Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 21 (8.6.1917)
- Date
- 1917-06-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Ml-»! rtKaimi gegenüber dem General-Anzeiger Vornehmes Familien-Kaffee l«r ^aehmlttagsn. Abends Konzert. “VB neuen Katastro Pye, wenn das polnische Pro-- gvamm verwirklicht wird. . Und dieser -Berfassungsentwurf, der in nationaler Bezichüng Vergewaltigung der Juden und die fwlnische. .Suprematie gegenÄer den Ukrainern bedeutet, in sozialer Hinsicht aber die Privilegien des. Grundadels und der- -besitzenden Klassen aufrecht erhält, dieser Errtwurf ist unter Mitwirkung der sozialistischen Partei, zustandegekommen! Bei Betrachtung der polnischen Fragx wird die sozialistische Internationale wohl .nicht umhin können, auch zu dieser Politik der polnischen Sozialdemokratie Stellung zu nehmen! Kolouisatton urrv Judustrie iuPalästtua. .Bon Ing. Agr. F. Oettinger. (Fortschmrg.) Den ersten Platz unter allen Konserven werden in'Palästina wohs die Gemüsekonserven einiiehimen. Die arabische palästinensische Bevölkerung . treibt in der Nähe der Städte viel Gemüsebau, und bereits jetzt könnten Konservenfabriken mit beträchtlichen Quantitäten - mannigfaltiger Gemüscsorten sich versorgen. Jüdische'Siedlungen werden sich gleichfalls. den: Gemüsekulturen in steigendem. Maße gewiß zuwenden, sobald sie ihre Produkte aön Fabriken in nächster Nähe werden absetzen können Die Kultur und Verarbeitung von Tomaten, Erbsen, Bohnen usw. ist. in Palästina einer ähnlichen großartigen Entwicklung fähig, wie man sie in den letzten zwei Jahrzehnten in manchen Gegenden Italiens erlebt hat. -Wer Verbrauch vv-r Gemüse ist namentlich wjähvend der 'Kriegsjahre überall außerordenllich gestiegen, und die im Felde stehlenden sowie die zu Hause gebliebenen -Volksmassen haben sich an Äen Gemüseverbrauch gewöhnt. In vielen Gegenden, wo die Bevölkerung früher das Gemüseessen als Luxus betrachtete, eMickt man jetzt in den Gemüsespeisen eine nicht mchr zu entbehrende gesnrche Nahrungsweise. Der Verbrauch von Gemüse in frischem und nach nwdernen, Methoden konserviertem. Zustande wird rwch dem Kriege ungcheuer anwachsen Die'Konservenindustrie wird, sich umso leichter'der gestiegenen Anfrage anpassen lassen, als zur Erzeugung von' Gemüse in großen Akengen sehr wenig Zeit nötig ist. Die Gemüse- - Verwertungsfabriken, werden ebenso schnell ' ausgb baut werden kömren wie etwa Zuckerfabriken, die sich das zu verarbeitende Rohinaterial in kurzer Zeit durch die in ihrer Umgebung entstehenden Rüben- oder Rohzuckerplantagen sichern Die Verarbeitung verschiedenartiger Gemüsearten m. Dauerware weist folgende Vorteile auf: a) Dü Kampagne der BerwertungDfabriken wird auf möglichst vick Monate des Jahres (namenüich in Palästina, wo Gemüse auch wäh-- chnd des Winters wächst) ausgedchnt, wodurch eine kommerziell gerechtfertigte, möglichst gleichmäßige Verteilung der Arbeitssaisvn' und eine aü^iebige Benützung der Einrichtungen (Gebäude, MaschinM)- .der Arbeitskräfte und des Leihmgs- - Personals erzielt hxrden b) Gemüsekonserven erfordern keinen Zusatz jvon Zucker, wodurch das. .Erforderliche Betriebslapstal .verringert und eventuelle Schwierigkeiten des Imports von Zucker vermieden werden «) Geniüsekdnserven lassen Aussichten auf Massenabsatz an Leeres- und Flottenverwaltungeu zu, sowie die Erlangung von Vorbestellungen für die Lieferung bedeutender Quantitäten an andere Organisationen, die für Massenspeisung zu sorgen , Im einzelnen bietet in PalästiM namentliche stie Verarbeitung der folgenden wichtigsten Gemüsearren gute Aussichten: 7"VI. Tomaten Die Verwertung der Tomate)', besouoers ass Püree, gewinnt mit jedem Jäh«' juuner größere lAusdchnung in -allen .Ländern, in Frankfurter Israelitisches Familienblatt. denen die Tomate gut gedeiht. ^Palästina gehört, wie Italien, Spanien usw.> zu jenen Produktionsgebieteu der Tomatenfrucht, die die höchsten bekannten Erträge zu erzielen vermögen. Neben dem Puröe bürgern sich immer mehr im allgemeinen Konsum verschiedene Tomatensaucen, ..T.omaten-Katchups'mit Gewürzzusätzen, Tomatenpasten usw. ein. 2. Kstrbis. . Das Kürbismark wird heute in ausgedehnter.Weise zur Herstellung von Marmeladen und marmeladeähnlichen Produkten verwenden. Dorr, wo man, wie in Palästina, Kürbis! außerordentlich billig erzerigen und Kürbismark dementsprechend billig Herstellen - kann, ist. letzteres sehr wertvoll als Füllmaterial fstr ^billige Konsum-- marmcladem 3. Melonen. Wo Melonen billig zu haben sind, wie es wiederum in Palästina der Fall ist, läßt sich das Melouenmark ähnlich, wie das Kürbismark verwerten. - ..4. Rhabarber. Die Rhabarbermarmetade gehört gegenwärtig zu den weniger bekannter Handelsartikeln. Jedoch wird .der Rhabarber, dessen Kultur in Palästina eine äußerst ergiebige werdet kailn, zweifellos für geinischte Marmeladen und marnwladeähnliche Produkte eine sehr. lukrative Verwendung .finden. Mit etwas Gewürz (Zimt, Vanille u. dergl.) stellt man mit Hilfe des sehr leicht zu erzeugenden- Rhabarbermarkes ein schön aussehendes, sehr schmackhaftes und ge- \ suudheittich ganz besonders bekömmliches Produkt 5. Eierfrüchte, Grmüfepfesfer, Banüiijc in jToniatensauccn resp. in Oel. Die Zubereitung dieser südlichen Gemüsearten nach griechischem, bulgarischem oder sonstigem orientalischen Geschmack ist in südlichen und orientalischen Ländern als Volksnahvungsmsttel sehr verbreitet und wird bei entsprechender Propaganda auch in europäischen -Konsumzentren gebührende An- . erkeunung als höchst bekömmliche Nahrung 'finden. Me als Zusatz Lu verwendenden Materialien — Tomaten und Oel — brauchen in Palästina nicht importiert zu werdeir. 6. Bohnen, Erbsen, Spinat usw. Mle in Europa zum Konservieren (in Blechdosen, Krügen, Gläsern) und Einlegen (in Salz, Essig) verwendeten Gemüsearten können mit dem größten Erfolge auch in Palästina verwendet werden. Wird eine Klonsewenindustrie auf der konrmerziell gesunden. Grundlage der Verarbeitung ,möglichst mannigfaltiger. Rohprodukte ausgebaut werden, fo wird sie zu Zwecken der Versorgung des! Konservemnarktcs auch mit den allergewöhnlichsten Gemüsearten sich Ln Palästina alle erforderlichen Rohprodukte beschaffen können. ' Außerdem ist darauf hinzuweisen, daß das Dörren gervisser Gemüsearten, neben der Anwendung spezieller Maschinen, auch noch die Sonnenwärme während der absolut regenlosen Sommermonate in ausgedehnter Weise auszunützen gestatten. - Die wichtigsten wenig haltbaren Fruchtarten, die in Palästina reichliche Erträge ergeben, find: 1. Aprikosen. Me Heimat des! Aprikosenbaumes ist Zentratasien. Er gedeiht ausgezeichnet in Palästina und Syrien. Seine leichte Kultur und seine fiühe, sehr reichliche Fruchttragung werden ihn zu einem der rentabelsten und Verbreitesten Fruchtbäume in Palästina machen, wenn der Absatz seiner -prächtigen, aber schnell .verderbenden Früchte an Konservenfabriken gesichert sein wird. In der Gegend tzon Damaskus bienen die Aprikosen zur Herstellung einer Paste,' die zu einem Bolksnahrungsmittel geworden ist. .Die Älprikose findet in den Konservenfabriken in .sehr vielen Variationen Verwendung, namentlich aber für jfeinere Marmeladen und Jams- Ein bedeutender Handelsartikel ist .das Aprikosenmark (als .Halbfabrikat).. Die Fabrikation des Aprikosenmarkes ist namentlich in Ungarn (Kecskemet, Nagy-Czegted,. Debreczin usw.) entwiMt. Getrocknete Aprikosen Wdeutende Industrie in Persien und' Nordame» rika) werden zum Teil für das Einmachen,, zum größeren Telle aber für Marmeladen verwendet. 2. Pfirsiche. Die Pfirsiche kommen hauptsächlich für das 'Einmachen in Dosen und Gläsern in Betracht, aber auch für die Konservierung durch Dörren. Der Pfirsichbaum wird in Palästina seine hchje Rentabilität, ebenso wie der Aprikosenbaum, nur dann erreichen, wenn der Verkauf der zarten .Sir! 21" Früchte an die Fabriken, mehr oder weniger, in dev:-.Näh'e^ der. Plantagen angelegt/?. ermöglicht' sein 3. Quitten. Die Quitten haben ihre Heimat im südlichen.Europa -und gedeihen vortrefflich'..in Palästina. Sie finden -für Marmaladen und Geleeztvecke reichliche und lohnende Verwendung. 4. Feig en. .Me BerwendunK von Feigen durch Trocknung an Ort und Stelle ihres Gedeihens kann in Palästina zu einer-ähnlichen Industrie sich entwickeln wie in der Gegend von Smyrna. Me Anpflanzung von Feigenbäumen, in Palästina wird einen mächtigen Anstoß durch die.Begründung pon Fabriken zur Verarbeitung von Feigen in Dauerware erhalten. ' ■ (Schluß folgt.) Der Kriegswaifeu-Fouds der Atugudas Jisroel.*) dkoch immer vollbringt der fl'rieg fein grausiges Ver nichtnngswerk. Die Grmrdfcsten der Welt scheinen, zu wanken, ein Beben geht durch! die Länder, und es ist, als ob sich' die Menschheit 'in blindwütigen Ringen einem ungeheuren Wgrund nähert, der sic zu verschlingen droht. — Da leuchtet es auf — kleine Lichtchen huschen durch das Dunkel; es sind keine Irrlichter — Wegweiser sind cs, die uns den schmalen Pfad zeigen, der aus R'ot und Tod, ans Qual und Elend cmporsiihrt; es sind die Tränen, die dem Leide fließen, die Herzen, die ihm schlagen, .die Hände, die sich helfend nach ihm. äusstrccken, und die Spenden, die ilstn gern und freudig dargercicht werden. Zn Liesen Wegweisern der Menschenliebe darf wohl mich der Kriegs-Waisen-Fvnds der Agndas Jisroel gerechnet werde». Vor allen sind es die Waisenkinder Polens, welchen der Kriegswaisen-Fonds hilfreiche und liebreiche Uittcrstütznng gewährt. Die erste Schöpfung des Fonds, das Asyl in Kali sch, hat im Lause der letzten Monate eine Umgestaltung insofern erfahren, als es eine Teilung i» eine Knaben- und Mädchssnanstalt erfuhr, wodurch insbesondere ErziehUngs- und Unterrichtsfragcn eine glückliche Lösung erhalten haben. Unter der liebevollen Leitung freiwilliger Helfer und Helferinnen und der zielbewußten Führüng geeigneter Lehrkräfte haben die Kinder der Armut und Verlassenheit in den Asylen eine neue Heimat gefunden. Trotz größter Schwierigkeiten sind Wäsche, Kleidungsstücke und Lebensmittel durch.das Entgegenkommen der Behörden beschafft worden, das körperliche Wohlder Kinder wird fürsorglich' beobachtet und die Ausbildung und Förderung ihres Geistes verständnisvoll überwacht. An der Spitze der Unterrichtsfächer steht naturgemäß die Lehre des Judentums und seiner Pflichten, zu deren Verständnis und treuer Erfüllung die kleinen Insassen; erzogen werden. '■> „9?<u§ dem Muster von Kalisch" hieß es am 1. Dezember 1916 in diesen Blättern, „gilt es nunmehr, auch an anderen-Plätzen - Polens Asyle ins Leben zu rufen, doch pur. allmählich können diese Heimstätten auf dem .härten Boden der Gegenwart erwachsen. Immer aufs Reue sind vielfach Widerstände zu überwinden, um neue Geldmittel und selbstlose Hilfskräfte unter der Last schwerer Aufgaben, frei zu machen. - Es ist ein beglückendes Bewußtsein, heute schpn von der Verwirklichung dieser Vornahme sprechen zu können. Bereits vor Monatsfrist ist in W ar schau ein Kinder-Asyl eröffnet worden, das gleich den Asylen in Kalisch berilfen sein wird, den jüdisch-polnischen Waisenkindern ein, Stückchen Heinmt wiederzugeben. Unter der Leitung Rabbiners Dr. P. Eohn und Seminardirektors 'Dr. Emannel Carlebach ljnljcK Männer und Frauen in selbstloser Hingabe die Einrichtung des .Asyls, übernommen, „das 'jüngst eingeweiht wurde. " . - . Me Warschauer Zeitung „Das. jüdische Wort" schreibt über die Feier u. a.: „Nach! Schluß der Begrüßungsreden begann eine Kinderschär mit dem Vortrag '.hebräischer und jiddischer Lieder. Strahlenden Auges märschierten die kleinen Insassen durch die Zimmer zu ihrem Spielsaal, wo ein fröhliches - Treiben bei Gesang, Spiel und . Tanz begann. Bis jetzt sind im Asyl 25 Kinder untergeb'racht und zwar nur Mädchen im Alter von 3—6 Jahren. Vor kurzem kpnnte man diese Kinder noch!'.halbnackt^ verwahrlost Und ohne genügende Ernährung sehen.' . ." Bei den Heimstätten der Waisen in Kalisch und Warschau pars der Kriegswaisenfonds nicht rasten; auch, aus Litauen dringen die Stimmen weinender Kinder herüber, und bald werden die Vorbereitungen beendet sein, ein viertes Asyl ins Leben zu rufen.' Freilich — Waisen-Äsyle wollen nicht nur geschaffen, — sondern auch erhalten werden, und nur durch die Spenden der Gesamtheit , wird ihnen Dauer und Bestand gegeben. Die von dem'Kriegstvaisen-Fonds geschaffene Einrichtung der Patenschaften (ein Pate zahlt für ein- Kind, das in einem Asyl nntergebrachit ist, eine Unterstütznngssumme' von M.'400 für eine Anzahl von Jahren, die zu bestimmen ihm! pb'erläflen bleibt),, hat in weiteren lkreisen verständnisvolles Interesse gefunden. Bon.iimseren Brüdern in Poleir und Litauen wendet - sich der Weg des Kriegswaisen-Fonds nach Galizien, um muh dort Hilfe zu bringen. Obwohl die Bereitwillig-, keit der österr. Regierung besteht, Waiseninstitutionen gemeinsam mit. dem Kriegswaisen-Fonds zu schäffen, haben sich der Verwirklichung dieser begrüßenswerten Tatsache! bis jetzt noch! mancherlei Schwierigkeiten entgegengestellt, die nunmehr hoffentlich,', behoben werden. *) Mehc den Artikel in Nr. 46 vom 1. 12. 16? ■