Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1917-04-05 · Heft 14 (5.4.1917) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 14 (5.4.1917)
Date
1917-04-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2693025-2693039--09859-2705122
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblan. Nr. 14 Cali Kaiser garten am Opemplatz Erstklassiges Familien-C af e Jeden Nachmittag tob 4 hiB 7 JJhr und Abend von _ ,8‘/i Uhr ab ■f* Küiastler-K-onzert. und ihre echte Gotiesliebc Trost und unveräußerliches Erbgut bleiben. Äl>Sch. Mitgliederversammlung des Moutefiore-BereinS. Am 28. März fand die 20. ordentliche Mitgliederversammlung statt. Das Vorstandsmitglied L. S i n g e r leitete die.Versammlung. I. K ah n erstattete bfcii Geschäftsbericht. - Es ging aus demselben hervor, Laii von den Mitgliedern ca. 40»» im Felde stehen, vom Verwaltungsausschns; 3 Herren gefallen sind und 5 weitere bei den Fahnen iveilen. Es wurden während des ganzen Jahres die Mittlvochvorträge durch bewährte Redner abgehalten und als Themen vorzugsweise solche aus der jüdischen .Geschichte gewählt. Die Mitglieder hatte» speien Zutritt zu allen in der Gemeinde bestehenden Schiurim. Ein französischer und englischer Sprachkursus wurde während des ganzen J-hres übgehalten, ein Stenographieknrsus ini letzten Semester eingerichtet. Gn literarischer Lesezirkel vereinte einen Stamm treuer Mitglieder während des ganzen Geschäftsjahres. Die musikalischcheklmnatorischen Abende, des Chanukkah¬ und das Pnrimfcst waren stets durch die Güte ihrer Darbietungcn bekannt und auch! in diesem.Jahre überstark besucht. Die Samstagnachmittagzusammenkünfte sowie die Freitagabendveranstaltungen bildeten eine Hauptsammelstätte der jüdischen Jugend. Eure dreitägige Pfingstivandcrung sowie eine' große Reihe Tageswanderungen dienten zur Pflege der körperlichen. Entwicklung. Bon besonderen V Veranstaltungen, die durch den Krieg hervorgerusen . wurden, seien erwähnt, die geselligen Zusammenkünfte bei künstlerischen Darbietungen und Bewirtung für die in hiesigen Lazaretten liegenden jüdischen Verwundeten, besonders im Sommer. sowie zu den Festen — im ganzen ca. 10—12mal — Und die regelmäßige'Versendung von Paketen und Zeitungen an die im Heide stehenden' Mitglieder, die wöchentlich 4—2mal abgehen. Das Lokal wird auch benutzt zur Unterhaltung eines Soldatenheimes, begründet von der Frauengruppe der Frankfurt Loge. Die Verbindung mit dem großen Verbände wurde n. a. durch die Beschickung zlocier Tagungen in Düsseldorf und Heidelberg unterhalten. Der Kassierer Leopold Kaufmann erstattete de» Kassenbericht, der von den Revisoren I, Bergcnthal und O. Wallach geprüft wurde. Es erging aus demselben hervor, daß der Verein auch weiter stark auf die tätige Hilfe seiner Gönner rechnen muß. * In der darauf folgenden allgemeinen Aussprache wurde-sowohl der Geschäftsals der Kassenbericht gut geheißen. M kamen in der Hauptsache Wünsche bete. der Ausgestaltung.des Sommerprograinmes zur Sprache. Kleine Sköttzen. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Tr. Nobel nimckt am ersten Abend Pessach zwischen Minchoh- und Maariw- Gottesdienst in der Börneplqtz-Synagöge die Erneuerung des Eruwei-Ehazerans. vor. „VICTORIA« Erste Berliner Wäscherei und Glanz- Plätterei Hansa Tel. 2002. 18 GntieütStraSSO 18. Hansa Tal. 2002 Spezialität: Kragen, Manschetten und Bernden. Die Geschwister. Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von B en-Ävig d o r. (Fortsetzung.) „Mein Vater weiß also, iver der Schreiber des Briefes und der- Entführer seiner Tochter ist, — und bcnnod) schweigt er, trotzdem er beini Köniz ein hohes Ansehen hat! Jener Räuber muß also eine sehr mächtige Person sein! -Aber was steckt hinter der ganzem Sache?" So dachte er damals, und immer noch konnte er sich den Hergang nicht erküre». Er befragte darüber den Vater, aber dieser vermied es, ihm Aufschluß zu geben; auch seinen Letzter fragte er später, aber dieser schien selber nicht viel mehr darüber zu wissen. Und der Vater schwieg nicht nur,.- er bemühte sich sogar, die ganze Sache zu vertuschen. Den Dienern verbot er, .ein Wort darüber verlauten zu lassen, und seinen Bekannten erklärte er,, sein Schwiegervater de Mendoza habe das Kind zu sich nach Scgovia genommen, um sich über den Tod'seiner Tochter zu trösten. Warum fürchtete er denn, die Wahrheit zu erzählen: * Darauf fuhr der Vater einmal nach Scgovia, und .als er heimkehrte, war er sehr gebeugt. Was er dort ftnachte, ist Miguel bis heute unbekannt geblieben. . Plötzlich tauchte in ihm eine ganz frische Erinnerung auf, die den Faden der Jngcnderinncrungcn unterbrach. Es war nicht lauge, her. Eben waren sie als Sieger in Granada eingezoge^'. Miguel, ritt eine der Straßen entlang, da erblickte er einen gebückten Greis mit gerunzeltem Gesicht, der, gestützt an deni Arm eines jungen, sehr schönen Mädchens mit glühenden Augen und losem, schwarzen Haar, langsam einherging. Da erscholl" hinter ihnen ein Schreien: „Verfluchte Juden! Verfluchte Juden!" Migncl schaute sich um und erblickte eine Menge niedrigsten Pöbels, darunter auch einige Soldaten, die hinter dem Paar hcrlicfen und sie mit Steinen und Kot bewarfen. Einer drängte sich an den Greis heran und erhob die Hand gegen ihn. Da »'endete sich das Mädchen um und rief: „Fort, Lump, oder ich spalte dir den Schädel!" Der Angreifer ließ die Hmcke sinken und wich zurück, und Miguel mußte den Mut dieser Jüdin bewundern. Gleich daraus aber nahm sich der Pöbel zusamnien und wollte abermals sich auf den Greis iverfen. Da stellte sich das Mädchen vor ihn hin und breitete, die Arme aus. „Verfluchte Juden!" wütete der Pöbel. „Die Verfluchten seid ihr^sclbcr!" rief Emilie erregt. „Mörder seid ihr!" „Emilia, Emilia!" flehte der Greis, „beginne keinen Streit mit diesen Leuten!" „Her mit dem Alten!" johlte die. Menge, „aufspicßcn wollen wir ihn!" Einige zogen die Schwerter. „Mich stechet nieder," schrie Emilia verzweifelt, „meinen Großvater laßt unberührt!" „Wer wird ein so hübsches Kind niedcrstechcn wollen;" lachte einer/ „mit dir haben lvir anderes vor, schönes Täubchen." ' Und "sie begannen, unflätige Reden zu führen, währet Emilia in Tränen ansbrach. Miguel gab dem Pferde die Sporen, rannte nnter. die Menge und zückte den Degen. „Fort, Gesindel!" schrie er rasend vor Zorn. „Was belästigt ihr diese" Leute?" „Ein Offizier, ein Offizier!" brüllten die Kerle, und im Nn ivarcn sie anseinandergestoben. Emilia erhob zu ihm ihre tränenfeuchten Augen kend sagte: „Haben Sie Dank,, daß Sie uns aus den Händen dieser Leiste befreit haben!" „Es gibt noch gute Menschen unter den Christen!" flüsterte der Alte. Miguel wollte ihnen etwas sagen, aber das Mädchen nickte ihm zu, der Greis verbeugte sich, und sie gingen davon. * Miguel blieb wie angewurzelt stehen. Der Anblick dieses Mädchens, ihr tapferer Mut und ihre Uncrschrockeilheit hatteil ihn in Staunen gesetzt. Er ivollte um ihreir Namen und ihre Wohnung sragen, aber inzwischen waren sic in filtern der benachbarten Höfe verschwunden, Tags darauf. verließen, die Truppen Granada, um" nach Toledo zu marschieren, aber ei gedachte. noch häufig dieses Mädchens und ihrer todesmutigen Blicke. „Aber ivarum ist mir ihre Erinnerung gerade jetzt in diesem Augenblicke gekoinmcil?" dachte Miguel, „vielleicht, weil sic auch Emilia heißt Das ist doch rätselhaft!" Und nun-kehrten in seinem Gedächtnis die Jugendcrinnerungenloicder. ° Eines Abends kam der Vater in Begleitung einiger Freunde nach Hause. Sic begaben sich in jenen der Säle, der gerade an Miguels Schlafzimmer sticßj und schlossen sich ein. Da vernahm er, in seinem Bette liegend, abgebrochene Sätze eines Gespräches: „Also in unserer Stadt , soll das Jiiquisitionskribunal errichtet werden?". „Aber wir dürfen cs nicht zugebcn, daß die Priester ihr gefährliches Vorhaben bei uns durchsetzen!" , „Die Eiferer haben schon eine Deputation zum feierlichen Empfang der. Jilgiiisition cntsciidct." „Wir iiiüsscn eine Versamnilliiig der Rotabeln einberufcn und beraten, lvie .diesem Unglück vorznbcngen Miguel hatte keine Ahnung, was-die Inquisition sür ein Ding sei, "aber eine namenlose "Angst beschlich ihn. Morgens fragte er den Vater darüber, dieser erklärte es ihm, niid eine düstere Furcht beklomm das Herz des' Knaben. - Eines Tages teilte ihm der Vater mit, daß er beschlossen habe, ihn wieder nach'Cordova zu de Fereira zu bringen, da hier keine passenden Lehrer sür ihn zu finden seien. Miguel freute sich sehr darüber und erwartete sehnsüchtig den Tag der Abreise. Der Vater sollte aus Cordova sich nach Toledo begebe». jk Kaffee ltuhland 3 Kaiserstrasse 56 . Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige HP Unterhaltungsmusik Gesangs - Einlagen.; ■ „■. I E. V. Bodehau, Herrenschneider Frankfurt a. Main, Fliedensstrasse No. 1. Telephon: [Römer 3650. FEINSTE JUASS-SCHJf EIDEREI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. I Sie wurden von de Fereira sehr "herzlich empfangen.. Nach der Abreise des Vater» nahm er.', den Unterricht wieder auf. Eines Tages fand Miguel "seinen geliebten Lehrer in Tränen aufgelöst^ er rang die Hände und schluchzte heftig. „Was-ist geschehen?" fragte Miguel außer sich. De Fereira geriet augenscheinlich in . große Verwirrung, dann faßte er sich und sagte: „In Sevilla wurde die Inquisition e.ingeführt, und ihre ersten Opfer waren die würdigsten Männer der Stadt, meine Jngendfrcundc. ." Miguel unterbrach ihn und fragte erschrocken: „Und mein Vater? Was ist mit meinem Vater?" „Was hat dein Vater mit der 'Inquisition zu tun?" versetzte de Fereira rasch, „er ging nach Toledo, bevor noch die Inquisitoren 'in Sevilla eingctroffen wären." '? Er fragte den Lehrer um die Namen der Opfer. „Don Sasson, Abulesia el Firinonda, Manuel Sevilli, Bartholomäus Turalba, Juan Fernande; Abolesia!" „Gott!" schrie Miguel wie wahnsinnig, „und dies waren Ketzer? Sie galten doch als fromme Christen und zählten zu den Häuptern der Stadt!" „Aber sie hätten eine Verschwörung gegen die Inquisition angxzettclt, so mußten 'sie zugrunde gehen." „Aber auch mein Vater war ja ein Gegner der Inquisition," rief Miguel, und ein jäher Schreck schnürte sein Herz zusammen. Er erzählte seinem Lehrer die abgebrochenen Sätze, die er damals univillkürlich erhorcht „Aber, an der Verschwörung hat er nicht teilgenommen/" antwortete de Fereira, „Dazu ist dein Vater der Liebling des Königspaares, und die Inquisition wird sich, wohl hüten,, etwas gegen ihn zu unternehmen." . Das Blut kochte damals in Miguels Adern, "und ein wahnsinniger Zorn bemächtigte sich-seiner. Er stieß heftige Flüche gegen die Inquisition aus, bis ihn der Lehrer durch die Bemerkung beschwichtigte, daß inan' auch dem Bösewicht nicht fluchen dürfe. Seither fühlte er inimcr einen leisen Vorwurf im Herzen, so oft er einen Juden sah und schämte sich, ihm gleichsam ins Gesicht zu sehen. Diese Empfindung ' bedrückt ihn heute noch. > Ein halbes Jahr war verflossen, ohne daß er vom. Vater eine Nachricht erhielt. ° Er war beunruhigt und bat den Lehrer um Erlaubnis, nach Sevilla zu reisen, dieser aber vertröstete ihn von Tag zu Tag. Eines Tages entdeckte er ihm. ans sein heftiges Drängen, das fürchterliche Geheimnis, das er lange in seine)» Busen verbarg, daß sein Vater schon seit einigen: Monaten tot war. Auf der Reise' nach Toledo hätte ihn ein- Schlaganfall getötet. - . ' ' Miguel war von der Kunde ganz betäubt. Lange jammerte, er und war untröstlich. Aber der. Tote kehrte nicht wieder. Seit damals schloß er sich seinem Lehrer noch enger an. Außer ihn hatte er ja Niemanden mehr , auf dieser Welt. : ' In Miguels Herz stieg ein bitteres Gefühl empor. Wie glücklich würde er sich heute schätzen, einen Vater zu besitzen! Und'wie glücklich wäre , dieser gewesen, die /Erfolge und die >glänzende Stellung seines., Sohnes zu' erleben! Mann reiste er nach Sevilla, um den Nachlaß des Vaters zu ordnen. Er. war verblüfft, im Hause keine -Spur von all dem Reichtum und dcu Schätzen vorzusinden, die er dort immer gesehen hatte. Er forschte Nus dem Stadtamt, niemand wußte ihm aber Bescheid zu geben. Nur so viel konnte er entnehmen, daß der Vater von' sciucr Reise nach. Toledo nicht mehr znrückkehrtc, da er, luic es hieß, unterwegs einem Schlagfluß erlegen sei. Bevor er aber nach Toledo gegangen war, hätte er sein ganzes Vermögen einem der Jnqnisitions-. richter verkauft. Dieses Rätsel konnte sich Miguel noch heute nicht Bach nachher verließ er für immer das Haus seines Lehrers. Er war siebzehn Jahre alt geworden und de Fereira hatte ihm erklärt, daß seine Lehrzeit nun zu Ende sei, und daß ..er sich einen Lebenswegs zu wählen habe. Miguel hatte große Vorliebe für Len Militärstand; deVFcrcira willigte ein und so ward cs beschlossene Sache,-daß. der Jüngling in die königliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.