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Neue jüdische Presse · 1917-03-23 · Heft 12 (23.3.1917) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 12 (23.3.1917)
Date
1917-03-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 12 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. g£ Kaffee Kuhland 3 Kaiserstrasse 56 Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige DM- Unterhaltnngsnmsli:. *31 ■a.,r7== Gesangs - Einlagen. . -: $<irmftaat. Beim Jubiläum d « sG - oßberzoas waren Rabbiner Dr. Marx senior-Darmstadt und Rabbiner Dr. Salseld-Mainz als Abordnung der Juden Hessens erschienen. Näbb. Dr. Marx hielt die Ansprache. Beiden Rabbinern wurde von-dem Grotzherzog der Professor ti t e l verliehen. ' Tüffeldorf. Hier wurde Dr. Max Schüftan. auS Rhbnik gebürtig, zum zweiten Rabbiner gewählt. Leipzig 1« Nbiiurienten der H ö h e r e n I f r a e l i t. Eckule legten Ine Emjährigen-Prüjung ab. Allen Zöglingen wurde dos Reiser-ugnis zuerkannt. Strehlen. Aiseffor. Dr Eh len bürg wurde zum Amtsrichter in Groß-Strehlitz ernannt. Anashur«. Die neue S yn > go pe an der Halderstraße wird demnächst ihrer Bestimmung übergeben. - " Warschau. H. ärz. Die Zahl der unterstützungsbedürftigen Juden wird in einem Verricht der Gemcindekommisfion auf 23,600 Familien, d. h, etwa 100,000 Seelen beziffert. □ i'nai. 13 M rz. Las aanerikanisch-jüdische Hilfskomitee erhielt durch! den jüdischen Hilfsverein in Berlin eine Geldsendung von 20,000 Mark zur Verteilung unter die hiesigen jüdischen Vereine und Institutionen. ^»«ckbolm * März We d f ,J d 'we V oksst-mm " mitteilt, hat der Stockholmer H.ilfsverein während der letzten Zeit durch das Zentralkomitee 21,000 Kronen für die kriegsleidenden Juden gesandt; davon 20,000 Kronen nach den okkupierten Gebieten und 1000 Kr. nach Palästinas Frankfurter Berichte Generalversammlung de« Centralve^eins Israelitischer Wemeiuaemttqlieaer. Die Gencralversmnmlung war bereits auf den 3. Febr. einberufen. wurde aber damals vertagt, da an dem Abend Rabbiner Dr. Nobel in der Synagoge am Börneplatz einen Hesped für Provinzialrabbiner Dr. Munk s. A. abhielt. So fand die Generalversammlung erst am 17. März statt. Zu Beginn der zahlreich besuchten Versammlung widmete der Vorsitzende, H u g o F r ä n k e l, warme Worte dem Andenken Provinzialrabbiners Dr. Munk, der auch der Frankfurter Gemeinde und all ihren Angelegenheiten stets ein lebhaftes Interesse entgegengebrachit hat und besonders bei vielen hier unvergessen ist durch die erhebenden und schönen Worte, die er s. Z. als Festredner bei dem Jubiläum Rabbiuers Dr. M. Horovitz s. A. in der Synagoge hielt. Der Verein hat auchi in dem verflossenen Bereinsjahre, dem sechzehnten seit der Zeit seines Bestehens, trotz der Kriegszeit eine rege Tätigkeit entfaltet. Neben mehreren Mitgliederversammlungen würden, wie der durch den Schriftführer zum Bottrag gelangte Jahresbericht meldete, elf Vorstaudssitzungen abgehalten, in denen alle wichtigen Fragen, die die Frankfurter Gemeinde oder.die jüdische Gesamtheit angehen, Besprechung fanden. lieber den Entwurf eines, neuen e in e in best a t u t s, der seit einer Reihe von Fahren den Gegenstand der Beratung blldet, konnte zwischen dem Zentralverein und den Freisinnigen nochkeine Einigung erzielt werden. Mit dem Vorschläge des Gemeindevorstandes, die Mandate der sämtlichen Allsschußmitglieder um ein Jahr zu verlängern und, in Rücksicht auf die Zeitbcrhälttnsse, die Wahl für den Gemeindeausschüß dieses Jahr aussallen zu lassen, erklärte sichder Zcntralverein wie auch der Freisinnige Verein einverstanden. Der Kassenbestand des Vereins ist günstig. Der bisherige Vorstand wurde eiustinimig-wiedergewählt. Au Stelle Sanitätsrats Dr. Hanauer, der erklätte, wegen, der großen Pflichten, die ihm sein neues Amt als Stadtverordneter auferlegt, keine Wiederwahl annehmen zu können, wurde Bernhard Rosenthal i» den Vorstand berufen. Es besteht dieser außer dem Erwähnten aus Hngo'Fränkel, I. L. Goitein, Dr. I. H ei n ema n n, A- L e v i, E. M^cha e l, H. S ch w a b, Fritz Svudheimer und Julius Werner. In den aus elf Mitgliedern gebildeten Wahlausschuß wurde Naphtali Fromm neu gewählt. Der jüa. Religionsunterricht in de« Schulen Frankfurts. Heber dieses Thema sprach im Anschluß an-die Generalversammlung des Zentralvcreins isr. Gemeiudemitglicdcr Lehrer J. B. Levy. Er führte ans: Bis zum Jahre 1900 war ein zweckentsprechender Religionsunterricht an den pädttschen und privaten Lehranstalten nur in beschränkter Weise vorhanden. Der Unterricht wurde bis zu dieser Zeit entweder von der durch.Rabb. Dr. . Horovitz s. Agegründeten „Israelit. Religionsschule" und dein „Freisinnigen Verein für jüdischesGemeindcleben" außerhalb der lehrplanmäßigen Unterrichtszeit in einigen Anstalten etteilt und hatte hier mit all den Schwierigkeiten einer privaten Einrichtung za kämpfen, öder er war' völlig unzulänglich Diese Mißstände veranlagten den Gemeinde- Vorstand, jüdischen Religionsunterricht in weit größerem Maße in den Schulen Frankfurts einzurichten be w. zu subventionieren. Die Grundsätze dieses von „Parteitendcnz" völlig frei zn haltenden Unterrichts wurden festgelegt und immer mehr verwirklicht. Im Jahre 1901 übernahm auf Antrag des Vorstandes die städtische Schulverwaltung den israeltt. Religionsunterricht als .„wahlfreien" Unterricht gemäß den für Preußen geltenden gesetzlichen Bestinunungen' an den städtischen Volks-, Mittel- und höheren Schulen, und während im Jahre 1902 an 15 Frankfurter Schulen in 93 Stunden wöchentlich Religionsunterricht erteilt de, geschah dies im Jahre 1916 au 38 Anstalten ln ' , gewiß. ein überaus.erfreulichles Aufblühen. Die Zahl der Schüler beträgt rund 2000, das sind etwa 96o/a sämtlicher jüdischen Zöglinge der nichljüdische» Schulen in Frankfurt a. M. Für diesen Unterricht hat die Gemeinde 14,230 M. Unkosten, ioozu selbstverständlich die Kosten des, Staates und der Stadt kommen. Für den Unterricht im Hebräischen sorgt hauptsächlich die 1830 gegründete, von der Gemeinde subventionierte. „Reltgionsschule". die in zwei Anstalten im letzten Schuljahre rund 650 Zöglinge und 140 galizische Knaben unterrichtet hat. Seit einigen Jahren unterhält die Gemeinde auch zwei eigene „hebräische Uiiterrichtsanstalteii", an dciieietwa 200 Kinder in der hebräischen Sprache unterwiesen werden. Immerhin stellte der Redner fest, daß eine sehr betrÄMchc Zaahl der jüdischen Kinder Frankfurts ohne Unterricht in der Sprache der Väter sind. Es sei eine Hauptaufgabe der maßgebenden Kreise und Persönlichkeiten, hiettn bald Wandel zn schaffen. Der Referent kam sodann zu der eingehenden Besprechung und Darstellung-der vom Vorstand' der israeltt- Gemeinde beschlossenen und im kommenden Schuljahr einzusührenden Neu-Organisrerung des jüdischen Religionsunterricht an der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin). In dieser Anstalt wird nunmehr ein dem übrigen Religionsunterricht völlig parallel laufender, ergiebiger Unterricht -nach den Grundsätzen des gesetzestreuen Judentums organisch in den Lehrplan aüfgenöinmcn. Der Unterricht untersteht in Bezug auf den Lehrplan, die Lehrbücher, . sowie bezüglich der Lehrpersonen dem jeweilige!! -konservativen Gvm-inderabbiner, dem also das Plazet für die genannten drei Faktoren zusteht. Die technische Leitung ist in den Händen des Direktors. Redner gemährte sodann einen tieferen Einblick in den Lehrplan, insbesondere das Lehrziel und die Lehrweise des Unterrichts und schloß mit der Hoffnung, daß cs dieser dankenswerten Ncnschöpfnng der Gemeinde gelingen möge, gewissen Unter-,und Gegenströmungen zu begegnen und ein Geschlecht hcranzuziehen, das ganz und treu beut Judentum, der &ctuciubc und dem Einheitsgedanken in ihr dienen wolle und werde. Kriegs Re epte lür Velfadt. Unter diesem Titel hat die Jüd. Haushaltnngsschnle in Fronlfurt a. M. in einem Flugblatt eine Anzahl selbsterprobter Küchen-Rezeptc vereinigt, die, obwohl sic der großen Knappheit an Lebensmitteln Rechnung tragen, doch den besorgten Hausfrauen Helsen' werden, die Mahlzeiten an den Feiertanen mannigfaltig und schmackhaft zn gestalten. Das Flugblatt ist zu 10 Pfg. käuflich!, in der Jüd. Haushaltün^sschulc, in verschiedenen jüdischen Kvlonialtvarcir-Geschästeii und in den Buchhandlniigen von A. I. Hoffmami u. Sänger und Fttedbcrg. Hüiscn'rüwte um aicsma'iaen Peffachfeüe. Wir machen.auf die Bekanntmachung des Herrn Rabbiner Dr. Nobel im Inseratenteile der heutigen Ausgabe aufmerksam. twiillrtmi. ' De Grschwister. Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert Avigdo (Fortsetzung-) Zuiveilcu veranstalteten sie heitere Kinderspiele, > bei der Greis zum Kinde werben tonnte. Und ivick angenehm war sein Unterricht! Er' hatte eine so sanste Art, seine Lehren zu Herzen zu sührcn — nicht Worte, sondern Honigseim kam aus seinem Munde, Anfangs belästigte er ihn nicht mit Büchern, sondern trug ihm. mündlich manche. Sittenlehren vor. - So oft er sich eil ungebührlichen -Wortes schuldig machte, pflegte er ihn gütig 'zurechtzuwcisen. 'Miguel war, gleich seinen Altersgenossen, gewohnt gewesen, die Juden zufluchen und zu. beleidigen,' aber de Fcreira erklärte ihm, daß alle Menschen Gottes Kinder seien, -und es sündhaft wäre, jemand zu fluchen. Anfangs kam ihm dies, befremdend vor; 'wie? sollte cs sündhaft sein, die gottverhaßten Juden zu fluchen? — Mit der Zeit jedoch gewannen die. Worte des Meisters immer mehr Einfluß Mer ihn. Er pflegte ihm öfters die schönen Seiten der Juden zu schildern, wie sic fleißig, betriehsam und wohltätig seien, — und dies nachte ans den Knaben einen großen . Eindruck. Bei' jeder Gelegenheit pflegte der Lehrer kernige Aussprüche der alten jüdischen Weisen anzufnhrcn, welche . dem Knaben außerordentlich imponierten. Er erzählte ihm, wie die Juden es gewesen sftrd, die die Völker von der Barbarei des Heidentums erlöst haben, denn» der Heiland entstamme ja aus ihrer Mitte und die Grundlage der Heilslchre, welche er der 'Welt schenkte, war ja die. Religion der Juden. Diese aber unterscheide sich nur in Einzelheiten und Acußerlichkeiten von der christlichen. Seit damals bekam Miguel von den Juden eine andere Meinung. Wenn Du Hcrangcwachsen bist, loirst Du die Inden selber schätzen und achten lernen — sagte De Fcreira. Ich glaube Dir, mein Lehrer! — rief der Knabe bewegt — und werde fortan die Juden lieben und ehren. Auch den Haß gegen die Mauren, welchem der Knabe häufig in heftiger Schimpfrcdc Ausdruck zu geben pflegte, ttachtetc der sanfte Lehrer zu entwurzeln, indem er seinen Schüler ermahnte, alle Menschen gleich Brüdern Zu lieben. Zuweilen erzählte'ihm der Lehrer Abschnitte aus der Vergangenheit der Juden. Es gab darunter viele traurige Begebenheiten, daß der Knabe blutige Tränen weinen mußte. „Warum läßt, Gr>tt dieses Volk so unschuldig und - schwer leiden?" fragteer dann den Lehrer. „Denn der Gerechte muß auf Erden dulden!" antwortete jener. „Sind wir nicht Verbrecher, da wir diesem 'Volke so viel unverdiente Qualen zusüzen?" fragte er weiter. „Nein, mein Sohn, wir sind keine Verbrecher, nur Verblendete.' Wenige Boshafte haben .den Sinn des Volkes irregeführt und ihn auf die Bahn des Schlimmen gelenkt. Aber wir hoffen zn Gott, daß er einst das Herz des Volkes umivcndcn wird, und dann wird man aufhören, die Unschuldigen gn verfolgen." „Wenn ich erst einmal groß bin," sagte er eines Tages zn seinen! Lehrer, „so werde ich ihnen nicht er-. lauben, das Volk zu betören und cs zu verleiten, die -armen Judenzu unterdrücken." „Du wirst ihnen nicht erlauben?" sagte De F-ereira lachend, „wie aber, ivenn sie Dir nicht gehorchen werden?" , „Wenn sie meinen Ermahnungen nicht gutwillig gehorchen, so erkläre ich ihnen den Krieg!" antwortete er mutig.' „Krieg?" flachte de Fcreira, „ihrer sind so viele, und Du bist allein!" „Gott wird mir beistchcn!" versetzte der Knabe vertrauensvoll. ' ' Sein Lehrer schloß ihn in die 'Arme und bedeckte sein Gesicht niit glühenden Küssen. Die Augen des Alten übcrflossen von Tränen. \; - „Gut, mein Kind," sprach er gerührt, „kämpfe nur immer mutig für Wahrheit und Gerechtigkeit!" lieber Miguels Gesicht glitt bei dieser Erinnerung ein Lächeln. Der Gedanke, die Ketzcrverfolgung zu bekämpfen, keimte in mir wohl schon damals. Sollte jetzt . wirklich die Zeit gekonimcii sein, die kindliche Prophezeiung in die Tat unizusetzen? Der Kutscher trieb die Pferde an und sie trabten im Galopp. Miguel versank wieder in seine Erinnerungen. Einmal, als er mit Entrüstung die' Erzählung seines Lehrers von den Verfolgungen anhörte, welche die Juden von den Priestern erlitten, rief er plötzlich: „Warum verbinden sich denn die Juden allcrort nicht, um gegen ihre Feinde Krieg zu führen?" De Fcreira runzelte die Stirn und antwortete: „Sett die Juden keinen Staat und keine Regierung mehr haben, haben sie aufgehört, mit Schwert und Lanze zu kämpfen, ihre - einzigen Waffen sind die Gerechtigkeit und die Wahrheit. Diese werden aber zuletzt den Sieg davontragcn. Jetzt ist jedoch das Eisen der Herrscher und die Unschuldigen müssen. dulden. Aber mein Sohn" — 'fügte er hinzu — „dieses' Volk hat eine große Zukunft, ivenn einst, der Tag heranbricht, da die Gerechtigkeit ihre Herrschaft-über alle Welt ergießen „Ein merkwürdiges Volk, diese Juden,", dachte sich damals der Knabe, „eine geheimnisvolle, göttliche Macht scheint über sie zu wachen/die sie vor dem Untergange bewahrt." Und er träunite wunderbare Träume von der Zukunft dieses Volkes und dessen. geheimnisvoller Kraft. Wie schmerzt es ihn jetzt, das Blut eben dieses. Volkes in Strömen fließen zu -sehen, vergossen von der Hand' seiner eigenen Brüder. . Später wandelte ihn inanchmat ein Staunen an: Woher kommt cs, daß - sein Lehrer in der Geschichte' der Juden und deren Religio» so tiefeingeweiht.ist? Aber 'als er mit der Zeit die große Gelehrsamkeit und das reiche Wissür seines Meisters bewundern lernte, erstaunte er nicht mehr. . - Immer tiefer drangen De F-crriras Lehren in sein Gemüt, und häufig. kam es zu Streitigkeiten zwischen ihm und seinen jungen Genossen, da diese sich öfters * in heftigen Schmähungen und Schimpfreden über Juden und- Araber ergingen. Miguel litt dies nicht und . wies sie jedesmal, mit jugendlichem Eifer zurecht. Als', er sich aber von der Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen ' überzeugte, liest er ab .und vermied, so gut es . ging, die Gesellschaft seiner Gespielen.. , Dann begann de Fereira ihm regelmäßigen Unterricht in Sprachen und Wissenschaften zn erteilen.-- Er weihte ihn zuerst in die castilische Sprache, und-deren Literatur ei», dann machte er ihn mit der arabischen Sprache und deren Schrifttum bekannt. Ucberall.-tvies. - er ihm den Einfluß , der Juden , auf alle Zweigeder

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