Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 23 (22.6.1917)
- Date
- 1917-06-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Ml Ml nd Rnfflonl gegenüber dem General-Anzeiger Vornehmes Familien-Kaffee 9C Nachmittags u. Abends Konzert. “Wm greffcs Las ltatioitaTc Selb stb c st im m n n gs recht der Juden zugrimde gelegt werde. Nackt Petersburger Tel.-Age»tur kehren viele getaufte Juden zum Judentum zurück. Bei den Kanzleien der Petersburger und Moskauer Rabbiner laufen viele Bitten von einzelnen Personen oder ganzen Familien ein, welche wieder ihre alte Religion anzunehmen wünschen, die sie unter dem früheren Regime unter dem Zwange der Umstände verlassen haben. Unter diesen Personen befinden sich höchst zahlreiche akademisch Gebildete, zwei Professoren der Moskauer Universität und einige hohe Beamte. i 1 Tiefen Bitten wird schnell entsprochen, denn ihrer Ausführung steht Lein Hindernis int Wege. Tie Zahl dieser zu ihrem Judentum zurückkehrenden beläuft sich! auf mehrere tausend Mmm. Jüdischer Kongretz. Haag. DaS Haager jüd. Korrespondenzbureau meldet: In Kiew fand ein jüdischer Kongreß statt, auf dem acht russische Provinzen mit einer Bevölkerung von zwei Millionen Juden Sntntfjt '369 Delegierte vertreten waren. Mit 333 gegen 36 Stimmen wurde beschlossen, einen , Kongreß cito Juden Rußlands 'einzuberufen, der folgende Forderungen für die Friedenskonferenz stellen soll: bürgerliche und politische Rechtsgleichheit der Juden in allen Ländern und Stiftung eines autonomen Zentrums für das jüdische Volk in Pälastdla. Großbritannien. A«S dem Unterhanse. Tie verbündeten Staaten haben bezüglich, der Militärpflicht ihrer sich in England aufhaltenden Staatsangehörigen mit lÄtgland eine Gegenseitigketsvereinbarung geschossen. Hierüber entspann sich, im Unterhause folgende M acp h er so n'(Unterstaatssekretär des Krieges) beantragte die zweite Lesung und erklärte, daß sowohl die englischen Staatsangehörigen, die in den Ländern der Entente ihren Wohnsitz haben, militärpflichjtig werden sollen ebenso wie die Angehörigen der Ententestaaten, die auf dem englischen Staatsterritorium wohnen, der Militärpflicht in England unterworfen werden müssen. Tie Zahl der militärpflichtigen Fremden sei namenllich in East End von London Ursache großer Unzufriedenheit der englischen Nachbarn, da der fremde Wettbewerber oft den Umstand ausnützt, daß der englische Mlitärpflichtige einrückeu und sein Geschäft schließen muß. Whitehvuse beantragte die Verwerfung der Bill, da sie auf einer mit der alten russischen Regierung abgeschlossenen Vereinbarung beruht. ■ Ter Unterstaatssekretär des 'Krieges erklärte, daß die Provisorische Regierung die Bestimmungen der Vereinbarungen genehmigte. ■ , - Max H. Samuel unterstützte warm die Blll und hob Hervor, daß überall in .England, namentlich! aber in East End von London (jüdisches Mertel D. R.) eine starke Mißstimmung gegen die Fremden besteht, die dem Lande in dieser Stunde der Mot üj're Hilfe verweigern. , Glyn-Fones bemerkte, daß in seinem Wahlkreise Stepneh ein Zustand herrsche, der einem Skandal gleichkomme. Die naturalisierten Juden in Stepneh bellagen sich am, weiften Wer die Haltung, die ihre Glaubensgenossen einnehmen, da diese alle Vortelle eines Domizils genießen, ohne die Pflichten zu erfüllen, die sie ans sich nehmen sollen. Ueber das Ergebnis der Debatte sind wir nicht unterrichtet, cs scheint jedoch» daß die Angelegenheft in einem der Regierungsblll günstigen Sinne erledigt werden dürfte. Im Zusammenhang mit der oben erörterten Frage steht eine Rede eines jüdischen sozialistischen Delegierten (Her, Feinburg), der in der Konferenz der Britischen Svziali stischen Partei in .Manchester einen Tell der Londoner Presse anllagte, daß diese eine anttjüdische Agitation führe unter dem Vorwände, daß die Juden die Geschäfte derjenigen englischen Arbeiter wegschuappen, die in den Krieg ziehen müßten. „Dieser Vorwand", sagte der Delegierte Feinburg, „ist eine bewußte Lüge". Ein anderer Delegierter meinte, die Lösung der jWischen Frage liege in der den Juden zu gewährenden Erlaubnis, über ihr eigenes Schicksal an dem Orte zu entscheiden, der die natürliche Wiege ihrer Rasse war. Italien. , Der Papst und der Zionismus. Nach einer Meldung aus Zürich wurde das jetzt ir Rom wellende. Mitglied des Engeren Aktionskomitees der Zionistischen Organisation, Nachum So ko low,'vom Zionistische Nachrichten. Haag. Dem Jüd. Korrespondenzbüro wird aus London berichtet: Die Erklärung. der „Vereinigten Komitees" in der „Times" gegen den Zionismus hat eine Reihe von Protestkundgebungen ausgelöst. Außer den bereits"gemeldeten Protesten von Lord Rotschild und den Cheftabbi Dr.'Hertz in der Times, die das Recht der „Vereinigten Kvntitees" bestritten, im Namen der englischen Judenheit zu sprechen, haben große Volksversammlungen stattgefunden. In Glasgow hat auf einer Mischen Volksversammlung das bekannte Mitglied des englischen Parlaments, Joseph King, die Haltung des Komitees als volksfeindlich, kritisiert und ein jüdisches Palästina als einzige Lösung der Judenfrage bezeichnet. Desgleichen »ahm ein anderer Abgeordneter, Major Wedgwood, in einer Versammlung der Bnei-Brithlvge in London für den Zionismus Partei. Tic Leitung der Gesellschaft der Freunde zog zum Protest ihre Delegierten im Komitee zurück. Auch in der Auglv-Jewish Association und im Board of Deputics wurde die Hältnirg des Komitees abfällig kritisiert. Vergebens versuchten einige dem Judentum entfrcindete Lords durch Erklärungen in der „Times" den schlechten Eindruck zu verwischen. Kennzeichnend ist, daß sich gegen diese nichtreligiöscn Lords, die in der -„Times" erklärten, das Judentum wäre nicht eine nationalesondern eine religiöse Gemeinschaft, die orthodoxen Synagogen Englands Aussprachen. * Warschau. vrganifiecung aller zionistische« Vereine Polens. Nachdem der hiesige Waad hoironi (Städtische Komitee) die Nachjricht von der Legalisierung der Vereinigung aller zionistischen Vereine in Polen erhalten hat, nimmt er die Vorbereitungen füt die Wahl eines allgemeinen Zentralkomitees in die Hand. Zu diesem Zweck gedenkt er, in 2—3 Monaten einen De leg irrten tag der in etwa 100 polnischen Städten existterenden Vereine nach Warschau cinzuberufen. Die Wahlen der Delegierten sollen geniäß den Statuten der Zionistischen Organisation stattfiuden. Schekelwoche. Der Waad hoironi Hatte die Tage vom 2.-s-5. Juni als „Schekelwoche" bestimmt. Sämtliche zionistische Vereine entfalteten eine starke Werbetätigkeit. In vielen Tellen der Stadt wurden Aufrufe angeschlagen. Mehrere htmdert Zionisten und Zionistinnen» die eine Armbinde mit der Aufschrift: Sichru et haschekel" (Gedenket des Schekels) trugen, «gitterten in den Straßen und kamen in Geschäfte und Privatwohnungen unter Vorlegung des Schekels', der auf '1.25 Mark festgesetzt worden ist. Die Sammlung hatte großen Erfolg. Bon den „Poale Zion." * Das Haager Komitee der Poale Zion hat von dem Internationalen Bureau eine Einladung zur Teilnahme an der Stockholmer Konferenz erhalten. Vorwärts meldet aus Stockholm, das Haager Büro der „Poale Zion" habe das Stockholmer Komitee gebeten, chm bei der Veranstaltung einer Vorkonferenz behllflich zu sein, jit der die Judenfrage in Polen, Rußland und der Türkei behandelt werden soll; die Vorkonferenz soll möglichst auf den Zeitpunkt mit den Beratungen der Russen stattfittden. . Das Organ, der amerikanischen „Poale Zion"- der „JWische Kämpfer"' berichtet, der bekmmte Sozialist und Publizist Chajim Slntlvwski sei der Partei beige- Der Krieg und die Jude«. Frankfurt a. M. Julius Baer, Vizewachtmeister, Teilhaber der Firma Frank u. Baer, erhielt das Eiserne Mnnche«. Isidor Löwensohn-Fürthwurdezum Major befördert und E r n st Krämer- Nürnberg und Heinr. Mosbach-Kaiserslautern zu Leutnants. Oberstabsarzt Dr. Ernst Deutschländer -Hof und Leutnant Joseph Leven-Hof wurden mit dem Militärverdienstorden 4. Kl. m. Schw. ausgezeichnet. Karlsruhe. Fritz Baer. Sohn des Kaufmanns Nathan Baer, wurde zum Leutnant befördert. , BreSla«. Die drei Brüder Max, Herbert uni Erich Lvmeitz, Sanitätsünteroffizier Kurt Blu menthal, Carl Fuchs, Max Kober, Unteroffizier Jritz Laqueur, Walter Loewenstaedt, Jul. chaul-Breslau, Alfred Malachowski, Unteroffizier Dagobert SchNabel-Hindenburg und Jos. ^acvbo Witz-Königshütte erhielten das Eiserne Wten. „Blochs's Wochenschrift" verzeichnet in ihrer Nr. 23 folgende Auszeichnungen an Juden: 4 Ritterkreuze des Franz Joses-Ordens) 4 Milttärverdienstkreuze 3. Kl., 9 silberne Signum laudis, 33 bronzene Signum laudis, 21 goldene Berdienstkreuze mtt der Krone, 18 goldene Verdienstkreuze, 14 Jitberne Verdicnstkreuzv mtt der Kronq, 4 Meine WerdiensÜreuAt 8 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Kl., 40 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Kl., 70 bronzene Tapferkeitsmedaillen, 12 eiserne Verdienstkreuze mit der Krone, 13 eiserne Verdienstkreuze, zusammen 250 Auszeichnungen; hievon 85 an Offiziere und Kadetten des Soldatenftandes, 30 an Mllitärärzte, Mllitärbcamte und Seelsorger, 135 an Mmmschastspersoncn. v Bernhard Goldstein hat neuerdings bei dem Kriegsfürsorgeamt des Kriegsministerinms 450,000 Kr. isenhmise der israelitischbn lkultusgcmeinde und 100,000 Krone» zur Verpflegung und Erziehung.von- Kriegswaisen reisender Kanfleute im Kaiser Franz Jvsef-Jublläumswaisenhanse des Vereines Reisender Kanfleute verwendet werden. ' ' Perjo«alte» aktetue Mttteil««ge». Berlin. Prof. D r Eng e n H o l l ä n d e r, geh. 1867 : Köln, bekannt durch seine mediko-knnstgcschichtliche Arbeiten, erhielt den Titel Geheimer Sani tätsrat. Aron Hirsch von den Kupfer- und Messingwerken. wurde in die Kaiser Wilhclm-Gcscllschjaft zier Förderung der Wissenschaft gewählt. ' Berlm. Die Witwen-undWaisenkasse der Rabbiner Deutschlands berichtet über das 10. Geschäftsjahr. Die 19 ordcntl. Mitglieder zahlteil 4230 M. Jahresbeiträge; durch Zuschrift ans den Zinsen des Vermögens erhöhte sich.diescr Betrag mif 8261 M. Die außerordentl. Atttglicder zahlte» 1433 Ai.; an Subventionen gingen 1810 M. Und air einmaligen Spenden 750 M. ein. Für Witwen- und Waisenrenten wurde» 2712 M. vcrans- B erlin. Prof. Max Lieber mann begeht am 20. Juli den 70. Gebtertstag. Die Akademie der Mnste veranstaltet eine Ansstellimg seiner Werke. Augsburg. Justizrat Luow. Bauer u. Distriltsrabb. Dr. Rich Grünfeld erhielten den Michaelsorden 4. Kl. mit der Krone. München. In Gunzenhau-sen verschied der Vorsteher der dvrttgen M. Gemeinde Julius Gutmann, Palüsttnafteund. Eine Ministerialverfügnng hat, Vorsorge ge° ttoffen, daß die rituell lebenden Inden an Orten ohne Schechita die Möglichkeit zum Bezüge von -ituellem Fleische erhalten. Breslau. Saco Caistrer-Charloltenburg verinach'tc der Stadt Breslau 500,000 Mark, deren Zinsen für verschämt« Arme tzu verwenden sind. nolberg. Rabomer D r. S a l o m o n G o l d sch Mi d t, geboren in Schrimin, Gründer des Jüd. Knrhospftals, feiert am 22. Juni den 80. Geburtstag. Hamburg. Im Alter von nur 45Jahren verschied Chemiker Dr. Louis Allen, ein Schwager von Rabb. Dr. Winter-Dresden. Al. saß seit Jahren im Vorstand des 'Jsr. Vereins für Obdachlose und des isr. Kranken. Hauses und hatte sich! hier große Verdienst? erworben. - Budapest Graf M o r i ß E st e r v a z y hat dem Abgeordneten Wilhelm Vazsonyi das Jnftizmüristerinm angettagen. Damit ist zum ersten Male. in Oesterreich- Ungarn ein Jude — und dazu einer mit jüdischen Interesse — Minister gewodren. * Warschau. Die vor längerer Zeit eingereichte Bittschrift der „Agndah h'vortodoxim" an den Mllizchef, .wan solle den verhafteten Juden die Bärte nicht abscheeren, war, wie man weiß, ab gelehnt worden. Mün aber wurde im Gestcndheitsamt des' städt. Magistrats die Frage anfgetßvrfen, ob das Tragen der Bärte ein religiöses Lebot des Judentums sei. Das Rabbinat öeantwortcte eine diesbezügliche Anfrage in dem Sinne, daß das Tragen der Bärte ein altes religiöses Herkommen sei und das gewaltsame Abschneiden der Bärte jedem frommen Juden Herzeleid bereite. ■ Kopenhagen. JnPoltawa starb Rabbiner I. A k i b a abbinowicz, der Letter der orthodoxen antizionisttschjen Zeitschriften ,Hapeles" und ,Hamodia". Der Verstorbene, früher Zionist, trat .infolge Entzweiung. mtt den Zionisten in das gegnerisch^ Lager über, wo pr einen scharfen Kampf gegen alles Nationale führte. Kopenhagen. In London verschied vor kurzem Rabbiner Nathan Aronsohn im 68. Lebensjahre. Rabb. Aronsohn, der aus Homel stammte und infolge der dvrttgen blutigen Pogrome nach London flüchtete, hat sich durch segensreiche Tättgkeit, namentlich durch seine treffliche Leitung der Londoner „Jeschibah Etz Chajim" bleibende Verdienste erworben. . Petersburg. Der Herausgeber der jüdischen Enzy. klopädic Und Mitinh'Wer des Verlags' Brockhaus-Efron, I. A. Efron ist verschieden. Zürich. Dr. Martin Bloch, RechtSanwatt, wurde vont Großen Stadtrat zum kantonalen Geschworen nen gewählt. Rom. Rahum Sokolow weilte hier einige Tage. Er wurde vom Pabsffund vom Ministerpräsident Bvselli in Audienz empfangen. Baltimore., Die Universität in Baltimore' hat ein Katheder für jüdische Geschichte im. Mittelalter' eingerichtet; der Lektor ist der junge hebräische Schriftsteller I. Es roß. . ' Frankfurter Berichte. Verein zur Beförderung der Handwerke; unter den Israel. GlaubeuSgcuossen tu Frankfurt a. M- 'Ter 1823 begründete Verein ,(Vors. Julius Heymann) veröffentlicht seinen Bericht Wer die Jahre 1914, 1915 und 1916. Die Kosten für den einzelnen Lehrling naben sich) wie jtrir dem Berichte entnehmen, sehr dergroßert. Der Unterhalt der 112 Lehrlinge im Jahre 1916 war fast ebenso hoch wie der von 150 zu Anfang des "Jahres 1914. Der Verein hofft, daß er nach dem Kriege feinen Plan, in Frankfurt ein Lehrlingsheün, das blllig Kost und' Berpflegüng.gewährt, zu errichten, werde verwirllichen können; fteinch bedarf's dazu noch erheblicher Spenden. > Heim der zioaiMscheu Jugendgruppe. Das Heim der Zionistischen Jugendgruppe, Tcmbcnstraße 11 pari., ist täglich' von 8—lOYs Uhr abends geöffnet, Samstag den ganzen NächMttag. Jüdische Tageszeitungeir und Zeitschxisten liegen auf. Anmeldungen zu den Kurs«: für hebMschje Sprache, Mische Geschichte und