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Neue jüdische Presse · 1917-06-15 · Heft 22 (15.6.1917) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 22 (15.6.1917)
Date
1917-06-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Nr 22. at^ciiu'n Tropfen und verzieht gleich das Gesicht: ^eele im Menschen schrumpft und zieht sich zusam-- ,t vor Schmerz, und die Haut fällt ein, wird faltig Pergament . . . Spricht inan aber über das Getränk einen Segensuch, trinkt man es, um ein göttliches Gebot zu erien, so gibt man ihm die Erlösung . . . Dann läßt i oas Getränk trinken, und die Seele erfreut sich' Triuken und will trinken! . . . * q- * Sie rühmen sich, daß sie manierlich essen! Wie soll man auch unmanierlich essen, wenn man er und trübsinnig ist wie ein alter eingefallener Herd, - schon lange keinen Funken gesehen hat? . . . Draum sitzen sie steif und kalt wie Gis bei Tische: aer kann den anderen ausstehen, Vater und Sohn men nicht aus der gleichen Schüssel essen! Ein jeder t sogar ein eigenes Salzfaß vor sich stehen . . . Woc soll da die Freude kommen? Freude steckt in der Seele; und was hat die Seele uon, daß der Leib frißt? Und darin liegt eben der geheime Sinn der Hebfer und Zehnten, der Armenmahlzeiten der guten m Zeit, der Sitte, einen Armen zu Tische zu laden, Segenssprüche und der Smires, die am Sabbat - Tische gesungen werden . . . Sie wollen fröhlich sein! Ohne dabei ein gottmlliges Werk zu tun, ohne Segenssprüche und Smires; b wenn sie schon des Anstandes wegen einen Armen;laüen, so setzen sie ihn zu den Dienstmädchen in' ' Küche ... In der Küche ist es vielleicht fröhlich. Doch in guten Stube, sag ich euch, ist es tot, tot wie in ter Leichenkammer! Ich höre, wie ihre eure Gedichte lest . . . Am Monde habt ihr viel Vergnügen ... Ich höre d, immer sagen: „Der schöne, süße, blasse Mond!" ■tb von den Sternen und Planeten sprecht ihr mit icrkennung, ebenso von der Natur, von den Wäldern!b Flüssen. Und ich sage euch: frische-Luft ist in der Tat, sonders wenn man brustkrank ist, ein ausgezeichnetes ittel! Doch wahre FreiLe an der Natur hatte ich!) war auch einmal jung!) vor Hojschano-Rabo .... orgendämmerung, grauer Himmel, Stille . . . Zwischen hilf fließt der Strom . . . Pick-Pick! macht irgendwo;t kleines Geschöpf. Tß-tß! — sagt ein anderes . . .;!b ich gehe am Ufer entlang und schneide Hojschanes**) Von Sternen und Planeten schon gar nicht zu rechen . . . Und wo, glaubt ihr, hat der Mond seine iiiuut her? Doch nur von unseren Segenswünschen, die wir dem -lmond darbringen! Glaubt mir, wenn nicht diese Segenssprüche, wenn d,t das Licht, das wir zum Mond hinaufscnden, sähe gauz lächerlich aus, so lächerlich wie ein Zinnteller;-5 einem Spital! -i- Noch ein Beweis — eine wahre Geschichte: Es war einmal ein Königssohn, und er war erllt von Schwermut. Die Aerzte versuchten zu erkläreu, eher diese Schwermut herrührtc. Die ciuen sagten: habe schlechte Augen und sähe alles gelb, grün und!b . . . Man versuchte ihm verschiedene Brillen zu den, doch keine konnte ihm helfen .... Andere nreinten, daß er in seiner Kindheit irgend was verschlungen haben müsse, irgend ein unreines eines Tier, und dieses sitze ihm fest in der Seele und rekele ihm das Leben. Und auch dagegen konnte man in Mittel finden? Doch der König wollte seinen Sohn unbedingt retu-: ihn erfreuen und aufheitern. Und erkaufte ihm irrlei goldene und silberne Dinge . . . Aus allen Weltgcnden brachte man ihm allerlei Spezereien, allerlei ristalle und teuere Geschmeide. Alles war vergebens! Man erbaute ihm einen Palast in einem Garten, id in den Garten pflanzte man allerlei Bäume, Geächse und Blumen. Man bestreute die Wege mit oldsand. Man grub einen Teich- und füllte ihn mit ischem Quellwasser, lebendigem Wasser, und auf dem;rtffcr schwammen weiße Gänse mit langen Hälsen, e sich so ruhig und so schön auf dem Wasser wiegten, ie die Seelen im Paradiese. Es half alles nicht! . .. „Auf allen diesen Dingen," sagte der Königssohn, ruht Schwermut! Der Baum wächst in Schwermut, ad das Wasser weint in der Stille, als ob ds um etwas Frankfurter Israelitisches Familienblatt. trauerte . . ." Und die weißen Gänse erinnerten ihn an Totengewänder. Und die süßen Früchte, Weinäpfel, Granaten und Weintrauben schmeckten ihm bitter; bitter und widerlich. Am schlimmsten war es, wenn der Königssohn im Gartenteiche oder in einem Spiegel des Palastes sein Gesicht erblickte . . . „Ich bin tot!" rief er jedesmal aus. „Auf meinem Gesicht liegt kein Schimmer des Lebens . . ." Aber plötzlich wurde alles anders. Der Königssohn fing zu lachen an! Plötzlich war alles im Garten grün und voller Schönheit, alles wurde auf einmal lebendig, und der Königssohn auch! Und was glaubt ihr, war geschehen? Eine Kleinigkeit! Aus der Landstraße, die am Garten vorbeiführte, ging ein Zaddik. Er war ganz matt und müde und ging zu einem Briß oder einer ähnlichen gottgefälligen Handlung. Weiß ich was? Er ist müde und leidet Hunger und Durst. Gleich wird er in Ohnmacht fallen! Das will man aber im Himmel nicht zulassen. Reißt sich ein Apfel vom Baume los und fällt dem Zaddik vor die Füße . . . Er hebt den Apfel auf, spricht den Segensspruch, beißt hinein, — und schon ist's geschehen! Im gleichen Augenblick verschwand die Schwermut von allen Dingen^ der Zauber war gebrochen und alles war voller Freude Ü Denn es ist, wie ich euch sage: Die Freude ist in seinen Wohnungen! Zur Geschichte der Judeugemeinde« i« »er Bukowina.*) Schpn vor der österreichischen Okkupation hatte die Bukowinaer Judenschaft ihr eigenes Gemeinwesen, innerhalb dessen sie in religiöser Beziehung selbständig ihre Angelegenheiten verwaltete, den Kahal. Dieser war aber mehr als ein Gemeinwesen für religiöse Angelegenheiten. Um die historische Entwicklung der Judengemeinden in der Bukowina zu verstehen, muß teilweise auf die Gemeindeverfassung in Polen und auf den Zustand vor der österreichischen Besitznahme des Landes zurückgegrisfen werden. Tie privilegierte Stellung der Juden im Königreiche Polen bewirkte, daß die religiös-jüdischen Gemeinden auch politische Körperschaften wurden. Die Judenschaft war in Provinzen geteilt, die mitunter mehrere Palatinate umfaßten. Während in anderen Ländern die Angelegenheiten der Gemeinde (Kahal, Synagoge) unter Leitung ihrer Aeltesten und Rabbiner abgewickelt wurden, traten in Polen die Vorsteher der Kahale und Synagogen einer Provinz unter dem Provinzialvorsteher zu Landtagen Zusammen und von diesen Landtagen .wurden Abgeordnete nach Warschau gesendet. Diese Abgeordneten bildeten wieder eine besondere Körperschaft, die Generalität, an deren Spitze ein M a r s ch a l l stand, der vom Ministerium im Amte bestätigt werden mußte und gegenüber der Regierung und dem Staate alle Angelegenheiten der Juden — politische und religiöse — jzu vertreten hätte. Die Judenschaft hatte somit eine ganz abgesonderte, eigene Landesverwaltung. Die Theresianische Judenordnung vom 16. Juli 1776 hat die Provinzialvcrsammlungen, die Generalität nnd den Marschall beseitigt, jedoch dem Herkommen Rechnung getragen und bloß eine zeitgemäße Reform eingeführt. Die Kahale unter ihren Aeltesten, für religiöse, politische, richterliche und finanzielle Agenden, wurden belassen. Galizien war damals in Kreise eingeteilt. Alle Kahale eines Kreises unterstanden einem Kreis ältesten. Die Kreisältesten unterstanden wieder einer Versammlung von Landesältesten unter der Leitung eines Oberlandesrabbiners in Lemberg. Die Kreis- und Landesältesten samt dem Obcrlandesrabbiner bildeten die Generaldirektion der Judenschaft. In diese Aemter gelangte man durch Wahl. Den Oberlandesrabbiner bestimmte aus der Mitte der Vorgeschlagenen der Monarch. Auch die Justizpflege mußte für die Juden besonders geregelt werden. Die österreichische Verwaltung fand die Zivilgerichtsbarkeit über die Juden in den Händen der Vizepalatine oder Starostcu, die Kriminalgcrichtspflege bei den Grodgerichten. Daneben bestanden Rabbinalgerichte. In den grundherrlichen Städten und Dörfern unterlagen die Juden auch der Jurisdiktion der Grundherren. Die Theresianische Judenordnung hat nun in Galizien eigene Judengerichte geschaffen, von denen nur alle Kriminalfälle der Juden, ferner die Zivilfälle gegen Nichijuden ausgenommen waren. Es ivaren dies die Rabbinalgerichte und die Gerichte der Kahalältesten (letztere in Polizeisachen). Das Patent Josef II. vom 27. Mai, 1785 hob die Generaldirektion, die Gerichte der Rabbiner und der Kahalältesten auf und gestattete nur für die eigentlichen jüdischen Gemeindeangelegenheiten Gemeindevorsteher zu bestellen. Damit war die Grundlage für die Gemeindeverfassung der Juden, die die ^osephiuische Judenordnung vom 7. Mai 1789 eingeführt yat, geschaffen. Die Josephinische Juüenverordnung hat den politischen Zusammenhang der Juden als besondere Völkerschaft aufgehoben und die Gemeinde, zu welcher die Ortsbewohner gehören, bloß als Vereinigung für spezifisch! jüdische Angelegenheiteil belassen. *) Probe aus „Die Juden in der Bukowilla" von Dr. S a l o m o n K a s s u e r. 60 Seiten. 2 Kr. 1917. Wien und Berlin, R. Löwit Verlag. Literarische Chronik. Palästina-Literatur. Bor kurzem erschienen zwei wissenschaftliche Werke über Syrierr and über die Jüdische Kolonisation: die kleinere Schrift von Agronom Oettinger „M e t h o d e il und Kapitalbedarf jüdischer Ko l o n i s a t i o ll in Palästina" und Dr. Arthur Ruppins Werk über „Syrien als Wirtschaftsgebiet". Beide Bücher wurden von der gesamten nicht-jüdischen Fachpresse als Bereicherung der Fachliteratur mit großem Interesse begrüßt und auch die Tagespresse beschäftigte sich, mit ihnen. So die „Frankfurter Zeitung" in einem längeren Artikel), denr wir folgende Stellen wörtlich entnehmen: „Das Studium des Wirtschaftslebens Syriens und Palästinas wird uns in Zukunft sehr erleichtert durch den Umstand, daß uns soeben A. Ruppin.wach zehnjähriger praktischer Arbeit die erste große volkswirtschaftliche systematische Sammlung über Syrien (einschließlich Palästinas) besserte Aus der Menge der heutigen leichtfertigen Schriften über die Türkei ragt dieses Buch als leuchtende Ausnahme hervor. Ganz abgesehen davon, daß es der künftigen wirtschaftlichen Forschung ein erstes Fundament errichtet, das keiner, der über Syrien arbeiten wird, mehr wird umgehen können, gibt es vor allem, aus der Praxis für die Praxis geschrieben, dem Kaufmann ein vorzügliches Jnformationsmittel über allgemeine und ebenso ganz spezielle Fragen, ein dauerndes Hand- und Nachschlagebuch Und Uicht minder wird Ruppins Arbeit in ihrer leicht verständlichen, ohne wissenschaftliche Entwicklungen und Theorien nur Material über die augenblicklich in Syrien bestehenden Verhältnisse gewährenden Form für die Bibliothek weiterer Kreise der Gebildeten von Wert sein. Aber nicht bloß derjenige, der sich gerade nur für Syrien und Palästina interessiert, wird aus der Lektüre des Werkes Nützen schöpfen. Die eingehenden, restlosen Darstellungen des ganzen Wirtschaftslebens, die freilich recht oft der kritischen Stellungnahme entbehren, enthalten so viel für die ganze Türkei, ja den ganzen Orient Typisches,' daß ein jeder sie lesen sollte, der sich überhaupt wirtschaftlich! mit Türkei und Orient beschäftigt. Er wird dann auch besonders aus den ausführlichen, auf nüchterner Abschätzung des Möglichen beruhenden Vorschlägen zur Hebung der syrischen Landwirtschaft und aus den Gedanken über, die wirtschaftliche Zukunft Syriens manches gewinnen. Syriens wirtschaftliche Zukunft könnte trotz mancher natürlichen Nachteile in nicht zu ferner Zeit doch sich Mnstig gestalten. Die Intelligenz Und Gesundheit seiner Bevölkerung, die reichliche Bewässerungsmöglichkeit und Frostfreiheit größererGebiete, die außerordentliche Fruchtbarkeit einzelner scharf umrissener Gegenden, die Anziehungskraft Palästinas für den Touristenverkehr können bei planmäßigem wirtschaftspolitischem Vorgehen in wenigen Jahrzehnten einen erheblichen Reichtum des Landes herbeisühren. Die gesamte Küstenebene und ebenso der Syrische Graben könnten an sich umfangreiche Gartenlandschaften bewässerter Fruchtbäume und Gemüse umfassen, während die Bergabhänge unbewässerte Bäume, wie etwa Oliven, die Bergplateaus dagegen Körnerfrüchte in größerer Menge Hervorbringen würden. Für die Industrie könnte die Herstellung von Rohr- und Rübenzucker, Frucht- und Gemüsekonserven, Woll-, Baumwoll-, Seidenstoffen und Leder von erheblicher Bedeutung werden. Der Mangel an Kohle aber wäre vielfach, durch die Umsetzung der vorhandenen Wasserkräfte in elektrische Energie wett zu machen. Die Merkmale der israelit. Prophetie nach der traditionellen Auffassung des Talmud von Dr. Ernst Baß. 45 Seiten. M. 1.50. Berlin, Louis Lamm. Inhalt: Ethymologische Deutung. — Die Quellen der Prophetologie. — Grundzüge der biblischen Anffassung im Pichte des Talmud. — Die talmudischcn Anschauungen über die Prophetie. — Würdigung der talmudischen Aussprüche über die Prophetie. Probe aus dem Inhalt (Seite 35): „Dagegen spricht der Talmud den Propheten die Be- . fugnis ab, neue Gesetze zu schaffen, denn auch die scheinbare Aenüerung der mosaischen Tradition, die sie unter gewissen Umständen gebieten, bezweckt nur die weitere Bekräftigung derselben. Das Gesetz ist nach! talmudischer Weltanschauung ein Werkzeug, welches Leben schasst und formt, die Aufnahme des Gesetzes war nach derselben die erste Lebensfrage und somit Hauptaufgabe der Gelehrten, deshalb sahen sie in den Propheten vorzugsweise die Vermittler und Erhalter dieses Gesetzes und zugleich! die ewigen Zeugen dessen göttlichen Ursprunges und Wahrheit, denn dafür, daß das Gesetz kein menschliches Werk von vergäiiglichcm Werte sei, bürgt anch die Wahrheit der die Zukunft enthülleiideri prophetischen Verkündigung. Hiermit übereinstimmend iind ungeachtet der tiefer zu behandelnden Nebenbedeutungen der Newuo besteht die prophetische Sendung auch nach talmudischer Auffassung nie in einer bloßeii Zukunftsverkündigung, sondern die letztere wird als einem höheren Ziele, demjenigen der Vervollkommnung des Volkes, untergeordnet betrachtet. Dort, wo eine solche durch die Unwürdigkeit ausgeschlossen ist, wird nach dem Talmud auch dem Propheten keine Newuo zuteil." Erez Israel. Im ersten Heft der neuen, vom Hauptburemi des INF im Haag herausgegebenen Zeitschrift „Erez Israel" waren die Fragen der Palästinaarbeit im allgemeinen und insbesondere des Bodenbesitzes von berufenen Federn behandelt worden. Das soeben erschienene zweite Heft *) ist vornehmlich den Fragen der g e n o s s s e n s ch a f t l i ch e n Kolonisation, von der die Lösung des komplizierten Problems der jüdischen Arbeit abhängt, gewidmet. In dem umfangreichen Heft von 152 Seiten kommen eine Reihe >von Männern der Theorie und Praxis zu Worte, die *) „Erez Israels 2. Heft zu beziehen durch den Jüdischen Verlag, Berlin) zum Preise von Mk. 1,50.

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