Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1917-03-30 · Heft 13 (30.3.1917) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2693025-2693038--09850-2705112
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 4. Frarckfurtrr Israelitische« Familienblatt. Nr. 13. Kaffee Knhland Kaiserstrasse 56 Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige JHP Unterhaltungsmusik '"3$. aber anderseits in Bernhard uns einen echten jüd. Charakter zeigt. Richard Wagner sogar behauptete, daß den Inden die Tonleitnng abgehe. Eine Behauptung, die' längst schlagend wicdcrlegt worden ist. Die inhaltsreichen und interessanten Ausführungen riesen allscitigen starken Beifall der Versammelten hervor. A. 0. sich' .durch seine ,„Nowa Gazeta" als rein antisemitischer Schürer entpuppte, ist in vielen Hinsichten noch schlimmer als selbst Natansvn. Diese sollen nun die Inden und ihre Interessen im polnischen Staatsrat vertreten und' dafür Sorge tragen, daß den 1,800,000 Juden Polens ihr Recht geschehe! Vftifoheihhia. Am 21. Januar veranstalteten die „Poale Zion" in Philadelphia eine große Versammlung, in der 33,000 Dollars für den Fonds der kriegsleidendcn Literaten gesammelt wurden. Herr Srubowel hielt c' ' Rede über „Palästina, und bas jüdische Schaffen". Die Geschwister. Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von Ben-Ävigd or. (Fortsetzung.) Aränkfnrter Berichte. Jüdische Bibliothek und^Lesehalle. Geöffnet ab 1. April: Montag bis Freitag 1—6 Uhr, Samstag 1OVr—1 und 3—7 Uhr, Sonntag 10—1 und . Montefiare Verein. Durch' einen Gönner wirb dein Montefiorc-Vercin ein Grundstück znx Verfügung stellt. Dasselbe soll von den Mitgliedern in den Abendstunden unter sachgemäßer Leitung bewirtschaftet worben. Die nötigen Mittel sind ebenfalls vorhanden. .Der Verein hofft, daß viele junge Mitglieder von dieser schönen Einrichtung Gebrauch machen. Meldungen.erfolgen beim Vorstand. Deutschlands Inden im 13. Jahrhundert. 'Im Verbin „Tifereth Bachurim" sprach Dr. jur. Alexander über das Thema 'Deutschlands Juden 'im 19. Jahrhundert." Redner verstand in glänzender Weise dieses Thema zu behandeln. Er legte vornehmlich Wert auf eine Untersuchung der psychologischen Vorgänge innerhalb des deutschen Judentums in dieser Periode. Die Anfänge der Emanzipation zeitigten im Innern ein leidenschaftliches Bestreben, die Kultur der Umgebung sich anzueignen. „Lernen" bedeutete für die Juden der ersten Dezennien des 19. Jahrhunderts alles. Es konnte .aber nicht ausbleiben, daß einerseits das Verhältnis zum Judentum erheblich!-gelockert wurde, anderseits das Eindringenin die Kultur der Umgebung nicht restlos sein konnte. Typische Beispiele dieser Unausgeglichenheit im Wesen des deutschen Inden stellen Heinrich- Heine und Ferdinand Lasalle dar. Versuche,' die emanzipierten Juden von neuem an ihren Glauben zu fesseln, gipfelten in bcm Bestreben, eine liberale -und modernisierte Auffassung des Judentums zur Geltung zu bringen. -Namen wie Abraham Geiger und Samson Raphael Hirsch^legen Zeugnis ab von den erbitterten Kämpfen, die jm religiösen Leben tobten. Als das nationale Sehnen des deutschen Volles sich erfüllt hatte, wurden auch die Gegensätze, die die Entwicklung zwischen Juden-und Nichtjude» erzeugt hatte, wieder bemerkbar. Eine geschickt geschürte antisemitische Bewegung mußte Anhänger finden. Eingeleitet wurde die antisemitische Acra dürch den Katholizismus, der sich in seiner Machtstellung durch den Kulturkampf bedroht sah und nun die Inden als Mlenknngsmittel.heranzog. In der erregten Stimnnuig, die der Gründcrkrach verursacht hat, fanden die antisemitischen Hetzschreier bald Gehör. - . Daß sich' aber diese Bewegung so tief in die Seele des deutschen Volkes einnisten konnte, das lag an innerpsychologischen Erscheinungen. Der Umschwung vom Materialismus zur Religiosität, vom Liberalismus zur konservativen Staatsauffassung, das Emporflammen des Nationalgefühls, all das ebnete dem 'Antisemitismus den Weg. Geschickte Demagogen wüßten die Zeitströmungen mit dem Judenhaß in Einllang. zu setzen. Die ersten Gegenmaßrcgeln würden von Juden und Nichtjuden gemeinsam unternommen. Der erste Versuch der bewußten-Gegenwehr einer ausschließlich jüdischen Organisation ging aber von der jüdischen Fugend aus. (K. .C.) In dreifacher Richtung macht sich dann die Reaktion gegen den Antisemittsmns bemerkbar: die Assimilation, der Nationalismus, und schließlich das bewußte Deutsch- Judentums. Der Redner schloß mit dem Hinweis ans die gegenwärsige-starke antisemitisch«: Welle. Me der Äntisemittsmns sich auch entwickele, — jedenfalls würden wir den Kamxs bewußt-ausnehmen und vor allem uns durch keine Enttäuschung mehr in unserm Verhältnis zum Judentum erschüttern laffen. Zionistische Jugeudgruppe. 'Schwester Judith, 'spracht am Donnerstag, den 22. März, im Steinernen Haus über christliche Dichter und Denker und ihre Beziehungen zur jüd. Geschichte und Literatur. Referent»! entwirft ein Bild von den christlichen Denkern und Dichtern von der Zeit der Reformation bis auf unsere Tage. Dabei stellte sie die Judensreunde und Judenfeinde einander gegenüber. Zu den Jubenfrxünden gehören unter anderen folgende: Reuchlin, Leffing, Herder, Goethe und Schiller u. a. M: Die beiden letzteren verwandten jüd. Stoffe' in ihren-Werken. Goethe in seiner Dichtung und Wahrheit und Jahrmarkt, Schiller in seinem Prolog zu der Jungfrau von Orleans. Unter den modernen figurieren Alfons Raquet und besonders Freiherr von Münchhausen. Freiherr von.Münchhaüsen schenkte uns infolge seines starken Talentes eine Fülle herrlicher Balladen, denen biblische Begebenheiten zugrunde liegen. Zu den Judenhassern gehören unter anderen der Reformator Martin Luther, Voltaire und Gustav Freytag, der uns'in seinem Soll und Haben einige, M: Gestalten im antisemitischen Sinne darstellte. Aber die Wissenschaft'allein - konnte seinen Geist nicht ganz ausfüllen. Nach und nach erwachte in ihm cm unbestimmter Trieb zum Handeln, ein, gewisser Tatendurst, der seine Rechte forderte. Diese Triebe suchte er 'außerhalb des Hauses zu befriedigen, indem er mit seinen- Gefährten zu -ringen und Kampfspiclc zu veranstalten Pflegte. ' Wegen seiner körperlichen Stärke und seiner Gewandtheit war er unter seinen Freunden gefürchtet. Ost Pflegte er auch die Stierkämpfc zu besuchen. Der Todesmut der Kämpfer forderte seine lebhafteste Bewunderung heraus, aber die getöteten Stiere, die unter der Hand des Fechters zusammenbrachen; erregten in dem Herzen des Knaben eine eigentümliche Empfindung von Wehmut und Mitleid. Er konnte sich zuweilen nicht enthalten, mitten im Zuschaucrraum vor Erregung aufzuschreien. Einmal, als er gerade von einem Stiergefechte heimkam, fand er zu Hause einen Freund seines Lehrers, namens Bcnedi'cro de Aboab. Beide waren in ein Gespräch vertieft, und beim Eintreten vernahm er die letzten Worte de Ferciras: Der Junge wird in allen Stücken seinem Vater ähnlich sein, ein Held und ein Denker zugleich. Damtt brach er ab, und de Aboab wandte sich an den Knaben scherzend: „Wie geht's 'kleiner Philosoph?" Miguel erzählte ihnen, was er beim Stierkampfe gesehen und schilderte auch, was er dabei empfunden hatte. „Das ist' das Los aller,- in denen zwei Seeles wohnen!" — sagte de Fereira zuseinem Freund — „Kampfeslust und Weisheit, das sind' Rivalinnen, und wo sie beide züsammenwohnen, gebären sic die heftigsten Gegensätze, die sich, nur schwer versöhnen lassen. In der Brust dieses Knaben hat der Kampf schon begonnen, und während ihn der Anblick des siegenden Helden .begeistert, betrübt ihn die Niederlage des Schwachen. Von diesem Widerstreit der Empfindungen wird er sich nie steimachcn." „Hatte er nicht,wahr prophezeit?" dachte Miguel — „während ich in der letzten Schlacht mit schallender Stimme die Kommandorufc erteilte, weinte in mir das Herz bei der Erinnerung an das Los der Besiegten." ' Aber am Ende der Tage — glaubte er die sanfte Stimme de Fcreiras zu vernehmen — wird die Weisheit 'über die Kampfeslust siegen und die Watte der alten jüdischen Propheten werden in Erfüllung gehen: Kein Volk erhebt mehr das Schwert gegen das andere Volk und den Streit lerpen sie ninkmer!. Wolf und Lamni wohnen zusammen. — Uno das Gesicht des Alten glühte vom heiligen Feuer und sein Auge blitzte. „Welch eine bodenlose Kluft trennt doch die alten jüdischen Phropheteu von unfern heutigen Priestern!" dächte Miguel. — „Wie weit stehen!vir hinter jeneni kleinen verachteten Fudenvolk zurück, wie viel müßten wir von ihm lernen!" — - Sein Vater pflegte ihn häufig in Cordova zu besuchen. Er war immer entzückt voy der Erziehung, die sein Sohn genoß und pflegte de Fereira in den bewegtesten Worten dafür zu danken. Er sagte ihm, er habe gleichen Anteil mit ihm" selbst am Besitze des Sohnes, er sei dessen zweiter Vater geworden, denn er habe ihn zum Menschen hcrangczogen und ihn nicht werden lassen wie eines jener reißenden zweibeinigen Tiere, die jetzt in Spanien hernmgehcn.. . So verliefen fünf Jahre, bis des Vaters zweite Frau starb. Der Vater nahnr ihn zu. sich nach Sevilla, um in der Nähe des Sohnes nach dem Verluste der Frau Trost zu finden. Da kam.ihm der Verdacht, daß ihn der Vater nur wegen der Stiefmutter vom Hause ferngehalten hatte, jetzt aber, da diese nicht mehr da war, konnte er zu Hause bleiben. Es war dem Knaben schwer geworden, seinen geliebten Lehrer zu verlassen. Aber er fand zu Hause F. SAINT-DENIS. ALLE REPARATUREN » UHREN Gold und Sflberwaren, Brillen und Zwicker* I T, VVä Tr» oi* Erlange» Naebf. «.railier Kaisernorsir 14 Waschen* Färbe** und *agonntnnen allen Ant Hennen- und Damenhüte. -Abholung und Lieferung frei ins Haus. — I :‘cin kleines schönes Mädchen, seine Schwester Emilia, die er als Säugling zurückgclassen hatte. Das hüls ihin einigermaßen über die Sehnsucht nach de Fereira hinweg. Das Gedächtnis Emilias erschütterte ihn. Er . hatte isie nur eine kurze Zeit gekannt. Eine ganz kurze Zeit; dann — es bereitete sich ein geheimnisvoller Nebel über die Erinnerung... das geschah so plötzlich.. Eines Tages war sie. spurlos verschwunden.. Der Vater war gerade abwesend, 'und die Kinder spielten im Garten. Darauf ging °. Miguel ins Haus und ließ die Kleine mit ihrer Wärterin Juanna zurück. Als er ball) darauf in den Gatten zurückkehrte, war keine Spur mehr von den Beiden. Er wartete lange vergebens, sie kamen nicht wieder. Die Diener suchten in der ganzen Stadt, aber niemand hätte die Verlorenen gesehen. Beklommenen Hcrzei^.ivartete er auf die Rückkunft des Vaters, und unter Tränen erzählte er ihin das Vorgefallene. -Der Vater ivar fürchterlich bläß geworden, rang die Hände und jammerte: „Mein Kind hat man mir gestohlen!" Abermals wurde das ganze Haus in Bewegung gesetzt, man durchstöberte den Garten und alle Enden der Stadt, — alles umsonst! Da fand Miguel einmal im, Gatten einen- Papierstreifen. Er hob ihn hastig auf und las darin folgendes: „Don Christobal San Salvador! Sei wegen Deiner Tochter unbesorgt! Sie lebt und ist wohl. Sie, wurde Dir entführt, um in eineni anderen Geiste erzogen zu werden und zu einer gläubigen Kdtholikin heranzuwachsen. Hoffentlich ivirst Du zu schweigen wissen, sonst' wird es Dir schlecht ergehen!" Miguel stand vor einem Rätsel, das ihm noch heute unlösbar erschien. Wer konnte dem Vater sein Kind geraubt haben, um cs in eineni anderen Geiste zu erziehen? Was heißt dieser andere Geist? Sollte es einer der fanatischen Priester angestellt haben, um die Kleine, dem Einflüsse der freien, menschenfreundlichen Anschauungen, des Vaters zu eittzichen? Aber >vie kommt er denn dazu, um Emilia mehr als ihr eigener Vater besorgt zu sein? Und womit drohte er ihm und zwäng ihm Stillschweigen auf? — Dahinter mußte ein tiefes. Geheimnis stecken! Miguel reichte das Bittet dem Vater,' und. kaum chatte dieser einen Blick darauf geworfen, als sein Blick aufleuchtete. Bald jedoch verfinsterte es sich wieder, er sank zu Boden und Ivar wie vom Donner gerührt. Dann erhob er sich und begann eiligen Schrittes durch das Zimmer zu rennen, sein Gesicht brannte vor Zorn nrrd wilder Wut, "er stampfte init deni Fuß und schlug mit der Faust gegen-den Tisch: „Um sie. in einem anderen Geiste zu erziehen! .Ha, du Verräter! Ein anderer Geist! Ein reißendes Tier soll sic werden! Ha, Mörder, Mcnschcnräuber! — Mein Kind, mein Kind! Ich habe keine Tochter mehr!" Plötzlich wendete er sich um und erblickte Miguel, der erschrocken zusah; sogleich brach er ab, zerriß das Papier in tausend Fctzerr und warf sic - ins Feuer. (Fortsetzung folgt.) Wochen-Salender. Samstag, 31. März (— 8. Nissan). Sabbat-Anfang in Franffnrt 6 Uhr 20 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 7 Uhr" 40 Min., in Berlin 7 Uhr 20 Min. Wochenabschnitt: Jaw. — Heber Opfer. Zeit- und 'Reinheitsvorschrift für den Genuß der Opserteile. Unerlaubte Genutzstücke. Einlleidung und Weihe der Priester. Schabbos Hagodaul. Freitag, 6. Zlpril: Ercw Pessach. ' Wochengottesdienst in Frankfurt'a. M. Morgens: 6 V? Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindau 7 Uhr, Hanptsynagoge Königsteincrstraße 7 Uhr). Ilbends: 6Vs Uhr in den jiteiftcit Synagogen (Bockenheim, Unterlindan 6 Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr, Königsteinerstraßc 7 Uh»'). ' _ Vereins-Kalender. Tifcres Bachurim. Montag, 8Vü lltjv, Bleichste. 70: Inden im Berufsleben (Ist Kahn). V V Frankfurter Familiennachrichte». Barm iz wo s. Manfred Gans, Weiherstr. 4, Sy»a.< goge Fttedbcrgvr Anlage, — Siegst.-'Strauß, Berg-! weg 20 H, Synagoge Börneplatz. — Adolf Sänger, Ulmenstraße 6, /Synagoge Königsteinerstraße. — Bruno Nußbäum, Schwanenstraße 7, Synagohe Friebberger Anlage. G.e st o r b e n. Emma Emden, geb. Feist, 65 I., Uhlandstraße 52. — Minna Löwenthal, geb. Cahn, 84 I., Liebigstr. 32. — Mina Philippsohn, geb. Jacobsohn, 60 'I.,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.