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Neue jüdische Presse · 1917-04-20 · Heft 15 (20.4.1917) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 15 (20.4.1917)
Date
1917-04-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Zjraelitiftyes Famüienblatt. Nr. 15 . Auf ejat Zeichen von Alonzo erhob sich die Wärterin und verließ das Zimmer. Sie blieben allein. - „Höre/ mqin Sohn," - sprach Alonzo ' und seine schwache Stimme Lang in diesem Augenblick sehr feierlich. Er hatte sich emporgerichtet und lehnte an das Kopfkissen, während Miguels Hände in den seinigen . ruhten. ,Höre mein Sohn! Ich muß dir ein Geheimnis entdecken, welches ich mein Leben lang wie ein Heiligtum in der Brust bewahrt habe. Ich gedachte, nochetwas zu warten, weil ich es so dem Eigentümer dieses Geheimnisses geschworen habe. Aber Gott hat anders beschlossen. Ich kann den Zeitpunkt nicht abwarten, um das Geheimnis nicht ins Grab zu nehmen: Denn das darf aus keinen Fall geschehen." Mjguel hing an seinen Lippen mit stummer Erwartung. „Bevor ich aus ewig von dir gehe, mein Sohn, will ich dir entdecken,.wer ich bin und woher Äh stamme. Wisse Miguel; ich bin nicht CHM, sondern Jude!" Mjguel bebte unwillkürlich zusammen, seine Blicke verrieten unsägliches Staunen: hörte er recht? Sein Lehrer — ein Jude! Dann beschlich ihn ein unerträglicher Verdacht: wenn sein Erzieher also ein Andersgläubiger ist, wer weiß, , ob er ihn nicht in einer falschen Religion erzogen hat? Vielleicht hat er mit Berechnung ihn den katholischen Lehren entfremdet, und deshalb verabscheut er jetzt bje Handlungsweise der Priester so sehr? Vielleicht hat er tatsächlich von seiner angestammten Religion keinen Begriff und ist von den Lehnen der Juden durchdrungen? Aber weshalb hat ihn denn der Vater einem Juden zur Erziehung' gegeben? Oder sollte er nicht gewußt haben, daß ein Freund ein Jude sei? — Da warf er unwillkürlich einen Blick aus das verehrte und geliebte Antlitz de Fereiras, bas in diesem Momente von feierlichem Ernste und erhobener Ruhe ubergossen war, er sah die Augen, aus' denen.kindliche Frömmigkeit und ein ergebenes Gottvertrauen strahlten und augenblicklich schwand aller Zweifel: Nein! Die Lehre, welche der ertellt hat, .kann nicht falsch , seinftÄas muß die «hte Menschenlehre sein, die einem göttlichen Quell entfließt! .... Miguel erhalle sich von seiner Verwirrung und es bemächtigte sich seiner tiefe Trauer'. Ein unnennbarer Schmerz klomm in ihm. Es war ihm ein Leid/zu wissen, daß sein Lehrer Jude und nicht Katholik sei. „Warum?" fragte er sich selbst. „Ist cs mir nicht einerlei, mir, der ich in Jckem nur den Menschen zu sehen gelernt, habe, ist es mir nicht einerlei, welchem Volke mein Lehrer entstammt?" — — Wer-es ist ihm ein schmerzvolles Bewußtsein, daß sein Leh'rer nicht seinem eigenen, sondern einem anderen Volke angehört! Er konnte sich eines gewissen Gefühls der Entfremdung, der Verlassenheit nicht erwehren. Ein teueres Band der 'Verwandtschaft .zwischen ihm und seinem Lehrer schien sich für immer gelöst zu haben!... Er gehört also seinem Lehrer nicht mehr an!... Er glaubt^ sich hinLusgestoßen in eine ftemde, ja femdliche Well, er glaubte sich vereinsamt, ein Mensch unter reißenden Wölfen,... Also auch de Fereira ist der Sohn jenes wundervollen Volkes, das schon so viele weise Männer der Well gegeben hat!..:.. Warum hat er unter den ' Angehörigen seines eigenen Volkes so wenige gefunden, die senem glichen! — — — Das Ansehen der Juden stieg in seinen 'Augen. „Warum schweigst du, Miguel?" weckte ihn der Kranke aus seinen Gedanken. „Meine Eröffnung hat dich - in Verwirrung gebracht! Habe ich in deinen Augen verloren, weil ich Jude bin? Nicht wahr, Miguel?" . '„Wie kannst du nur so sprechen!" rief Miguelvorwurfsvoll und ergriff seine beiden Hände. „Kennst Lu -mich so wenig, du, der du mein ganzes Fühlen und Denken gebildet hast? Du weißt ja, wie sehr ich jenes Volk achte. Wer ich beneide diesmal die Juden, die auf solche Männer wie du Hinweisen können, während. wjr einen Torquemada und Timencs unser nennen „Höre weiter, mein Sohn," versetzte de Fereira lächelnd, „und dieser Neid wird aufhören. Du weißt, daß vor etwa hundert Jahren dje Geistlichkeit begonnen hat, die Bolksmassen gegen die Juden aufzuhctzcn und den Ueberfall und den Mord der „Gottverfluchten" zu predigen. Am meisten raste ein blutdürstiger Priester, Fernando Martinez, der das Volk in feinen Predigten auf öffenllichen Plätzen aufstachelte. Es kam zu Gewalttaten. Die Menge warf sich auf die Juden und das Blut der Letzteren floß in Strömen in Sevilla, Cordova, Barcelona, Tolido und den übrigen spanischen Städten. Den Juden blieb nur ein Ausweg, ihr Leben zu retten: die Dause!. Viele ließen sich damals taufen und blieben am Leben, d.ie Tapferen jedoch zogen cs vor, für' ihre Religion zu sterben. Aber auch die Getauft«»' blieben. im Herzen Juden. Denn ein Glaube läßt sich nicht mit brutaler Gewalt aus dem Herzen reißen. Aeußerlrch/ waren sie also gute Katholiken und im Geheimen bewahrten sic die Vorschriften ihrer Religion. Um chren Gottesdienst abhalten zu können, mußten sie sich in Höhlen und verborgenen Plätzen verstecken, um nicht von den Priestern als Ketzer verbrannt -zu werden. Das sind die Neuchristen, um derentwillen man die Inquisition geschaffen Hat, um ihr häusliches Treiben auszuspionieren und alle des.Judentums Verdächtigen dem Tode zu überliefern. Die Neuchristen müssen ihr Geheimnis auch vor ihren Kindern, ja vor ihren Frauen, die manche aus christlichen Familien geheiratet haben, verbergen, um nicht dem Verderben anheimzufallen. Kinder desselben Vaters müssen ihre Verwandschaft nicht selten geheimhalten, damit der Eine, wenn er verdächtig wird, nicht auch den Anderen mit ins Verderben ziehe. . (Fortsetzung solgt.) , Literarische Notizen. JeschiUrnn. Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. Herausgeber Dr. I. WohIgem uth. 4. Jhrg., . 2. Heft. Inhalt: Erziehungsftagen in Ost und West. — R. Gamliel u. R. Josua (A Sulchachi). — Schiller als Bibelllärer (L. Rosenthal). — Psalm 18 (I. Sperber), -i Bilder aus Litauen. — Talmudischys (S. Kaatz). — Die Inden in.Polen und Rußland (I. Friedlaender). — Zu Wyhlgemuths Slchad-Haam-Artikel (H. Struck). — Ein Wort über Krieg und Menschlichkeit (A. Neuivirth). '■ Ans dem ersten Artikel: ... Zweierlei Forderungen sind dein Juden gestellt, wie das unsere Rettgionsphilosophen oft genug hervorgehoben haben. Den Inhalt der überlieferten Religion sich vernunftgemäß anzueignen, ein in sich! widerspruchsloses Gebäude der überlieferten Wahrheiten aufzurichten einerseits -Und andererseits diesen geistigen Besitz gegenüber jedwedem möglichen Angriff von außen zu verteidigen und zu ' behaupten. . . “ . . . Von keinem der Großen, deren bas Ostjudentum eine schier unübersehbare Zahl sein eigen nennt, ist der Versuch gemacht worden, das Judentum, sein Wesen .und seinen Inhalt, seine Lehren und seine Gesetze, auf Grund der Denkgesetze auf eine dem Denken unserer Zeit entsprechende Basis zu stellen, keineö hat es unternommen, sich mit dem Wissen unserer Zeit großzügig auZeinanderzu- . . . Nie "und nimmer kann von der Erfüllung der obenerwähnten Forderungen die Rede sein, wenn man tnichjt das Wissen seiner Zeit in sich! ausgenommen und > verarbeitet hat, vor allem die Forschiungsmethoden der eigenen Zeit beherrscht. Saadja und Maimonides, daran zweifelt doch keiner, der überhaupt hier mitreden darf, haben für urö nur historischen Wert. Wer die Methode des elfteren heute in Anwendung bringen wollte — etwa die mechanische Zusammenzählung so und so vieler . Beweise — ober sich mit dem, was' zur Zeit des. Maimonides als wissenschaftliche Wahrheit galt, dem System des Aristoteles auseinandersetzen wollte und nun glaubte, er habe-unserer Zeit genügt, der kann von dem, der. mit der Methode und dem Wissen unserer Zeit vertraut ist, nicht so ernst genommen werden, daß er ihm irgendwelchen Einfluß auf sein Denken und Handeln einräumt. B»u der jüdischen »resse. In Stockholm erscheint vom 1. April ab eine Monatsschrift für Kunst, Literatur und jüdische Angelegenheiten unter der Redaktion von F. Schojak. Der amcrikanischs-jüdische Journalist A. Goldberg gibt bekannt, daß er aus per Redaktton des amerikanischen ZionistenorganZ, „des jüdischen Volkes" austritt. In Wlöclaweck begann ein' neu«S polnischi-jüdischcs Wochenblatt unter dem Namen „Glos Szydotoski" (die Jüdische Sttmme) zu erscheinen. Als Redakteur und Herausgeber zeichnet S. W o lk owi t s ch'. In Warschau beginnt eine Monatsschrift „Ohel Jose ft' unter der Redaktion I. Silberbergs ihr Die ersten fünf dkummern der neuen jüdischen Wochenschrift in Warschau „Das Volk" enthalten reiches Material. Das Blatt bringt n. a. ein Volksspiel, Schplanm Alejchems letztes Werk, namens „Der große Gewinn". Zum 25jährigen Todestag von Leon Pinsler gab der Lodzer Verlag, „Beth-Am" "eine jüdische Uebersetzung der „Autoemanzitatton" heraus. Im- Warschauer Zentraltheater' kam ein neues Werk des jungheb rätschen Dichters.F. Katzenelson, ein dramatisches Poem, tttuliert „Fatimä", zur Aufführung. Das Bühnenstück, dessen Musik vom Lodzer jüdischen Musiker H.'Gladstein komponiert ist, ist eindrucksvoll und spannend geschrieben. In Wilna erschien .eine Flugschrift über die „Möglichkeit des Unterrrchts in hebräischer Sprache" von Jsch ibri. Die kleine Schrift ist llar geschrieben rmd nnpolemisch gehalten. Offenbaeber Dirncblnft-lplage 39sqbach a. H. Telefon-123. (AnschlussmitFränkfuit). ewährtest» TapDlabralnlOonq (100,000 qm jährlich; sow t unQbertroftena Battfedarnrelnlguna mittels« Druckluft and Wasserdampf. Wochen-Kalesver. Samstag, 21. April (= 29. Nissan). Sabbat-Anfang in - Frantftrrt 7äU Uhr. ' - Sabbat-Ausgang in Frankfurt 9 Uhr 20 Mi»., in Berlin 8 Uhr 58 Mn. Wochenabschnitt: S che in in i. — Der Tod der Heiden Söhne Ährons, Nadab und Abihu. Speisegesetze. I Raüsch-Chaudes ch: Sonntag und Montag. Freitag, 20. April, abends: 14. Omer. ü.. - i .Freitag, 27. April, abends: 21. Omer. Wochengottesdienst in Frankfurt a. M. Morgens 6«/? Uhr m den ineisten Synagogen (Bockenheim. Unterlindan 7 Uhr, Hquptshnagoge Königsteincrstraße 7Hz Uhr). Wends 8 Uhr in den. meisten Synagogen (Bockenhciiii, Unterlindau 1% Ulft, Hauptsynagoge 4 Uhr, Königsteinerstraße 7 .Uhr): Frankfnrter FaMiNennachrichte«. Geboren. Ein Sohn Arthur Rödelheimer (Straus), Grünestr. 29. — Berthold Katz (Hirsch)/ Keplerstr. 11. Barmizwos. Bernhard Lipschitz, Börnestr. 27 Synagoge Börneplatz. — Markus Weingarten, im Schüler-' heim, Trutz 47, Synagoge Unterlindau. — Aron Rothschild, Obermain-Anlage '19, Synagoge Friedb. Anlage. Ernst Michel, Mainstr. 19; Julnes Papp, Allerheiligen-, stratze 22; Marttn Süß, Bergerstr. 78; Siegst. Wohlfarth. Obcrmain-Anlage 27, Synagoge Börneplatz. ' Verlobte. Jda Morck, Ulmenstr. 33 mit Carl Strauß, Bleichstr. 3. " G e st o r b c n. Bertha Grünebänm, geh. Stern, 68 I, Thomasiusstr. 18. — Marie Frank, geb. -Ermann, 86 J-. Gagcrustr. 36. — Professor Dr. Mamrheimer, 66 I., Röderbcrgweg 62. — Sara Rosenthak,. qeb. Hetz, 76 I., Schwanen-' straße 7. — Moritz Haymann,'87 I., Gagernstr. 36. — Simon Kluger, 33 I., Mainstr: '28. — Löser Esch'wege, 77 sJ. Auswärtige Familiennachrichten / Gebar e.n. Eine Tochter Engen Sch,euer. (Weil), Saarbrücken^ — Franz Pariser (Meyer), Berlin. — Ein Sohn Dr. Erich Frenkel '(.Meyer), Berlin. Verlobte. Karola Blunlensttcl, Hersfeld mit Fcrdi- ' nand Katz, Treysa. — .Else Wagner, Hamburg mit Dx Otto Blum, Mannheim. — Gertrud Pelz mit Georg Zadek. Schubin. — Lisel Bergheimer, Zürichs mit Eniil Goldschniidt. Nürnberg. — Else Rosenberg mit Hermann Kahn, Berlin. — Meta Reumann mit Friedrich'. Bernstein, Berlin. — Charlotte Weinberger.mit Otto Baum, Berlin. Gestorben. Ennl May, Stuttgart. — Pantine Kahn, Pforzheim. — Stabsarzt Dr. Fritz Goldschmidt. 37 I-, Hannover, i. F. — Wilhelm Heidelberger. 66 I.. Mannheim. — Lazarus Jsay, 81 I., Worms. — Jsac Schalem, 80 J.,.St. Ingbert. — David Levy, 68 I., Rheiitbischofsheim. — Leopold Kehr, Kaiserslautern. — James Israel, 37 I., Temvelhvf, i. F^ — Arthur Cassel, 26 I..' Stolp, i. F. — Ella. Manasse, 59 I., Stettin. — Selma Schweitzer, geb. Wohlgemuth, 56 I.,. Wilmersdorf. — Justtz, rat Richard Bacher, 53 I., Magdeburg. — Max Gelbstein,' 46 I., Ch'arlottenburg, i. F. — Salo Graetzcr. 72 I., Schöneberg. — Elise Behrendt, geb. Schiff, 56 I.. Berlin. — Henriette Fürst, geb. Bernbaum, 89 I., Hamw- ' ver. — Paul Nawratzki, 29 I., Berlin, i. F. — Carl B. Marcus, 66 I., Amsterdam. — Adolf.Beck, Chemnitz. — Robert Hirsch, Inhaber des Eisern. Kr. und' des Militärver-dienswrden, 32 I., München. -7 Bizewachtmeister cand. - chem. Karl Weil, Inhaber der Tapferkeitsinedaille, 23 I. Mannheiin. Spende«. Bei der Nationalfondskommission gingen ein: Sind. med. Walther Katzenstein 2 M- H. Strauß u. Frau anl. der-Barmizwos ihres Sohnes Siegfried 5 M. ' . - , Palästina Notstands-Aktion. N. N 25 M. P Zentralfonds durch Jac. Wolfs von Siegfried Cassel 100 M. Allgemeine Mitteilungen. Die KunsthaMuug H. Trittler am Goetheplatz gibt durch ei«e Allsstellung von etwa 100 Zeichimngen, Aquarellen, Sternzcichnnugen, Radierungen. usw. des Berliner Malei's und Radierers .Erich Heckel eine umfassende Ueberschau über das Werk dieses eigenartigen Künstlers. Wenn-auf einen der jüngeren Deutschen das Schlagwort des Expressionismus paßt, so ist cs Heckel. Heckcl ist in Frankftrrt keiir Frenrder mehr und hat durch deir Ernst seines Strebcns und die Ursprünglichkeit seiner Persönlichkeit seiner Krnut einen großen Freundeskreis gewonnen. Der Ausstellung ist ein reger wohlverdienter Besuch zii wünschen. Briefkasten. . L. Uns ist nur bekannt, daß Fliegerleutnant Wilhelm Frankl als Jude gehöre«« wurde und gleich seinen Brüdern die Talumd-Thoraschule in Hainburg besuchte. Uaser Büro ist vorläufig nur vormitta g s von Uhr geöffnet. Frankfurter Israel. Familie«Vlatt<

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