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Neue jüdische Presse · 1917-07-20 · Heft 27 (20.7.1917) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 27 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Juli 1917) Nr 27 Was würden die biblischen Propheten in diesem Weltkriege sagend Tiichvl'eaw-Gedanken von Tr. Sregiitund Jampct, Schwedt a. Oder. Worin besteht die eigenartige, höhere Kraft der Bibel,, durch die sie das alte Heidentum zu Boden zu werfen vermocht hat? Die Lehre von der Einheit Gottes, die gemeinhin als der Kernpunkt der ganzen biblischen Religion angesehen tvird, sie allein koimte keinesfalls eine so große Anziehungskraft auf die alten Heiden ausüben. Jene Völker, denen das Christentum seinerseits den biblischen Monotheismus übermittelte, haben, soweit ihnen ein religiöses Interesse überhaupt innewohnte, von ihren alten Lieblingsgöttern ebensowenig lassen wollen wie die biblischen Israeliten, in deren Mitte der Prophet Elias viele Jahrhunderte nach Moses im bittern und vergeblichen Kampfe gegen den Polytheismus verzweifelte, und denen Jeremias einige Jahrhunderte später noch „Der Zahl deiner Städte entspricht die deiner Götter, O Juda!" vorwurfsvoll zurufen mußte. Die bedeutenden Gottheiten der alten Heiden werden übrigens bei manchen christlichen Völkern unter dem Namen von kirchlichen Heiligen bis zum heutigen Tage verehrt. Außerdem vermag der höhere Begriff der absoluten Einheit Gottes vielmehr das philosophische als das religiöse Interesse zu erregen. Das religiöse Gefühl als solches kann auch in dem Bewußtsein, daß mehrere höhere Mächte über des Menschen Geschick bestimmen, seine volle Befriedi-. gung finden. . Die welterlösende Kraft der Bibel besteht ganz allein in der L e h r e von der rein ethischen Natur Gottes. Diese Lehre vom „ethischen Monotheismus" — wobei der Ton auf das erste und nicht auf das zweite Wort zu legen ist — war die beglückende Botschaft, die durch die Ausbreitung der Bibel zu den. alten Kulturvölkern gelangt ist, mit diesem Banner konnte die Bibel den raschen Siegeslauf über die Erde antreten. Dieser ethische Monotheismus erschöpft sich aber nicht darin, daß er Gott als den Inbegriff aller Tugend und Moral zeichnet, sondern er dehnt sich über das ganze biblische Weltbild aus, welches er im Rahmen der moralischen Weltordnung zur herrlichen Darstellung bringt. Gerade in jener Periode', in der die Bibel zu' den Heiden gelangt, lassen auch die heidnischen Denker und Religionsphilosophen das Bestreben erkennen, die unmoralischen Züge aus der Mythologie zu verwischen und die Hauptgötter mit schönen Tugenden anszustatten. Innerhalb des Semitismus müssen, wir dieses feinere religiöse Empfinden bereits in den ältesten Perioden bewundern. Was aber allen außerbiblischen Religionen und auch den philosophischen Weltanschauungen völlig fremd tvar, das ist das Erkennen der ethischen Kansalität in dem weltgeschichtlichen Prozesse, die Beobach t u n g d e r m o r a l i s ch e n W e l t o r d n u n g, in den Wechsel der Geschicke der Völker, i n i h r e m k o n t i n u i erlichen E n t st e h e n u n b„ Vergehen. Diese neue Erleuchtung hat der alten Heidenwelt die Augen geöffnet, umsomehr als die Propheten Israels Nicht allein das Schicksal ihres Volkes, sondern. auch aller anderen Nationen, die in ihrem Gesichtskreise lagen, im Rahmen der moralischen Weltordnung .betrachteten. Dieser erhabene, erzieherische Gedanken bildet nicht allein. den Inhalt aller prophetischen Reden, sondern er gibt auch die Basis ab. für . die ganze biblische Geschichte. Wie die Geschickstvendungen jeder, einzelnen biblischen Person, wirdJ^lch der Stronl 'der' Weltgeschichte im all- : gemeinen durch das Bett der moralischen Welrbetrachtung geleitet. Diese ethische Tendenz, die wir bei allen außerbiblischen Denkern, selbst in der höchsten Blüte religiösethischer Veredlung schinerzlich vermissen, zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze geschichtliche Darstellung vom ersten Blatte der Bibel bis zum letzten. Adam und Eva sterben, weil sie gesündigt haben. Die Sindflut, von der alle vorisraelitischen Völker berichteten, wird in der Bibel zu einer Sündflut, die zwecks Bestrafung eines frevelhaften Geschlechtes kommt. Palästina kann die sündhaften Urbewohner nicht mehr tragen, daher werden sie der Vernichtung anheimgegeben, dieses Land wird Israel zugewiesen, wird aber später, nachdem auch Israel der heidnischen Entartung verfällt, auch ihm entrissen. Ainos begründet die politischen Mißgeschicke vieler Völker Syriens und Kleinasiens mit völkerrechtlichen, Vorgehen. Dasselbe tun alle Propheten nach ihm. Die letzteren gehen darin noch viel weiter, indem sie auch das künftige Geschick der Nationen nach dem M a ß st ab e ihrer politischen Moral vorausbestimmen. Dieses letztgenannte Moment ist für die Erkenntnis und die. Beurteilung des währen Wesens der Propheten von der entscheidendsten Bedeutung. Gerade die Ankündigung der erschütterndsten Wendnngen nr der politischen Entwicklung der Völker gibt sich nicht als' eine himmlische Eingebung aus, als ein übernatürlicher Fernblick, sondern als eine einfache Folgerung nach der unerbittlichen ethischen Kausalität, nach dem unentivegten Gesetze der mpralischcn Weltordnung. (Schluß folgt.) Die erste Konferenz des Misrachi in Polen. (Bon unserc», Warschauer Korrespondenten.) Vom 2. bis 5. Juli tagte die Konferenz des Al inft achi in Warschau. Etwa 40 Delegierte harten sich aus 20 Städten Polens eingefunden; eine an und für sich wenig bedeutende Zahl, die erst in Anbetracht der jetzigen schwierigen Lage den richtigen Wert gewinnt. Dieser Umstand bildete auch den wesentlichsten Gegenstand einer Vorberatung, in der schließlich dahin entschieden wurde, daß die einberufene Tagung als tatsächliche Konferenz, nicht etwa als vorbereitende zu gelten habe. Sodann wurde die Einladung der „Agudät hoortodoxim" zur Konferenz beschlossen. Die Eröffnungssitzung leitete der verdienstvolle Vorsitzende des Warschauer Misrachi Lewi Lewrn-Eppstein mit warmen Worten ein. Es folgte die Wahl eines Vorsitzenden, die auf. den Rabbiner von Gombin FL. Slotnik fiel, eines Präsidiums und einer Permanenzkommission zur Ausarbeitung von Vorschlägen. Das erste eingehende Referat hielt der erwähnte Gombiner Rabbiner über „Religion, Nätionalismus und Zionismus", welchem Referate sich eine längere Aussprache anschloß.. Die folgenden Sitzungen brachten zunächst eine längere 'Rede von M. Milejkowsti über die Entstehung des Misrachi und die Berichte verschiedener Delegierten über die Tätigkeit ihrer Vereine. Im Anschluß an die Ausführungen Milejkowskis fand ein lebhafter Meinungsaustausch statt. Ein Referat von Kirschenb anm hätte die Aushebung der hebräischen Sprache zum Thema. In der anschließenden Debatte wurde die Abstellung verschiedener Mißstände im Cheder, namentlich die mangelnde Ausbildung der Lehrer gewünscht — vermittels eines zu schassenden Lehrerseminars. Am letzten Tage stand, im Mittelpunkt der Verhandlungen der Vorschlag, eines Redners, die finanzielle Verwaltung des Misrachi von der 'Zionistischen Organisation getrennt zu führen, in jeder Stadt ein besonderes Komitee zu bilden und die vom „Misrachi" dem Rätionalfonds zufließenden Gelder auf eignen Rämen zu buchen. Der Pian ries heftige' Debatten hervor. Mehrere Redner ergriffen das Wort. Der letzte, stellte sich! dem Vorschläge schroff entgegen,-indem er vor der Gefahr des Separatismus in den eignen Reichen warnte. ■ In der Schlußsitzung wurden die von der, Permanenzkommission.ausgearbeiteten Beschlüsse fast einsfimmig angenommen. Die Schlußrede hielt eindrucksvoll I. L. Slotnik. Dem Gombiner Rabbiner als auch dem Initiator der Konferenz L. Lewin-Eppstein wurden stürmische Ovationen zuteil. Rach den angenommenen Resolutionen wurde beschlossen, das jüdische Volk unter der Forderung eines autonomen Palästina zu vereinigen und bürgerliche und nationale Gleichstellung der Juden in den Diasporaländern zu fordern. Das Zentralkomitee hat ein Lehrer-Seminar - zu gründen. In den Chadorim sowohl als auch Schulen, ist die hebräische Sprache als Unterrichtssprache der jüdischen und allgemeinen Lehrfächer zu führen, im Falle der technischen Undurchfiihrbarkeit dessen jiddisch. Was die Taktik des „Misrachi", in Polen in politischen Fragen anbetrifft, so sind dieselben in Einklang mit der Zionistischen Landesorganisation zu bringen. Die Gelder, die der „Misrachi" in Polen für den Nätionälfonds aufbringt, werden dem Zentralfonds in Polen überwiesen. Die Mitglieder des Misrachi sind -verpflichtet, bei den Gcmeindewahl^n die Wahl von traditionellen Männern durchzusehen. Ferner beschloß die Konferenz, das Zentralkomitee mit der Ausarbeitung eines groß-kolonisatorischen Planes zu beauftragen. Zur. Verbreitung des »liscachitischen Gedankens in Polen, wird die Herausgabe einer Propaganda-Literatur, eines besonderen Misrachi - Organs und eine verstärkte Werbetätigkeit beschlossen. Das Budget ist auf 20,000 Rubel jährlich beziffert. Eine Protest-Resolution wendet sich scharf gegen die Elemente, die aus 'nationalem Verrat das Judentum offen als religiöse Sekte bezeichnen. In das Zentralkomitee gingen: Lewin-Eppstein, Schts ch era n s ki, K i rs'che n b a n m und Meerenholz (Warschau), die Rabbiner von Wloclaweck, L o m b i » und P l o z k und no-ch 13 Mitglieder. Das Verhältnis der „Agudoh" zur Konferenz beleuchten einige im „Jüdischen Wort" erschienen schmähliche wutknirschende Artikel, wogegen die Konferenz in - würdiger Weise protestierte. Die Konferenz hat zweifellos ein volles Gelingen gehabt. Ein mächtiger Ansporn ist zur Entwicklung des Misrachi gegeben, die Früchte werden nicht anshieiven. Aus aller Wett- ' Deutsches «eich. Von Ser Würzburger Universität. Das „Jnd- Echo" berichtet: > Geh. Rat Prof. Dr. Ern st M aycr liest deutsches Recht und sagt gelegentlich der Erörterung der rechtlichen Lage der Juden im Mittelalter: „Die Juden, welche auch jetzt inr Begriffe waren, uns die Kehle zuzuschnüren." Man wandte sich persönlich an den Rektor der Universität, Prof. Dr. Schmidt, durch den dem Beschwerdeführer folgendes eröffnet wurde:. „Das Rektorat als solches hat mit der Angelegenheit amtlich nichts zu tun. Zur Vermeidung eines Skandals hat der Rektor lediglich versucht, die Sache in Güte zu ordnen. Prof. .Mayer sieht sich zu einer Erklärung dem Beschwerdeführer gegenüber nicht veranlaßt. Er hat nur an den Rektor einen Brief gerichtet und ihn ermächtigt, dem Beschwerdeführer dessen Inhalt bekanntzugeben. Danach bestreitet Prof. Mayer die Aeutzerung nicht, erklärt jedoch, dieselbe 'sei in einem Zusammenhang gefallen, der jede beleidigende Wsicht ausschließe. Er habe nämlich den Standpunkt vertreten, daß die Inden von jeher .durch das ganze Mittelalter hindurch in schroffstem Gegensatz zum Germanentum gestanden hätten, was sich bis zum heutigen Tage erhalten habe. Beweis dafür sei der Abfall Italiens, das Eingreifen Amerikas gegen Deutschland: beides sei ans jüdischen Einfluß zurückznsnhren. Es müsse jedoch zugegeben iverden, daß die übergroße Mehrzahl der deutschen Juden sich Mühe gibt, diesen allgemeinen Zug ihrer Rasse zu überwinden und. redlich für das deutsche Volk, das sie ausgenommen hat, einzustehen^ Haben die jüdischen Studenten Würzburgs sich mit dieser „Entschuldigung" zufrieden gegeben? Posen. Jüdischer Turnverein. Um der jüdischen Oesfcntlichkeit Posen's einen Einblick in seine Kriegsarbeit zu geben, veranstaltete der Jüdische Turnverein am 8. 7. 1917 eine .Seffent-- liche Frauen turn stunde." Geräte- und Freiübungen wurden tadellos aüsgeführt und fanden den Beifall der zahlreich erschienenen Züschänert

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