Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 25 (6.7.1917)
- Date
- 1917-07-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. . Frankfurter Israelitisches Famllienblatt. )tr. 25. W xexennder dew KenerÄ-Anzeiger MnichmesKsm i!i ß# rKsiff ee Nachmittags u. Abends Konzert. 'MI Sammlungen in Amerika bis zum . Abbruch der diplomatischen Beziehungen in «glänzender Weise Mittel für das Mitverzweigte Hilfswerk. 'Das „Joint Distribution Committee" in'Newyork, tvelches an Stelle des „American Jewish Relief Committee" als Zentralorgan der amerikan.-jüd. Körperschaften mit uns in Verbindung trat, hat uns mährend des Jahres 1916 in neun radivtelegraphischen Geldüberweisungen insgesamt über 8 200 000 Kronen' zur Versü'gung gestellt, — eine Summe, welche in den Annalen der europäisch-jüdischen Wohltätigkeit bei Mitem ohne Vergleich dasteht. Einschließlich her Zuwendungen seit Beginn des Krieges hatte unser amerikanischer Fonds bis zum 3l. Dez. 1916 die Höhe von 10318290 Kronen erreicht, wodurch uns bis .jetzt ermöglicht wurde, durch das große Netz unsrer Hilfskomitees in der ganzen Monarchie und in den besetzten Gebieten Unterstützungen in jenem bedeutenden Umfange zu erteilen, Melcher sich aus den unserem gegeirwärtigen Berichte beigefügten ' Listen ergibt, Unterstützungen,, welche in den zwölf Monaten , seit unserem? vorjährigen .Berichte, von Mai 1916 bis .Mai 1917, allein über 6500000 Kronen ausgemacht haben und, trotz der in letzter Zeit notwendig gewordenen Einschränkungen, Noch immer nahezu xinc halbe. Million Kr. monatlich erförderp. In Anbetracht her großen Ausdehnung unserer. Hilfsaktion und da uns daran lag, daß die in Amerika mit gleichmäßigem Eifer seitens aller sozialen Schichten und aller Parteirichtungen in der jüdischen Bevölkerung aufgebrachten bäeutenden Mittel bei uns ebenso in starker Fühlungnahme mit Vertretern aller sich für das Hilfstrerk interessierenden jüdischen Körperschaften und BevölkerungsUassen zur Verteilung gäangen, bildeten wir für hie .aus den amerikanischen Fonds zu gewährenden llnteschchtzungenz? einerweitertes KomitS'e> injvelches nÄen dem leitenden Ausschüsse dm' Israelit. Allianz und dem Wiener Vertrauensmmme des Komitees in Nüvyork, sowie je zwei Vertretern der Humanitätsvereine B'nai. B'rich für Oesterreich und des Galizischen Hilfsvereine-/ die bereits früher an unseren .Beratungen regelmäßig teilnahmen, zwei galizisch-jüüische Reichsratsabgeordnete, drei Herren aus der Mitte der orLhodoxen Judenschast in Wien und drei twn der zionistischen Organisation bestimmte Herren gewählt wurden. In den Sitzungen dieses Komitees werden die Grundlinien. der Hilfsaktion beraten und die Subventionen an 'die Flüchtlingskomitees' sowie an die notleidenden 'GemeWen in Galizien und in den besetzten Gebieten festgesetzt." Der Zionismus i» Euglaud. Erklärungen Dr. Weizmanns. Am 20. Mar fand in London eine'außerordentliche Konferenz der englischen Zionisten statt, an der 70 Delegierte aus England, Irland, Schottland und aBaleS teil* nahmen. Der Vorsitzende der Englischen Zionisten-Federation Dr. Weizmann legte einem Komitee von 20 Personen Dokumente über die augenblickliche Lage des Zionismus und seine politischen Bemühungen vor. Vor dem' Plenum der Konferenz hiäft er eine Rede, in welcher er zunächst die Bedeutung der russischen Revolution für das Judentum und die augenblickliche Lage in Palästina: er* Brtertc.. Bezüglich der Zukunft Palästinas erklärte er, es fei nicht staatsmämnsch gedacht die Errichtung eines Staates oder einer Republik zu fordern. Andererseits totes. er auf die Sympathien hin, welche der Gedanke des Zionismus bei den Regierungen findet, und erklärte, er sei ermächtigt mitzuteilen, daß ans Grund dieser.Sympathien im gegebenen Zeitpunkt eine Unterstützung der zionistischen Bestrebungen erfolgen werde. Ferner Hütten die höchsten katholischen Kreise erklärt, daß sie der Schaffung einer jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina shmpachisch gegennbwstehen und daß sie von /ihrem religiösen Standpunkt föne Einwände zu machen hätten. . ' Drt Wetzmann ivändte sich dann den innerjudischm 'Verhältnissen in England zu und warnte vor Spaltungen ^»nd. Zwistigkeftep. . » . Bor-is4) l biix g..sprach über die Lage.in Palästina -und!.'teilte mit,- daß die provisorischerussische Regierung erlaubt habe, an Hilfsgeldern 300,000. Rubel für die palästinensischjen Juden zu überweisen. /Dagegen seren die Leistungen der -enMischeni Juhw fyr Palästina lehr gering. Ohne die Hilfe., von Pchcrika wäre das Kolonrsationswerk längst zugrunde geojangem Es wurde darauf eine Subskription .fürPalästin^ eröffnet, dre sofort 600 Pfund ergab. ::7.\ " , Ei n e i n t e r e s s ante.D-j.skn s s i on. Der Zionismus wird gegenwärtig in der englischjen Judenheit läbhaft diskutiert und zwar vor der größten Oeffentlichkeit. Es gibt in England zwei jüdische Körperschäften, die sich mit allgemeinen jüdischen Angelegenherten befassen und bisher dem Zionismus ablehnend gegenüber standen. Die eine dieser Körperschaften, ist der „Board vf Deputies os British Jews", die andere ist die „Anglo Jewish Association". .Beide Körperschaften besitzen einen gemeinsamen A u s s ch u ß. welcher „Conjoint Committee" heißt. Dieses „Conjoint Committee", vertreten durch zwei sehr bekannte englische Juden — David L. Alexand er (Präsident des Board os Deputies; und Claude G. Montefiore (Präsident der Anglo-Jewish Association) — erließ am 24. 2Hai in der „Times" eine Erklärung, die sich zwar gegen den Zionismus richtet, andererseits aber erkennen läßt,'wie der Zionismus diese bisher fernstehenden Kreise beeinflußt hat. In' der Erklärung wird gesagt, daß das heuige Land, nicht nur als Gegenstand geheiligter Erinnerungen zu betrachten sei, sondern daß die Juden seit, dem .Anbruch ihrer politischen Emanzipation in Europa die Wiederherstellung einer jüdischen Gemeinschaft in Palästina als eine ihrer Hauptaufgaben betrachtet habe, - und daß diese Gemeinschaft eine Quelle geistiger Inspiration für die ganze Judenheit sein solle. Daher habe das Conjoint Committee bereits im Winter 1914 seine Bereitwilligkeit erklärt, mit den Zionisten auf der Grundlage der sogenannten kulturellen Politik zusammenzuärbeiten; der letzte Zionisteukongreß habe dies auch angenommen. Das Conjoint Committee wolle/ daß der jüdischen Bevölkerung ' Palästinas der Genuß bürgerlicher. und Religiöser Freiheit gesichert werde, ferner gleiche politische Rechte mit der änderen Bevölkerung, verständige 'Erleichterungen für Immigration und Kolonisatron und solche munizipalen Privilegien'in den Städten und Kolonien, wie »sich als nötig erweisen werden. Dagegen wende sich, das Conjoint Committee gegen die Anerkennung des politisch-nationalen Charakters der Siedelung. Auch hiergegen sei nichts einzuwenden, wenn es sich um eine lokale Frage handeln würde, d. h. wenn sich 'unter den palästinensischen 'Bedingungen eine jüdische Nationalität entwickelt. Aber dieser Anspruch sei nur ein Tell der weiteren zionistischen Theorie, wonachalle Juden, eine heimatlose Nation bilden, die sichnicht völlig mit den. Nationen identifizieren könne, unter denen sie leben, und wonach 'für diese heimatlose Nation ein politisches Zentrum in Palästina nötig sei. Auf solche Weise würden die Juden in ihren Geburtsländern zu Fremden gestempelt, würden ihre harterrungenen Positionen als Staatsbürger untergraben. Auch die Fordmmng, daß die'jüdischen Ansiedler besondere, in einem Charter niedergelegte BorxMite genießen sollten, sei zu bekämpfen.. Dies widerspräche dem Prinzip der Gleichberechtigung, zumal die Juden in Palästina nur eine Minderheit bilden. Diese Forderung sei mich für die Durchführung des zionistischen Programms überflüssig. Wenn die 'Juden aus Grund völliger Gleichberechtigung und Freiheit in der Kmknrrenz --mit den anderen Bevölkerungselementen ihre Ueberlegenheit beweisen werden, so werde dies ein viel gesünderes Fundment sein, als wenn sie ihr Uebergewicht durch Privilegien und Monopole erreichen. — , Diese Erklärung hat größtes -Aufsehen erregt. Es ist höchst bemerkenswert, daß diese früher geradezu zionistenfeindlichä Organisation die praktischen Forderungen des Zionismus in so weitem' Maße übernimmt. Das Conjoint Committee sagt ausdrücklich^ daß es für die Kolonisation Palästina eintreten will, und daß es keinen Einwand dagegen. erhebt, die jüdische Gemeinschaft ■ in Palästina, die sich dort frei entwickeln soll, als eine nationale Gemeinschaft zu betrachten. . Um so unverständlicher ist es, warum das Conjoint- Committee den theoretischen Streit um das Wesen der jüdischen Nationalität außerhalb Palästinas in diesem Moment vor die breiteste Oeffentlichkeit trägt, und warum es Vor derselben Oeffentlichföt Einzelheiten der für die Zukunft erwarteten Rechtslage der Inden in Palästina erörtert. War es ihm mit seiner Liebe zu Palästina ernst, so hätte es diese Fragen mit den Zionisten erörtern, nicht aber vor der breiten Oeffentlichkeit den Eindruck erwecken sollen, daß die Juden sich über ihre Forderungen nicht zu verständigen vermögen. Aus diesem Grunde haben weite Kreise der englischen Judenheit das Borgehen der beiden genannten Vertreter des Conjoint-Committee scharf mißbilligt. Am 28. Mai veröffentlichte die Times.Protestschreiben von zionistischer Seite. Lord Rothschild schrieb, die Zionisten seien der Ansicht, daß, wenn Palästina kolonisiert werden .solle, irgend eine Maschinerie in Bewegung gesetzt werden müsse, um die Einwanderer zu empfangen, sie änznsiedeln -und «eine allgemeine vermittelnde Leitung auszuüben. Dagegen Hütten die Zionisten garnicht die Absicht, Privilegien auf Kosten der änderen'Nationalitäten zu erhalten. " Dr. Weizmann gab die gleiche Erklärung ab mit der Begründung, daß Freiheit und Gerechtigkeit für alle Rassen und Sekten in Palästina ein Grundprinzip der giistischän Bewegung fei. Ferner betonte er, daß die ige der jüdischen Nationalität nW nach dem Been einzelner Personen entschieden werden könne. „Die fache, daß die Juden eine Nation find, ist durch die Ueberzeugnng ' der "überwiegenden Mehrheft der Juden zu Men. Zeften'bis auf die heutige Zeit bewieseneine UÄ'erzeugung, die stets auch von den Nichtjuden aller Länder geteilt worden ist.".'.1-. - Dr. Herz, Oberrabbinex von. London, Mlje in einer Erklärung fest, daß die Erklärung der 'Herren Alexander und Montefiore mit den Ansichten der^ Mehrheft der englischen Juden nicht flbeteinstimme, 'und. daß diese beiden' Herren von den Organisationen, welche sie vertreten, fönen Auftrag erhalten hätten/ eine derartige Erklärung äbzugeben. AehNlichje-Proteste wurden in der Times von Tr. Ga st er, Elkan Edler, B. A. .Fersht und S. G i l b e r t--veröffentlWt. Diese Herren erklärten -zugleich ihren Austritt aus dem Conjoint-Committee.; Die Times selber nahm in zwei Artikeln zu der Diskussion Stellung, wobei sie den zionistischfin Standpunkt als den-allein, richtigen. erklärte. Die.nächste Sitzung her Anglo-Jetvish Association Halle sich, prft einer Protestresolution von Dr. Gaster.zn beschäftigen, tvelche nach längeren Erörterungen zurückgezogen wuri«. Montefiore behielt darauMn den Vorsitz in der Anglo-Jewish Association bei und Elkan Adler zog seine Aststrfttserllärung zurück. In der Sitzung des „Board of Deputies" dagegen wurde am 18. Juni eine Entschließung angenommen, welche besagt, daß der Board die in der Times veröffentlichten Ansichten des Conjoint Committee mißbilligt, und seine Unzuftiedenheit mit dieser Publikation äusspricht. Der Board erklärt, daß das. Conjoint-Committee das Vertrauen des Board verloren hat und fordert seine-Vertteter im Conjoint-Committee auf, von ihren Aemtern znrückzutreten. Infolge dieses Beschlusses' erllärte Alexander gemeinsam mit einigen änderen Mitgliedern des Board seinen Austritt. Der eifrigste Befürworter i>er Resolution war Lord Rothschild. Es, hat in England ttefen Eindruck gemacht, daß die sehr angesehene repräsentative Körperschaft des Board of .Deputies in so schärfer Weise Stellung genommen hat, und seine Entschließung wird als ein Wendepunkt in der Geschichte der englischen Judenheit betrachtet, die in ihrer Mehrzahl zum 'mindesten die praktischen Palästtnäforderungen des ZionKmus unterstützt, und offenbar'nicht dulden will, daß die notwendige Eintracht im Auftreten vor der OeffentlichDeit durch derartige Erklärungen, wie sie Alexander und Montefiore abgegeben ^tten, gestört wird. Ein jüdischer Kougretz i« Guglaud. Laut Beschluß des Eouncils der Foederation der englischen Zionisten, wird die zionistische Organsation zusammen mü anderen jüdische» Organisationen Englands in nächster Zeit einen jüdischen 5kongreß einberufen. Jüdische Sozialisten auf der Stockholmer Konferenz. , Ter zur Stockholmer Konferenz entsandte Vertreter der Sozialistischen Landespartei der jüdischen .Arbeiter in ^Amerika, D aw.i d o w i c z, hat inbezug auf die Forderungen der jüdischen Arbeiter folgendes erllärt: -.. Wir fqxdern Aufhebung der bürgerlichen, politischen und nationalen Begrenzungen dep-Jnden,i nationale Autono-Wie der.-Jpden in den von / ihnen dicht bewohnten -LÄrdern, freie Einwanderung der Juden, insbesondere nach Palästina. Dieses Programm ist auf dem jüdischen Arbeiterkongreß in Newyork am 5. und 6. September aufgestellt und' von der amerikanischen Sozialisten-Partei gebftligt worden. Die Delegierten der Poale Zion zur Stockholmer!konserenz> Schs Kap laus ki, Leon Chasanowitsch (Kasriel) und Berl. Lerker, sind daselbst eingetrvffen. Erwartet werden die Vertreter der Poale Zion in Rußland, die ebenfalls zur Konferenz eingeladen wurden^. Die Konferenz der Zionisten Rutzlauds. „Rjetsch" bringt verschiedene Berichte von der-tKonferenz der Zionisten Rußlands, denen wir folgendes entnehmen: Tie Zionistenkonferenz in Rußland wurde am 25. Mai (6. Juni in Petersburg eröffnet). 530 Delegierte und zahlreiche Gäste waren zugegen. Die 'Versammlung leftete Dr. I. W. Tschlcnow, der Vorsitzende . der russischen Zionisten, mit einer längeren Rede ein. Seine Ausführungen bezogen sich auf die Befteiung des russischen Judentums und insbesondere auf die national - jüdischen Wünsche auf Palästina. Die Rede hinterließ einen starken Eindruck. In einer der folgenden Sitzungen sprach M. M. Ussischkin über Palästina. Tie Revolution, sagte Redner, hat im Verein mit anderen Umständen die Ausrollung des Palästina-Problems' bewirft. Während früher der Hauptkarnpf des jüdischen . Volkes der Erlösung, der ■ russischen Judenheit galt, muß mm nach Hinwegfallen dieses Zieles jedes jüdische Auge nach Palästina gerichtet sein. Unsere alten Ideale sind der Verwirklichung nicht allzu fern. Das jüdische Volk muß aber seinen Willen zur Geltung bringen, es muß auch m diesem Streben festgeeint dastehen. Und wenn wir zu diesem Zwecke eine Abstimmung im Volke vornehmen wollten, so wftd sich.— Lessen bin. ich sicher — der Häuptteil, der Kern des Judentums zu unseren Ideen bekennen. Ter allgemeine jüdische jkvngteß in Rußland muß auch die national-jüdische,Autonomie Palästtnas in sein Programm äufnehinen. -Schließlich ist es . dringend-nötig, daß die Juden - im . Nrmmenden Friedenskongreß eine wiftdige, Vertretung finden, eine Vertretung-, die<ihren Wünschen- Geltung verschafft und -.ihnen - zur - Anerkenmritg ‘ verhilft. -.' ‘ V ', , . ' , ' 'Ji 1 n Sch feii ding wurt Sie! pört Slns angk in l Mit- -Ör »om eine ieflr der mit inin richt geh« Zen in 1 zeug rats gern steh« LÄ statt gen! iingi Unt- Netr Aut fanti (unc ung trep Aut zeiti mäh einh tion die Fud Wal den, eün die»' »ert der vm i£a 8r S t! Wi D. M. 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