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Neue jüdische Presse · 1917-06-15 · Heft 22 (15.6.1917) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 22 (15.6.1917)
Date
1917-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Juni 1917) Nr. 22 „Neuorientierung-" Zum Kapitel „Neuorientierung" äußert sich in den „Jüdischen Monatsheften" Dr. I s a a c Breuer, der innerhalb unserer traditionellen Judenheit einer der begabtesten unter den Vertretern' des schärfsten Trennuugsprinzips ist. Mau ist erstaunt, von einem Breuer das Wort „Neuorientierung" *ji vernehmen und fragt - sich vernnmdert, wie es möglich, sein: kann, daß er an seinen Anschauungen irgend welche Aenderungen vorgeuoinmeu habe. Das. ist. natürlich auch garuicht geschehen. Breuer ist Breuer geblieben. Was er will, ist folgendes: Bor dem Krieg war. „klein und gering unser Einzeltum? Klein und gering aber auch die öffentliche Leistung der jüdisch-deutschen Orthodoxie". .Der „wahre Angelpunkt dieser gaitzen öffentlichen Leistung in den Jährzehuten. vor Kriegsbeginn" war die „unglückselige , Austrittsfrage", an der wir -im. Begriffe waren, uns „endgültig zu ruinieren". Denn sie „führt nicht in den Mittelpunkt der jüdischen Ideenwelt", - ist „nicht Kernfrage, sondern- Vorfrage";. sie ist gewissermaßen „die preußische Wahlrcchtsfrage der deutsch-jüdischen Orthodoxie", welch' letztere auch noch nicht nur für sich die „Demokratisierung Preußens" bedeutet. Die Austrittsfrage beanspruchte eine „unermeßliche Krüftevergeudung", sie lvard der „Gegenstand unendlich kleinen Zanks" — und deshalb muß sie .endlich einmal erledigt werden. „Fort mit dem Schutt der neutral-jüdischen Gemeinde, dieses' Denkmals unserer Halbheit! Fort mit chem Schutt jeder neutral-jüdischen Organisation, dieses 'Feindes des Geistes!" Dann erst wird die Wurzel, des Uebels der Vergangenheit vernichtet werde»; nämlich: „das Schwinden der religiösen Energie, das Erlahmen - der rastlosen Kampfbereitschaft für die religiöse Idee, die Abschwächuug des Feuers der Idee zum sanften Licht der Wissenschaft, die Herabsetzung der Allmacht der Idee zu einem bloßen religiös-politischen Parteiprogramm". Dann erst „gewinnen wir Zeit und Kraft,' uns dem einzigen Gegenstand zuzuwcnden, der allein würdig ist, unser öffentliches Leben ganz zu'erfüllen: der .Hebung des Thorastudiums". In diese!» Ziele begegnen wir uns. mit Dr. Jsaac. Breuer. Thorastudium wollen auch .wir, denn nur durch Thorawissen kann man zu einem Leben im Sinne der Thora gelangen. . Dr. Breuer spricht' aber itp vom Thorastudium. Das ist bezeichnend >fur ihn. Er ist ganz Theoretiker, und fo^Jkmnte er bis ^um Aüstrittsstandpunkt gelangen und sich dortfesthaken. So ist .ihm auch das Judentum das Primäre, die Judenheit aber erst das Sekundäre. . Wir dagegen betrachten.Judentum und Judenheit, die Thora und das Volk Israel als eins und können uns - daher nicht bis zum .Austrittsstandpunkt, der eine Aüseinanderreißung der Judenheit bedeutet, versteigen. v Dr. Breuer weiß es ja auch: der Austritt war anfangs nur ein geschichtlich Gewordenes und wurde erst mit der Zeitzu einem Prinzip ausgpbaut. Hätten, als .Rabbiner Samson Raphael Hirsch und' seine Getreuen.von der israelitischen Gemeinde eine eigene Synagoge und Schule verlangten, an deren Spitze nicht gar zu krasse und verbissene Gegner des überlieferten Judentums gestanden, wären Synagoge und Schule gewährt worden, es wäre nie zur Bildung der Religionsgesellschaft gekommen, sondern vielmehr das Gebildehätte sich entwickelt, das wir. jetzt Gemeindeorthodoxie nennen;. Rabbiner Hirsch A. hätte dann die Stellung eingenommen, die' dann Rabb. Dr. Horovitz s. A. einnahnr. Die Trennung in der Religionsgesellschaft brachte erst allmählich um deren eigenen Bestehens nnd Ausbaues' willen und nach harten. Kämpfen mit der Gemeinde an Stelle der Trennung als Notbehelf die Trennung als Prinzip. Bei all' denen, die damals die schweren Kämpfe mit der Neologie durchgemacht hatten, menschlich sehr verständlich. Doch man kann treues Mitglied der Religionsgesellschaft sein, mit dem Besten seiner Persönlichkeit für ihr Wohl jederzeit bereit stehen, ohne Anhänger des Fsrennungsprin'zips sein zu müssen. Auch wir find mii Dr. Breuer der Ansicht, daß die Austrittsfrage zu einer „unermeßlichen Krüftevergeudung" ward. Sie lenkte von anderen Aufgaben ab, und gar viele glaubten sogar, mit. der Betonung des Austrittsstandpunktes ihren jüdischen Pflichten Genüge geleistet zu haben. Und das scheint uns doch die wichtigste, allen Richtungen innerhalb der traditionellen Judenheit gemeinsame Aufgabe zu sein: Juden zu erziehen nach dem Ideal der Thora. Einzig dieses bedeutet die Stärke und die Zukunft des Religionsgesellschaft. Dr. Breuer rühmt von der „Stätte des Austritlsbekcuntnisses", daß sie die einzige Stätte wurde und blieb, die eine Jeschiwoh besaß, und so zum ersten Male seit langen Jahren Frankfurt auf deutschem Boden deutsche „Bale Battim" ausstellte, die lernen können. Wir möchten da doch hiuzufügen, daß von den. jährlich etwa 30. Abiturienten der Realschule, der Israel. Religionsgesellschaft es nur zwei bis höchstens vier sind, deren Eltern die Opferfreudigkeit haben, ihre Löhne noch für ein Jahr dem Erwerbsleben entziehen. Diese Tatsache weist auf einen vorhandenen Krebsschaden hin, zeigt, daß die Pflege der Freude am Lernen, des Verlangens nach einem Leben im Geiste wahrhaft jüdischer Welt- und Lebensanschauung innerhalb der Religionsgesellschaftskreise doch erhebliche Lücken aufweisen muß. Das .bestätigt Dr. Breuers Ausführungen über die Wirkungen der fortgesetzten Beschäftigung mit der Austritisfrage. Freilich, Dr. Breuer sucht auf ganz eigentümliche Weise diese Frage ans der Welt zu schaffen. Er beschwört nämlich die Gemeindeorthodoxen, sich auch ihrerseits von - der Trennungsorthudoxie zu trennen, diese ganz gesondert ihre Wege wandeln zu lassen. Der Trennuugsorthodoxie solle - sie die Führung in allen orthodoxen Organisationen überlassen und sich damit begnügen, im neutral-jüdischen Bund die Neologen silr das traditionelle Judentum zu gewinnen. Für Dr. Breuer ist also eine „Agudas Jisroel", eine,,Freie Vereinigung filr die Interessen des orthodoxen Judentums" nur auf der Grurro-. läge seines bis zur letzten Konsequenz verfolgten Tvennungsprinzips denkbar. Er zeigt, wie man zu weit geht und den Bogen überspannt, denn er trennt selbst innerhalb der Orthodoxie den Bruder vom Bruder. Hier gibt er einen Blick nach dem Ziele, dem da zusteuern alle, die ihm folgen. Der Ausblick ist entsetzlich! Innerhalb der Orthodoxie reinliche Scheidung. Das ist feine Neuorientierung. Dr. Breuer denkt nicht darandaß die Austrittsfrage Stets nur deshalb solche Wellen schlug, weil er und die seinigen sie immer wieder und wieder aufpeitschten. Das Bestehen der Religionsgesellschäft und. ähnlicher. Körperschaften hätte dieses Aüfpeitschen nicht nötig, denn sie-bestehen in sich gemäß der Pflege des währen Thoralebens in ihrer Mitte. Die Gemeindeorthodoxie stört Dr. Breper und seine Anhänger wahrlich nicht. Nur weil sie den Aüstrittsstandpunkt zum ausschließlichen Angelpunkt aller jüdischen Interessen in ihren Kreisen gemacht haben, haben sie verursacht, daß — um mit Breuer zu sprechen — „klein und gering unser Einzeltun", „klein und .gering aber auch die öffentliche Leistung der jüdisch-deutschen. Orthodoxie" war und ist, Dr. Breuer mag feine Anschauung weiter vertreten und uns hie unsrige vertreten lassen. Deshalb sollten wir doch gemeinsam zahlreiche praktische jüdische Aufgaben zum Segen des .traditionellen Judentums erfüllen können. Jüdisches Wissen, Sabbätbeobachtung und so vieles andere sind gemeinsame Gebiete bei allem parteipolitischem Unterschied. Er schließt seine Worte: „Gott segne sein Volk mit dem Frieden." Nun, wenn Dr. Breuer den Frieden in der Orthodoxie will, dann muß er trotz.strengster Wahrung seiner besonderen Anschauung doch alles Gemeinsame hervorkehren, — und das wird dann die Neuorientierung sein, auf der der Segen Gottes ruht. Eine offizielle Erklärung -er russischen Regierung zur Ju-eufrage. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag wandte sich an die russische Regierung unter Hinweis auf die Tatsache, daß bisher die jüdischen Forderungen in keiner offiziellen Note oder Erklärung über die Friedensbedingungen erwähnt wurden, mit dem Ersuchen, ihre Haltung gegenüber stuf die Friedenskonferenz gerichteten jüdischen Wünsche zu bestimmen. Darauf empfing das Bureau folgendes Telegramm, datiert vom 24. Mai: „Die provisorische Regierung überläßt es dem jüdischen Volk, nach seinem Belieben zu bestimmen, ob es sich als konfessionelle Einheit oder Nationalität betrachten muß. Die Regierung wird sich beglückwünschen, sich die Mitwirkung dieser Nation an dem Werke der internationalen und sozialen Regeneration der Menschheit zu sichern. Tr-etschenko, Minister für auswärtige Angelegenheiten Rußlands. Nr. 9097." Kolonisation und Industrie in Palästina. Von Ing. Agr. I. Oertinger.. (Schluß.) Von der reichen Kategorie haltbarer, trans-, portfähiger Fruchtarten, die in.Palästina ausgezeichnet gedechen und bei gx»vissen Preiskonjunkturen ihre industrielle Verarbeitung lohnendmachen können, wollen wir bloß die wichtigsten erwähnen, und zwar nur die Orangen, Zitronen und Oliven. Die industrielle Vertoertung der Orangen konzentriert sich hauptsächlich auf Marmeladen,' Jams, Gelees und Liköre. Llpfclsinenkonfitüre, Orangeate (kandierte Fruchtschalen) und Orangensaft, sowie auch Apfelsinenmark und andere Halbfabrikate ('n Stücken geschnittene und gedörrte Früchte) finden immer zunehmende Verbreitung als ganz bejonders hygienisches Nahrungsmittel, namentlich in den englisch sprechenden Ländern. Die Zitrone findet in den letzten Jahrzehnten eine Ikets wachsende umfangreiche Ber- - Wendung, und zwar hauptsächlich durch den großen.

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