Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1917)
- Date
- 1917-03-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Wir Hilden bereits -vor 14 Tagen daranf hingewiesen, daß durch eine Verfügung 'des Generalintendanten des Feldheeres vom 26. Februar ds. Js. in der gesamten Feldarmee zur Entgegennahme von B e st e l l u n g c n auf Mazzos durch die' Truppenteile aufgesordert worden ist. Diese in wohlwollendster Absicht ergangene Verfügung, hie wir. natürlich weder -gewünscht, noch , beantragt hatten und die rückgängig tzu wache» wir uns sofort nach erlangter Kenntnis, vergeblich bemühten, .führt in letzter Stunde zu recht erheblichen Mazzosbestellungen der Feldintendantnrcn ohhe dag.hoi .den heutigen Verkehrsverhältnissen die rechtzeitige und hin reichende Ausführung gewährleistet werben kann. . Wir legen Wert auf die Feststellung, daß unsererseits bereits Anfang Februar alles geschahen ist, um die im Felde, stehenden Mannschaften und ihre Angehörigen, sowohl durch? Inserate, als durch Vermittlung der Herren Feld-- rabbiner zur direkten Einzelbestellung ihres gesamten Pessachbedarfcs bei nnsercr Bersandstelle zi, veranlassen, und wir hoffen, daß nur wenige ernstliche Reflektanten durch die Anfangs März bekannt gewordene amtliche Verfügung sich von der Sicherung ihres.'Mazzösbedarfcs durch direkte Bestellung haben znrückhalten lassen. Nur für diese, direkt an die Feldpostadresse des Verbrauchers gehenden Sendungen könne» wir die moralische Gewähr rechtzeitiger Absendüng - und möglichst rechtzeitigen tresfens übernehmen. Aus aller Wekt. » Deutsches Reich. .Aus dem bayrischen Landtage. Der Zentriunsfiihrer Oberzollrat Speck führte jüngst folgendes «ns: ,,Dem sogenannten I u d e n e r l a ß , der b c k a n n t - lich ans einen An trag d er Z en trumsm i tgli oder des Hauptausschusses znrnckznführen ist. haben irgendwelche antisemitische Tendenzen vollständig ferngelegen. Dieser Antrag war geradezu eine erlösende Tat im Hinblick darauf, welche Gerüchte durch die Lande gehen. Man wollte jetzt Klarheit und Wahrheit haben. Meiner Ansicht nach ist man aber auf halbem Wege stehen geblieben: man" hätte das Ergebnis der Statistik auch veröffentlichen sollen." - Das zeigt, wessen wir Inden uns heute beim Zentrum zu versehen haben. Wie sehr heute übrigens der Antisemitismus in Bayern blüht, zeigen folgende Worte des liberalen Abgeordneten Rechtsanwalt Kohl: . Aber ivenn verlangt wird, daß geistige Richtung und Anschauung vonr Offiziersbernf ausgeschlossen werden darf, dann mutz man auch dafür eintrefen. daß auch Dissidenten und Jude» Offiziere werden können. D e r A n t i s e m itismus wuchert jetzt ganz kolossal. Ich bin kein Philosemit und kein Antisemit, ich nehme den Inden einfach als '-Menschen und. wemr er ein Deutscher ist. als Deutschen. Vor dein Krieg .habe» die Antisemiten immer gesagt: Wir wollen keine jüdischen Offiziere. Die Folge war, daß der Jude nicht Offizier werden konnte: hatte er nur einen wohlwollenden Vorgesetzten. und war der Jude ein tüchtiger Soldat, so sagte der Vorgesetzte wohl zu ihm: „Offizier können Sie nicht werden, wie die Verhältnisse einmal liegen, also schlagen Sie die Beanitenkarriere rin!" Daher kommt es. baß nun so viele Juden in ten Proviantämtern sitzen. Jetzt beklagen Sie (zu Zentrum und Konservativen. getvendetf sich wieder darüber, Sie haben die Inden aber selbst hineingezwungeii! Was der Slbacordnete Beckh über die Juden gesagt hat, ist nicht zum -Beite des Vaterlandes.. Seine Ausführungen müssen den Keim der Zwietracht in. das Heer hincintragcn. Die jüdischen Soldaten haben ihr Blut und ihr Leben im Kamvfe für das Vaterland ebenso geopfert wie die übrigen Soldaten, sie ... haben.daher auch' Anspruch auf Achtuna. Auch viele jüj?< dischv Mütter und Väter beklaaen den Tod ihres eigenen rJ .Sohnes, und es ist nicht christlich, nicht inenschlich und nicht deutsch, in dieser Zeit des allgemeinen Unglücks die bekümüierten Herzen von 'indischen Eltern in dieser Wesse anzngreifen. Mir sagte jüngst ein Jude: ..Wir sind in einem, geistigen Ghetto, und wir wissen nicht mehr, was Ivir tun sollen: ich habe 19 Angehörige im Felde. lind ich , habe meinen Solm verloren. Ums können denn wir dasür. Wenn einzelne Inden 'ich so führen, daß all" anständigen Juden' dies selbst mißbilligen?" Nach dein Kriege Mollen wir Slbrechjnnng halten mit denen, die in diesem Kriege sich an der Not des deutschen Volkes bereichert habe».» Mer wir wollen dabei Vorgehen, ohne Rückückst darauf, ob der Betreffende ein Christ oder ein, Jude ist. Wemr wir allerdings beim Friedenssthluß fremde Bestandteile in unser Volk anfnehmen wollen, und Nur findbisher nickst einmal 'mit den paar. Juden fertig geworden, dann sieht es schlecht aus." Bern«. SNfsv«r-r« kür iüd7 Studierende. Der Verein (Bors.:. Justizrat Dt. A. Scligsohn; Schriftführer: Prof. Dr.' F. Liebermann. Bendlerstr. 19). begründet 1811 unter dem Namen Adolf-Stift, bat hisl-er fast '3900 Studenten unterstützt, letzthin mit stährlich bis 400 Mk. Er gewährt mir Darlehen mit späterer Rückzahlungspflicht. Rutzlaud. Der erste befreiende «tt der «eueu Regierung gegenüber den Juden. Justizviinister K e r e n s k y hat die Beschränkung für jüdische Rechtsanwälte, vor Gericht anfzutreten aufgehoben. Di« iiidische Selbstbesteuernng. - Die Ergebnisse der jüdischen Selbstbestcnerung, die /vom Moskauer „Jüdischen Hilfskoniitee" einzeführt wurde. sind äußerst 'hoch: innerhalb 20 Monate wurden 1,038,000 Rubel aufgebracht, während anderweitige Spenden nur 228,000 Rubel betragen. Es haben in Moskau rund 4000 Personen die Steuer entrichtet. Der Krieg mtö die Jude«. Berlin. Der I üb. Fra uenbun d ist dadurch geehrt worden, daß seiner Schriftführerin Frau Henriette May das Verdienftkrenz für Kriegshilfe verliehen wurde. - Berlin. Stadtrat Ginskiewicz erhielt die Rate Krenzmedaille 2. Kt. Frankfurt a. M. Oberleutnant der Reh Rechtsanwalt -Dr. Alfred G r ü n e b a u m wurde zum H a u p t m a n n befördert. ' Mannheim. Die Mannheimer jüdische Gemeinde, die in diesem Kriege schon so Manchen herben Verlust an hoffnungsvollen Jünglingen und Männern beklagen mußte, hat ans dem Altäre des Vaterlandes ein weiteres, kostbares Menschenleben als Opfer.dargcbracht. S ie g fri e dK ans- ,» a n ii, der Sohn des Tabakgroßhändlers Jakob Kaufmann,'erlitt am 8. Januar 1917 als Leutnant einer Infanterie-Formation an der Ostfront im Kampfe gegen die Russen den Heldentod. Mt ihni ist eine Fülle von Verheißungen und schönsten Möglichkeiten für die Zukunft jäh ins Grub gesunken. Vorzügliche GeistcSgaben, ein klarer Blick für das Wesentliche, vornehme Gesinnung und gefällige Erscheinung, hatten ihm in jungen Jahren eine gesicherte wirtschaftliche Stellimg KM uns siegen! zeitknet die Rnegsanleike verschafft. Wie so mancher strebsame junge Deutsche hatte er jenseits des Kanals, in London, sein Heil versucht, rasch gefunden und dort, mit seiner ganzen Persönlichkeit Wurzel geschlagen, sich einen anhänglichen Freundeskreis geschaffen. Ms die Wetterwolken des Krieges aufzogen, eilte er ohne Zagen in die deutsche Heimat zurück, - um dem Baierlande seine Dienste zu weihen. Vielleicht gerade weil er einen tieferen Einblick in das Getriebe der englischen Geschäftswelt getan hatte, war er von der Schuld Englands, an dem furchtbaren Völkermorden felsenfest überzeugt und fühlte sich stolz -als ein Kämpfer für Deutschlands gerechte Sache. Seine geschlossene Persönlichkeit und seine mannhafte Gesinnung waren zweifellos -die Ursache, daß er, obwohl'er vor dem, Kriege nicht gedient hatte, rasch befördert wurde, sich bei Kameraden und Vorgesetzten des größten Ansehens erfreute und vor zwei Monaten auch zum Leutnant befördert wurde. Bis zu seinem letzten Atemzuge war er ein deutscher Held, stets aber auch ein aufrechter Jude, getreu den jüdisch-religiösen Anschauungen, die in seiner Familie bis auf diesen Tag gepflegt wurden. Wenn einst die besondere Ruhmesgeschichte des „deutschen Leutnant" geschrieben wird, von dem "auch heute noch das Wort des eisernen Kanzlers gilt „Den Leutnant macht uns keiner nach!", dann svird auch' Siegfried Kaufmanns mit goldenen Lettern gedacht Seite 3. werden. Das mutz E denen,, die ihn liebten und achteten, voran seinem liebevollen Eltern züm Tröste gereichen. »öl». T h - o B e r g e r. Bo, sitzen er des Jüdischen Turnvereins, erhielt das Ei ferne Kreuz. BreSla«. Vzefrldwebel Hans Alexander erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl.' - Alfr. Juliusburger, Artux Littfack, Walter Oschinsky-Breslau,: Adolf SoberskH,- Kattowitz .und Frredr. W r l h.. K o r n.- Waldenburg erhielten das Eiserne Ar enz 3! Kl.::? .; Pelttnge». Webrmann Jakob Herrmann und Unteroffizier Berncrvj» Herrmanu. Söhne von Hexz Herrmann.. erhielten das Erlerne Kreu,.z,.her letztste auch den bw)er. Verdienstorden. M-rzig O-ftzierstellvertreter Baum wurde zum Leutnant befördert. Memel Kommerzienrat Leopold Alexander. Vorsteher der jüd. Gemeinde, wurde mit dem Ke r d i e nstkreuz für Kriegshilfe ausgezeichnet. Wien. Blochs's „Oesterr. Wochenschri't" verzeichnet in ihrer letzten Nummer folgende Auszeichnungen an 2 Offizierskreuze des Franz Josef-Ordens, 1 Orden der eisernen Krone 3. Kl., 5 Ritterkreuze des Franz Josef- Ordens, 4 Militärverdienstkreuze 3. Kl, 16 silberne Signum laudis, 47 bronzene Signum laudis, 28 goldene Verdienstkreuze mit der Krone, 26 goldene Berdienstkreuze. 11 silberne Berdienstkreuze mit der Krone, '1 silbernes Verdienstkreuz, 3 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Kl, 36 silberne Tapferkeitsmedaillen 2: 5kl.. 59 bronzene Tapferkeilsmedaillen, 4 eiserne Berdienstkreuze mit der Krone, 4 eiserne Berdienstkreuze. 5 belobende Anerkennungen des Armeeoberkommandos, zusammen 252 Auszeichnungen: hievon 101 an Offiziere und Kadetten des Soldatenstandes, 50 an Mlitärärzte, Auditoren und Militärbeamte, 101 an Mannschaftspersonen. . . .‘ ' «. kleiue «itteilmrae« Berlin. Im „Archiv für Rassen- und Gesellschaktsbiologie" hatte Dr. Felix Teilhaber s. Zt. eine Ehrentafel der jüdischen Familie Samson veröfsentlichl Dieser Familie gehörte Zacharias Fränkel, der sich später Wich Z. Friede Nannte an. der Großvater von Adolf Torttlowiez von Batocki-Friehe. Maforatsbesitzer auf Bledeu, Präsident des Kriegsernährungsamtes und von Staatsminister a. D. Max von. Thielmann. Berlin. Die Rewälentantenversammlung der Ad atz- Jisroel Gemeinde hat die Errichtung der ..Jüdischen Volksschule", die von einer neulich abaebaltenen Mtgliederversammlnng beantragt Worden war. beschlossen. Die erste Klasse soll sobald als nur irgend möglich eingerichtet werden. (Uvanffntt a.M Prof. Dr. Vertbold Freud«nthal erhielt den Charakter als Geheimer Justizrat. Prof. Dr. Karl Herxheimer den Charakter als Geheimer Medizinalrat und Prof. Dr. Arthur Schwenflies den Charakter als Geheimer Regiernngsrah " - Kommerzienrat Raum, der Gründer der Gesellschaft für Kaufmanns-Erholungsheime, ist im 43. Lebensjahre verschieden. Pake». l»-b Komme-ziemat Michael Herz, der langjährige Vorsitzende der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, ist verschieden. . ' Warschau. Der bekannte Schachmeister Rubin st ein lvielte hier mit dem funnäbriaen Scki'albwunderkinh 5 ch m u l R z e s; e W S k i. Erst nach lanaem Kampf gelang es dem Meister, seinen kleinen Gegner zu besiegen. M»rkch<n, Mitgsted-r deS Michtchaner und Ladzer ..Jüdischen Tb'eaters" laben in Schevemnaen ein füdisckies Tb'eater eröffnet, in dem nur jüdische Bühnenstücke zur Aufsührnng gelangen.werden. v»»»»Der» Heraosael'er der rnffrsch-enalikchen .Zeitschrift ..Rorck'ern Revue" in KovenhaaeN Jsaac Elvert. . hat auf eigche Kosten eine Erveditton "nach dem Nordvol. ausgerüstet. Die Mtglieder der aus drei Sckriffen bestehenden Ervedition führen zur Befriedigung ihres religiösen Bedürfnisses eine Thörarolle mit. Mabrt». Als erster jüdischer Student an der Univerütät Madrid' ist der Sobn des bekannten bebräischen Schriftstellers Aehuda SEnberg an der medrzkm'fchsr- Fakultät immai>ik»l''ert worden, nachdem er seine Schulbildung am Hebräischen Gymnasium in Jaffa erhalte» In Sautbdart ttSnalandt starb im Aster van 199 Jahren »der talentierte indische Kunstinal-r Mvhonse Lambert. Lanva». antanas Februar. Aut d-r i-n Jnrniar stastaesunbenen Jabresversammluna der „Rational 'Union wr Jewikck Riabts" wurde Oberrabbiner M. Güster zum Vorsitzenden gewäblt. Ende Feb-nar. Var kurzem bielt der bekannte jüdische Maler Vilichowski im Zionistischen Studentenverein der Londoner Universität einen Rortraa »der die Rezalelichule imd ibre Bedeutung kür die indische Kunst. Kr wnrdia'te darin die Verdienste des Rezal-l-nnd dessen Schöpfer Boris Schatz. An der Disbi'ssan beteiligten sich n. a Nabnm S o k a l a w und Dr. G a st e r. Unter dem T'tel ..Die zwei Grengt>;^e" beiviüchtber -.Ameri-mr Hebrew" vom 9, Feb-uar die .5>->istn»"en" der beiden volninben Assimilantenfübrer. D'ckstrin und Nawnson. zugunsten der Jndenfrgne in Bolen. Er erinnert namentlich daran, daß Ratanson einst, vor den, K»>eae bei der Besvrechuna der Erteilung von ol-i-i'en Bürgerrechten an die vol"i>chen Juden, einer A»rgbl von Dumaobgeordneten erkig-t habe: Es sei gesäbrlsch. den vnlnischen Inden Mmitivalreckrte m erteilen, denn >i" seien virhfß als eine Masse vo" ignorantem. sgnati»ch>>n Böbelvolk unfcibia fsch M''t städt-'ss^-n und stggtsschen Dinaen überdnnot abznaeben. D-eier seche Natan>'on »»» wurde f°tzt «i« Vertreter der Inden in den polnischen 'Staatsrgt eewödst! Der zweite „jüdische" Vertreter, Herr Stanislaw Kempner. der