fehl.daran. „Deborelieb, Deborelieb!" rief er laut, „klage und weine nicht mehr, cs wird noch alles gut! Ich habe einen Plan, der wird's machen!" „Was rufst du da von einem Plan?" schrie Dcbore. „Geh'", sagte der Rabbi, „geh' und schweig', denn für Frauenhirire ist mein Plan nicht geschaffen." Sie ging verwundert wieder hinaus, — und er grübelte weiter: „Der Plan ist gut. Gut? Nein, sehr gut. Aber woher nimmt man die Reichen, gibt es dock in ganz Pumpian nicht einen von diesen Unglücklichen'? Was bleibt da anders übrig, als in., eine große Stadl zu fahren?" Ilm Sabbat teilte der Tchammcs der Gemeinde mit, der Rabbi werde einen wichtigen Vortrag hatten, Uno als die Gemeinde versammelt war, schilderte der Rabbi seinen Plan und wie die ganze Welt für ewig beglückt wäre, wenn er zur Ausführung käme. Dazu wolle er nach Wilna fahren. Man möge Ihm die Reisekosten geben. Und die Gemeinde überlegte nicht lange und ein jeder gab sein Scherslein, denn wer wollte -es nicht sür eine so wichtige Sache spenden? Am Sonntag fuhr ein einspänniger Banernwagen den Rabbi nach Wilna. Während der Fahrt gingen dem Rabbi immer wieder und wieder die einzelnen Gcdankengänge seines Planes durch den Kops. Uno je mehr er sich in sein launenhaft schönes ZnknnstSzlück verlor, umsomehr frohlockte sein Herz und um so feinere und geistreichere Beweise erdachte er, mit denen er die Reichen geivinnen wollte. Endlich fuhr das Wägelchen in Wilna ein, und der Fuhrmann wendete sich an den Rabbi mit der Frage, wo er Halt machen solle. „Natürlich bei einem Inden! Tenn welcher Jude würde auch den Rabbi von Pumpian nicht gern als Gast aiisnchmen?" erwiderte der Rabbi. , „Aber wo bleibe ich mit Pferd und Wagen?" Ter Rabbi blieb ratlos stehen, — an diese Notwendigkeit zu denken, war ihm weder im Traume noch im Wacken in den Sinn gekommen. „Wilna ist nicht Pumpian!" sagte der Kutscher, — und der Rabbi mußte dafür sorgen, daß Pferd, Wagen und Kutscher untcrgebracht wurden. „Wilna ist nicht Pumpian!" Dieses Wort heftete sich ihm fest. Zum ersten Male in seinem Leben sah er eine große Stadt mit breiten Straßen mit zweinnd sogar dreistöckigen Häusern. Und bei dem Anblick all' dieser schönen Häuser mit ihren künstlerischen Giebeln,' breiten Fassaden, prunkvollen Säulen und hellglänzenden Fenstern, crgrifs ticscs Mitleid seine Brust. Er stöhnte: „Ach, was sind Hier doch die Menschen so unglücklich!- Wie kann..-hier nur ein Mensch leben? Ich muß ihnen doch'ein Messias scin!" Und er beschloß gleich zum reichsten Manne zu gehen, der jedoch ein Kenner jüdischen Schrifttums sein müsse, damit er seinen Gedankengängen folgen könne. Man schickte ihn znm Monatsvorsteher. Er ging mit starrstaunendem Blick durch die Straßen. Jede bot ihm neue Wunder dar. Tic Häuser, das Trottoir, die Kutschen und Equipagen und erst die Menschen! Wo.» die sür seltsam ganze Kleider anhätten, was . sür weiße Wäsche! Und die schönen Ketten und Ringe! — Es war ein Jammer! Endlich aber hatte er da» Haus des Monatsvorstchers erreicht. Wieder eine Uebcrraschung. In Pumpian rvar er sein Lebtag nicht Treppen gestiegen. -Aber da ihm nun nichts anvcrc» übrig blieb, so ging,' stieg, kloniin, kroch er, an den Gcländcrsprosscn sich krampshaft festhaltend, die Treppe hinauf. .Hastig öffnete er die Tür und schrie ohne ganz einzutreten, kurzatmig ins Zimmer: „Ich bin der Pumpiancr Rabbi und Hab' mit dem Monatsvorsteher zu sprechen!" Alle im Zimmer wandten sich verivrmdcrt dem seltsamen Gaste zu. Der Monatsvörsteher, ein -Mann mit schon ergrautem Bart, stand kauf, begrüßte ihn mit Höflichkeit und Würde und bat ihn, in den Saloip einzutrctcn, da er^ noch ein Weilchen mit seinen Kunden zu verhandeln Habe. Re : De: Welch' l kniistvoll denen F ltzänzent gewebt Pertierc darstcllt siguren. mit tan in bunt in einer Sa. tonn bahn. Als er Pokale, Armges seinen } ter, da. leids ui fragte: Tc in tieft nnglück T> zuckte s N, seinen einandk härte c aus Ei das zu Reicht» mehr i fette ei klare, er der inan n konnte. „Euer ich sü> wollte, sichen übrigei Azmcn All» Streu 4.Dsbilc St Fr um Na Wisse Ansbil Beste (Harter