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Neue jüdische Presse · 1917-07-06 · Heft 25 (6.7.1917) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 25 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Zur Wiederherstellung des durch eine so lange Zeitspanne gelörten Zusammenhanges in der Berichterstattung, ist ein Slnszug aus den Sitzungsberichten des Ausschusses vorangeschickt. Es folgt eine Reihe, von Nachrufen auf die in leider.sehr großer Zahl verstorbenen hervorragenden Mitglieder, des Ausschlusses. Unter der in'einem besonderen Artikel besprochenen „Örganisationsfrage" beansprucht die in.Aussicht genommene Zentralisierung der Wohltätigkeitsbestrebungen eine besondere Bedeutung. Dem Versuch, unseren Kriegsteilnehmern das Gemeindewahlrecht zu sichern, ist leider der Erfolg persagt geblieben, dagegen hat die gemeinsam mit dem. Rabbinerverbande an Len preußischen Kultusminister gerichtete. Eingabe in Sachen des Religionsnnterrchts an höheren Lehranstalten den gewünschten Erfolg gehabt, daß durch, Bescheid vom 17. März '1317 ein Zeugnis über den jüdischen Religionsunterricht nicht nur in sämtliche Klassen-, sondern auch in das Abiturientenzeugnis ausgenommen wird. — .Die Erklärung des, Justizrats'Dr. Blau aus Frankfurt a. M. über die Konferenzgemeinschaft der Gvoßgemeinden ist bestimmt, vielfach deichende Mißverständnisse aufzuklären. Oesterreich-llngar«. Tagung der Status-Quo-Gemeinden. Die unter.dem Vorsitze des Oberrabbiners Kraus- Lebrezinchnb dS Gemeindevorstehers D i a m'a nt- Tirnau stattgehqbte Tagung der Status-Quo-Gemeinden nahm folgenden Beschluß an: ' /Tie auf dem Boden des Schiulchan Aruch stehenden ungarländischen israelit. Status-Quo-Gemeinden bilden zur Unterstützung der die einheitliche Autononcie bezweckenden Bewegung und -bis zur gesetzlichen Regelung der einheitlichen Autonomie der Konfession behufs Wahrung ihrer gemeinsamen Moralischen und "inateriellen Interessen zwecks Regca lung' -ch^es BerkehVs- -miteinander und mit der könitzls «ngar. oNcgierung'chM> behufs- Vollendung deO LaiweSverü iretung der «Konfession ohne Berührung ihrch Gemeinde- Autonomie ' — einen-nKa ndesverband. ' Zur Leitung der Angelegenheiten des Verbandes, gleich-. zeitig' zur Vermittlung'des Verkehrs mit der'Regierung wählen sie ein Aktionskomitee. Zugleich wird dieses Komitee beauftragt, betreffs der einheitlichen Autononcie mit decc anderen zwei Organisationen der Konfession Verhandlungen zu beginnen." Die Verhältnisse liegen nun so, daß die Neölogie gern die Hand bietet, die auf dem Bode» des traditionellen Judentums stehenden Status-Quo-Gemeinden aber bei Wahrung ihres Standpunktes keine Möglichkeit finden werden- <-sie anzunehmen, während andrerseits die Trenuüngs-O'rthddbxie' die Hand der Statns-Quo-Orthodoxie. dieiuder - Gemeinde - Orthodoxie in Deutschland entspricht, verweigert: - Rußland. " Juden in der Vorbereitungskommissto« für die Konstttuante. An der „Besonderen Beratung" der Kommission, die zu der Borbereitungstätigkeit für die Konstituante eingesetzt wurde,, nehmen nach „Mwoje Wremja" folgende Juden teil: -Als Vertreter der jüdischen Parteien: N. M. Friedman», O. O. Grnsenderg und W. A. Kantorowicz. Als Vertreter russischer Parteien: L.. Branrson, ' M. M. Dobranitzki und N. W. S w i atitzki (Arbeiter- und Soldatenrat); dann M. M. Vinower (Kadetten-Partei); I. A. Zederbaum, V. N. Krochmal (Sozialdemokratische Arbeiterpartei), M. W. B er »'stamm (National-Sozialisten), M. W. Wisch'n i ak (Sozialrevolutionäre) und schließlich juristische , Sachverständige A. I. Halpern und W. M. G essen. Eine Tagung jüdischer Kolonisten. Eine Tagung der jüdischen Kolonisten im Gouvernement Chtzrson fand am 12./25. und 13./26. April ms Cherson statt. Etwa. 18 jüdische Niederlassungen hatten zu den Versammlungen Vertreter entsandt. - ' Zur Organisierung der kolonisatorischen Tätigkeit beschloß man/'ein Zentral-Organ zu bilden, ihm soll die Verwaltung der Kapitalien der Kolonien obliegen. Weiter! soll dem berüchtigsten Vertrauensmann der zarischen Regierung - dem Hauptrabbiner Krebs das.Amt entzogen. .und (die Petersburger > jüdische.- Gemeinde zu einer zeitwxisen Uebernahme des Hauptrabbinat veranlaßt/ Werdens v Schließlich wurde " eine lebhafte Borberei- . Frankfurter Israelitisches Familienblarr. ' tungsarbeit für . die Konstituante- sowie die: Beteiligung am . jüdischen Kongreß'^ beschlossen.^--s' - Die Jude« und dich erhoffte tzaudverteiluug. , „Tjen" vom- '29» 'Wsk berietet, im Prosürrower Distrikt hätten'7 JhdMaÄlpeisungen' in verschiedenen Dörfern stattgefunden'. Auf diesbezügliche Anfrage der Behörde -antworteten die Bauernvorsteher, sie wünschten nicht, daß bet der Bodenverteilung unter die Bauern auch die Juden Land erhalten. , ''. -m. Koufereuz der finuischeu Juden. Die Juden Finlands planen eine Inferenz, die im August nach Helsingfors einberufen werden soll. Die Tagung wird ein Gesetzprojekt über die Gleichstellung der finnischen Juden und über die Organisierung der jüdischen Gemeinden Finlands ausarbeiten, um es dann den maßgebenden finnischen Stellen vörzulegen. Ueber diesen Plan hielt Winäwer mit den jüdischen Vorstehern in Wib'org Beratungen ab. Schweiz. Luzern. Ausländische Ferieukiuder. Am 27. Juni folgten einige Vorstandsdamen der isr. Frauenvereine Baden, Basel, Bern und Zürich der Einladung des hiesigen Vereins zur Besichtigung des für die ausländischest Ferienkinder in Aussicht genommenen AnweseUs und zur Besprechung der noch zu erledigenden Einzelheiten . hinsichtlich der Aufnahme der Pfleglinge. - Frau Erlanger- Luzern leitete die Sitzung. Das von der Stadt gemietete und in günstiger Lage zehn Minuten Entfernung vom Hauptbahnhof liegende Anwesen enthält 37 Betten. Tische, Bettwäsche usw. sowie Kücheneinrichtung. Der Vertrag wurde genehmigt. Frau. Erlanger erbot sich, als Hausmutter zu fungieren. Italien. . Rom. Rabbinerversammlung. Ani 26. und 27. Juni fand in Bologna die erste Versammlung der Rabbiner Italiens statt. Das Problem der Erziehung, die öffentlichen Organisationen zu rituellen Zwecken, die jüdische Frage und Wahl des Vorstandes des Rabbinerverbandes waren Gegenstand der Beratungen. ' Rmnäuie« Trostlose Lage der Juden. Wie „Tjen" aus Jassy meldet, sind die Juden entgegen allen Versprechungen der Regierung rechtlos geblieben. Auch fanden sie bei dem gegenwärtig in der Moldau herrschenden Lebensmittelmangel nicht die geringste Hilfe. Ganze Familien sterben vor Erschöpfung. Sofortige Hilfe mit Lebensmitteln und Medikamenten sei notwendig; diese Hilfe kann nur aus Rußland kommen, da die rumänischen Behörden nur die christlichen Rumänen unterstützen und unter den Juden wegen deren angeblicher Deutschfreundlichkeit ständig Verhaftungen oder sonstige Repressalien vorUÄ/Mo'n. i iäxa]: .n»t' . :■ Amerika. M Ein Grutz «ach Europa. Auf'-idsr Generalversammlung der Isr. Allianz in Wien überbrachte S. Bettel heim Grüße aus Amerika. Er war bei der jüngsten Jahresversammlung der Newyorker „Kehilla", die gänzlich« im Banne .der Kriegserklärung und der Begeisterung für die russische Freiheitsbewegung stand. Ein besonders' stimmungsvoller Moment entstand vor dem Schlüsse der Versammlung. Der Vorsitzende Dr. I. L. Magnes richtete da eine herzliche Abschiedsrede an den Redner, der im Begriffe stehe, nach Europa zurückzureisen. Er dankte dem Scheidenden für seine rege Anteilnahme an.dem jüdischen Leben und entbot im Namen der Versammlung den Brudergruß an die österreichisch-ungarischen Juden. „Sagen Sie unseren Brüdern in Oesterreichs-Ungarn", sagte Dr. Magnes unter stürmischen Beifallskundgebungen, „daß der Abbruch der Beziehung das Band der brüderlichen Liebe nicht zerschnitten hat. Wir flehen um einen baldigen Frieden, welcher die namenlosen Leiden der Menschheit endigen und wieder ein brüderliches Zusammenwirken im Dienste der Menschenliebe ermöglichen wird." Der Krieg «uv die Jude«. BreSlaü. Oifizierstellv. Dr. Erich Bry wurde mit dem Eisernen Kreuze 1. Kl. ausgezeichnet -und Rechtsanwalt Loebinger-Kattowitz zum Rittmeister befördert. Gefreiter Dr. Kurt Unger, Vizeseldw? Student Rudolf Freund und Max Schmidt erhielten, das Eiserne Kreuz. 2. Kl. Königsberg. S ab-arzt D r. R o in m erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Freiburq. Fltegerleumant Dr. jur. Franz Ros in, Sohn des Geheimen Rais Prof. Dr. . Heinrich Rosin, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. und 1. Kl:, ist gefallen. Burgvrevvach. Lehrer Aron H i r l ch m a n n. Inhaber des Eisernen Kreuzes' und des daher. Perdienst-, kreuz es 2. Kl. m. Schch., wurde zum Leutnant befördert. ' . g; Kaffee Ruhland Kaiser8b:asse 56 Kalserstrasse 56 ‘r, TSglloh erstklassige DM", ijnterhaltangamnslk Ctesangs - Einlagen. / . öenro. ■ wIlMJl Kaiserhorstr. 14. Waschen, Färben und Fagonnleren aller Art Herren- und DamanhütOm —— Abholung und Lieferung frei ins Haus. —— Bob Schwalbach. Offizierstellv. Fritz S t r a u g, Sohn' der Inhaberin des Hotels Strauß» Jnhaber. des Eisernen §kreuzes 2. Kl. und der Hess, TapserkeitsmedahM. erhielt' das' Ets er ne K r euz 1. Kl. " ' ' Wien ,.Bt> chs Wocve sctnin" verzeichnet in ihr>r letzten Jcummex folgende Auszeichnungen an Juden: 1 Eis. Kronenorden 3. Kl., 2 Militärverdienstkr: 3. Kl„ 17 Silb. Signum laudis, 19 Bronz. Signum laudis, 24 «Gold. Verdienste, m. Kr., b Gold. Berdienstkr., 3 S.ilb. Verdienstkr. m. Kr., 1 Silb. Berdienstkr., 9 Silb. Tapserkeitsmedaillen 1. Kl., 40 Silb. Tapferkeitsmedaillen 2. Kl... 100 Bronz. Tapferkeitsmedaillen, 1 Eisern. Berdienstkr. m. Krone. Der Kaiser schenkte dem 86jührigen Simon Krammer in Esztergom, dessen acht Söhne seit Kriegsbeginn Frontdienst leisten, und dem SimonKlein- Esköbölkut, dessen sieben Söhiie auf den Schlachtfeldern kämpfen, je 500 Kr. und eine Uhr. Fliegeroffizier Oberleutnant Maximilian Bardach, Edler v. Chlumberg, ist abgestürzt., ^crfotiUe» «. (leine Mittettuage». Berlin Dr. vbil Dr. ing. Leon L'chtenstein, geboren 1878 in Warschau, Privatdozent füc Mathematik an -der Technischen Hochschule, erhielt den Titel Professor. Berlin.. Wie die Jüd. Presse" miueilt. haben sämtliche konservative Repräsentariten der jnd. Gemeinde und chre Stellvertreter die Aemter niedergelegt. Tr. Wehl-Kaiserslautern, Dr. Loeb-Karlsruhe sind von der Jüdischen Gemeinde als Prediger und Dr7 Keller mann als' Gemeinderabbiner berufen worden. Achim. David 6’ l e iit am 23. Juni im Alter von 88 Jahren bei seiner ältesten Tochter in Hamburg gestorben. Er war vom Jahre 1876—96 als Lehrer in der öffentlichen Volksschule und als .Vorsteher in der Gemeinde Achim tätig. Im Jahre 1896 wurde er pensioniert, und nach dem Tode seiner Gattin siedelte er aus - seinem schönen, gemütlichen Heim, das er sich hier begründet hat, nach ^Hamburg über. Die Leiche wurde nach hier überführt. Ain Grabe sprach vor einem großen Gefolge, das aus allen- Schichten der Bevölkerung zusammengesetzt war, von dem Leben und Wirken dieses Mannes der Nachfolger Lehrer Rothschild. Er baute seine Ausführungen auf aus! dem Satz in Sprüche der Väter: „So ist die Weise der Thora- Brot mit Salz essen, Wasser mit Maß trinken, auf der Erde schlafen, ein entbehrungsvolles Leben führen, doch mit der Thora sich abmühen. Wenn du so tust, heil dir in dieser'Welt, und gut geht es dir in der künftigen Welt." David Erle war ein selten anspruchloser, bescheidener, natürlicher, schlichter, von wahrem Gottvertrauen getragener Mensch. Nicht nach^Wßerent Ruhm und Glanz war sein Sinn gerichtet, sondebn-iw'-''Mnem behaglichen, einfach .schlichten Heim, bei iBrot mrti-Malz -und-,Wasser fühlte er sich zufrieden und glücklich. Durch eifriges Studium erwarb er sich namentlich auf dem Gebiet der bebr. Wissenschaften große Verdienste. — David Erle stammie aus den kleinsten Verhältnissen aus einem Städtchen des Böhmerlandes. Er wanderte nach Deutschland aus, um sich dem Studium der hebr. Wissenschaften zu widmen. Sein Weg führte ihn nach. Hannover, wo er nach zweijährigem Studium die Lehrerprüfung bestand. Er wirkte nur in Arzen (Hann.) und in Achim. Bemerkenswert aus seinem Leben ist noch die Tatsache, daß David Erle, durchdrungen von der Wahrheit des Seches: Hgndwerk hat goldenen Boden, und den Geist der Zeit verstehend, alle seine Söhne ein Handwerk erlernen ließ, — und aus seinen Söhnen, dem Buchbinder, dem Schlosser und dem Elektrotechniker sind Fabrikanten geworden. NaMder Grabrede ergriff der frühere Borsteher^^l^r hiesigen Gemeinde A. M. Heilbrann.das Wort, um im Namen der Gemeinde dem Dahingeschiedenen den Dank für sein segensreiches Wirken auszusprechen. Landsbera tOberickilei.» Herm. Brinitzer u. Frau Laura, geb. Matzdorff, feierten die goldene Hochzeit. Wien. Dr .Strauch er dat mt Abgeordaetenhanse cm die Regierung die dringliche Anfrage gerichtet, ob sie bereit sei, eine außerordentliche Revision des Hilsner- Pr 0 z e s s e s — Hilsner sitzt feit 18 Jahren infolge Blut? beschuldigung im Kerker — im Sinne des § 362 der Strafprozeßordnung zu verfügen. Er wies dabei darauf hin, daß in. Rußland eine Ueberprüfung des Beilis-Prozesses defsen völlige Unschuld erwies. Lemberg. Overl->nde«ger>cklsrat Dr Emanuel Dresdner, der während des' russischen Einfalls als Mitglied des jüd. Rettnngskomitees tätig war, ist mit dem Titel Hvfrat ausgezeichnet worden Rom. JnAcani veritarvRaiiaele Ottokengbi. hoch angesehen bei 'Christen und Juden. Er war Sozialist. Als Schriftsteller beschäftigte er sich mit der Wissenschaft des Judentums; bekannt sind seine „Stimmen aus dem Orient''', die reiches Material enthalten Ottolenghi vermachte 30,000 Lire der Armensürsorge der Stadt Acqui. wovon 20,000 Lire für die Errichtung eines Pavillons für Lungenkranke und 10,000 für «äuglingsfürsorge: 4000 Lire der israel. Gemeinde in Acqui, je 500 Lire den drei Arbeitervereinen: 30.000 Lire dem räbbinischen Seminar in Florenz. 15,000 Lire dem israelischen Waisenhaus' in Turin. Außerdem sollen 20,000 Lire dem Rabbiner Margulies in Florenz zur Verfügung gestellt werden, damit sie dieser nach seinem Gutdünfrn einer nationalen oder internationalen jüdischen Organisation, die sich mit der Wiederbelebung der jüdischen Ideale befaßt, zuwende. '

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