Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 18 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Frankfurter- Israelitisches F-amilieMatt. Nr. 18. .gegenüber dem General-Anzeiger Vornehmes Famil i e n^Kaff e e W* Nachmittags n. Abends Konzert. Unwissenheit dem Ludeirtum gegenüber "Det“ bcit/ Juden Westeuropas herrscht, darüberbedarf's weiter teurer Worte. — Die Stemplung des Judentums zu einer Konfesjioin hatte -also diese Heillose.Heistcsverwirruug zur Folge. Aus diesem Grunde ist die fortgesetzte Betonung der ^rationalen Seite des Judentums eure ernste Pflicht. Nur so ist das richtige BerMtnis zum Judentum nwglich. Möge in dieser schweren Zeit, in der es um die Mische Zukunft des ^größten Teils der Jüdcnheit, gcht, nicht Gedankenlosigkeit .oder kurzsichtige- Jrrteressenpolitik weiterhin -Bahnen gehen, die iveite Kteise aus dem Judentum immer mehr hinaus-, nicht immer Mehr in .es. hineinführen! „Mische Hochschutturse." Die „Mitteilnngen des Verbandes der jüd. Jugendvereine Deutschlands", bringen einen Vorschlag, jüdische Hochschulkurse zu errichten. Der. Einsender, Lichtenberg, schreibt:. „Wer von den akademisch erzogenen Führern unserer Mischen Korporationen, wer von den Leitern unserer Logen und Mosten Mischen Ver-. bände. hatte behaupten mögen, hast.er an den Duellen der Hebräischen Literatur und Geschichte so zu Hause war und je gewesen war. wie an den, Quellen der römischen, griechischen und deutschen Literatur urrd Geschichte? Dringende und gründliche Hilfe tut not. Nur wenn vor allem die Führer des. Judentums, die Leiter seiner Organisationen wirklich „jüdisch" Gebildete seist' .werden, werden sie in der.Lage sein, den schweren Kämpfen der nahenden Tage gewafsnet entgegenzugchen Das Rüstzeug aber muß. ihnen in der grostest - 'Mehrzahl erst noch geschmiedet werden, und nur in mühodisch wissenschaftlicher Weise kann und must das geschehen „Wirkliche Hochschul.kurse", wie sie im letzten Jahrzehnt sich auf astderen Gebieten so vortrefflich büvährt haben, sind darum nötig. An Lehrern Mischer Wissenschaft stst wahrlich kein Mangel, und die finanziellem Mittel werden -ebensowenig fehlen Es. ist nicht meine Absicht, über die praktische Durchführung meiner Anregung mich zur Zeit zu verbreiten, .sie darf auch Berufeneren Werlassen norden. Wo ein Wille, ist ein 'Weg, und der-Weg dürste nicht allzu schwer sein Nur ein Weckruf sollen meine Gedaräen sein. Noch tobt der furchtbare Weltkrieg und hält die Jugend und die Männer in Israel auf blutiger Walstatt fest. Aber schon.-jetzt ist es' hohe Zeit, die Waffen für die schweren inneren Kämpfe nach dem Kriege Ju schmieden, sie den Heimkehrenden ent-, gegcnzubringen" Diese Allsführungeil verdienen erirst.este Be- ,achtnng. Hoffentlich macht sich der Verband schnell, mtd energisch an die Verwirklichung eines Vorschlages, durch die ihm in Zukunft starke ideelle Ktast zugeführt werden würde. Aus aller Welt. Drutscher Rrtch. Berll«. Die veföt-eruug Ser Zudm im Heere. Im Hauptausschuß des Reichstages verlas ein fort- .schrütücher Abgeordneter aus den Briefen eines jüdischen Offiziers-Aspiranten folgende Stellen: - „Ich Habe nette Vorgesetzte und Kameraden) aber dem Jß Tfr g c i j , die Ach seist ü ck c zu erhalten, werde ich beim ak.t iDen Regiment cntfagen müssen. Juden werde» hier auch! jetzt nicht befördert. Man Tann also Feldwebel und Offiziers-Aspirant sein, das Offizierscxamcn als bester bestanden haben, das Eiserne Kreuz wegen TaPstrLit vor dein Feinde erhalten haben .ünd doch in der Zeit der „Läuterung und sittlichen Wiedergeburt' des Völlig ungeeignet und unwert sein, .eine milu ' tSrischv Stellung tzn erlangen, die heute jedem anderen -öfscnsteht. ' i ' . - 'Mein Binder, der genau eben , so weit ist wie ich', schreibt wir kürzlich nach seiner dritten .Verwundung: „Man kann Ma-uch-inal im Zweifel sein, ob der Franzose'gegemibrv' oder der Kamerad neben mir im Grqben sie i n dsi e l i g crc Ge f.fi hl c ge ge n nt i ch Ferner: „-Die Az» § sichten bei meinem aktiven Regiment sind die gleichen schlechten geblieben. Ich kämpfe diesen Kampf eigentlich nur noch.des Prinzips wegen weiter, denn meine starke Vorliebe für das Mili tär hat man mir systcmatisch ans - getrieben. . Da Sic sich' .für diese Frage interessierte», teile üh Ihnen die Vorgänge mit. . ' Im Anschluß mit die Beförderung meines Bruders sprach auf meine Bitte mein/Kmnpagnicsührcr mit dem Bataillottsführer und dieser wieder mit dem Regimentskommandeur wegen nreiner Beförderung. Der Bätaillonsfiihrcr, ein äußerst tüchtiger und schneidiger Offizier, rief mich darauf zu sich lind sagte mir, er schätze meine Leistungen sehr und halte.mich für durchaus zum Offizier . qualifiziert, der Herr ^giegimentskomnn»iidenr würde mich warm enipsehlen, tvenn — ich mich, vielleicht zum Regiment meines Bruders, versetzenlassen würde! Ich erwiderte ' dein Herrn, daß ich! nicht gewohnt sei, Erfolge gewissermaßen ans Umtvegen zu erstreben. Entweder sei ich zum Offizier unwert, dmm sei iches hier -wie dort, oder ich sei die Beförderung würdig, dann wäre ich es auch hier. Ich bat tnir schonungslos zu. sagen, wie meine Aussichten hier wären. Daraus sagte der Häuptmaim: „Ich verstehe, wenn Die Kampf und Entbehrung beim Regiment durch,- gemaM haben, wollen Sie anch hier befördert sein. Ich teile Ihren Stmtdpuukt, das Bataillon ist durchaus für Ihre Wahl, aber Sie wissen ja, der Regimentskommandeur ist «an keinerlei Reihenfolge bei Znrwahlstellnng der Aspiranten gebunden, und bei der .großen Zahl sind Ihre Aussichten nicht groß." Und jetzt kam etwas sehr Inter-, essantes. „Auch! das Bezirkskotninando hat bei seiner dienstlichen Anskimft über Sie hierauf^ aufmerksam gcntacht." — Mit anderen Worten, das Bezirkskommando, also. eine Objektive Behörde", macht das Rcgimctrt darauf aufmerksmn: Der.Angesragte ist Jude, und wir haben doch! so. viel christliche Aspiranten! 'Kn Reichstag und Landtag pflegt der Kriegsminister beinr Militäretat alljährlich zu erklären: Wir, die Militärbehörde, sind' durchaus gegen die Zurücksetzung der Juden, aber das Wahlrecht der Offiziere totmen wir nicht beeinflussen! —Der Bataillonsführer erklärte schließlich, noch einmal mit de,N Regimentskommandeur reden zu wollen. — Sachlich ist alles beim - allen geblieben. Ich habe hier reichliche Gelegenheit, die -Tätigkeit der Juden an der Front zu beurteilen. Hier beinr Regimes, ebenso bei unserer Artillerie, sind sehr Dieledie künstlich! niedergehalten'werden, nicht obwohl, sondern weil sie sehr tüchtig sind, willig und forsch. Die ganze Hetze.hätte nach meiner Erkenntnis nur den Zwecken verhindern, daß die notorische Tüchtigkeit der Juden im Heere — Man dcnw an die außergewöhnlich große Zahl der jüdischen Flugzeugführer — bekannt uitb anerkannt wird. Dann wäre es womöglich! für die privilegierten.Kreise schwieriger geworden, das Militärmonopol zu behalten. Ich 'habe bisher stets gegen alle konfessionellen Unterscheidungen gearbeitet,! ich hasse die Leute,' die überall Atllisemitismns rieche», fast alle meine Freunde sind christlichen Glaubetts. Aber jetzt bin ich gewaltsam in die Opposition gedrängt, und ich! gedenke, dieseLebenscrfahruttg nicht zu vergessen. Das Bewußtsein, hier immer verbitterter zu werden und den Herren mehr lässig zN fallen als zu helfen, hat wich oft schon hie Frage aufwerfcn Ilassen, ob' ich iricht meine Kraft lieber an einer anderen Stelle betätigen sollte, wo meine Friedenskenntnisse mehr nützen können, als meine so tvcnig erfolgreichen militärischen Qualitäten." ' ' ,; Hamburg. Verein zur Gesundheitspflege schwacher tsraelit. Kinder. In der Generalversammlung erstattete L. Mathiasvn, der Vorsitzende, den Bericht. Der Verein habe-trotz des Fehlens eines eigenen Hospizes, das bekanntlich schon bei Beginn des Krieges geschlossen werden mußte,, auch im verflossenen Jahre seine Mittel ztignnsten der jüdischen Jugend verwandt. Die vom Arzt als besonders schwach . bezeichnetcn Kinder Wurden -nach Osterode, Segeberg und -attderen Kurplätzen gesandt, lvährend die übrigen (etwa 200) in der Tagesferienkoloiiic in Fuhlsbüttel Aufnahnic fanden. Weiter hat der Bercin größere Mittel zur Verfügung gestellt, d'atnit auch die imbemitteltcn Kinderan der Speisung in den Schulen teilnehmen könnten. Auch für den orthopädischen Turnunterricht m den Schulen wurde .wie früher Sorge getragen: Die 'Zinsen des Fonds für Neubau wurden.dem Mnbankonto Angeschlagen, das leider noch nicht die Höhe erreicht hat, die zur Errichtung eines neuen Hospizes erforderlich'ist. Iw Februar lvnrdcn über 40 schwächliche Knrder nach Holland gesandt, die dort in rituell lebenden jüdischen Fatnilicn aüsgezeichnet gepflegt würden. Der hiesige Bankier Ludwig Mainz tmd seine Schwester, Frarr Aron Hirsch (Berlin), haben zu Ehren ihres Katers für den Verein eine Moses-Michäel- Mainzhmd Frau Dorothea, geb. Oppenheim-Stiftung im Betrage von 6000 Mark begründet, deren Kapital nebst Zinsen für den Netwmi eines Hospizes verwendet werden sollen. Das Legate- Dnd Geschänkekonto des Vereins erhöht sich dadurch auf 108,500 Mark. Nach der Jahresrechinntg vereinnahmte der Verein im verflossenen Jahr an Mitgliedsbeiträgetr 3726 Mark und att pitmtäligen Beiträgen 327 Mark. Unter den Msgaben steht an erster Stelle das SchnlsrühMckskonto tnit 1876 Mark,-ferner Zuschuß zur Tagesferieickolotiie ntit 1000 Mark. Wettere Ausgaben waren: Auswärtige Kolonie'mit 589 Mark und für Tnrttcn, Bandagen und Zahnpflege 436 Mark. Bahr, Landesverband des Jüd. Frauenbundes. Der bei der Generalvcrsainwktuig sdcs Jüdischen Franciibündcs genehmigte Landesverband jüdischscr Fratienvercitie hatte am j30. April in MirM.irgstinc 1. Bersatnmknng. . Die .Tngnngzu her -von 20 Städten Bayerns Bertreterinnetl entsandt ivorde» waren-..'wurde/a»'r Abcich . vorher durch einen Vortrag von Fjl. Bert hä P.appenhci.m cingelcitet. Vor überfülltem Saale sprach diese in fesselndster Weise über Zlvecke niid Ziele des Jüdischen Franenbnndes. Der tiächftc Tag brachte die Beratimgen, Die.Gründe zur Schäffuirg des. Verbandes, der den Namen „Bayrischer Landesverband des Jüdischen Frauenbuildes" erhielt, wurde llargelcgt, über die bereits geleistete Arbeft luid Bertrctung der tznr Vertretung beim Mtnisternim anfgcstclltcn 1. Vorsitzenden Frmt Klara Oppenheimer, Müncheii be-, richtet. Frage der Fürsorge, der Landcssamnilnngcn, der' Beteiligung an den Kriegsamtstellen für die Frauenarbeit im Kriege wurden vom Standpunkt-der staatlichen und städtischen Interessen ansbesprochen. Ein Antrag, sich ntit einem Protest gegen' cimni tingcdruckten Paragraphen des Roten Kreuzes mit aittisemischer Tendenz an das Zentralkomitee zu wendeil, kain zur Verhandlung und iwirde angenommen. Vorher sollte noch ein persönlicher Versuch eines Ausgleiches gemacht Werden, zu idem sicheine seit -40 Jahren dem Vorstand des Zweigvereins vom Roten Kreuz aiigehörende Däwe -erbot. Die Slchnngen wurden besprochen, angenommen und festgelcgt, ein -Vorstand und ein Beirat ausgestellt. Als 1. Vorsitzende würde Frau.-Klara Oppcnh'cimer-- Mi'nnheu genehmigt, als Geschäftsstelle Frau Isabella H e i m - Nürnberg bcstimint, als Schxiftleiiung Frau Elise. Hopf-Nürtlberg. Hamburg. Gesellschaft für jüdische Volkskunde. In Her Mitgliederversammlung am' 1. Mai sprach Armee Rabbiner Dr. Sonderling über „Volkskundliches ans dem Leben der Ostj n d e n." Der Vortragende, der seit Ausbruchs des Krieges ans dem östlichen Kriegsschauplatz Iveilt, schilderte die östlichen Inden, so Wie sie sind, nt ihrem Leben und Treiben, in . ihrem Handeln und Tun, in ihren Vorzügen und Fehlern, in ih'rew Freuden und Leide». Besonders rühmte er an . ihnen ihren Bildnngstricb, ihre soziale Tätigkeit und Gastfteundschaft. Indem er die eigenartige Psyche der östlichen Judeii zu mralysteren suchte, zeigte er, baß man ohne seine genaue Kenntttis ihn weder loben noch verurteilen dürfe; wer ihn kenne, der verstehe ihn auchj Gerade die auf oberflächlicher Kenntnis, höchstens aus Grund einer slüch-- tigcn Begegnung abgegebenen Urteile hätten die große Verwirrung angerichjtet, die noch jetzt bänglich dieser.Bolksmasse nutz der Gestaltung .ihrer künftigen Schicksale herrsche: wie imnrer ättch ibie politische und kulturelle Zukunft Polens sich gestalten werde, so dürfe man doch nie vergessen, daß die östlichen Inden eine zusammenhängende Bolksmasie mit einer durchaus eigenen Kultur seien. Auf dem Grmrdc dieser Kultur ntüsse weitergebänt werden; falsch Hingegen und verderblich wäre es, zu versuchen, westeuropäische'Kultur ganz ohne Vorbereitung und Uebergang auf bicffc selbständige Kultur aufzupfropfen. Dem Vortrag vorauf ging ein von dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Syndikus Dr. Nathan, erstatteter Bericht Mer ihre Tätigkeit in der'Kriegszeit, in tvelchem der Redner namentlich auf die Bedeutung der Gesellschaft für die tmhen Friedensmifgaben der Hamburger Gemeinde mit überzeugenden Worten h'inwies. Bemerkenswert waren seine Mitteilungen über den Plan der Errichtung eines eigenen Museums für die Sammlungen der Gesellschaft, die jetzt mangels genügenden Raumes nur zu feinem geringen Teile der OeffentlichLeit zugänglich sind. Hoffentlich findet dieser Plan in Fricdenszciteit die verdiente Unterstützung. Die Sammlungen der Gesellschaft, welche jbei verschiedenen Anlässen hier schon zur Ansstellnng ^gelangt sind, fanden damals allgemeine Beachtutig, tind unsere Vaterstadt würde so tun eine Sehenswürdigkeit bereichert tverden. Bei der Vorstandswahl wurde der bisherige Vorstand .wiedergewählt. Pole«. Warschau, s. Mai. Aus der Schulwelt. Wie die pädagogische jüdische Zeitschrift „Schul , und Erziehung" mitteilt, hat das Departement für Bildung eilte Rinidftage an alle Schnleit gesandt. In dem Schreiben wird.eine Reche.Fragen aufgeworfen über den kulturellen Stand, .die .Art und die materielle Lage der Schulen' sowie mich Wer daS Einkomtnen der Lehrer. „Hoffeirtlich wirb", bemerkt das Blatt, „die so lebhaft umstrittene 'Gehältsfragc eine Lösung findeit. Doch' ist es ungewiß, ob. die Regelung .noch! stör diesent neuen Schtlljah'r stattfinden wftd, zumal eitsige jüdische Schulen überhaupt noch, das Rnndschireiben tiicht-erhalten haben." Binnen kurzem erscheint ein Programm' 'für die hebräischen Volksschulett, bearbeitet von denr Schulrat' beim zionistischen Schnlknratorinm. DaS Programm gibt verschiedene praktische Anweisimgeir. ' ' . Rutzlaud. Die «eue Lage. Der Kontmatidänt des Moskatter Militärrat)ons hat deir jüdischen Studenten der Moskauer Universität den Zuttitt zu de» Offizier-.BvrbereitNtigsknrscn gestattet. , Nach Petersburger Berichten tverden im Monat Juni 2600 Inden tzu Offizieren ern au nt. werden. „Rjetschi" teilt mit, der. .„Bund" hctb'e durch seine Bertteter jin Arbeiter- Und Soldatcnrät, -M. Erlich -lind.Saslalvski (Huimuikulus) denr Exckutiv-Unsschnß des Rates eine Bitte übergeben, daß die provisorisch): Rcgiernng sogleich einen Erlaß bezüglich der Rechte.Le.r Mu t ters p rachc der fremden Nationalitäten'veröffentlichett solle. ' . . ■.