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Neue jüdische Presse · 1917-06-29 · Heft 24 (29.6.1917) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 24 (29.6.1917)
Date
1917-06-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sette 3 'Jtx. 24 Frankfurter TeeJiaus Jeegarten am Goetheplatz Abends geöffnet -■ Künstler - Konzert. Sonntags geschlossen. Diese Worte bedeuten eine starke Wendung in den Anschauungen Schiffs. Natürlich muß er, der noch vor kurzem ein nationales Judentum aufs 'heftigste bekämpft hat, noch! allerlei Vorbehalte machen. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Berlin. ■. Teuerungszulagen. 9?<uh den neuen Sätzen der I n d i s ch e n G e m e i n d e erhalten unverheiratete Beamte bis 5000 M. Gehalt wie bisher 20 M. Monatlich!, mit mehr Einkommen keine Zulage. Im übrigen werden die Teuerungszulagen nach folgenden Monatssätzen gewährt: Bis zu einem jährlichen Diensteinkommen von 3200 Mark erhalten Verheiratete ohne Kinder monatlich 30 Mark, Verheiratete mit einem Kinde 35 Mar^ bei zwei Kindern 40 Mark, bei drei Kindern 54 Mark, bei fünf Kindern 85 Mark; für jedes weitere Kind erhöht sich die Steigerung progressiv um eine Mark, so das; die Kinderzulage dann 17 Mark, Lzw. 18 Mark oder 19 Mark und so fort beträgt. Ein verheirateter Beamter mit sechs Kindern würde also 102 Mark Teuerungszulage erhalten. Die verheirateten Beamten mit einem Gehalt von 3200 Mark bis 9200 Mark erhalten 30 Mark Monatszulage, wenn sie . kinderlos - sind. Für die ersten beiden Kinder werden je 5 Mark Teuerungszulage gewährt, für das dritte Kind werden 8 Mark, für das pierte 12 Mark gewährt, so daß bei einer Zahl von sechs Kindern 93 Mark zu zahlen wären. Eine «Anzahl von Beamten, die mit Poller Verpflegung beschäftigt wird, erhält einmalige Teuerungszulagen. Diese neuen Bestimmungen erfordern einen monatlichen Mehraufwand von 840 Mark (12,520 Mark gegen bisher 11,680 Mark monatlich); die einmalige Kriegszulage erreicht die Höhe von 3230 Mark.' Berlin. Das Jüdische Volksheim. . ' Der erste Bericht des „Jüdischen Volksheims Berlin" liegt jetzt vor. Es hat sich, wie es' 'in einem Vorworte von Martin Buber ausgedrückt wird, „In Anlehnung 'an das Settlementsystem neben allgemeinen sozialen Hilfeleistungen in gesundheitlicher und wirtschaftlicher Beziehung die Aufgabe gestellt, die Kinder und jungen Leute der in der Gegend des Heimes gelegenen, meist von ostjüdischen Einwandererfamilien bevölkerten Straßen in Gemeinschaften (Kindergarten, Jugendkameradschaften, Klubs) zusammenzuschließen, um durch geeignete Führung einen kulturellen Einfluß auf die Heranwachsende Generation zu gewinnen." Es sind Werkstätten, Lesezimmer und Spielzimmer im Volksheim eingerichtet. Die Helfer und Helferinnen machen mit den Kindern Ausflüge, lesen ihnen vor und benutzen alle sich durch die Feiertage bietenden Gelegenheiten, um init den Kindern Feste zu feiern. Dieser Anfang jüdischer Volksarbeit in Berlin, der durch das, Volksheim gemacht worden ist, wird im Frieden weiter ausgebaut werden. Rußland. Die jüdische Parteitätigkeit in Rutzland. Bon den Poale Zion. Die Konferenz der Poale Zion nahm einige Beschlüsse an, in denen gesagt wird: In Erwägung, daß die Interessen des jüdischen Proletariats eine Autonomie auf demokratischer Grundlage erfordern, verlangen wir zu» Verteidigung des jüdischen Volkes als nationale Minderheit eine nationale Autonomie, sei es auf sozial-wirtschaftlichen:, sei es auf kulturellem Gebiete. Ferner in Erwägung, daß Palästina weite Möglich^ keilen zur Einwanderung in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht bietet, fordern wir alle Parteimitglieder auf: 1. Eine Aufklärungstätigkeit über die Bedeutung Palästinas für das jüdische Volk tzu beginnen. 2. Eine Agitation zur Popularisierung des Palästina-Arbeiterfonds aufzunehmen. Darauf wurde die Errichtung von Arbeiter- Jnformations- und Propaganda-Büros beschlossen. Bezüglich eines Z u s a m mengehens mit den anderen jüdisch-sozialistischen Parteien wurde das Zentralkomitee bevollmächtigt mit jenen in Verhandlungen einzutreten. Man beschloß am jüdischen Köngreß in Rußland teilzunehmen. Schließlich wurde der Beschluß gefaßt, an das Haager Büro des Weltvcrbandes der Poale Zion die Bitte zu richten: Zur Einberufung einer allgemeinen K on - ferenz per Poale.Zion die Initiative zu ergreifen. Vo« den Sozialisten-Territorialisten (S. S.) Auf der Konferenz der S. S. wurde die Forde-, rung einer nationalen Autonomie erhoben. Man beschloß die Teilnahme am jüdischen Kongreß. Lebhafte Debatte rief der Gedanke einer Verständigung der vier jüdischen Sozialistenparteien („Bund". „Poale Zion", „Scjmisten", „Sozialisten-Territorialisten'^) hervor. Für deren Plan trat die Mehrheit, insbesondere der bekannte Journalist L i t w a k o m ein. Schließlich wurde Frankfurter Israelitisches Familienblatt. das Zentralkomitee beauftragt, mit den übrigen Parteien in Beratungen zu treten. Vertreter der Scjmisten und der Poale Zion sprachen ihre Zustimmung im Prinzip zu den Plänen der Konferenz aus. Letzterer betonte, ein Kompromiß der Parteien sei aber nur auf Grund einer Anerkennung der Palästinaarbeit möglich; eine Verständigung könne ferner am besten auf föderativer Grundlage Zustandekommen. Der „Bund" hatte keinen Vertreter entsandt. . Man schritt zu den Wahlen. In das Zentralkomitee gingen: Maxim Anin, Lokolowski, Litwakow, Bergel, Chersonski,Guttmann,Weizmann, Leszczynski, Ilfrechtin und Churgin. Bo« »er „Demokratische« Bereinig«««." Die Gründungsversammlung einer Moskauer Gruppe der „Demokratischen Vereinigung" fand am 9./22. Zlpril unter Vorsitz von R. 'L u n z statt. Hierbei wurde das Programm der neuen Partei vorgelesen. Es enthält unter anderem die Forderung eines nationalen Selbstbestimmungsrechts der Juden gleich den übrigen Völkern Rußlands. Zu diesem Zweck wird die Reorganisierung der jüdischen Gemeinde .auf demokratischer Grundlage und die Einsetzung .jüdisch-nationaler, zur Steuerbelastung berechtigter Kreisorgane verlangt. Die „Demokratisch? Bereinigung" erstrebt das .Recht zur Benutzung der jiddischen Sprache im gesellschaftlichen Leben wie auch im Verkehr mit den Behörden, sofern die Juden an den betreffenden Orten ein gewisses Prozent erreichen. Schließlich erblickt die Partei darin ihr Ziel, für die Verweltlichung per jüdischen Schule und mit Jiddisch als Unterrichtssprache zu kämpfen: in Anbetracht des hohen Wertes der hebräischen Sprache und Literatur für die national-kulturelle Entwicklung aber muß der hebräische Unterricht in der Schule einen breiten Raum einnehmen. Eine hebräische Versammlung 1« Moskau. Anschließend an die Konferenz des „hebräischen Sprachverbandes" in Moskau (s. vorige Nummer Red.) veranstaltete am 26.° der Verein „Chowewe Sefat ewer" (jetzt „Tarbus" genannt), ein großartiges Meeting, dem etwa. 3000 Personen beiwohnten. Es sprachen CH. 91'. Bialik, Dr. B. Chäjim Grünberg, "Sch. Per sitz, David Frischmann und Hillel S l a t o p o l s ki. ■ Großbritannien. Loudo«. Joint-Committee und Palästina. „Conjoint Foreign Committee of the Board of De- ' puties of British Jews and the Anglo Jewish Association" hat es für gut gehalten, in der „Times" vom.24. Mai gegen die nationale jüdische Besiedlung Palästinas Stellung zu nehmen. David L. Alexander, Präsident des Board of Depnties, und Claude G. Montefiore, Präsident der Anglo-Jewish Association, hatten die Ausführungen unterzeichnet. 1 Lord Rothschild, Elkan Adler, S. Gilbert und andere veröffentlichten in der „Times" Gegenerklärungen und erklärten ihren Austritt aus dem Joint Committee. Die Versammlung des Jewish Board of Depnties, die am 18. Juni stattfand, nahm folgende Resolution an: . „Nachdem der „Board of Jewish Deputies" die Ansichten des Conjoint Committee, gemäß der in der Times verösfentlichten Mitteilung, erwogen hat, spricht er feine tiefe Mißbilligung dieser Ansichten und seine Unzufriedenheit mit Ihrer Publikation aus. Er erklärt, daß das Conjoint Committee das Vertrauen des Board verloren hat und fordert seine Repräsentanten im Conjoint Committee auf, ehestens von ihren Aemtern zurückzutreten." In Folge davon kündigten Präsident A l e x an d e r und andere Mitglieder des Board ihren Austritt aus dem Board an. Der eifrigste Befürworter der Resolution war Lord Rothschild. Diese Resolution bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte der englischen Juden. Italien. Ela jüdischer Songretz. In kurzem tritt in Rom ein Kongreß aller jüdischen Gemeinden und Vereine Italiens zusammen. An diesem Kongreß, zu dem Senatoren, Abgeordnete und einige Minister eingeladen sind, sollen die nationaljüdischen Probleme behandelt werden. Türkei. Konstautinopel. Die Seilighaltuug de« Freitags. Tie Papier- und Buchhändler der Straße Bab Ali haben den Beschluß gefaßt, am Freitag ihre Geschäfte geschlossen zu halten. Damit ist der erste Schritf zur allgemeinen Heilighaltung des Freitags durch die Mohammedaner geschehen. Die Zeitung „sabah" befürwortet bereits den Erlaß eines Gesetzes, das die Ruhe am Freitag obligatorisch macht. Amerika. Die „Poale Zioa." : Ein grandioses Meeting veranstalteten die amerikanischen Poale Zion am 26. April in Newyork. 3000 Personen wohnten der Versammlung bei, die dem „Palästina-Arbeiterfond" und dem 1. Mai gewidmet war. Als Redner traten auf Dr. Schmarjah °L e v i n, Dt. Chajim Schitlowski, der jüngst den Poale Zion beigetreten ist, Dr. M. Syrkin, D. Ben-Gorion, Schalom Asch, Leo Motzkin, Pinchos Rutenberg und andere. Alle Redner wiesen auf die weiten Zukunftsmöglichkeiten Palästinas für die Juden hin. („Lodzer Volksblatt.") Der jüdische Kongretz. Das Kongreßkomitee in Newyork kabelt dem jüdischen Korrespondenzbureau im Haag, daß die Wahlen zum Kongreß am 10. Juni unter außerordentlicher Teilnahme der jüdischen Bevölkerung stattfanden. 300,060 Personen Laben ihre-Stimme ab. Palästina. Dschemal Pascha. lieber Dschemal Pascha, der der bestimmende Mann in Palästina ist, lesen wir von Thea von Puttkamer in den deutschen Kriegsnachrichten: „Sein Werdegang ist zunächst der eines einfachen Offiziers. Aber — .gleich Enver — gelang es ihm, mit untrüglichem patriotischen Instinkt den richtigen psychologischen Moment für das Erwachen eines "Volkes zu erfassen und sich selbst mit bedenkenloser Hingabe und dadurch bedingtem Erfolge dabei einzusetzen. Lange Zeit lebte er, ebenso wie Enver, sozusagen von Todes Gnaden, jeden Augenblick gewärtig, daß feine Teilnahme an nächtlichen Versammlungen der Jungtürken entdeckt werden und Tod 'oder Verbannung nach sich ziehen könnte. Dann durften jedoch die von ihm gegen den Despotismus geschürten Flammen hervorbrechen. Zivilverwaltungsaufgaben waren es, die man ihm stellte. Der 38jährige Oberstleutnant muß sich in den zwei Monaten, in denen er nach der Revolution Skutari Konstantinopels reintürkische Vorstadt, verwaltete, außerordentlich hervorgetan haben. Tenn der damalige Kabinettschef Hussein Hilmi (heute Botschafter' in Wien) ersah sich den Kaimakam Dschemal zum Generalgouverneur von Adana aus. Hierin lag ein großer Beweis des Vertrauens. Adana ist von jeher ein Herd der Unruhen gewesen; vom französischen Golde sind seine Fundamente unterwühlt, von Fieber nicht nur die Körper, sondern auch die Gehirne seiner Bewohner mürbe gemacht. Hier war einerseits eine Politik der Härte, andererseits eine der Beschwichtigung am Platze. Dem Erkorenen selbst erschien der Wechsel der Laufbahn gefahrvoll, da er in Vorsicht erwog, daß wohl vieles zu gewinnen, zugleich auch alles zu verscherzen möglich war. Und er nahm nicht eher an, als bis man seine Ernennung für nur interimistisch erklärte. Noch heute offenbart sich 'im Gespräch mit Dschemal Pascha xin gewisses Staunen in ihm selbst, wie Mühelos dann die Umschaltung in seiner Tätigkeit sich vollzog, wie rasch er an seinen größeren Zwecken und Aufgaben selber emporwuchs zum mächtigen, kühnen und modern denkenden Organisator und Verwalter. Während eines Erholungsurlaubs, den er in Konstantinopel verbrachte, trug man Dschemal Pascha den Posten des Generalgouverneurs von Bagdad an. Bon Bagdad trieb ihn nach 13 Monaten die Kabinettsnmwälzung, mit der Kiamil Pascha ans Ruder kam. Seine Demission wurde angenommen, aber keine Zeit der Untätigkeit brach 'für ihn Herein, da der Balkankrieg ihn in seine Laufbahn zurückführte. ^Er befehligte eine Division, bis die Cholera seinem Leben ein Ende zu machen drohte. Mit Mühe wurde er von seiner Gattin wieder gesund gepflegt. Nach 'dem Balkankrieg übernahm Dschemal die Verwaltung des Wilajets Konstantinopel. Als Kommandierender des ersten Armeekorps war er der Vorgänger des Marschall' Liman 'von Sanders und trat nun gegen Ende 1913 ins Ministerium ein, zuerst als Leiter der 'öffentlichen Arbeiten und dann als Marineminister. Seit Kriegsbeginn ist Dschemal Pascha nun mitten in seiner gewaltigen Aufgabe der Reorganisation Syriens begriffen, und nur zweimal hat er sich seitdem einen kurzen Aufenthalt in Konstantinopel gegönnt. Rückkehr der evakuierte» jüdische» Bevölkerung. Das „Kopenhagener Büro der Zionistischen Organisation" erhielt folgendes Telegramm vom 20. Juni aus Madrid: „Nachdem die spanische Regierung und der König von Spanien persönlich zugunsten der evakuierten jüdischen Bevölkerung in Palästina wiederholt interveniert haben, erhielt die spanische Regierung eine offizielle Mitteilung der türkischen Regierung,, daß sie Befehl gegeben habe, der evakuierten jüdischen Bevölkerung die sofortige Rückkehr in ihre Heimstätten zu gestatten." Zionistische Nachrichten. Petersburg. Am 24. Mai alten Stils trat hier die Konferenz der russischen Zionisten zum ersten freien Meinungsaustausch zusammen. Tie Konferenz war von 530 Delegierten und einer großen Anzahl Gästen besucht und legte Zeugnis ab für den günstigen Einfluß, den die neue Freiheit auf die Entwicklung des jüdischen Nationalismus in Rußland ausübt. Zwischen dem Engeren Aktionskomitee und der Konferenz fand ein Tepcschenwechsel statt; die Konferenz depeschierte: * „An das Engere 'Aktionskomitee der Zionistischen Organisation. Die siebente Zionistische Konferenz in Rußland empsing mit tiefer Dankbarkeit und unter begeisterten Beifallskund- Kaffee Kaisergarten am Opernplats Erstklassiges Familien-Kaffee Jeden Nachmittag »on 4 bis 7 Uhr and Abend von 8 V* Uhr ab BL-iinstl er - TC onzert.

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