Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 15 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite L. . Franffurt« NrmtitWeS Famüienttatt. St». 1L. gegenüber dem tieneral-Anzeiger Vornehmes Fam i Iie n - Kaff e e W" Nachmittags n. Abends Konzert. 'MI WS ersteFolge dieser Gleichberechtigung werben Ihre Glaubensgenossen ixt der Betätigung ihrer traditionellen religiösen Überzeugungen seitens des Staates keine Schwierigkeiten treffen, ebenso gut beim Feiern des Sabbath wie in anderer religiöser Praxis. — Auch in Bezug auf die Sabbath- und Sonntagsruhe bin'ich, überzeugt, daß sich Festigungen werden treffen lassen, die die christliche Empfindung Luläßt, F>hne doch Ihre. Glaubensgenossen zu schädigen. ' . - ' Als weitere Folge dieser Gleichberechtigung erg'bt sich dagegen die ernste Erfüllung seitens Ihrer Glaubeysgenosfen aller jener Pflichten welche auf sie als treue polnische Bürger fallen müssen. , Von allen den Folgen, die in oben angedeutetem Sinne zu lösen sein werden, ist die Schnlfrage zweifellos die wichtigste. Deshalb will ich sie berühren. Daß der polnische Staat eine Kenntnis der polnischen Sprache von allen seine« Bürgern, auch von den Juden, in Wort'und Schrift verlangen muß — entzieht sich, wie Sie mit Recht sagen, jeder Diskussion; ebenso wird. der Geschichts- und Gsigraphieunn richt in polnischer Sprache geführt werden mü.sen; in Bezug auf die Gestaltung des Schulwesens wird es, glaube ich, möglich sein, den Wünschen Ihrer Glaubensgenossen entgegenzurommen — sodaß die religiöse Empfindung vollständig geachtet werden kann. Und es sollte auch Vorsorge getroffen werden, daß Ihre das „Jiddisch" sprechende polnische Glaubensge- «offen ohne Harte dem allgemeinen Schulsystem eingefügt werden. Auch wir unterschätzen es nicht, was es bedeutet, vor allem die religiösen Empfindungen aller Bürger des Staates taktvoll zu' schonen; ich Lin. überzeugt, daß religiös empfindende Bürger zugleich treue Bürger des Staates sind und hoffe, daß auch die Polen jüdischen Bekenntnisses in unserem aufs neue erstandenen heiß geliebten polnischen Vaterlande es sein werden. ' r Je treuer alle Bürger Polens zum polnischen Vaterlande stehen, umso sicherer können sie sein, daß ihnen allen ohne Ausnahme Polen eine gütige Mutter sein wird. . . . Graf Adam Roniker. Die Beglücker unseres tBoIfeS <m der Arbeit! Hinter dem Rücken des „unmündigen" Kindes — des polnischen Juden — wird von seinem sich selbst erkorenen Bevormün- Lern über sein Los entschieden. Hier seine Ehrw. Rabbiner Dr. Äobn-Ansbach, Adressen an den polnischen Staatsrat richtend, dort Zw. Paul Nathan-Berlin, mit führenden Männern Polens verhandelnd. Also von rechts und kinks wird von ausländischen Juden über das Schicksal von drei Millionen Juden über deren Köpfe hinweg verhandelt, ohne sie selbst zu Rate zu ziehen, ohne Auftrag, ohne Mandat. Das sogenannte „unmündige" Kind, das in Wirklichkeit durchaus «kündig und in gax manchem seinen ungebetenen Bevormündern überlegen ist, verwahrt sich energisch gegen diese' unerhörte Anmaßung und politische Leisetreterei, die dazu angetan ist, das größte Unheil auf sein Haupt heräbzubeschwören. Doch hören wir, womit diese Beglücker „die polnischen Glaubensgenossen" beglücken wollen. „Die polnischen Glau-, bensgenossen", — man merke diese ausgeklügelte Mendelsohnsche Formel: ist doch hierin die Antwort auf unsere Frage enthalten und gegeben. Ist das Verhältnis der deutschen Juden zu den Brüdern des Osteüs lediglich religiöser Natur und einzig und allein auf dem Gebiete der Religion zu suchen, dann ist es die vornehmste Aufgabe der Bevormünder, ihrem Mündel, den polnischen Glaubensgenossen, bloß freie Religionsausübung zu ermöglichen, — was sie auch tun. Sowohl Paul Nathan als auch Rabbiner Kvhn verlangen in ihren Eingaben ungehinderte Ausübung der Religion: Beten, Sabbathalten und dergl. mehr. Und die Polln? — Die Polen sind ja, wie bekannt, außerordentlich human. Die Juden wollen ungestört beten; — wohlan, laßt sll nach Herzenslust beten und wenn «mch den ganzen Tag hindurch, wem tut dies Abbruch? Die Juden wollen ungehindert ihren Sabbat feiern; — wohlan, laßt sie fellrn und ruhen aus eigne Kosten, sogar die ganze Woche hindurch. Uns Polln schaden sie damit nicht. Uebrigens die Herren Kobn und Nathan verlangen ja nichts umsonst. Für das bischen „Mosaische" liesern sll uns ein Volk von drei Mlllionen aus und verkaufen ihre angestammten Volksgenossen an das Pollntum mit Haut und Haaren. Denn das Mosaische allein wird inmitten eines chauvinistischen Polen nicht von langer Dauer sein, nur das lebendige, unverfälschte, in das Land der Väter verwurzelll Judentum vermochte in der Mitte brändsrder Wogen felsenfest dazupehen. Dieses, nur dieses, das einer großen Zukunft entgegengeht hat (uif Bestand in der Gegenwart innerhalb chauvinister Völler Aussicht, nicht aber der blutleere seelenlose Mosaismus, dem, jeder Zukunft beraubt, auch keine Bestandesmöglichkeiten in der Gegenwart gegebensind. Doch die Stunden per .überhÄenden Bevormundung, die in die Rechtlosigkeit der östlichen Juden mündet, sind gezählt. Schon sind die Mauern der russischen Ghettis gefallen, die Polens und Rumäniens folgen nach. Sobald aber die polnischen Juden in den Besitz ihrer Rechte gelangt sind, wird eine Gesundung im VerhÄtnis der westlichen Juden zu den östlichen eintrelln. Jene werden nicht mehr zu ihren Brüdern des Osllns, dll an Innern Gehalt stets Sein Plus vvranhatten, als wll zu Parias. ,Mebbich"juden, soydern als Gleiche zu Gleichen herantreten. Alsdann, aber nur dann wird eine ersprießliche Zusammenarbeit zum Heill und zur Gesundung der jüdischen Gesamtheit erfolgen können. Die Redaktion. Aus aller Welt. Frankreich. Die französische» Sozialisten und die Judenfrage. Aus ver ° vor kurzem .stattgefundenen Konferenz des Nationalrates der französischen Sozialisten verlas der Deputat Renaudel .einen an den Rat gerichteten Brief der „Ligg zur Verteidigung der jüdischen Rechte", worin die französische Sozialistenpärtci um dll Unterstützung der Forderung gleicher Rechte für die Jude» gebeten wird-. Darauf faßte die Konferenz einstimmig eine Resolution, in der die Forderung unterstützt wird,, daß der künftige Friedenskongreß den Juden in allen Ländern, in denen sie keine Rechte besitzen, Gleichberechtigung' erteilen und Nw sie eine bedeutende Minorität bilden, das Recht aus eine selbständige national kn ltu rekle Entwicklung zuerkennen solle. Rutzlanr. Die Umwälzung. Niemand wird an diesem' Pessach froher die Hagadah durchgelesen haben, niemand ihren Sinn besser verstanden haben als -unsere russischen Brüder. Binnen Tag und Nacht ist ihnen Befteiung, Rettung ans höchster Not erwachsen. , Die Entwicklung der russischen Umwälzung schreitet fort. Die neue Regierung führt die jüdische Gleichberechtigung als natürliche Folge ihres liberalen Systems durch.' Ihre Anordnungen sind von dieser Absicht getragen. In einem .Dekret der Regllrung werden alle Begrenzungen für Inden aufgehoben: auf dem Gebiet des Handels, der Industrie, des Militärwesens, der Semstow- und öffentlichen Verwaltung und des Lehramts. Die Juden dürfen im privaten Brief- und Geschäftsverkehr, auch in privaten Schulen ihre eigne Sprache beimtzen. Mithsn haben sie großzügige Freiheit und bürgerliche Gleichberechtigung erlangt. Die Beschränkungen, dll aus sll einen unsäglich schweren Druck 'jahrzehntelang ausübten. fallen hinweg. Höchst wertvoll ist die Presse- und Redefreiheit.'Die jüdischen, vor zweiundeinhalb Jahren willkürlich unterdrückten Blätter erscheinen wieder. Hingegen ist die extreme reaktionäre Presse wll „Rußk. Suamja", „Kolokol". deren Judenhetzc letzthin maßlose Formen angenommen hat, verboten worden. . Dll Verfolgung der jüdischl-politischen Organisationen und Zusammenkünfte, Namentlich der zionistischen, hat ein. rasches Ende erfahren. Dll Zionisten haben große Volks- Versammlungen itt Petersburg, Odessa und anderen Städten abgehalten. Der „Bund", die jüdisch-sozialistische Arbeits- Partei, hat eine Konferenz in Petersburg zusammengernfen. um rrnter anderem auch "über nationale Autonomie und über feinen Kongreß der russischen Juden zu beraten. Nach anderen Berichten hat das Zentralhilfskomitee einen cillgei meinen jüdischen Kongreß nach Petersburg berufen. All dies sind erfreuliche Symptome eines sich frei entwickelnden jüdischen Lebens in Rußland. Die weitere Konsolidierung der jüdischen Lage muß daher unserer ganzes Interesse beanspruchen. . Im folgenden bringen wir die einzelnen Meldungen wieder, von denen manche nur mit Vorbehalt aufzunehmen sind. . Laut „Vossische Zeitung" hat die provisorische Regierung am 3. April einen Ukas über die vollständige Glcichberechtigung der Juden unterzeichnet. . Infolge der Amnestie für politische Flüchtlinge sind viele der jüdischen Emigranten in Stockholm nach Rußland abgereist. „Rjetsch" zufolge, wird in kurzem ein jüdischer Kongreß stattfinden, um über dll jüdische Frage 'im Hinblick auf die neue Lage zu beraten. Das Blatt erklärt ferner, die Nachricht, von der Be- - rufung.der Juden W i n a w e r mrd Gruscnberg in den Senat, sei grundlos. lieber eine lebhafte politische -Tätigkeit der Juden berichtet die „Köln. Zeitung": Das Haager jüdische Korrespondenzburo erhielt von Kopenhagen eine Meldung, Paß in den jüdischen Gemeinden Rußlands Reformen eingeführt werden: es finden zahlreiche Volksversammlungen statt. Die zionistischen Vereine, die bekanntlich bisher unterdrückt Ivaren, entfalten lebh afte Werbetätigkeit. Das Hauptkomitce befindet sich in Moskau unter der Leitung.von Tschlenows, dem Mitglied des - Engeren Aktionskomitees, der während des ganzen Krieges aü der Verbreitung .des zionistischen Gedankens in Rußland hervorragend tätig war. . Die „Franks. Ztg." bringt folgende Meldungen: In Petersburg, Jekaterinoslaw und O d essa fanden zum' erstenmal .öffentliche, von Tausenden besuchte zionistische Versammlungen statt. Diese beschlossen, die Interimsregierung mit allen Mitteln zu unterstützen.. Laut Petersburger Telegraphenagentur verlangten die Redner auf der in Odessa abgehalllnen Versammlung, daß. die Bedingung eines -Am s.i e d e l u n g sgebietes für die Inden in Palästina aus das Programm, des künftigen Friedenskongresses gesetzt werde. „Central News" meldet aus Petersburg: Es fand hier eine große Versammlung der Vertreter der jüdischen Gem.einde Petersburg stati, um die, Abschaffung der einschränkenden Bestimmungen für die Juden zu feiern. Es würde beschlossen/ einen Gleichheitsllmpel sowie ein internationales Institut zum Studium der jüdischen Probleme zu errichten'. Während der Versammli^ng wurde - übel- 1'Million Rubel gesammelt. >*. r . Der „Köln, Ztg." wird berichtet: Das jüdische'Korrespondenzbüro im Haag hat vöü Kopenhagen eine Meldung erhalten, daß in den jüdischen Gemeinden Rußlands Reformen eingefnhrt werden. .Es finden zahlreiche Volksversammlungen statt.. .Die bisher unterdrückten zionistischen Vereine entfalten rege Werbetätigkeit: Das Hauptkomitee befindet.sich in Petersburg und wird von Tsch len och geleitet (dem verdienstvollen Mitglied des Engeren Aktionskomitees. D. Red.s. - Rumänien. Gleichberechtigung der Juden. Die „Moruing Post" berichtet ans Jassy, die rumänische Regierung plane, den Inden die ihnen bisher vorenthnlt-nen politischen bürgerlichen -Rechte cinzuräume». Ironie des Schicksals: Die rumänische. Regierung .hat sich endlich dazu entschlossen, den Juden politische und bürgerliche Rechte zu gewähren. Unter dem Druck der Geschehnisse in Rußland wird endlich Rumänien liberal — Rumänien, das klassische Land der Korruption und des Judenhasses. Die Regllrung will sich, da nun die Anlehnung an das reaktionäre, judenfeiudliche Nachbarland ein jähes Ende gefunden hat, den neuen russischen Verhältnissen rasch anpassen. Freilich ist ihre Machtsphäre um zwo? Drittel zusammengeschrumpft, daß ihr Entschluß wenig praktischen Nutzen bringt, freilich dürfen/die Versprechungen einer so wahrheitsliebenden Regierung nicht ganz unberweisclj ausgenommen werden, doch es ist ein erfreuliches Zeichen, daß unter dem Zwange.der Notwendigleit die Gleichberechtigung der Juden aller Länder, reale 'Gestalt annirnmt. Die rumänische Judeufrage aber wird ihre endgültige, befriedigende Lösung im künftigen Friedenskongreß siuden. Zionistische Nachrichten. * Warschau, 4. April. I. Jaschinowöki f. «. Am 31. März verschied in Warschau Rechtsanwalt I. Jaschinowski. Der Verstorbene war einer der ersten zionistischen-Führer, deren aufopfernde,' unermüdliche Arbeit für den Zionismus bewundernswert ist. Zusammen mit Mandelstamm, Schapiro- und Mohi lewer hat Jaschinowski seiner Zeit unter der jüdischen Arbeiterschaft in Kattowitz für den Zionsgedanccn geworben, und mit Erfolg. Ein glühender Verehrer Herzls, hat der Verschiedene" schließlich territorialistischen Ideen gehuldigt, was ihn später zum Austritt aus, der zionistischen Organisation bewog. Diesen Schritt vermochte, er nicht mehr zu verschmerzen; er lebte während der letzten Jahre still und zurückgezogen. Der Krieg nud Nie Inden. Frankfurt a. M. Eefr. M a n n h eim e r. Battonstr. 34. erhielt das Eiserne Kreuz, Gefrcillr Albert Da - ' i d,-Rappstr. 11, Inhaber des Eisern. Kreuts", die badische ilberne Verdienstmedaille. Frankfu-t a M. Oberleutnant Rechtsanwalt St. Siegfried Popper erhielt das Eiserne Kreuz und das österr. Militärverdsenstkrcuz 3. Kl. F-antiurt a. M. Leutnant Hans Schlesinger, Teilhaber der Lederfirma Hugo Schlesinger n. Co , erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. ' Schwester Susanne Rvseuberg erhielt - die Rote Kreuzmedaille 3. Kl. Berttn Henry Buecow. Kurt Blumenf.eldt, Fritz Kaiser, James Levy, Richard Baruch, Ludw. Cohn und Ha-ns Oppenheimer erhielten die Rote Kreuzmedaille 3. Kl. Gaffel Wilhelm Elaiwala, Sohn des Großhändlers Max Eichwald, erhielt das-Ei ferne Kreuz. Köln. Mich I,reckt er ie-t das Eiserne Kreuz. WormS. Gesteiter Reinhard erhielt das Eisern e Diuncke« Dr. Aug. Fvuch twanger wurde züm Oberstabsarzt und Dr. Erich Feuchtwanger zum Obe»rarzt befördert. vreslau Dr. Georg Fischer. Erich Barber- Breslau, Student Martin Fischer uNd.Arzt HartwigLoebingcr-Hindenburg erhielten das .Eiserne «hlem. Direktor Silberberg von der Jsr. Erziebnngs-Anstalt wurde mit der Roten Kreuz- Medaille 3. Kl. ausglzeichnet. Dcmmelsoorf SnUvrrlr Lazarettinspektor Th e o d o r Heimann wurde mit dem Eisernen Kreuz, dem bayrr. Militärverdienstorden und dem türk. Eisernen Halbmond ausgezeichnet. ' Sulibach. Sanitälsvizesewweve'l Lrerbert Stein, Sohn des Hmiptlehrers. Stein, erhielt das Eiserne - vrüffel S e d e r s e i e r. Wie am Roschaschonoh-Feste hatten die jüdischen Heeresangehörigen und Beamten in Belgien und, soweit sie Urlaub bekamen, auch die von der Front Gelegenheit, die Sederabende in Brüssel gemeinsam zu verleben. An beiden Abenden waren ca. 350 Kameraden hier vereinigt. Durch die bereitwillige Unllrstützung zahlreicher Gönner in der Heimat und in Brüssel selbst war es möglich, ihnen eine in jeder Beziehung gelungene Feier zu bieten. Die Sederabende wurden in echt jüdischer Weise abgehalten. Es war nicht nur für recht gutes rituelles Essen gesorgt, sondern auch die zeremoniellen Vorschriften wurden vor allen Dingen strengsllns befolgt. Zwischendurch wurde ein Hoch auf unsern obersten Kriegsherrn ansgebracht. Diese Festabende werden wohl allen Beteiligten in Lester Erinnerung bleiben.. -. ,