Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 15 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S. Nr. 15. I L. L. Kodeliaii, Herrenschneider Fraukfurt a. Main, Friedensstrasse Jfo. 1; ''“''Telephon: Römer 3650. •FEINSTE MASS.SCUJf EI«EREI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung.' I PerfouaNe« «. kleine Mtttelluuge» Berlin. Eduard Mosler und Frau Cäcilie gkb Käjfel, früher in Hirjch-berg wohnhaft, erhielten, die g o l - '■ine Ehejnbilänmsmedaille. Berlin. Die GeneralversammlungdesHilfs- :reins der d ent scheu Jude n wird am. Mittwoch, den 25. Avril nachmittags 6 Uhr in der Gesellschaft der Freunde-(Potsdamerstraße 9) stattfinden. Prof. Dr. Eugen Mittwoch.hat den Ruf auf das Ordinariat für orientalische Philologie in Greifswald als Nachfolger von Lidzbarski angenommen. Berlin.. Dc. Paul R o s-e n st e i n wurde zum Leiter der. chirurgischen Poliklinik am Krankenhause der Jüdischen Gemeinde gewählt. Berlin. Die Ortsgruvve Groß-Berlin" des I ü d. F r a u enbundes (Bors. Siddy Wronsk», Bartarossastr. 60) veröffentlicht über die Zeit von Januar 1914 lis Dezember 191^'ihren Bericht, der Zeugnis ablegt vorder vielseitigen uich mustergültigen Arbeit' des Vereines. Die Tätigkeit umfaßte Kriegsarbeit (Hilfe im Rationalen Franendienft. Ernährungsfürsorge, Heimarbeiterinnenfürsorge, Flüchtlingsfürforge, Mitarbeit in verschiedenen Organisationen),' .Mädchenklub (Unterricht, Geselligkeit, Bibliothek nsw.), Wohnheim, soziale Krankenhaussiirsorge und -soziale Schntsürsörge. Ansbach. Remschullehrer D r. B r a d e r - Nürnberg ist nach hier als Rabbiner berufen worden. Breslau. Rabbin»r Dr. Ferdinand Nosenthal begeht am 19. April sein 50jähriges Amtsjubi Simon S ch> e Y e, der Senior der Repräsentant der jüd, Gemeinde, ist verschieden. Hamburg. Henry Chaffet wurde mit dem österr. Ritterkreuz des Franz Joses-Ordens a gezeichnet. Lktrowo. Justizrat Goldschmidt wurde zum Kreistagsabgeordneten gewählt. Wien, aniangs März. Hier starb im 66 Lebensjahr der Bejaner Raw Rabbi I. Friedmann. Der Dahingegangene War der letzte Enkel des berühmte,, chasfidischen Rabbis R i s h i n e r, der Sohn des Sadagorer Rabbi und Schwager des Husjathner Rabbis. Infolge des Krieges mußte er sich! nach Wien flüchten. Er hat sich — Wie auch seine ganze Fainilie — zum Zionjsmiis be- BudweiS. Advokat Dr. Israel Kobn, Kultusvorstand und Stadtverordneter, ist im -63. Lebensjahre ver- Waeschau. Dr. Ludwig Zamenhof.derSchövier der Weltsprache „Esperanto", ist im Mter von 57 Jahren gestorben. Er war Mitbegründer des Warschauer „Chauwewe Zioi,"-Bereins. , ' * Warschau, -i. Avril. D>e „Bol ksaruppe' bat im Präsidium des Stadtratcs einen Protest gegen den Ausschluß ihres Vertreters, 11. Prilutzli aus drei Sitzungen (vcrgl. hierzu Nr. 14 D. Red.) eingelegt. Darin wird auf das Ungerechte Verhalten des Vorsitzenden hingcwicsen und eine nochmalige Behandlung, dieses Falles im Stadtrat verlangt. * Warschau, 1 I. Avril. Sr. Eleak„ r iLudwigf Sqmenhof. Still und schlicht ist hier Dr. Ludwig Samen Hof, der weltberühmte Begründer der „Esperautoibee" verschieden. Ludwia Samenhof, im Jahre 1859 in Bialystok geboren, trug sich schon als Student mit dem Gedanke» herum, eine allgemeine Sprache für die Menschheit zu schassen. Seine erfolgreiche Laufbahn begann er 1887 mit der Herausgabe einer Broschüre, unter den- Pseudonym Dr. Esperanto und lenkte die Beachtung weiter Kreise au? sich'. Bald darauf begangen die Ideen des Esperanto sich i» dem übrigen Europa und Amerika Ei-manq Zu verschaffen imfc Anhänger zn gewinnen. Ueber 30 Zeitschriften erscheinen in der „Esperanto"sprache, und die Zahl der Esperanto-Vereine ist beträchtlich. Dr Samenhof war auch Anhänger des Zionismus: Ehre seinem Andenken! , * W«rsckan,» Avril D erStadtrnt inBendzin, der «us 24 Indischen Ratsmänneru besteht, hielt seine erste Sitzung ab. Der Vorsitzende, ebensalls ein Jude, erklärte, der Stadtrat werde in all seinen Maßnahmen stets das Wohl der gesamten Bevölkerung im Unge behalten. Darauf verlasen die „Poale Lion" und die Bnndisten Deklarationen.. * Warschau, 5. Ap il. Hier wurde e in V erein zur Verbreitung der hebräischen Sprache und Kultur, mit Namen,.Jwriah" gegründet. Der neu? Verein verfolgt keine Parteizwecke, sondern will eine allgemein hebräische Gründung darstellerr. □ Lob« Die hiesige jüd. Gemeinde bot auk dielen Bestach etwa 250,000 Rubel Unter die hilfsbedürftigen jüdischen Familien verteilt. Petersburg Cbajim Kab-an binterließ 7.50 000 Rubel für jüdische Zwecke. Die Erben haben die Hälfte 8er Summe zur Mederherstellung der'jüdischen Wirtschaft in Palästina bestimmt. I T_ VwA m A1t Erlannei* Haehf. gMrn Aramer Kalserhorslr. 14 Waschan, Färben und Faportniaron aller Art Hamon- und Damenhüte. . Abholung und Lieferung frei ins Laus. — '■ ■■ ■ I Frankfurter MraelitisHeS FamilienAatt. Moskau. Am 25. Januar fatfd in - oskau die Grün». dungsversammlnng eines Vereins für hebräische Theaterfimst „Habimah" (Die Bühne) statt. Es hielten Reden Rabbiner Max, Grinberg^ S latopolski, Tscheru o wi t ich n. a. In den Vorstand wurde Ngewählt: Dr. Glicksvhn, Grinberg, Gnessin, R. Goldberg., H n r w i c z S l a to p o-l s k i nnd' ändere. Konstanttnovei. Die G tiin des amerikanvchen Lotschasters Elkns.erhielt für ihre soziale Tätigkeit die sehr hohe Auszeichnung des Chefakat-Ordens 1. Kl. New.A»rk Das amerik-jüdi che »omiiee hatmrdie Regierung der Vereinigten Staaten eine Bitte gerichtet, die türkischen Juden in Vera-Cruz'(Mexiko), wo sich kein türkischer Konsul befindet, iir Schutz zu nehmen. Daraufhin ist der amerikanische Konsul in Mexiko beauftragt worden, die Interessen der dortigen türkischen Juden wahrznnehmen. Montreal In Montreal wurde zum ersten Mal ein Jude in das kanadische Parlament gewählt. Er heißt Berkowitsch, stammt von Eltern..aus W a r s ch a u ab. frankfurter Berichte. Verein „Tifereth Bachurim." - Am 2. April sprach .Jsi Kahn über das Thema „Die Inden im Berufsleben". Redner ging vom Altextnm bis in die neueste Zeit auf die verschiedenen Bernfszweige der Inden ein. Namentlich verweilte er. ans» sührlich beim Handwerk und'zeigte, wie wir Jrrden neben Ackerbau nnd Landwirtschaft auch im Altertum das Handwerk betrieben, nnd wie bei uns die größten Gelehrten neben ibrer Lehrtätigkeit einem Handwerksberuf oblagen. Anguüas Jisroel-Iugendgruppe. Wie im. Vorjahre veranstaltet die Agudas Jisroel Jngendgruppe (Hanauerlandstratze 17 p.) während der Scfiroz'eit allabendlich 20 Minuten vor Nacht einen S ch i in. Unter Leitung der Herren Direktor Dr. Lange nnd Redakteur Schachnowitz wird in leichtverständlicher Weise Mschnajoth Makkans gelernt. Austritte aus dem Judentum im Jahre 1014. Aronstein, Elisabeth, Reineckstraße 1. Berger, Gaza, Georg,' Kaufmann, Gutlentstraße 87. Brechtel, Jda geb. Oppenheimer, Schadowstraße 10. (Ehefrau des Ingen. Max Brechtel.) Ealmann, Geog, Ingenieur, Niddastraße 39. Edrrheimer, Paul, Fabrikant, Feuerbachstraße 46. . Goldstern, Ludwig, Kaufnraim, Rotlirrtstraße 14. Hirschhon:, Fritz, Kaufmann, Wiesenau 32. Kahn, Rosa, Bornheimerlaiidstraße 50. Keller, Jsaac, Kaufmann, Günthersbnrg-Allee 56. Neuhaus Siegfried, Arbeiter, Gneisenaustr. 97. Hinterh. Nebenfeld, Mo., Lucie geb. Mepcr, Wiesenau 38. Schendel, Editb Margarethe, Niebelnngen-Mee -5. (Kind des Kanfinanns Martin Schendel.) Schloß,-Stella, Kontoristin, Feldbergstraße 29. Scklotz, Nella, Kontoristin, Feldbergstraße 29. Ullmann Ww., Hedwig geb. Nathan, .Guiolletftr. 34» Friedlanb, Hilda, Leerbachstraße 89. Liebknecht, Elsa geb. Friedlarrd, Falkensteinerstraße 62. (Ehefrau des Chenrikers. Dr. Otto Liebknecht.) Strauß.Franz, sind, chem., Mockenheimer Landstr. 103. Bing, Marie geb Fridberg, Myliusstraße 31. (Ehefrau des Dr. Felix Bing.) •Henning, Else geb. Meyer, Jügelstraße 9. (Ehefrau des Dr. Hans Henning.) Chotzen, Max, Kaufmann, Schadowstraße 15. * ' Goldschmidt, Hanna, cand. ined,, Blanchardstraße 3. Jldler. Heirriette geb. Strauß, Jahnstraße 52. ' Lewin, R., Zeppelin-Allee 19. Edcrheinier, Adolf Dr. und Frau, Wolfsgangstraße 105. Ebcrstadt, Fritz, Dr. med., Reuterweg 67.' Socke!,- Fritz, Dr. und Frau Gertrude geb. Friedländer. Königstraße 16. Stern, Paul Edgar, Schriftsteller. Oederweg 157. Deutsch, Fritz, Student. Kettenhostveg 59. Christinann. .Tberese geb. Lewin, Niederräderstraße 23. Figdor, Wally, Korrespondentin. Eschersheimer Lmrdstr. 144. Eberstadt, Marie, Schnbertstraße 10. Levtz, Johanna, Verkäuferin, Bockenbeimer Landstraße 7. Knvserschmidt. Jeanette geb. Goldschmidt, Ginnh. Ldstr. 119. Ellissen, August, Feldbergsträße 43.' Eanns, Ernst. Dr. med., Oberstabsarzt, Bockenh. Landstr. 28. Jarob, Josya nnd Frau Rosa geb. Ehrlich, Klingerstr. 21. Bacher, Otto, Königsteinerstraße .29. Wurzmnnu, Jnsttzrat, Dr. jur., Leopold und Frau Agnes geb. Rosenftock, Beethovenstraße 55. F. SÄINT-DENIS. TEÄ1 ALLE REPARATUREN an UHREN Cold und SUberwaren, Brillen und Zwicker. Die Geschwister. Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von Ben-Avigdor. (Fortsetzung.) Seither begann ein neuer Abschnitt in seinem Leben. Er trat aus dem Dunkel hervor, bewegte sich in der Nähe des Königs und fein Ruf wuchstäglich. Seine 5; Karree Rnhland?■ .s RLserÄaNiK» •*■ Eaisersfiaasa 56 Täglich era’klasäige ffF* ünterhaitnngsmualk Mk , ■ a fi-sanga - Btnlagon- —: Lebensweise nahm eine andere Gestatt an. Es war die Lebensweise der Edellente und großen Herren, zwischen geräuschvollen Vergnügungen, Festgelagen, Tanz und schönen Frauen. Mer der Lehre seines Meisters blieb er immer treu. Im Laufe dieser letzten sieben Jahre war er viermal nach Cordova gereist, um seinen Lehrer auMsuchen. Dieser war über die Erfolge seines Zöglings stolz und hochbeglückt. Der Lichtpunkt unter allen diesen Erinnerungen war aber die Liebe zu Donna Clara. Es war vor drei Jahren, als er sie zuerst auf einem Hofball sah. Er war von ihrer Schönheit und ihrem jugendfrischen Wesen bezaubert. Mch und nach verliebte er. sich in sie heftig. Sie erwiderte seine Liebe) aber gestanden hat sie es ihm erst in letzter Zeit.... Wie glücklich war er durch diese Liebe! Seine Phantasie begann die schönsten Zukunstshilder zu malen. Welch schöne-Tage erwarteten ihn an der Seite Donna Claras.' W'i'e heftig sehnt er sich danach! Mer warum beschleicht ihn zuweilen eine unerklärliche Beklemmung? Warum kann er seines Glückes Nicht ganz froh werden? Er liebt Clara, liebt aber auch sein Spanien; während ihn die erste Liebe beglückt, zerfleischt die zweite sein Herz! Kann er sich ganz der Freude hingeben, während herzzerreißende Klagetöne an sein Ohr dringen? Von der einen Seite lächelt ihm ein Paradies, während ihm von der anderen Seite die Hölle angrinst. . . .! Da erinnerte er sich an de Fereira und seine Züge erheiterten sich. Bald wird er ihn ja sehen und sprechen, das wird Trost für,seine zerrissene Seele sein. Plötzlich bebte er zusammen: vielleicht ist er krank, - oder gar.... ‘ Am Ende einer der stillsten Straße von Cordova erhob sich ein einsames. Keines Häuschen, rings von Bäumen beschattet. Dahinter stieß ein schöner und wohl- ' gepflegter Garten. Hier wohnte Alonzo de Fereira. In einem Zimmer dieses Häuschens lag er jetzt auf dem Krankenbett, sein Gesicht war totenblaß und ganz abgezehrt. 2luf dem Tischchen daneben sah man Gläser und Fläschchen mit Arzneien gefüllt. Unweit saß eine alte Frau und ließ kein Auge von dem Kranken. Die Züge'des Kranken verrieten Spannung nnd Angst. Zuweilen richtete er die Augen aus die Türe, und bald wollte er sich mit Mühe anfrichten, um durchs Fenster zn sehen. Er war sehr unruhig: „Weshalb zögert er nur so lange? Vielleicht kommt er überhaupt nicht? Nein! das ist ja unmöglich. Er kommt; aber wann? — Inzwischen sind meine Tage zezähll. Nur noch kurz--- Wenn er zu spät kommt, soll ich dann das Geheimnis mit ins Grab nehmen?... Wenn ich könnte, würde ich es niederschreiben... aber meine Hände zittern ja, und ich kann die Feder nicht'führen. Ach, warum habe ich dies nicht längst getan?" „Wenn er heute nicht kommt", fuhr ihm ein -Gedanke durch den Kopf, „werde ich Benedicta de Moal bitten lassen. Ich werde ihm mein Testament diktieren und meinen Namen darunter setzen." ___ Plötzlich hörte er Schritte. Er hoöchte. Der Ton kam immer näher. Sein Herz pochte heftig... wenn es Miguel wäre? ..... Er gab der Wärterin ein Zeichen, sie öffnete die Tür und herein trat — Miguel. „Miguel!" ries der Kranke erregt, nnd sein Gesicht belebte sich. Miguel trat an das Bett heran. Seine Knie wankten, und tiefe Erschütterung malte sich in seinen Zügen „Was ist dir, mein Lehrer?" rief er, indem er den Kranken umarmte und küßte, „was fehlt dir?" „Setze dich, mein Sohn," sagte der Kranke mit schwacher Stimme, „wie geht es dir? Du hast gut getan, daß du zur' rechten Zeit gekommen bist. Ich wollte dich noch einmal sehen, bevor ich sterbe!" „Sprich nicht so!" rief Miguel flehenÜich, „Du wirst noch das Bett verlassen und wieder gesund sein." „Nein, mein Sohn, Äh fühle wie mir die Kräfte schwinden. Meine Tage sind gezählt. Aber weshalb erschrickst du so sehr? Ich gehe dem Tod mutig entgegen. Ich din all. Der Mensch lebt ja näht ewig." ~ Miguel schwieg.