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Neue jüdische Presse · 1917-06-15 · Heft 22 (15.6.1917) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 22 (15.6.1917)
Date
1917-06-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt. ftr- 22 Statt Karten. Dr» Hermann Pick und Frau Sophie, geb. Schmidt, euen sich, die Gebart eines Sohnes mitzuteilen. Berlin HW 28, Flensburgerstrasse 16. Dafür ausgesprochen Mt, so haben mich Pie Mischen dc ozialisten ihre. Mthilfe zur Behebung der bisherigen Ko, iftände zngesägt. ' i g Wie russische Blätter melden, verhält sich demgegenja icc die finnische Presse znsti »l m e'n d. Die Helfingi rser „tzelsingin Ganomat" verteidigt die ^Taktik des imischen Volkes, „das nach. 20jähriger Knechtschaft sich eine igestörte Zukunft zn bereiten verstehe", tm „Dagens Preß" wundert sich,, daß in Rußland' soviel in, >cr die jüdischen Leiden in Finländ geklagt werde. „Kann red >S doch; nicht ein Pogrom-Land diesbezügliche Lehren teilen und ist doch! schon vor fünfzig Jahren und st im Jahre 1906 im „Sejn" (Landtag) der Dedanke zur prachss gekommen, den Inden Rechte zn gewähren. Daß eltc nicht damals durchdrang, daran haben wir keine schuld", folc Zionistische Rachrichte«. London. Der Präsident der Englischen Zionistenöderation, Pros. Dr. E. Wetz mann, hielt am >. April eine Vorlesung über die . „Zukunft des'.Heiligen andes". Danach! sprach tznm ersten Mal in einer omstischen Versammlung — James de Rothschild. . nßer diesen beiden Rednern, die Begeisterung hervorriefen, nachjen noch Dr. E. .W.-Mastermann und Canon arfitt. , > - rcy> U,n darmiffolgenden Tage präsidierte Professor Dr. »eizmann bei einer Sitzung Des Palästi'na- > . omitees für die Förderung der Jüdisch- •Jj ko no mischen Interessen tit Palästina. Ein ß ntwnrf der English 'Zionist Federation,' in welcher Weise £ taktische Hilfe denjenigen Inden zn gewähren sei, die acl, ch-tn Palästina niederlassen wollen, wurde gebilligt. Folgende Mitteilung Des Palästina-Komitees wurde eschlossen imd versandt: . „Es ist &u hoffen, daß dieses Komitee, das' sichs ans icschäftsleuten, Ingenieuren und Wissenschaftsmännern znlinmensetzt,' iM stände sein wird, allen denen gntzlich'en Rat nd' Hilfe ßu erteilen. Die aN Palästina interessiert sind oder ie sich dies Interesse tzn erwerben geneigt sind. Doch ist es ich't. überflüssig zu betonen, daß dies Komitee für die iomstisch'e Bewegung im allgemeinen auch von großer schc Bar Bedeutung ist. Der erst: Schütz gegen Fehlschläge aller i 'ai {rt W bie Schaffung einer, gesunden finanziellen und techraq "scheu Grundlage, Das Komitee, das danach streben ien >fld, .innere Schwierigkeiten ans dem Wege zu räumen, '.x oird die Grundlagen aller Projekte kritisch prüfen und ' wnz besonders diejenigen, die mit öffcntlich!en Mitteln 'erwirklicht werben sollen. Das Komitee stellt Privattzs 'crsonen und Komitees die Fachkenntnisse seiner Experten wrN zur Verfügung. Mitteilungen sind zn richten an de ^rtMr^3X ^^EC ö'" Hoüsc Chambers, Queen Scheveniugen Hier fand eine Tagung des Belgischen ioni sten Verb an des statt. Anwesend waren n. a. eau Fischer, I. H. Kann, Julius-Simon und flgronom I, Oettinger. send Der Krieg ««d die Jude«. Frankfurt a. M. Vizewachtmeister Rosen berge., isohn der Fran Dina Rosenberger, der bereits Oktober ipft 1914 das Eiserne Kreuz und 1915 die' württ. Tapferkeits- :rfü medame erhielt, ist jetzt mit der.Hess. Medaille für ».^«K'-iegsverdienst am Bandedcr'Tapferkeitsdaille Und Unteroffizier Satomon Adler, sind math., Sohn von N'athän.Adler, Theobaldstr.x mit dem Cr fernen Kreuz ausgezeichnet worden. Mannheim. Gustav Würweiler. Inhaber des Crserne Kreuz und die Tapferkeitsmcdaille, ist zum Lent- "ant befördert worden. Rudolf Bing. Eugen Luchmann son aus istnrnberg, L U d w. Le v y aus Pirmasens und Oskar äng nullmanu aus Busenberg wurden zu Leutnants befördert. Nürnberg. Leutnant Friedrich Ott enstein erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Cosel. Lehrer Hermann Scheft elowitz starb anb auf emer Urlaubsreife vom Felde. BreSla«. Fritz Weile, Sanitäts-Bizefeldw.,'erhielt Eiserne Kreuz. ' Me«. Oberstleutnant Alois Eisenstädter eines der angesehensten Mitglieder der Ofener israelit. Geinelnde, ist tznm Oberst befördert worden. Bloch's Wochenschrift verzeichnet in ihrer Nv. 22 fol- Auszeichnungen an Juden: 1 Ritterkreuz des Franz W Aief-Ordens, 6 Militärverdienstkreuze 3. Kl., 4 silberne {Zinmnti - Tmihia - Q l ÜmttyimA ir\ _ isignum laudis, 34 bronzene Signum laudis, 49 goldene Verdienstkreuze mit der Krone, 17 goldene Verdienstkreuze, 9 silberne Verdienstkreuze mit der Kronch 2 silberne Verdienstkreuze, 11 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Klasse. 37 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Klasse, 49 bronzene Tapferkeitsmedaillen, 3 eiserne Verdienstkreuze mit der dcrvne, 2 eiserne Verdienstkreuze, zusammen 224 Auszeichmntgert; hievon 98 an Offiziere und Kadetten des Soldatenstandes, 30 mr Militärärzte, Seelsorger und 'Mititärbeamte, 06 art MannschaftKpersonen. Perso«aUe» «. kleine Mitteilnnge». Berlin. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zählt gegenwärtig 98 Schwestern. Sein Stiftnngsvermögen beträgt M. 177,286, sein Eiserner Fonds' M. 377,300. .Der Fürsorgeverein fürch'ilflose jüd. Kinder (Bors. Sanitätsrat Dr. William Levy) beherbergte am Schluß seines letzten. Rechnungsjahres in seinem Heime MeöerMnhäusen 64 Kinder. Der Pflegling kostete im Durchschnitt täglich 3 1. " ' { 5$ Berlin Aus dem Judentume traten aus: Leu'nant Stuhent Hermann Storp, Kaufmann Willy Stein, Bankprokurist Hans Jakob Gütermann, Rechtsanwalt Dr. Erich Pollack, Frau Joscfine Ernst, geb. Munk, Kaufmann Erich Liepmann, Paul Davidsohn, Carl und Gertrud Bernhard. München. Jenny Günzbnrg er,. München, Bettina Landauer, Jda Ä e y m a n n-Augsburg, Rosa Held, Anguste und ^Philippine Neuburger, Miua Bing-Nürnberg, Arnold Dreichl i n g e r - ykcumarkt und Sigmund Weinschenk- Ambcrg erhielten das König Ludwig-Kreuz. Worms. Jakob Aron stierte sein vierzigjähriges Jubiläum als- Vorsitzender des Jsr. Schüler-Unterstützungsvereins. In dankbarer Anerkennung seiner Verdienste wurden dem Jubilar durch eine Mordnnng des Vorstandes eine sehr schöne, der jyeiej: entsprechende Gedenktafel mit Widmung und ein prachtvolles Geschenk überreicht. Außerdem wurde er zum lebenslänglichen Ehrenvorsitzenden ernannt. Nicolai. Nathan Danziger und Frau begingen. die diamantene H ochzeit. . BreSlan. Ist d or'B ah er, früher Revräsentant der jüd. Gemeinde in Krötoschin, und Moritz Neustadt feierten den 70. Geburtstag. Bose». Diejüd Unterkunftsstätteveherbergte in ihrem vergangenen Rechnungsjahre 1204 Soldaten, 1637 iikrbeitcr und 132 Frauen in insgesamt 3023 Rächten. Frankfurter Berichte. Personalien. Am 2. Jmn verschied Jos. Dch. Schottenfels. Mit 'ihm ist ein echtes Stück alt-stanffurter Judentums dahingcgangeii. Der Verstorbene war durch sein biederes Wesen und seinen sonnigen Humor in weiten Kreisen allgemein beliebt nnd geschätzt; er verstand es wie kein zweiter. Kranke aufzurichten und aufzuheitern und hatte für jeden Armen Nnd Bedrückten ein Wort, um denselben auf eine kurze Weile sein Elend und Kummer vergessen zu lassen. Außer seinen 9lngehörigen trauert um den Verblichenen eine große Anzahl Arnier, welchlen er im Stillen ein großer Wohltäter war, nnd wclchje stets' das Andenken des Entschlafenen in hohen Ehren imd dankbarer Erinnerung wahren werden. Kleine Notizen. Der Magistrat (Gasstelle) hat laut Schreiben vom 11. Juni gestattet, daß die strenggläubigen Mitglieder der hiesigen S yn agog en gerneinben in der Rächt vom Freitag ans. Samstäg Speisen auf Gas erwärmen. Auch wird die Gasbeleuchtung zu KnltnSzwecken in den für die Beleuchtung verbotenen Stunden zugelassen. Es wird jedoch zur Pflicht gemacht, daß bei der Verwendung von Gas nnd Kohlen äußerste Sparsamkeit geübt wird. '( DieGesellschaft znrErforschnng jüdischer K n n st d e n k m ä l e r hat die Absicht, ein M n s e u m zu errichten, nnd zwar im früheren Rothschildschcn Geschästshause in der Fahrgasse, das heute der Israel. Gemeinde gehört. ' ■ m Die Geschwister. Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von Ben--Avigdor. (Fortsetzung.) 1t. Tags darauf ivandelte Miguel in den Straßen Cordovas. In der Stadt herrschte aufgeregtes Leben. An allen Ecken konnte man Gruppen sehen, die sich eifrig über eftvas zn unterhalten und zu streiten schienen. Lln eine dieser Gruppe trat Miguel heran und fragte was vorgefallen wäre. „Wissen Sie es noch nicht, Signor? Es ist ja in aller Munde," antworteten mehrere Stimmen zugleich. „Das Königspaar hat vom Alhambra aus Frankfurter Teehaus Jeegartett am Goetheplate Abends geöffnet — ■-=■ - Künstler - Konzert Sonntags geschlossen. Sette 3. JSP Kaffee Ruhland S Kaiserstrasse 56 Kaiaerstrasse 56 Täglich erstklassige 9V Unterhaltungsmusik WM einen Erlaß ergehen lassen, daß innerhalb vier Monaten alle Juden Spanien verlassen müssen." „Was höre ich!" rief Miguel erschrocken. „Unglaublich!" „Was wundern Sic sich, Signor!" rief einer von den Umstehenden. „Haben unsere Herrscher etwa nicht recht gehändelt, das Land von den eckelhasten Juden zu säubern?" „Me überall Verdammnis und Fluch ausstreuen," ergänzte ein zweiter. „Deren Athemhauch Pest und Verderben ist", rief „Die das ganze Land aussaugen und uns an den Bettelstab bringen," fügte ein vierter hinzu. Miguel verließ die Gruppe und ging' weiter. Die Kunde hatte ihn wie ein Donner getroffen. Ec ivar betäubt und konnte nur mit Mühe seine Gedanken sammeln. Wie, seine Brüder sollten vertrieben werden aus dem Lande, wo sie mehr als tausend Jahre wohnen? Vertrieben? Wie so? Wie i können hunderttausende Menschen mit einemmale ihr Vaterland verlassen, das ihnen teuer geworden ist, das Land wo sie geboren und erzogen worden, wo die Gebeine von fündig Geschlechtern ihrer Ahnen ruhen-? Huuderttzluseude von Menschen sollen gewaltsam aus ihren Wohnhäusern, aus ihren Besitztümern gejagt nnd gänzlich des Landes verwiesen werden? Das war «in fürchterlicher Gedanke, den er nicht fassen konnte! Wohin sollen die Unglücklichen sich wenden? Welches Land wird hunderttausende Vertriebene aufnehmen? Die Verruchtheit herrscht ja überall! In allen Ländern, wo die katholische Religion herrscht, ist es ja nicht viel besser! Wo werdet ihr eine Zuflucht finden, unglückliche Brüder? dachte Miguel, und heiße Tränen rollten über seine Wangen. Vormals errichtetet ihr Znfluchtstätten für schuldlos Verfolgte, und heute habet ihr nicht, wohin das Haupt zur Ruhe hinzulegeu. Euer Los ist schlimmer als das der wilden Tiere, die doch eine Heimstätte finden, um sich vor dem Jäger zu verbergen! So klagte Miguels Seele, und seine aufgeregte Phantasie begann ihm grausame Bilder zn malen, schon sah sein geistiges Auge Strömen von Tränen und Blut fließm, und in seinen Ohren Langen die herzzerreißenden Töne der Greise, die zum Wanderstab greifen, das Wimmern der Kinder, das Schluchzen händeringender Mütter, das Stöhnen der Väter. Er schlich stumm durch die Straßen, und seine Augen schweiften wirr umher. Nach vier Monaten müssen sie alle znm Lande hinaus — und er? was soll er da beginnen? hier allein znrückbleiben, alle Tage des Scheiterhaufens gewärtig, wie alle seine Genossen mit der Maske vor fdem Gesichte? Welch ein bitteres Los! Miguel blickte empor mtb sah sich vor Emllias Wohnung. Er sammelte sich «in wenig und trat ein. „Weshalb sind Sie so blaß und verstört^ ftagte Emilia fast erschrocken über sein Aussehen. „Ich habe eine fürchterliche Kunde vernommen!" „Was ist das? So sprechen Sie doch!" „Es ist Befehl ergangen, binnen vier Monaten alle Juden aus Spanien zu vertreiben!" Emilia wurde leichenblaß und erbebte am ganzen Körper. Bald jedoch faßte sie sich, eine seltsame Röte stieg in ihre Wangen, rnch ihre Augen schossen Blitze. „Gut!" rief sie zornsprüheud, und ihre Zähne klapperten. „Gut, daß sie uns fortjagen; laßt uns dies Land verlassen, es ist eine Schande, darin zn verweilen!" „Ach Emilia, lästern Sie nicht unser Vaterland," flehte Miguel. „Unser Vaterland?" versetzte Emilia mit bitterem Spotte, „man vertreibt uns ja daraus, was haben wir also für einen Anteil an unserem Baterlande?" „Nein, Emilia!" antwortete Miguel, „wir haben unser Anrecht auf das Vaterland nicht verloren, tveil andere es uns mit Gewalt nehmen. Das Land ist unser wie aller Spanier, obgleich sie die Zahlreicheren und wir die Wenigen sind. Das ist unser Vaterlands gleich wie es das Ihrige ist!" „Ja," wandte Emflia ein, „das ist eine sehr schöne Theorie. Schade nur, daß die Praxis chr so grausamer Weise Hohn, spricht. Die Spanier vertreiben aus aus ihrem Lande, das Land also ist nicht mehr unser!" Ein düsteres Schweigen trat ein. Beide schienen in Gedanken zn versinken. Miguel empörte sich im

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