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Neue jüdische Presse · 1917-06-15 · Heft 22 (15.6.1917) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 22 (15.6.1917)
Date
1917-06-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 22 - gegenüber dem weneral-Anzeiger Vornehmes Familien-Kaffee 9V* Nachmittags n. Abends Konzert. '•B Verbrauch des Zttronensastcs uich des Zitronensyrups, der die gesamte, in bedeutender Entwicklung befindliche sogenannte „alkoholfreie" Industrie speist. Eingelegte Oliven, bestimmter Sorten haben als BotksrrMrungsMittcl eure sehr große Bedeutung m allen mittelländischen Ländern (auch in Südrutzlaud). Die Verwendung von Oliven zur Speisung ist. häufig rentabler als die Verarbeitung zu Oel und Seife, da das Olivenöl durch andere Pflanzenöle immer niehr aus dein Massekonsum verdrängt wich. Fast alle Maschinen und Vorrichtungen, die ' für ' die Herstellung von. Gemüse- und Fruchtkonserven iwtwendig sind, können auch, zur Konservierung von Fischen verwendet werden. Die Fischerei, ist, genmß dem Urteil bimpetenter Spezialisten, die kurz vor dem Kriege aus einer fischreichen Gegend Rußlands (Astrachan) zum Studium der eürschlägigen Fragen nach. Palästina gekommen waren, in den Seestädten Jaffa, Haifa und anderen sehr entwicklungsfähig. Von Wichtigkeit ist dabei, daß die Baulichkeiten und Maschinen, das Personal und die Arbeitskräfte einer Konservenfabrik in höherem Maße während .der verschiedenen Jahreszeiten ausgenützt werden können, wenn Lu der Verarbeitung von Gemüse- und Fruchtarten auch noch die von Fischen mit der Zeit hiuzukommen kam:. Die wichttMen Zusätze -zu den Fischkonsewen — Tomatensauce- und Oel — sind im Lande zu haben, was auch hier in Betracht gezogen zu werden verdient (ganz wie bei der Herstellung' südlich-orientalischer Gemüsekonserven): Me Rentabilitätsaussichten der Kvnserveninsustrie sind in Palästina zweifellos sehr gute, namentlich im-Zusammenhänge mit den neuen bevorsiehenden Konjunkturen nach-dem Kriege. Allerdings wird die Rentabilttät der Kvnservenindustrie Wben den Produttionskosten und den Wsatz.bedingungen in bedeutendem Maße von den zukünftigen Zvllverhältnissen abhängen. Zn Zukunft werden wohl für Palästina die für die Industrie notwendigen Maschinen und Rohmaterialien von Einfuhrzöllen befreit oder bloß geringen Sätzen unterworfen werden. Dogmen werden Fabrikate, die ^m Lande hergestckll werden kömren, eventuell durch Schutzzölle zN begünstigen sein. Me Kouservenirürustrie wird der einen .oder anderen Konstellation auf dein Gebiete der Zollpolitik sich anzupassen haben. Eher steht eine günstige Konstellation bevor als umgekehrt: Die guten .Aussichten für 'die Kvnservjenindustrie in PMstina verdienen die ernste Äufmerks.amkbit füd ische.r kapitalkräftiger Kreise. Sowohl für einzelne Kapitalisten als auch für Aktiengesellschaften resp. Genossenschaften m. b. H. .wird sich demnächst auf diesem Geibiete die Möglichkeit lohnender Unternehmungen eröffnen. In einigen Ländern und speziell in Amerika, Rußland und Holland scheint sich bereits jetzt das Interesse' des unternehmungslustigen jüdischen Kapitals nach dieser Richtung zu wenden. Uns ist bekannt, daß gegenwärtig u. a. eine Organisation Kn Vorbereitung ist, welche den Zusammenschluß der Jktteressenten für palästinensische Kvnserocn- . industrie erstrebt. Wahrscheinlich werden bald gegauere- Einzelheiten über die geplante Organisation verlauten. Die Kolonisation, die auf der landwirtschaftlichen Basis .aufgebaut werden muß, um der jüdischen palästinensischen Gemeinschaft ihren dauernden Bestand und ihren nationalen Charakter zu Bit, wird in der Begründung, und in dem au einer Industrie, die die Landesprodukte Herarbeiten wird, euren starken Rückhalt finden Jüdischer Natumalfouds. Jnr Monat Mar hat der Jüdische Mtionalfmids Mart 82,768 an Spenden vereinnahmt. Dieser Betrag verteilt §h auf folgende Länder: Oesterreich M. 39,076, besetztes ebiet M. 4997, Deutschland M. 19,664, besetztes Gebiet M. 11,282, . Nordamerika M. 4657. Holland. M. 2510, Bulgarien M. 2270, Ungarn M. 202 /, Griechenland Mark 1360, England M. 1344, Südslavische Lärrdcr M. 687,. Egypten M. 559, Belgien M. 433, Frankreich M. 423, Südafrika M. 383 lnnd Rußland M. 96. Gemäß den letzten in der gesamten Presse veröffentlichten Mitteilungen über das durch die EvaNncrungcn in Palästina verursachte Elend wurde u. a. daraus hingcwicsen, daß durch Ameliorationsardciten auf den . Besitzungen des Jüdischen Nationalfonds die arbeitsfähigen Flüchtlinge Vcrdienstmöglichkeiten erhalten und vor demütigenden Sllmvsen bewahrt werden sollten. Es erscheint dringend wünschenswert, daß zu diesem Zwecke die Sammlungen für Notstandsarbciten des INF in stärkerem Maße als bisher betrieben werden, damit sie wesentlich zur Linderung der Notlage beitragen. Die Spendensumme im Monat Mai ans Oesterreich enthält diesmal eine größere Zuwendung von Kr. 15,000. die ein ungenannt ^sein Wollender für 300 Dunam gespendet hat. Er begleitete diese edle.Tat mit folgenden Worten: „Meine Absicht geht dahin, für die Sache Propaganda zu machen und zur Nachahmung anzurcgen. Ich meine, dies ist der Zweck des menschliche» Lebens, nicht um für sich! Und seinem Familie, sondern in gleichem Maße für sein Volk zu wirken." Der K. C. im Kriege. Nach! den bis Anfang Mai eingcgangenen Kriegsadressenmeldungcn stehen von den über 1100 Mitgliedern des K. C., Unter Einrechnung der Gefallenen und infolge Verwundung oder Erkrankung als.dienst,mbrauch.bar Entlassenen, 925 im Heeresdienst. Hiervon gehören bczw. gehörten dem Feldheere 763 an. Den Heldentod starben bis dahin 69 K. Cer. In diese Zahl sind 2 Bundesbrüder eingcschlossen, an deren Tod kein Zweifel besteht, d ercn Namen aber auf Wunsch der Familien noch -nicht veröffentlicht werden sollen. Vermißt werden ferner 3 ük. C.er-: Kb. Willy Motteck, der sich'nach 3maliger Verwundung zum. 4. Male auf freiwillige Meldung ins Feld begeben hatte, seit Juni 1916 im Westen; Kb. Kurt Haas seit 26./27. September 1916 an der Somme und Kb. Hans Grünwald (Bavariae) seit 27. Januar 1917 ebenfalls an der Somme. 3 K.C.er haben ihre Auszeichnung mit dem Eisernen Kreüz 1. Klasse, 383 mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse, 1 mit dem Eisernen Halbmond, 125 sonstige Kriegsanszeichnungen gemeldet. 62 K.C.er wurden während des Krieges zu Offizieren des Bcurlaubtcnstandes befördert, 51 im preußischen Heere einschließlich der württembergischen und säcksischen Kontingente, 11 im bayerischen Heere. 2 K.C.er wurden im preußischen Heere zu Feldwebel-Leutnants befördert, 8 K.C.er gehörten bei Kriegsausbruch als Offiziere des Bcnrlaubtenstandcs dem bayerischen Heere an. Aus alter Wett. Dttttsche» «eich. Oldenburg. Jüdischer Landesgemeiuderat. Der Lanbcsgemcinderat faßte unter dem Vorsitze des großherzogl. Landrabbiners D. M a n n h e i m e r folgende Beschlüsse: 1. Der Jüdische Landesgemeinderat tritt mit sämtlichen Gemeinden des Herzogtums der Freien Vereinigung sür das orthodoxe Judentum zu Frankfurt a. M. bei, in Anerkennung der großen Verdienste, welche diese Vereinigung sich um das Judentum und die jüdischen Gemeinden Deutschlands erworben hat. 2. Sämtliche (Scmeirtben treten als Mitglieder dem Lehrerseminar zu Hannover sowie dem Verein für Kriegerhcimstätten des Herzogtums bei. * 3. Die.Diäten für die Lehrer des Herzogtums bei Reisen fcimt Religionsunterrichte in die Filialgeineindcn wurden erhöht. '4. Die'Drucklegung einer jüdischen Gesetzessammlung aller Staats- und Landesgemeinden, Ratsgesetze, Regierungsverfügungen usw. wurde beschlossen. 5. Ferner wurde beschlossen, durch Eingabe an die oberste Schulbehörde eine Aufnahme der Zensurnoten ün Religionsunterrichte der Religionsschnlen in den Schulzeugnissen herbcizuführen. . 6. Eine Verfügung des Großherzvglichen Staatsministeriums zu erwirken, welche den Dispens vom Schreiben nsw. am Sabbat und an Festtagen erleichtert. , 7. Verwesung, der Vermächtnisse des verstorbenen Frmckein E. Cohn tzn Zwischcnahn. 8. Aenderung bzw. gerechtere Verteilung der Beiträge zur Lehrerpensivns-, Relikten- und Zen-' tralkasse von seiten der einzelnen Gemeinden: Außerdem kamen die Fragen, welch je für das Judentum im Jmiern von Wichtigkeit sind, wie Mischehenfrage und innere Mission, zur Besprechung. vesterretch-ll»sar«. Die Berufungen ins Herrenhaus. Zn diesem Thema schreibt Bloch.'s 'Wochenschrift: „Die Streichung des Präsidenten der Wecker israelitischen Kultusgemeinde Dö:'Alfred Stern aus der Liste Der ins Herrenhaus Berufenen hat in allen Kr sen der jüdischen Bevölkerung die peinlichst , Gefiihlc ausgelöst. ' ' Alle Karteien innerhalb des Judentums in Ocsterrci — wögen sie tzn den politischen Anhängern oder Gegne, Dr. Sterns gehören — empfinden es als einen bewußt! Affront, daß in einer Zeit, da historische Entwickln: und. politische Klugheit.der Denrokratie den Weg in dl gesamte öffentliche Leben ebnen, daß zur selben Zeit, i die Regierung bei den jüngsten Berufungen ins Hcrrenha, sich Mit so peinlicher Sorgfalt bemüht gezeigt hat, dk o, Ansprüchen der an Seelenzahl kleinsten nichtjüdischen Ko, >>' fessionen durch Ernennung eines offiziellen Vertreters g recht tzn werden: gerade die jüdische „Rcligionsgcsellschaf: r. zurückgesetzt, von oben herab beleidigt wurde: Man ist i rs allen '.Schichten der jüdischen Bevölkerung mit Recht di m Meinung, daß insolange das.österreichische. Oberhaus na :c> seiner gegenwärtigen Struktur nicht nur eine Repräsentai des Gebnrts-, Geistes- und Geldadels, der Industrie m des Halwcls darstellt, sondern auch die offiziellen Vertreü :s der in Oesterreich anerkannten Konfessionen in sich vc ü einigt, die jüdische Konfession nicht ausgcschaltct werdr st Die sieben Juden, die. im Herrenhaus' sitzen, erhielt! ' nämlich ihre Berufung nicht als Juden, sonder,: infoll ihrer sozialen Stellung; eshat übrigens auch nicht ein« von ihnen ein ausgesprochenes jüdisches Interesse. Warn Dr. Stern, ein Assimilant der "alten Schule, die Judenhc Oesterreichs vertreten sollte, wissen. wir nicht. Vicllciü gebe es doch! iwch einen angesehenen Rabbiner und da», wenigstens, einen Man» mit jüdischem Wissen. Auf die von der „Selbstwehr" aufgeworfene Frage des österr.-jüd. Kongresses antwortete Reichstagsabgeordncter Heinrich Beiz . „Ich will durchaus nicht verkennen, daß zwischen wcj österreichischen und galizisch-bnkowinaer Juden ein Gegci satz in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung.besteh der nicht leicht nberbrückt werden kann,. nichtsdestvwenigc erscheint es.mir geboten rmd notwendig, daß das öste, reichische Jndentimi in diesen schicksalsschweren Tagen gi x schlossen und einig nach Außen dasteht und ebenso g> „ schlossen seine Forderungen an den Staat erhebt: Täusche _ -uns nicht. Trotz der furchtbaren Opfer,, die die Jude Gut und Blut in diesem schrecklichen Kriege.gebrach hüben, ist. der Antisemitismus in Oesterreich, größer den . je, wemr auch die Juden mehr als so manches Volk i 1 Oesterreich ihr .Bekenntnis zu Oesterreich doknmentiei haben. Den Ursachen dieser Erscheinung nächtzugehc hier nicht der Platz, die Tatsache als solche steht fest. Zunächst käme der Wiederaufbau Galiziens und' dc Bukowina in Betracht, der zugleich das Problem, der . ji> dischen wirtschaftlichen Zukunft involviert? Ist auch bi : Frage des Wiederaufbaus eine^rein staatliche Angelegenhei £ müßte sie doch — lwo es sich um jüdische Existenzen ha» i delt— im Sinne der jüdischen Wrtschaftsbedingungen gi v löst 'werden. Und dann.käme in erster Linie die Frag "j eines gerechten Wiederaufbaus in Betracht, der bei: heutigen Stande der Dinge - sehr in Zweifel gezogc ° werden muß. . Ein Kongreß hätte die Autorität, zu dieser Frag Stellung zu nchinen, ebenso wie er im Vereine mit dc " amerikanischen und russischen lkongrcßrepräsentanz an dc »- Lösung der Emigrationsfrage und der Erwirkung dc i Gleichberechtigung für Juden, die bisher diese noch nick J besitzen, teilnehmen könnte. . - - Der Kdngreß wäre auf demokratischer^ Basis, wen Freiwillige Organisierung der Jude» Böhmens.- Die Prager „Selbstwehr" veröffentlichit in ihre 21. Nummer einen Aufsatz Von-Rabb- Dr. Ziegler-Karlc bad über s,Freiwillige Organisation der Judenschtzft Böl mens". Der Verfasser legt die Notwendigkeit einer Q r ganisternng und Vereinheitlichung dc Judenheit Böhmens in Anbetracht des' allgemeinen Kampfe > gegen die Juden dar. Als den geeigneten- Weg hierfii » gibt er den freiwilligen Zusammenschluß der doi M tigen Jilden an, da s. Z. die Juden. Böhmenseine a» » gesetzlichem Wege crfolgerwe Orgamsierung zurück » gewiesen hatten. Die großen Gemeinden wie Prag, Pilse: t Budweis und Karlsbad müßten sogleich die Jnitiatid zur Verwirllichung dieses wichtigen Planes ergreifen. Die Redaktion des Blattes bemerkt dazu, es sei gbc nicht!nnr der Zusammenschluß der Juden Böhinens- - das würde wieder in separatistischem Sinne sem — so» >' der» auch der Jrcken ganz Oesterreichs von unumgäng > licher Ndtweildigkeit. i Itrakau. Orthodoxes jüdisches «riegswaifenhans. Dem bekannten Rabbiner Siwichje Tnmim' Fränb c auä Skownm wurde von der Statthalterei mitgeteilt, da die Stcktthalterei wie die österreichische Regierung berr> seien, für das galizische Judentum ein streng religiöse Kriegswaisenhaus zu errichten. Die Regierung werde da { Gebäude errichten und außerdem die laufenden Koste , tragen; nur die Mehrbrsten der rituellen Beköstigung n» des erweiterten ThorannterrichtZ müßte von jüdischer Sei: , geleistet werden. Die Frankfurter „Agudas Jisroel" hat - wohl schjon einen größeren Betrag zugesagt,-doch das genüg , iroch nicht, und so möge Rabbiner Frankel eine entsprechend Mtion in der galizischen Judenheit einleite:!. Rabbiner Fränkel hat bereits .ein. Komitee gebildci Fi«la«d. Die fiuische Preffe u«d die Juden. Wir Hütten vor kurzem die jüdische Lage in .Finla: beleuchtet und aus die alt her gebrgchtc Unterdrückun der Juden hingewiesen. Nach' Pein Umsturz in Nußla» war es jedem natürlich, daß dieses. System sich grünblii ändern mußte. Und wie der Arbeiter-» 'und Soldätenrcü

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