Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 20 (25.5.1917)
- Date
- 1917-05-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 20. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. F. SAINT-DENIS, TVt^SlSSSf’, ALLE REPARATUREN an UHREN ’ Cold undSIlberwaren, Brillen und Zwicker.'. ' biinb’HgciuQiibt. Ein ÄluSschttß; bes Frauenbundes hat etwa 70 Kinber in jüb. Familien in Neumarkt, Wohlan >asm. antcrgebracht. Direktor Fabian und Frau haben eine» Transport nach' Jaucr, F-ran -Ollendorf einen nach Trachenbcrg geleitet. Polen. * Warschau, 19 Mai. Die Wahlen zur Gemeinde. Die in zwei Monaten beginnenden Wahlen zur Gemeinde, haben schon hier lebhafte Vorbereitungen ans- Mle Parteien rüsten für den Wahlkampf: Z i o niste n, -V ol k s g r u p p c, Orthodoxen und Assi m i- Wahlrecht haben nur diejenige», welche die Gemeindesteuer für Las Etatsjahr 1918 entrichtet haben. Man denkt, daß im ganze» etwa 8—10,000 Personen das Recht haben iverden. Die Stimmabgabe erfolgt in zwei Kurien: in der „Jntelligenten"-Kurie und der der Nicht-Jntellcgentcn. Beide wählen die gleiche Kandidatcnzahl. Die Wahlkampagne ist erst in;der Entwicklung begriffen. Die jAssiniuantcn haben zwei Wahlkomitecn gebildet. Das eine, das sich „Wahlkomitce dcx polnischen Juden" nennt, umfaßt die ärgste Assimilation, während das andere „Unabhängiges Wahlkomitee der polnischen Juden" Nco- Assimilanten innd einen Teil der. sogenannten Unparteiischen in sich schließt. Die „Agudas hoortodoxim" ist ebenfalls bestrebt, die Orthodoxie für ihre Prinzipien zu gewinnen. Natürlich! bleiben die nationalen Gruppen nicht untätig. Stur in Len Arbeiterkreisen ist wenig Interesse an den Wahlen zu' verspüren. -Bringt ihnen doch! die Wahlordination fast keine Aussähtcn, Vertreter in die, Gemeinde zu wählen.; Die Stimmung ist lebhaft erregt. Die Wahlversammlungen, Werbearbeiten usw. iverden bald in verstärktem Maße beginnen. (Vgl. mich den Aussatz unseres Warschauer Korrespondenten. D. Red.) Großbritannien. Die englische» Juden und die russische Revolution. Das jüdische Korrespvndcnzbüro im Haag berichtet, daß sich Lm Auftrag des C o n j o i n t C o m in i t t e e s eine Deputation nach! Rußland begab, um die russischeil Inden im planten bev englischen Jubeiiheit. zu begrüße». In der Sitzung der Board of Depnties vom 22. April' wurde lebhafte Klage geführt, daß der Board nicht sofort die Revolution begrüßt habe. Heftige Erregung löste die Erklärung L n c i e n W o l f' s curST der Board habe mit der Revolution nichts zu tun, und erst am 8. April, dem Tage der Erteilung des Freiheitscharters an die russischen Juden habe der Board Stellung genommen. Nach stürmischen Tnmultszenen und der Beriverfnng des Vorschlages, eine spezielle Manifestation gemeinsam mit den anderen jüdischen' Körperschafteil des Landes dlirchtzuführen, wurde eine Resolution des Herrn Gilbert mtgenoinmen. Auch ein Vorschlag, der Frage der russischen Dienstpflicht in England erhöhte Aufincistsänikeit;u widmen, wurde mangels genügender Unterstützung abgclchnt. * Die russischen Juden in England. Das jüdische Korrespvndenzbüro meldet: In London haben die russische» Korporationen eiij Komi tee gebildet, das die Aufgabe hat, die Rückkehr der russischeil Flüchtlinge nach.Rußland zu organisieren und ihre Interessen in England wahrzllilehmen. Zionistische Nachrichten. Berlin, Dem^Zion Zenlra'büro depeschiert man aus Kopenhagen: ’ „Volksversammlungen zur Wahl von Kandidateil für die Mitgliedschaft,des j ü d i s ch e n K o n g r e s s e s ergaben iil der Mehrheit Zionisten." Paris. Jean Longuet, ein Enkel von Karl Marx und Führer der sozialistischen Minderheit Frankreichs, sprach in einer Versamnilnng der Poale-Zio» und trat hierbei für die Schaffung eines nationalen jüdischen Zentrums in Palästina ein. - Moskau. Hier i st e i n besonderes Nation a svndsbüro für ganz Rußland begründet worden, und zwar unter Aufsicht von Dr. T s ch l e » o >v. .Inden!: 3 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens^ 5 Mili-; tärverdienstkreuze 3. Kl., 15 silberne Signum laudis, 23 broilzene Sigmnn laudis, 27 goldene Berdienstkreuze mit bev. Strom, 5 goldene Verdienstkreuz:, 8 silberne Verdienst- ' kreuze mit der Krone, 22 silberne Tapferkeitsmedaillen : 1. Klasse, 63 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Klasse, 111 bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusammen 282 Auszeich- ' nungen; hiervon 86 an Offiziere und Kadetten des Soldätenstandes, 22 an Militärärzte und Militärbeamte, 174 an Mannschaftspersonen. ' Feldrabb. Dr. Frankfurter und Feldrabb. Dr. Link wurden mit dem gvld. Bcrdienstkrenz mit der Krone am Bande der Tapjerkeitsmedaille ausgezeichnet. Wien. Kriegsspitalshilse für Palästina. Die nach Safed gesandten Medikamente sind für einen geringfügigen Betrag an die „Deutsch-Holländische Palästinaverwaltung" abgegeben worden, zu deren Arbeitsprogramm auch die jüdische Krankenpflege in Safed gehört. Budapest. Die Feldrabbiner David v. Freudige r- Budapest, Adler- Komorou und Schreiber- Miskolcz wurden mit dem Gold. Berdienstkreuz mit der Krane am Bande der TapferkeitsMedaille ausgezeichnet. ' ' Krakau. Die bi'sige dürfte die einzige jüdische Gemeinde sein, die kriegsgcfangene jüdische Soldaten in Massengräbern bestatkte. Personalien tu f leine Mitteilunge« Berlin Dr. Franz Oppenheimer erhielt den Titel Professor. München. Dr. Emil Ulmann wurde zum Oberlaudesgerichtsrat i» München nnd'Sigmund Rindskvps zum Oberamtsrichter befördert. Köln. Die Waffenhandluna Engelbert Clever Nachf. (Inhaber Ed. Kettncr) entließ sofort einen L e hrling, als sich! herausstellte, daß er Jude ist. Aachen. 'Die Anregunq Rabbiners Dr. J anlns scheint sich zu verwirklichen. Verschiedene jüdische Viehhändler find ans den Erwerb von Wiesenunb Weideland zwecks Einrichtung von Milchwirtschaft bedacht. ^BreSlp«. DasLeovoldu.EmmaBrieaer'sche Vermächtnis ist in Beträgen von je 25.000 M. an folgende vier Anstalten vergeben worden: Jsr. Krankenpflegungsanstalt in Breslau, Jsr. Blindenanstalt in Berlin- Steglitz, Jsr. Taubstummenanstalt i>i Berlin-Wcißensee und Altersheim des Hilfsvereins für isr. Taubstu»nnen in Berlin-Niederschönhausen. Breslau. Generaldirektor Dr. Zuckerkand! und Frmr Paula geb. Freund schenkten der Stadt ihre mindestens 150,000 M. an Wert betragende Sammlung japanischen Künstgewerbes. Bromvera- I Herzb erg. bekannt als Lebrer und Schriftsteller, begeht am l8. Juni den 60. Geburts- Hambuea., Der Verein zur Abwehr des Antisemiti'smus hielt hier eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab und errichtete im Anschluß daran ein Lokalkomitee mit folgenden Herren: Oberlandesgerichtsrat Dr. N ö l d e ck c. 1. Vors., Rechtsanw. Dr. R. H i n - r i ch s e n, .2. Vors.. Chefredakteur Moritz Müller, Bankier Ab y Marburg, Carl Bnnzel. M. d. B.. Rechtsanwalt Dr. Goldfeld. M. d. B-, Emil Heckscher, Hermann Philipp und Jnstizrat Dr. WaIdstein, M. d. R. SönigSbera. Rabb. Dr. Voaelstein fiedelt nach Berlin über, rnn als Nachfolger des Jnstizrats Meyer in den Vorstand der jüd. Gemeinde zu treten und ein Lehramt in Der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums zu übernehmen. Wie«. Kaiser!. Rat Wilhelm Anninger bat infolge seiner geschwächten Gesundheit die Präsidentschaft bfo Oesterr. Israel. Union niedergelegt. Budapest. Die nenlogisr. Gemcmd« erhielt von Leopold Taub. z. Zt. Montreux, 42,000 Kr. mit der Bestimmung, von deren Zinsen ie 300 Kr. an arme Kranke für eine Kür-rn"Karlsbad zu geben. Warschau. Am 6 Mai verschied in Prag» Rabbiner Feiwelc Lewinski im 80. Lebensjahr: Kovenbaaen. ..RjeUch" »e>lt m>t. der beka"nte amerikanisch-jüdische Philanthrop Oskar Strauß habe an die , provisorische Regierung eine Begrüßnngsdepeschc gerichtet, in!der er die Hoffnung ans eine Erteilung der nationalen Rechte an die Juden Rußlands ausdrückt. Stockholm. 15 Mai. Der ruffisch-südische Revolutionär Leon Trotzky ist hier cingetrofsen. Der Krieg ««- die Juden. Breslau. Stabsarzt Gustav Baum erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Breslau. Lothar Ledcrmänn, Sigm. Euttstadt, Unteroffizier Fritz Schalscha, Vizefeldwebcl M a x Spiegel- Breslau, Felix Boden- Bärwalde, S i e g f r. Noth m an»- Grvß-Strehlitz, Untcrzählmeistci- RcckManwalt Dr. Wvlsf-Lissa erhielten bas Eifer Lübeck. Affistenza'zt Wilhelm F e l d m a n n wurde mit dem Eisernen Krenz ausgezeichnet. . Wien. Bioch's „Oestecr. Wochenschrift'. verzeichnet in ihrer letzte,! Iknmmer folgende A n s z e i ch n u it q c n a n I 13. T. Xtodehad, Herrenschneider Frankfurt a. Main, Friedensstrasse No. 1 Telephon: Römer 3650. FEINSTE Bl ASS-SCHNEIDER EI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. I Frankfurter Berichte Personalien. In diesen für das jüdische wie für die Gesanitmenschheit bedeutenden Tagen in den Tagen des „Mataw Thoratenn" schicken sich Unsere Franksnrter Inden an. eine wichtige Feier zu begehen. Einer der größten Lamdonim (Thoragelchrten) Deutschlands, der sich nn, die Verbreitung der Thora seit zirka 40 Fahren durch zahlreiche „schinrim" (Lehrkurse) ungeheure Verdienste, als marbitz Thora borabim, erworben hat. Herr Jacob Pose» begeht, wie 'wir mitgetcilt haben, seinen 60. Geburtstag. Wir rufen ihm zu jejascher koach chasak wcämaz ad Meah wecsrim schana! Eli Michael und Frau begehen am 28. Mai die silberne Hochzeit. Infolge des Wirkens des Ehepaares in der jüd. Oeffentlichkeit und durch seine unermüdliche Betätigung des Gemilns-Chesscd werden weite Kreise an diesem freildigen Tage lebhaften 'Anteil nehmen. Dberkantors Grotzkopf Jubiläum. Am 5. Mai feierte die Hauptsynagoge das, 25jährige Jubiläum ihres ersten' Kantors, Jakob Groß ko Pf. Seite 3. Ws sder Jubilar denAlmemor betrat, fand erAn rKhs mit Blumen geschmückt. Pabbiner Dr. S e l i g m a n n hwlt eine geistvolle, tief empfundene Ansprache. Die Israelitische Gemeinde ernannte Ärrn ^rvßkopf in Anerkennung feiner Verdienste tznm Oberkantor, eine Auszeichnung, welche sie znni ^ersten Mal verliehen hat. Alle Ehrenbezeugungen, die dem Jubilar Zn teil wirrden, lassen sich hier kaum auszählen. 1 ■ Rach einer Kohlenzeichnung von Wilhelm Taubert, Frankfurt a. M. Wer den mühseligen Weg kennt oder ahnt, den der Jubilar gegangen ist, um sein Ziel erreichen, der wird sich 'mit ihm freuen und ihm aus tiefsten Herzen danken für das, was er seinen Hörern in den 25 Jahren geizebeu hat. Schon als zehnjähriger Knabe eilte Großkopf zu den hervorragendsten Meistern auf kantoralem Gebiet. Dabei scheute der Knabe weder Hunger noch Kälte, alle Entbehrungen ertrug er gern mit dem Gedanken, etwas zu lernen Und etwas zu werden. Und dies gelang ihm vollkommen. Mir, dem jüngeren Kollegen steht das Recht nicht zu, über die Fähigkeiten unseres Jubilars zu sprechen. Uns allen genügen die .anerkennenden Worte, die einst der llassische Meister Sulzer über die herrliche Stimme, die musikalischen und kantoralen Fähigkeiten und das jüdische Wissen unseres Jubilars gesprochen hat. Was ich beim Kollegen Großkopf bewundernd hervorheben möchte, ist die begeisterte und begeisternde Art seines Vortrags. Er sucht Uns aus seiner Welt, die er so schwer errungen hat. das Schönste zu geben, was er besitzt. Mit ergrautem Haupte steht er heute wie ein Jüngling vor uns mit jugendlichem Feuer Und Eifer. Nie habe ich das „Ledor wodor" reifender und schöner gehört als von unserem Jubilar an seinem Ehrentage. Alle, die diesem Gebet verständnisvoll ergriffen lauschten, beteten mit. Gott, der Allgüttge, möge den Jubilar noch lange so jngendfrisch erhalten. - N'aumow-Flcischimawi. Frankfurt a. M. Am 14 Mai wurde F r l. Lina S t er n, die langjährige Leiterin der hiesigen isr. Mädchen- Waisenaustalt, im »Alter von nach picht 42 Fahr zur letzten Ruhe bestattet, tief betrauert von der Familie, beweint von ihren Zöglinge», denen sie die beste mütterliche Freundin gewesen, beklagt auch von dem große» Kreis all derer, die die Heimgegangene wegen ihrer vorzügliche» Charaktereigenschaften und ihres sonnigen Wesens geschätzt und geliebt hätte». . Geboren in Würzburg als Tochter deS verew. Schuldirektors Ludwig Stern, hätte sie das seltene Glück, n» einem Hause aufznwachsen. in welchem die Eltern ihren Kinder» als leuchtende Vorbilder dienen konnten. Frühzeitig wurde sie in: Elternhcmse mit den erhabenen Lehren unserer Religion, mit den etliisch-sittliclvn Forderungen des Judentums vertrant gemacht und so würdig vorbereitet für den Berns, der. ihr ganzes, leider nur so kurzes Leben ausfüllen sollte. Als sie, kmn» 25jnhrlg, auf den verantwortungsvollen Posten als Leiterin des Waisenhauses berufen wrlrde, da war es neben ihrer große» Herzensgüte und ihrem strengen Pflichtgefühl nicht zum tvenigsten dieser Geist des Elternhmlses, der nun auch rfjiY neue Heimat durchwehen sollte Und sie so geschäffen machte für den Beruf, in dem ihr ganz Sein wurzelte und dem sie sah! mit der ihr eigenen Hingabe mit seltener Selbstentäußcrilng. widmete. Sic war den ihr anvertrauten Kindern nickst nur die treueste Beraterin and verständnisvolle Erzieherin, sondern mrch die liebevollste fürsorgende, warncherzige Mittler. Ihr Herzenswmisch, ihreit „Kindern", nur so nannte ne ihre Pflegebefohlenen, ci» schöneres, neues Heim zu bereiten, blieb leider unerfüllt, eine tückische Krankheit zerstörte vor der Zeit ein reiches Leben. Wie sehr aber auch ihre Psleglinge ihre Liebe fühltcit und sich sehnten, ihre eigene Verehrung zum Ausdruck zit bringen, davon zeugt am besten der lost ausgesprochene Wunsch, ihr geliebtes Frättlein „Mutter" nennen j» dürfen. In ihrer großen Bescheidenheit glmibte sie aber diese Bitte nicht erfülle» ztt dürfen, „rnn die leibliche Mittler nicht zu verletzen". Roch viele