Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1917-07-06 · Heft 25 (6.7.1917) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 25 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2692297-2693025-2693050--09958-2705232
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4. T. Rodehau, Herrenschneider K Frankfnrta. Main, Friedensstrasse No. 1 Telephon: .Börner 3650.; TfirarSTE 5IA88-8CHÄ EIDEBBI. Anf Wunsch koschere Verarbeitung. PeterSlmrq. Der bÄannte Jurist Blumenfeld wurde zum .Senator ernannt. _ SmUtoiu Ueber den verstorbenen Leopold de Rot yschild schreibt die „Times": Obwohl durch und durch Engländer in seinem Wesen und in seinen Migungen, war er doch immer ein eifriger.Jude. In einer Versammlung des Vereinigten Jüdischen Komitees (Conjoint Committee), die vor einigen Monaten in London stattsand, schloß der Verstorbene eine Rede mit solgender Erklärung: „Ich bin ein Jude und ein Rothschild, und dies sind zwei Dinge, auf die W am meisten stolz bin." Er war immer eifrig bemüht, die Rochschildsche Tradition der Anhänglichkeit an die jüdische Rasse und den jüdischen Glauben ebenso wie an die Sache der bürgerlichen und religiösen Freiheit unangetastet aufrecht zu erhalten, und mit Rücksicht ans diese Auffassung gab er vor einiger Zeit- Instruktionen die authentische Geschichte seiner Familie zu schreiben. Als Präsident der vereinigten Synagoge wurde er Titularchef ' der englischen Judenschast, aber er war ebenso unermüdlich int Teilnehmen an den Versammlungen anderer ösfentlicher jüdischer Körperschaften und in der Ueberwachung der geringfügigsten Einzelheiten ihrer Arbeit." Frankfurter Berichte. Ae «xisteuzfrage der Diasporajuden. Am 28. Juni veranstaltete die „Zion. Jugcndgruppe" in ihrem Heime, Taubenstratze 11 pt., einen Dislussionsäbend ' über den bei der Heimeröffnung am 14. Juni gehaltenen Bortrag von Herrn Dr. Szmnetz über die Existenzfrage der Diaspörajuden. Dr. Szametz faßte kurz seine letzten Ausführungen zusammen und hob ausdrücklich! hervor, daß er in seinem Vortrage. lediglich den Standpunkt Klatzkins, den dieser in einer Artikelserie im „Juden" entwickelte, anseinandergcsetzt habe, ohne sich jedoch mit diesem Standpunkt zu identifizieren. 'Denn während Klatzkin die nationale' Existenzmöglichkeit des Diasporajudentums auch nach der Schaffung eines jüdischen Zentrums in Palästina bestreite, weil einerseits die Abnahme des Religiösen, andrerseits der immer mehr zunehmende Einfluß der nichtjüdischen Umgebung aus das Golusjudcntum assimilierend und auflösend wirke, sei er der Ansicht, daß — sobald es gelungen sei, in Palästina ein jüdisches Zentrum zu schaffen— die Ausstrahlungen des palästinensischen natiomck-knlturellen Lebens bclebeud und .befruchtend auch Aas Diasporajudentum beeinflussenwerde. . - Es entwickelt sich nach diesen Ausführungen eine lebhafte Aussprache. . Jakob Wolfs stellte sich in schroffen Gegensatz zum Standpunkt Klatzkins, indem er die Zukunft des Diasporäjudentums b e j a h t c. Man dürfe sich allerdings das Judentunl ohne sein religiöses Prinzip nicht denken, Mrs Diasporajudentum erscheine — solange seine religiöse Äasis unangetastet bleibe — nicht gefährdet. Ing. Fey giii verteidigte den Klatzkinschpn Ltaiidpunkt. Er will stets das Hauptgewicht auf rein nationale Erziehung und Ausbildung gelegt wissen. Wolpert betonte ebenfalls die Mtwerrdigkeit der religiös-nationalen Erziehung und meinte, daß dann keine Ursache vorliege, an dem Fortbestand. des Diasporäjudentums zu zweifeln. Er wußte seine Darlegungen mit interessanten Zitaten aus dem Talmud zu unterstützen. Wahrman n vertrat den kulturzionistischen' Standpunkt Achad Hamns, verlangte aber ebenfalls, daß die national-kulturelle Erziehung nicht in das antireligiöse Fahrwasser gerate, da dies auch qarnicht in' der Slbsicht Achad Haains liege. ■ tt ' Es sprachen noch Frl. S.chiratzki, Herr Falk und viele andere, deren Äusführrurgen sich im wesentlichen'^nnt den erwähnten Ansichten deckten. - Erste Berliner Wäscherei und Glanz-PMttereh Han«« Tel2002. H pntlanfatm««all Hans« Tel. 2Q02 SpedsUtB: Kragen, MmRchntteii und ■ Hemden. Die Geschwister. Erzählung aus dem füntzehnten Jahrhmchert von B en - A v ig d o r. (Schluß.) „Als du mir deine Lebensgcschichte erzähltest," Mahm'Miguel nach eurer kurzen Pause wieder auf, „stieg in mir einen Moment die Ahnung' auf, daß du meine Schwester seiest; aber der Schwiegervater meines Vaters hieß doch! De Abulesia, > wie kam es daß du. bich De Castraiftennst?" - Frankfurter Israelitisches Familienblatt. „Diesen dtamen -nahm der Großvater später an, um den Verfolgurtgen der Inquisition zu entgehen," erklärte Emilia. Sie wandten sich um; die Schatten hatten sich auf die Landschaft gesenkt, nur noch die Spitzen der Türme flimmerten in den letzten Strahlen der untcrgegangencii Sonne. „Wir beide haben dort geliebte Seelen zurückgclassen," sagte Emilia und ihr Gesicht nahm einen kummervollen Ausdruck an, „aber deine Braut blieb doch am Leben, und mein Geliebter mußte auf so schaudervolle Art von der Welt scheiden..." Miguel schwieg und kämpfte die aufwallcnde Rührung nieder. „Aber," sagte Emilia weiter, „jetzt dürfen wir nicht an unser eigenes Leid denken, da! die Gesamtheit sich in so schwerer Lage befindet." „Wohin wandern wir?" ftagte Miguel, erstaunt über.sich selbst, sich bisher diese Frage noch nicht vorgelegt zu haben. „Ich denke, wir gingen am besten nach Portugal; ich horte, daß viele Emigranten sich dorthin weitden." . „Nein," entgegnete Emilia, „wir gehen lieber irr die Türkei, die Musrlmanncn haben uns immer güttg behandelt, und auch jetzt werden wir dort eine Zufluchtsstätte finden." „Glaubst du denn, Emilia, daß die katholische Religion die Ursache unserer Verfolgungen ist?" .„Das glaube ich nicht; keine Religion befiehlt. Andersgläubige zu hassen; aber ein Vorwand für unsere Verfolgungen ist sic allerdings." „Wann wird endlich unser Mühsal ein Ende nehmen?" fragte Miguel traurig. „Auch unsere Leiden werden ein Ende erreichen," ließ sich die zitternde Stimme des Greises vernehmen, „Die Stunde der Erlösung wird auch uns schlagen, und wir werden heimkchren in unser wahres Vaterland und nicht mehr leiden." „Aber welch bitteres Los ist es doch!" sagte Miguel. „Warum müssen wir gerade soviel dulden, mehr als alle Volker der Erde!" „Wer kann den. Rat Gottes ergründen und seine Weisheit fassen?" antwortete der Greis. —- Noch einmal stieg Claras Gestalt vor Miguels Seele auf, aber der Sturm in seinem Innern hatte sich gelegt. Er erinnerte sich der Worte seines Onkels, 'daß echtes Familicnglück nur dort blühen kann, wo Mann und Frau einen Geist, eine Sprache, einen Gott und ein Gebet haben! Auch wenn er jetzt nach Spanien zurückkehrcn würde, er könnte sich rnif Clara nicht . verbinden . . \ Aber ihr Los schnitt ihm ins Herz; sie war doch so unschuldig! . * 20. Langsam senkte sich die Sonne im Westen. Aus den: Himmel stand eine lodernde Röte. So ging ■ die Sonne der spanischen Juden unter. . . Ein leiser Windhauch wehte; tiefe Stille herrschte in dem Zuge der Auswanderer. Sie machten Halt und rüsteten sich zum Mmchah- Gebet. Miguel verstand das Gehet nicht, aber der Geist, der sic alle durchdranz, teilte sich auch ihm mit. Anfangs klang die Stimme der Betenden! voll Jammer und tiefer Klage, dann wurde sie ruhiger, bis eirdlich das Gebet sanft und leise, wie ein lindernder Tränenstrom dahinsloß . . . Das Volk hatte das alte Gerüste seines Stammes angelegt, das mutige, unerschütterliche Gottvertrauen. Da bestieg der Rabbiner der Gemeinde, ein Greis mit wallendem Sllberhaar, einen Stein und begann zum Volke zu sprechen. Furchtbar llangen die Worte in Miguels Ohren. . . Der Rabbiner beschwor das Volk, nie mehr nach Spanien zurückzukehren. „Wie kann das sein!" empörte sich . Miguel in seinem Innersten. „Und wenn das Vaterland uns wieder seine Tore austut, werden wir da nicht wieder heimkehren?" . „Derjenige sei'aus Israels Gemeinschaft verbannt," Hallten die flammenden Worte des Rabbiners, scher je in dieses Sanb zurückkehrt!" , „Amen '." antworteten tausendstimmig die Auswanderer. Auch Emilia rief: „Amen!" Miguel hielt sich die Ohren zu. „Flüche nicht!" flehte er, „wir werden doch wiüwrkehren!" „Derjenige sei, verbannt aus Israels Gemeinschaft, der' je' in dieses fluchtmhLige Land zurückkehrt!" schrie .Wßlia in plötzlich aufwallender Bitterkeit, Tränen standen in Miguels Augen und seine tzLge' verrieten unsäglichen Schmerz.' „Vergib ihnen,' Nr. 25 o Gott!" flüsterte er, „vergib ihnen Allen! Sic fluchen aus verbittertem Gemüt, nicht aus bösem Herzen. Vergib ihnen, o Gott.,.-!" Wie der Rabbi vo« Pumpiau die soziale Frage löste. Von Rüben Brandes. (Aus dem Jüdischen.) Abseits der Landstraße, als habe es sich ganz heimlich versteckt, licg> oas kleine lithauische Städtchen Pumpian. Es ist ein jüdisches Städtchen, und seine Bewohner ernähren sich recht kümmerlich vom Handel. Nur selten verirrte sich ein Fremder in diesen weltentlegenen Winkel. Eisenbahnen gab's ja in der damaligen Zeit noch nicht, auch noch keine Telegraphen» drähte, nur die Post, — und die ging. nach Pumpiau sicherlich stets ohne Briefe. Die Neugier hatte wahrscheinlich n ch niemand dazu getrieben, das Städtchen aufzusuchen. Verirrte, sich aber einmal ein Fremder dahin, dann gingen die Baalci-Battim, die würdigen Familienväter des Städtchens, dem Ankömmling mit' dem „Scholaum Alcichcm"-G,ruß entgegen, während die ’ liebe Jugend ihn neugierig begaffte. Dagegen die Frauen und Mädchen sahen ihn, treu der jüdischen Sittsamkcit, nicht an, höchstens schielten, sie einmal verstohlen hinüber. Dann umstand man die alten Leute, um von ihnen zu hören, wer denn jener Mann ivar. Uebrigens, die Bewohner von Pumpian kannten keine Neugierde. Das war ganz natürlich. Denn, was konnte cs in Pumpian Neues geben? Zeitungen logen in der damaligen Zeit noch nicht wie gedruckt, da sie noch nicht gedruckt wurden. Ungestört von weltbewegenden Fragen konnte man seine Nachtruhe pflegen. Auch die Arbeiterfrage gehörte zu den unentdcckten Dingen, war doch jeder fleißig und arbeitssam. Sozialismus, Kapitalisinus usw., Worte, die heute jeder Esel, je dümmer er ist, um so häufiger im Munde führt, waren nilbekannt in der Welt, besonders bei uns Juden, ganz besonders aber bei Reb Nachumchen, den: Rabbi von Pumpian. Trotzdcnl war er, wenn er es auch nicht wußte, ein Stück Sozialist. Reb Nachumchen — diesen Koscnnamen der Jugend behielt er bis zum Tode — war in Pumpian geboren, wo sein Vater gleichfalls Rabbi war. Ein einzig Kiiü>, ließ ihn der Vater nicht für einen Augenblick aus dem Auge; Tag und Nacht saßen sic zusammen, lernten, studierten, grübelten. ’m - ■ ' Und so ivurde auch Nachumchen.Mabbi. Md so sitzt er nun seit Jahr und Tag in Pumpian, lernt und grübelt wie einst sein Vater "und empfängt einen fürstlichen Gehalt von wöchentlich fünfundzwanztz Groschen. Die Arbeit drückt ihn nicht. Die Leute sind brav, und es bedarf so keines Schiedsrichters, 2lnch rituelle: Fragen komnien nicht vor seinen Stuhl, wie etwa, ob der milchige Topf „treffe" geworden sei. Ißt man doch: in Pumpian höchstens zum Sabbat etwas Fleisch und oft das nicht einmal. . Der Rabbi fand also genug Zeit zunl Grübeln.. Und hatte er auch nie das Weichbild des Städtchens verlassen, so lvar er' doch in der Welt bewandert worden: — und zwar dank seiner Bücher. - Er wußte, daß Rubens Ochse Simons Kuh stoßen könne, daß aus einer Schmiede, die Fenerfunken fliegen und einen Wagen Heu verbrennen können. Er wußte, daß Reb Leser,bcn Charsum tausend Städte und tausend Schisse sein Eigen nannte, also ein Rothschild gewesen sein mußte: Ja, vom Baron Rothschild hatte man selbst in Pumpians Welteinsamkeit gehört. ' Hierbei verblieb Reb Nachumchen immer. „Der Reichtum, der Reichtum", — „Reich und Arm". Und er grübelte. Seine Augen leuchteten, sein Körper schaukelte, nnt seiner Hand zog er Kreise in der Lust, — die größer und größer, wurden, — und plötzlich sprang er auf: er hatte das große Geheimnis entdeckt: Reichtum ist die größte Plage. Hatte doch selbst der weise Salomo gebetet: „Reichtum gib mir nicht" und der Talmud gelehrt: „Für die Juden paßt der Reichtum, wie für einen Schimmel ein roter Zügel." Mit Zittern dachte er an die Schilderung der Leiden, die die Reichen im Jenseits erdulden müssen; ein alter Lehrer hatte sie ihm erzählt. Er grübelte weiter: „Wenn nun der Reichtum ein lln- Jbc 25. glück ist, - Unglück a Endli eine Strcr dieser Sti dieses Uni tige Mens - Doch müssen ih: Wied Gott über als Sühn so istts mi oenn's ei Offei Jtfenbs ew&hrtc jowieun Samstag, Franl 10 Ul Wochic Israels 3 seine Best Aus „Hat Rindern, ich etwa, XSmtleri Bleich T 2 sowie B. ERN Tel. H. Spezis ] — Bh Heitere Fr sucht Ste oder zur F losen Har kochen. 9 kmpfehlur sügung. ■ an die Ex! F. e A l N T n c N I 6 Vllbeleretraee* 3, 9 A I W l - U Eil 1:9, * : In EssIghaiiK : ALLE REPARATUREN „an UHREN. Gold und.'SUbervaren, Brillant «nd Z*Irter. : findet 8tellenYe; Ftrsorg 79

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.